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Jeder schreibt für sich allein: Schriftsteller im Nationalsozialismus

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Wer als Autor im Dritten Reich publizieren wollte, musste sich offiziell registrieren lassen als Mitglied der Reichsschrifttumskammer. Aber was bedeutete das? Wieviel Anpassung wurde verlangt? Wie war das Verhältnis zum Staat und wie das Selbstverständnis als Repräsentant des deutschen Geisteslebens? Hielt man Kontakt zu emigrierten Kollegen? Und wie stellte man sich zur Verfolgung und Deportation der Juden? Anatol Regnier hat für dieses Buch Schriftstellernachlässe und Verlagskorrespondenz gesichtet und lässt die Protagonisten ausführlich selbst zu Wort kommen. Überzeugte Nazis sind darunter, andere glaubten, das Richtige zu tun und taten das Falsche. War man als Dagebliebener, wie man sich auch drehte und wendete, Teil des Systems? Oder war es möglich, als Schriftsteller im nationalsozialistischen Deutschland integer zu bleiben? Die Befunde sind oft überraschend ambivalent und sehr viel differenzierter, als die Schwarz-Weiß-Logik Nazi/Antinazi vermuten lässt.

Dieses Buch handelt von Schriftstellern im nationalsozialistischen Deutschland, ihrem Spagat zwischen Anpassung und künstlerischer Integrität unter den Bedingungen der Diktatur. Opportunisten und Konjunkturritter sind dabei, aber auch Autoren, die nur ihrer Arbeit nachgehen wollten und versuchten, moralisch sauber zu bleiben. Mit leichter Hand verknüpft Anatol Regnier die Biografien von Hans Fallada und Erich Kästner, Agnes Miegel und Ina Seidel, Gottfried Benn, Hanns Johst und Will Vesper. Es sind Geschichten von überraschender Widersprüchlichkeit, die das gesamte Spektrum menschlichen Verhaltens im Dritten Reich abbilden.

