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Mein Lieblingstier heißt Winter

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Der Wiener Tiefkühlproduktelieferant Franz Schlicht soll einem makabren Wunsch nachkommen. Sein Kunde Doktor Schauer ist fest entschlossen, sich zum Sterben in eine Tiefkühltruhe zu legen. Er beauftragt Franz Schlicht, den gefrorenen Körper auf eine Lichtung zu verfrachten. Zum vereinbarten Zeitpunkt ist die Tiefkühltruhe jedoch leer, und Schlicht begibt sich auf eine höchst ungewöhnliche Suche nach der gefrorenen Leiche. Dabei begegnet er der Tatortreinigerin Schimmelteufel, einem Ingenieur, der sich selbst eingemauert hat, und einem Ministerialrat, der Nazi-Weihnachtsschmuck sammelt. Ferdinand Schmalz nimmt uns in »Mein Lieblingstier heißt Winter« mit auf eine abgründige Tour quer durch die österreichische Gesellschaft, skurril, intelligent und mit großem Sprachwitz.

192 pages, Hardcover

Published July 21, 2021

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Ferdinand Schmalz

8 books5 followers

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1 star
13 (9%)
Displaying 1 - 22 of 22 reviews
Profile Image for Meike.
Author 1 book5,032 followers
August 24, 2021
Longlist des Deutschen Buchpreises 2021
Gewinner des Ingeborg Bachmann Preises 2017 (mit einem Auszug aus diesem Roman)

Ferdinand Schmalz (na klar ist das ein Künstlername) wurde 1985 in Graz geboren und ist vor allem als Dramatiker und Sammler angesehener Theaterpreise bekannt. In seinem Debütroman wendet er sich nun der Frage zu, wie man richtig stirbt: Hauptfigur Franz Schlicht (alle Namen sind sprechend), fahrender Tiefkühlwarenverkäufer, wird von seinem krebskranken Kunden Dr. Schauer angeheuert, um diesem beim Sterben zu helfen. Schauer hat nämlich einen Hirschen erschossen, der sich erschießen lassen wollte, und nun will er, Schauer, gleich dem Hirschen "eine erhabene Entschlossenheit im Freitod" ausstrahlen anstatt langsam an Krebs zu sterben.

Über Monate hat sich Schlicht ein ganzes Reh in Ragout liefern lassen, und nun ist der Zeitpunkt gekommen: Er will drei Schlaftabletten schlucken, sich in die Tiefkühltruhe legen und erfrieren. Schlicht soll ihn dann im Kühltransporter auf die Hubertuswarte fahren und dort aussetzen - ein Tod wie eine Kunstinstallation. Doch zum verabredeten Zeitpunkt, zu dem Schlicht den Leichnam abholen soll, ist die Truhe leer - und der Roman dreht sich um die Suche nach dem verschwundenen Selbstmordkandidaten. Die Geschichte wird zum Wimmelbild zahlreicher skurriler Figuren, z. B. Fabian, der Feuerwerker, Tatortreinigerin und Geldwäscherin Schimmelteufel, Ministerialrat Kerninger, der Nazi-Weihnachtsschmuck sammelt und viele andere; zu den Schauplätzen zählen ein Dinopark und ein Leichenschauhaus.

Dieser Schmalzroman (haha, sorry) ist eine Humoreske und ein Schauerroman, Kälte und Hitze fungieren als wichtige Motive (Vorsicht bei Gefrierbrand! :-)). Der Autor stellt philosophische Fragen und spart nicht mit biblischen Verweisen, zudem wartet der Text mit zahlreichen Bezügen zu Ödön von Horváth auf - nicht nur kommt das Schicksal, vom Ast erschlagen zu werden, als Todesart vor, auch die Figuren erinnern an Horváths einfache Leute, der Roman entfaltet einen Volksstückcharakter wie etwa Kasimir und Karoline.

Gewarnt sein allerdings vor der Sprache, einem "österreichischen Kunstidiom" (Klaus Kastberger): Schmalz' Sprachverliebtheit verleiht dem Text einen ganz eigenen, eigensinnigen Klang, der mit den Genreelementen ein Spannungsfeld öffnet, das den Text oszillieren lässt. Dieser Roman ist nicht für jeden etwas, aber er ist etwas ganz Besonderes. Ungewöhnliche, herausfordernde, unglaublich lustige Literatur.

