Sturmrot
…. Erreichte mich nicht wie ein gewaltiger Sturm, sondern eher wie ein laues Lüftchen. Ihr kennt es, wenn der Wind euch um die Nase weht, nur ganz sacht, aber verheissungsvoll. Er tobt sich dann aber doch wo anders aus und lässt euch relativ unbefriedigt zurück. Das Gefühl hatte ich beständig bei diesem Roman.
Eira, die Protagonistin und Polizistin in der nordschwedischen Region Adalen, ist eine kompetente Frau, die schon einige ihrer Kollegen kommen und gehen gesehen hat und strategisch an die Fälle, die ihr überantwortet werden, herangeht. Eigentlich ein Charakterzug, der mir unglaublich zusagt. Und trotzdem wollte sie mir einfach nicht die literarische Hand reichen. Ich erfuhr im Laufe des Buches viele charakterbildende Details über sie, und trotzdem blieb sie mir seltsam fremd. Sie und ihre Kollegen rollen einen Mordfall aus ihrer Jugend auf, der in Zusammenhang mit einem Fall in der Gegenwart steht. Eigentlich spannend, in der Vergangenheit zu stochern und zu hoffen, auf ein Wespennest zu treffen. Man verfolgt, wie sich Eira durch die verschiedenen Milieus wühlt und immer tiefer in den Sumpf hinein watet. Und ich muss der Autorin Anerkennung zollen für ihre Recherchearbeit. Wenn ich das Buch auf diese Weise betrachte, dann finde ich eine Sozialstudie vor, die sich durch diverse Milieus erstreckt und tief hinein ins Herz sticht.
Der Fall ist komplex, Vergangenheit und Gegenwart treffen hier aufeinander, als würde man mitten in einem Gewitter stehen. Ich liebe normalerweise solche komplexen Handlungsbögen sehr, wo ich mitfiebern und miträtseln kann und wo mir manchmal vor Entsetzen der Atem stockt. Schockierende Gründe gibt es in diesem Roman alle mal. Aber sie haben mich emotional einfach nicht erreicht.
Ich denke, ich konnte mich mit dem Stil der Geschichte einfach nicht anfreunden. Von Zeit zu Zeit stieß ich auf einen Abschnitt oder einen Satz, der mir die Gänsehaut über die Wirbelsäule jagte. Und dann plätscherte das Buch wieder dahin. Für meinen Geschmack, holt es den Leser sehr spät ab. Der Beginn erschien mir abgehakt in seinen Szenenbeschreibungen, so als würden immer ein paar Sätze fehlen, um die gerade ablaufende Szene in meinem Kopf rund zu machen (ich weiß, mein Kopf ist manchmal sehr eigenwillig), aber mir trübte genau dieses Tempo den Lesegenuss, sodass mich das Buch später nur noch schwer begeistern konnte.