366 pages, Hardcover

Published January 1, 2020

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Displaying 1 - 7 of 7 reviews
Profile Image for Gerhard.
366 reviews30 followers
May 19, 2022
Ein großartiges Buch! Literatur über Autoren im Exil kennt man, aber dieses Mal geht es um Autoren, die während des Dritten Reiches in Deutschland blieben. Bekannte und mir unbekannte Schriftsteller. Eine großartige detaillreiche Darstellung deren Leben in dieser Zeit.
Profile Image for Norman Weiss.
Author 19 books72 followers
February 1, 2022
Nationalismus, Antisemitismus, Revanchismus – drei Haltungen, die vor 1933 von vielen Deutschen vertreten wurden, natürlich auch von Autorinnen und Autoren. Wie schnell die Nazis während der ersten Wochen den Literatur- und Kulturbetrieb umkrempelten, hat Uwe Wittstock in seinem Buch "Februar 33" eindringlich beschrieben. Anatol Regnier nimmt nicht die in den Blick, die so schnell wie möglich das Land verlassen, sondern jene, die bleiben. Er untersucht ihre Motive, erläutert ihr Verhalten nach 1933, zum Teil auch nach 1945.
Das Buch stützt sich auf eine breite Quellenbasis, vermittelt viele Einblicke, erinnert an literarisch längst vergessene, aber noch immer politisch umstrittene Autoren. Regnier liefert auch interessante Milieu- und Charakterstudien; wenige der Porträtierten kommen gut weg, viele sind ambivalent, alle kompromittiert, manche unbelehrbar.
Klare Leseempfehlung!
Profile Image for Oliver Gehrmann.
55 reviews4 followers
November 19, 2025
Hoch interessant, aufschlussreich, toll geschrieben, extrem gut recherchiert und gekonnt, wie die Lebensläufe von bekannten und mir bisher noch unbekannten Schriftsteller*innen verknüpft werden. So viele neue Eindrücke und Ambivalenzen über das Schrifstellertum der 1920er bis in die Nachkriegszeit hinein. Irre, was für teils extrem widerliche Persönlichkeiten da dabei sind, über deren Nazi-Beteiligung oder immerhin deren Opportunismus heute kaum noch gesprochen wird. Dass in meinem Literaturstudium Leute wie z.B. Gottfried Benn gepriesen wurden, ohne ansatzweise auf seine Verstrickungen während der NS-Zeit und seinen unsäglichen Umgang mit seiner Vergangenheit während der Nachkriegszeit einzugehen, sagt auch einiges über die Entwicklungen unserer Gesellschaft in den letzten Jahrzehnten aus.
Profile Image for Francesco Iorianni.
254 reviews3 followers
January 22, 2026
Eine detaillierte und mit vielfältigen Quellen geschmückte Darstellung der literarischer Welt Deutschlands zwischen den Jahren 1933-45. Bekannte Namen wie Benn, Kästner, Fallada oder Fulda finden Erwähnung, aber auch unzählige Unbekannte finden Platz in Regniers Schilderungen. Exilliteratur, aber besonders auch die "innere Emigration", wird ins Visier genommen, sodass opportunistisches Verhalten vonseiten vieler Schreibenden ins Zentrum des Besuches gerückt wird. Benn schneidet besonders schlecht ab, Fallada bleibt eine ambivalente Persönlichkeit. Viele der anderen genannten Namen bleiben mit indifferent. Hingegen möchte ich mehr Fulda lesen, auch Zuckmayer scheint mir eine spannende Person zu sein.
Das Buch gibt eine sehr guten Überblick über die damalige Literaturszene. Manches hätte ruhig etwas kritischer beleuchtet, andere nationalsozialistische Autor:innen auch gerne etwas weniger thematisiert werden können. Die Mehrheit der Namen werde ich eh sofort wieder vergessen.
Profile Image for Benjamin.
10 reviews3 followers
July 3, 2021
Aus der deutschen Literatur zwischen 1933-1945 stehen meist die Exilanten im Mittelpunkt des Interesses. Anatol Regnier richtet seinen Blick auf die, die geblieben sind. Dabei begegnen sowohl heute noch bekannte Schriftsteller:innen wie Erich Kästner, Gottfried Benn und Hans Fallada als auch längst vergessene Autor:innen. Ein besonderen Schwerpunkt legt der Autor auf institutionelle Verflechtungen des deutschen Literaturbetriebs, aber auch die Interaktionen der im Reich gebliebenen mit den Ausgewanderten kommen in den Blick (z.B. über die Entstehungsgeschichte von Klaus Manns Mephisto). Durch die Fülle von Dokumenten, die er verwendet, gelingt es Regnier, ein dichtes atmosphärisches Bild des deutschen Literaturbetriebes im Dritten Reich zu zeichnen. Auch wenn es letztlich nicht gänzlich zu verstehen ist, warum Menschen sich derart mit dem Nationalsozialismus identifiziert haben, so bekommt man doch einen Eindruck ihrer Motive. Das Buch verfolgt die Lebensläufe der betrachteten Autor:innen über das Dritte Reich hinaus weiter und gibt so auch Zeugnis von dem zum Teil beschämenden Umgang mit der NS-Vergangenheit in der frühen Bundesrepublik. Damit legt Regnier eine Literaturgeschichte des Nationalsozialismus vor, die mir als Leser einen tiefen Einblick in die damaligen Verhältnisse verschafft und die mich dann auch ratlos zurücklässt, wie derart gebildete Menschen einer so überaus plumpen Ideologie auf den Leim gehen oder sie zumindest hinnehmen konnten.
Profile Image for Bine.
131 reviews1 follower
March 2, 2025
Wie verhält man sich, wenn ein scheinbar omnipräsenter Staat die Kultur gleichschalten will als Kulturschaffende*r? Einige wählten die Emigration, doch wie gingen die Schreibenden in Deutschland damit um? Innere Migration - gab es das?
Regnier taucht mittels intensiver Recherche in die Welt der preußischen Akademie der Schriftsteller ein und zeichnet viele Wege nach.
Aufschlussreich und ernüchternd, fair und ehrlich.
Gewinnbringende Lektüre.
Profile Image for Michael.
89 reviews1 follower
September 8, 2025
Eine sehr gelunge Beschreibung der Literaturszene 1933-1945 (und danach). Regnier legt die Atmosphäre, den Druck, den Zwang, den jeder damals gespürt hat, bloß. Ich habe viele Bücher über die NS-Zeit gelesen, aber keinem ist es gelungen, so sachkundig zu beschreiben und zugleich die Stimmungslage greifbar zu machen (im Roman schafft das aber Fallada mit seinem "Jeder stirbt für sich allein"). Das Kapitel über Jochen Klepper ist meisterlich. Hier wird auf kaum 10 Seiten ein sehr bewegendes Schicksal so intensiv und intim beschrieben, dass ich das Buch danach erstmal weglegen musste. Zum einen, weil ich so gerührt war, zum anderen, weil ich das Gefühl hatte, Klepper und seiner Familie gedenken zu müssen.
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