Mehr über das Buch erfahrt Ihr in unserer aktuellen Podcastfolge.
Profile Image for Alexander Carmele.
481 reviews460 followers
February 12, 2024
Vom Angeln ohne Haken und anderen vergeblichen Sinnsuchen.

Ferdinand Schmalz bietet mit „Mein Lieblingstier heißt Winter“ eine Urlaubsreise für den malträtierten Geist – einen wundervollen Text sich biegender, melodiöser Widersprüche, der Akt für Akt das Gesamtbild eines sinnvollen Daseins sprengt. Der Humor als Antithese zum Sinnversprechen. Winter gibt es nämlich nicht, nur sengende, brutzelnde Hitze und einen Helden, der keiner sein will, noch sein kann, der sich durchs Hitzeschwaden überzogene Wien mit Schädelbasisbruch kämpft, um noch den letzten Rest Verstand hinüber zum Feierabendbier zu retten.

„Am Rand der Stadt. Halbwildnis, die er wieder mal durchstreift. Brachland, durchzogen von vereinzelt hingestreuten Siedlungen. Reihenhäuser wie Gefängnisblocks. Dahinter sterile Vorgärten, in denen Plastikkinderrutschen erodieren. Dann wieder Schrottplätze und Autobahnverteiler. Dickflüssig liegt die Luft hier in den Straßen, die müde von dem Tag. Die Reifen schmatzen am glühenden Asphalt, der flimmernd sich schon aufzulösen scheint. Als würde er, der flüssige Asphalt, am Ende dieser Straße Wellen in die Luft schon schlagen.“

In sprachlich-fein ziseliertem Ideenreichtum zeichnet „Mein Lieblingstier heißt Winter“ eine österreichisch-geprägte Binnenland-Melancholie nach, die sich nach Stillstand sehnt, aber nur Gewalt, Verzweiflung, und Hoffnungslosigkeit erntet. Der Roman sprudelt an allen Ecken und Kanten über. Kleine Geschichten, Rückblicke, Reminiszenzen, fröhliche Sprachfreude, die sich in die Handlung wirft und vor lauter Details und Redseligkeit nicht mehr zu bremsen versteht. Figuren nach Figuren betreten die Bühne, eine skurriler als die andere, in passiver, aktiver, auktorialer Ausdrucksweise weht eine Art Mary Shelley-Frankenstein Romantik herüber, halb noch im Barock verankert, wo die Zeit aus den Angeln gehoben wird, schon ins Moderne schielend, wo atemloser Fortschritt herrscht, aber tief im Expressionismus verwurzelt, um die Sprachlosigkeit mit tolldreisten Neologismen zurückzudrängen.

„Und hätt man für sich dann akzeptiert, dass alles Denken und Erkennen im Grunde zum Scheitern gezwungen sei, hätt man sie als Hindernis verstanden, das man so schnell es geht zu überwinden habe, dann erst könne dieses Scheitern als Geschenk verstanden werden, als Grundvoraussetzung einer weit tieferen Erfahrung. So dringe man erst vor zum unsichtbaren, unfassbaren Kern der Wirklichkeit, den sie vor uns gekonnt verbirgt. Denn dann erst würden wir es schaffen, einen Zugang zu ihr, der sogenannten Realität, zu finden ohne den Umweg über unsren unglaublich defizitären, gärenden, gammelnden Leib.“

Schmalz stand mit dem Roman auf der Longlist zum Deutschen Buchpreis 2021 und gewann mit Auszügen aus diesem Roman den Ingeborg-Bachmann-Preis 2017. Wer Preisen jedoch aus guten oder schlechten Gründen nicht traut, lese die ersten fünfzehn Seiten und erfreue sich an einer frischen, mutigen, fröhlichen Stimme der literarischen Gegenwart. Arthur Rimbauds „Das Trunkene Schiff“ unterwandert Elfriede Jelineks „Gier: Ein Unterhaltungsroman“ mit Thomas Bernhards Sprachfröhlichkeit aus „Holzfällen. Eine Erregung“, garniert mit Comte de Lautreamonts Phantasmagorien aus „Die Gesänge des Maldoror“. Der Roman bezaubert und unterhält, inspiriert und entspannt und schafft es einen Erzählbogen so weit zu überspannen, dass ein guter Thriller zu einer noch besseren Literatur gerinnt.

Uneingeschränkt lesenswert. Weitere mutig-kreative Stimmen, die gegen das Eintönige anschreiben: Claudia Durastanti „Die Fremde“, Jenny Erpenbeck „Kairos“, Thomas Kunst „Zandschower Klinken“ und vor allem Iris Hanika „Echos Kammern“.
Profile Image for Jin.
846 reviews148 followers
September 22, 2021
Ich denke, dass die Story an sich zwar interessant gewählt war, aber die Art des Erzählens für mich nicht dazu passte. Vielleicht passte sie doch um den Tiefkühlkostvertreter, einen Ingenieur und die Schimmelteufel zueinander finden zu lassen, aber der Erzählstil hat mich andauernd von der Handlung abgelenkt. Die Sätze sind wild gewürfelt, fast schon ein "gesprochenes" Buch, ein Theaterstück, was als Roman gedruckt wurde. Ich denke, dass die Geschichte als Audio wahrscheinlich besser rüberkommt als wenn man es liest.

An sich lasse ich mich gerne von neuartigen, experimentellen Erzählstilen überraschen, aber wenn der Stil die Geschichte nicht mehr unterstützt, sondern das Ganze überschattet, finde ich es einfach nur schade. Nach Ende der Lektüre blieb die herausfordernde Art des Erzählens mehr im Kopf und es blieb leider nicht mehr viel von der Handlung übrig.
Ich denke, dass man dem Buch schon eine Chance geben sollte, aber es ist wohl Geschmackssache, ob man was mit der Erzählweise anfangen kann oder nicht.

** Dieses Buch wurde mir über NetGalley als E-Book zur Verfügung gestellt **
Profile Image for Torsten.
101 reviews42 followers
February 14, 2024
Man könnte den Text prätentiös oder gestelzt nennen - ich hatte meinen Spaß an der herrlichen Sprache, den obskuren Figurenkabinett und dergleichen Geschichte. Ein Text, den man sich auch gut und gerne laut vorlesen kann, um den Rhythmus zu genießen.

Funktioniert wahrscheinlich auch super im Theater, im Prinzip ist das alles schon bühnenreif geschrieben.
Profile Image for Uralte  Morla.
370 reviews126 followers
September 8, 2021
Irgendwie hatte Franz Schlicht sich das anders vorgestellt. Rehragout wollte er dem Schauer verkaufen. Tiefgefrorens Rehragout. So wie immer. Doch dann eröffnet der krebskranke ältere Herr dem Tiefkühlkostvertreter, dass er sich mit Hilfe einer großen Gefriertruhe umbringen möchte und bittet Schlicht, seine Leiche danach zum Auftauen auf einen öffentlichen Platz zu bringen. Als wäre das nicht seltsam genug, findet Schlicht wenige Tage später nicht wie verabredet Schauers toten Körper vor. Dafür trifft er auf dessen Tochter Astrid und mit ihr wird Schlicht von einer nicht ganz so rühmlichen Vergangenheit eingeholt, die ihn fast das Leben kostet.
Es geht viel um den Tod in diesem merkwürdigen Roman, in den ich so verliebt bin, dass mein literarisches Herz fast platzt. Von einem Selbstmordclub wird erzählt, von Menschen, die sich lebendig einmauern, die sich bewusst starke Schmerzen zufügen oder in ein künstliches Koma versetzen lassen. Und gleichzeitig erzählt Ferdinand Schmalz vom Leben. Wie Menschen versuchen, die Kontrolle darüber zu behalten, aus den paar Jahren etwas Besonderes zu machen und ihren Platz in der großen Welterzählung zu definieren.
In einer ganz großartig seltsamen Kunstsprache erzählt Ferdinand Schmalz all das. Eine Kunstsprache, die österreichischen und süddeutschen Dialekt vermengt. Die Syntax verdreht und große Konzentration von den Leser:innen verlangt.
Anstrengend ist die, sie zwingt einen aber auch, dicht am Text zu bleiben, sich ganz und gar einzugraben in Schmalz' philosophische Gedanken und seine langen Sätze, die teilweise kleine Gedichte sind.
Mir ist klar, dass dieser Roman nicht für alle etwas sein wird, aber mich hat er wirklich sehr begeistert - und mir mit dem Therizinosaurus einen neuen Lieblingsdinosaurier geschenkt.
Also, wenn das nicht auf die Shortlist 2021 rutscht, dann weiß ich auch nicht.

"Hast du nicht auch von Zeit zu Zeit dieses Gefühl, dass wir nur hier, weil wir noch eine Aufgabe, eine wichtige, oder auch nicht so wichtige, in jedem Fall aber eine unverzichtbare Aufgabe in so etwas wie einer größeren Erzählung haben?" (Seite 70)
Profile Image for Conny.
616 reviews87 followers
June 23, 2022
Nun, es, das Buch, von ihm, dem Ferdinand Schmalz, das Buch war also schon sehr anstrengend zu lesen. Sie, die Sprache, fast gleichermassen abstrakt wie der Plot, versperrte mir quasi die Sicht auf ihn, ebenjenen, und ich brauchte sehr viel Zeit für sie, die Seiten, sie, deren eigentlich nur 190. Vielleicht muss ich mir es, das Buch, in vorgelesener Form zu Gemüte führen. Das scheint mir dann doch schon einiges erträglicher.
Profile Image for miss.mesmerized mesmerized.
1,405 reviews42 followers
September 4, 2021
Franz Schlicht ist Tiefkühlkostvertreter in Wien. Er ist gut in seinem Job, weiß, was seine Kunden wünschen und womit er sie locken kann. Worauf er jedoch nicht vorbereitet ist, ist ein Wunsch von Doktor Schauer, der ahnt, dass seine letzten Tage gekommen sind und sich ein Ableben in einer Tiefkühltruhe wünscht, um anschließend auf einer Lichtung aufgebahrt zu werden. Zum verabredeten Zeitpunkt ist die Tiefkühltruhe jedoch leer, nur Schauers Tochter ist anwesend und verpflichtet Schlicht kurzerhand dazu, ihren Vater wieder aufzutreiben. Es beginnt eine aberwitzige Suche nach dem älteren Herrn, die Schlicht nicht nur an den Rand des Wahnsinns, sondern auch in Todesnähe bringt und so manche Machenschaft der besseren Wieder Gesellschaft zutage befördert.

Ferdinand Schmalz‘ Debütroman hat es direkt auf die Longlist für den Deutschen Buchpreis 2021 geschafft. Diese Ehrung ist nicht schwer nachzuvollziehen, sprüht der Text nur so vor herrlich pointierten Formulierungen, die die Absurdität der Handlung virtuos unterstreichen. Hinzu kommen die Figuren, die einerseits mitten aus dem Leben zu stammen scheinen, zugleich aber auch ein kurioses Gruselkabinett darstellen.

Schlicht ist – wie sein Name unverblümt andeutet – ein eher schlichtes Gemüt. Er macht seine Arbeit ordentlich, erwartet nicht viel mehr vom Leben und ist daher auch bereit, einem Kunden einen Wunsch zu erfüllen, auch wenn dieser eher makabrer und zweifelhafter Natur ist. Dass er damit in ein Netz ungeheuerlicher Machenschaften gerät und zum Ziel der Putzfirmenchefin Schimmelteufel wird, kann er nicht ahnen, und so trifft ihn die Heftigkeit, mit der die Reinigungskönigin ihn in seinen Recherchen versucht zu stoppen mit unerwarteter Wucht.

„Und ist die Welt auch voller Schmutz, gibt es doch eine Reinigung. Und gibt es Kräfte in der Welt, die immer wieder sich drum kümmern, dass alles dann ins Reine.“

Neben Putzfrauen, die Geld waschen, und Ministerialräten mit Hang zu Nazisymbolik tauchen auch einfältige Handlanger und die zahnfetischistische Tochter des vermissten Arztes auf, die alle auf ihre Weise liebevoll mit ihren Unzulänglichkeiten gezeichnet sind und zugleich die Geschichte wie eine Reise durch die Geisterbahn wirken lassen. Keine Niederung des menschlichen Seins wird ausgelassen, bisweilen mehr Fetisch als man zu ertragen können glaubt, machen den Roman zu einer Tour de Farce, die erfolgreich auf dem ganz schmalen Grat zwischen urkomisch und verschreckend balanciert.

„(…) dass es ihm vorkäme, als wäre er ein Teil von einer größeren Erzählung. Er sei da andrer Meinung. Denn alles sei zu unwahrscheinlich für so eine Erzählung. Die Wirklichkeit sei viel freier noch erfunden, als jegliche Erzählung das zustande bringen würd.“

Ein herrlicher Spaß, wenn man sich draufeinlassen kann, der vor allem sprachlich überzeugt und einlädt, mit etwas Distanz auf die Welt und unser Dasein zu blicken.
Profile Image for Kou.DoT98.
53 reviews3 followers
August 31, 2021
Dieses Buch war, bei Gott, keines, das ich je wieder in die Hand nehmen möchte, noch jemandem guten Gewissens empfehlen könnte.
Der Schreibstil war absolut nicht mein Geschmack. Sätze waren oft einfach viel zu überladen. Hätte der Autor die Kombi Artikel+Subjekt/Objekt nicht derartig verschwenderisch verwendet, hätte das Buch wahrscheinlich nur so um die 40, 50 Seiten.
Unterm Strich bleibt für mich stehen, dass das Buch nicht das meine war.
Profile Image for MaggyGray.
673 reviews31 followers
October 31, 2021
Dieses Buch wollte ich unbedingt lesen, weil mich die Inhaltsangabe extremst neugierig gemacht hat. Und für unser diesjähriges Buchpreis-Abo bei Bookcrossing wollte ich ohnehin zwei Bücher beisteuern. (Das andere ist https://www.goodreads.com/review/show/4259192816 .)
Doch was war das Lesen dieses Buches mühsam! Für die vergleichsweise wenig Seitenzahlen (knapp 200) habe ich mich gefühlt ewig durchgequält. Ständig musste ich nochmal ein paar Seiten zurückblättern, weil das Geschriebene für mich überhaupt keinen Sinn ergab. Man merkt, dass der Autor eigentlich im Theater zu Hause ist, und genauso schreibt er auch. Sehr plastisch und sehr - wie soll ich sagen - frontal. Alles scheint für die Leserin im Hier und Jetzt zu passieren (was ich eigentlich auch mag), aber durch diesen seltsamen Schreibstil war die Lesefreude dann doch etwas sehr getrübt. Und die Geschichte an sich? Sie klang zwar sehr interessant, aber auch hier wirkt sie als "Buchtext" extrem konstruiert und absurd - vor allem der Schluss. Wahrscheinlich wäre sie als Theateraufführung ein Renner.
So konnte mich das Buch nicht überzeugen - und blieb zu Recht auf den Rängen der Longlist.
Profile Image for Kallista.
241 reviews
April 11, 2024
DNF - *insert Wolf Haas auf Wish bestellt-Meme*
Ich habs versucht, aber nur bis Seite 54 geschafft. Der Schreibstil ist einfach furchtbar, alles in einer Wurst und super verschachtelte, seltsame Sätze. Man muss fast das ganze Buch auf einmal lesen, weil man sich von einem Tag auf den anderen nicht merken kann was passiert ist, und nachlesen kann man auch nicht, WEIL ALLES SO KOMISCH GESCHRIEBEN IST und man Kopfweh davon bekommt. Ich hatte außerdem wirklich das Gefühl, der Autor versucht einfach viel zu hart, so cool wie Wolf Haas zu sein. Leider nicht geklappt.
Profile Image for Franz Scherer.
76 reviews8 followers
September 21, 2021
Dieses Buch hat ein eher hässliches Cover, und auch den Titel finde ich nur so mäßig. Ich habe es trotzdem sofort gekauft, weil das Theaterstück «Der Tempelherr» von Schmalz, das ich in Frankfurt als Probenfassung mit anwesendem Autor gesehen habe, mich sehr beeindruckt hat. Nun frage ich mich schon einige Tage was ich hier reinschreiben kann zu diesem Buch.
Es beginnt mit einem Außenseiter-Dialog über den Wahnsinn der Welt, der mich an den Beginn von Woyzeck erinert. Insgesamt scheint mir das Buch einem Theaterstück ähnlich, aber vielleicht rede ich mir das auch nur ein.
Die Sprache ist toll, die Charaktere sind es auch, die Schauplätze sind spannend, aber die mit damit erzählte Geschichte finde ich schwach. Trotzdem hat es mir großen Spaß gemacht.
Profile Image for Markus Pe.
35 reviews8 followers
January 1, 2022
Interessante Erzählweise, mal was anderes. Die Geschichte ist auch sehr lustig!
Profile Image for Isaak.
140 reviews9 followers
April 20, 2025
sprachlich amazing, spaß beim lesen so 6/10 - stimme den leuten zu, die sagen, dass es als theatertext super funktioniert aber als buch eher nich so.
Profile Image for Joseph.
19 reviews
December 26, 2023
Schreibstil ein einziger prätentiöser abfuck
Profile Image for Sana.
418 reviews9 followers
June 5, 2025
,,Es muss das Natürliche, muss nicht das Gute auch sein [...] Weil das Natürliche kann doch das Schrecklichste auch sein. Natürlich kann sich das Natürliche von seiner schlimmsten Seite zeigen auch. Nur weil die Leute sich ihre Natur verklären wollen, weil ihre Vorstellung einer Natur nicht über die Hecken ihrer Kleingärten hinaus noch reicht, heißt's nicht, dass automatisch das Natürliche das Bessere sein muss.'' - Fabian (S. 24)


Wieder mal ein Buch, das einst für den Deutschen Buchpreis nominiert wurde, und dass sich sowohl durch seinen Titel als auch sein Cover und natürlich auch sein Thema deutlich von ,,normaleren'' Beispielen der Nominierten abhebt. Und wie solche Kuriositäten sowohl Aufmerksamkeit als auch eine Menge Lob und Verwirrung hervorrufen können, zeigt Schmalz mit diesem dünnen Büchlein sehr gut!
Es geht schon richtig absurd damit los, dass man den Tiefkühlkostvertreter Franz Schlicht kennenlernen, der durch die seit Monaten schrecklich heiße Stadt tuckert und seinen Kunden Waren ausliefert. Einem davon liefert er immer Rentierragout aus, und genau dieser bittet ihn darum, in ein paar Tagen vorbeizukommen und seinen Leichnam abzuholen. Aus welchen Gründen auch immer stimmt Schmalz dem seltsamen Mann zu, doch als er zu ihm will ist seine Leiche verschwunden!
Und so begibt er sich auf eine Reise durch die Stadt und unterhält sich mit lauter Menschen, die ihn persönlich kannten, und führt mit ihnen Gespräche, die ihm Hinweise auf sein Verbleiben liefern, aber auch auf allgemeine Angst und Unbehagen gegenüber der Zukunft.

Jep, ich bin ähnlich verwirrt wie ihr, und das, obwohl ich das Buch gelesen habe! Doch obwohl seine Handlung sehr traumartig verläuft und der Autor in seine Figuren eine Menge Philosophie und Nachdenken legt, ist die Kulisse einer von der Hitzewelle bedrohten Stadt und der Suche nach einer tiefgekühlten Leiche irgendwie ... interessant. Faszinierend. Und regt einem mit den möglichen Interpretationsmöglichkeiten dahinter auch zum Nachdenken an.

Was definitiv gewöhnungsbedürftig ist und einem das Buch kaputtmachen könnte, ist jedoch Schmalz' Schreibstil. Er kann zwar Überlegungen und Gesellschaftskritik sehr gut formulieren und kann auch eine verwirrende, dichte Atmosphäre aufbauen, aber er schreibt sehr umgangssprachlich und bedient sich öfter einer (fehlenden) Struktur des stream of consciousness, in dem die Figuren frei von der Leber weg und ohne Punkt und Komma reden. Dabei wiederholt er manche Halbsätze auch, sodass man als Leser anfangs oft über seine Sätze stolpert und sich ärgert, da man den Satz erneut lesen muss. Vielleicht wollte Schmalz damit aufzeigen, dass die hier auftretenden Personen alle eher zur niederen Mittelschicht gehören und auch schon etwas älter sind, und es ist nicht so, als könnte man sich nicht daran gewöhnen. Besonders, wenn man bedenkt, was für Gedankengänge dahinterstecken und wie ungewöhnlich und doch eindrucksvoll sie formuliert sind, weiß man den Schreibstil irgendwann sogar zu schätzen. Aber bis dahin ist es ein ziemlicher Weg über den gestörten Lesefluss.

Es sei nun mal die Krux des polizeilichen Ermittlers, dass er, erst wenn so ein Verbrechen mal geschehen ist, erst dann könne er in Aktion auch treten. Die Tat müsse schon getan, der Überfall schon Fall, der Mord müsse da schon gemordet sein, dann trete er erst auf, weil ohne ein Verbrechen auch kein Fall, und ohne Fall sei er, der Inspektor, gänzlich fehl am Platz. Weil das Verbrechen in der bloßen Möglichkeit, das ließe sich nun leider noch nicht ahnden. - S. 113

Da frage sie sich schon, ob das ein Zufall sei, weil daran glaube sie ja nicht, dass es so etwas gibt wie einen Zufalll. Da habe sie die Wirklichkeit, habe sie da eines besseren belehrt, dass man nur Zufall mangels bessren Wissens sagen würd, doch hätte man einmal die Hintergründe des sogenannten Zufalls auch durchschaut, dann wisse man es meistens besser. - S. 96f.


Genauso wie auf den Schreibstil muss man sich auf den Surrealismus dieser Geschichte einlassen, denn sie hat einen in ihrem Inhalt und ihren Diskussionen genauso viel zu sagen wie in der Art, wie sie erzählt ist. Die Figuren haben alle sehr plakative Namen, äußern ihre Meinung zu bestimmten Themen und überschneiden sich alle darin, dass sie sich vor der Zukunft fürchten und selbstbestimmt entscheiden wollen, was mit ihnen geschieht, egal ob durch Trickserei, Rückzug oder eben handlungsgebend die Bitte, der eigene Leichnam möge irgendwohin transportiert werden. Alles, was kühl oder kalt ist, steht stellvertretend für Gutes, alles, was heiß ist, als furchteinflößend und vergänglich. Es ist, als hätte der Autor mehrere Kurzgeschichten geschrieben, die sich rund um dieses Thema drehen, und sie dann zusammengefügt - vielleicht sogar in ein wenig zu geraffter Form, da das Ende recht abrupt ist und so manche Fragen offen bleiben. Dennoch sind das Themen, die einen sicherlich selbst beschäftigen und zu denen man beim Lesen eigene Theorien und Glaubenssätze entwickelt, denn was ist schon furchteinflößender für einen Menschen als das, was er nicht kontrollieren kann?

Alles in allem ist Mein Lieblingstier heißt Winter definitiv kein Lieblingsbuch für jedermann, besonders da man sich auf die Absurdität und den eigenwilligen Stil einlassen muss. Kann man das allerdings und betrachtet die Handlung wie einen abstrusen Traum, der seine innere Logik hat und einem was sagen will, kann man großen Spaß mit diesem Buch haben! Es ist kreativ, beschäftigt sich mit urmenschlichen Ängsten und stellt sie in vielerlei Hinsicht dar. Und es hat alles irgendwo einen Sinn - sogar das Reh auf dem Cover!

Gesamtwertung: 3,5/5 Punkte
260 reviews2 followers
December 29, 2022
Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. Damit kann ich getrost das Buch „Mein Lieblingstier heißt Winter“ von Ferdinand Schmalz für mich zusammenfassen. Denn ich hatte mir unter dem Buch etwas anderes vorgestellt und für die Charaktere im Buch läuft auch sehr viel völlig anders als geplant. Fest steht für mich aber, dass das Buch und ich nicht zusammenpassen.
Aber von vorn.
Doktor Schauer ist an Krebs erkrankt und er hat einen Plan: er möchte mit drei Schlaftabletten intus in seiner eigenen Kühltruhe erfrieren. Nach seinem Freitod in „erhabener Entschlossenheit“ statt des langsamen Siechtums an der Krankheit soll der fahrende Tiefkühlwarenverkäufer Franz Schlicht seine Leiche „aussetzen“ und den Suizid zum Happening machen. Aber als Schlicht den toten gefrorenen Schauer abholen möchte, ist die Kühltruhe leer und der Suizident weg. Eine wilde Suche beginnt.
Ich bin ein großer Freund von sprachlichen Experimenten. Ich bin auch ein großer Freund ungewöhnlich geschriebener Bücher. Aber das Buch hat meinen Toleranzrahmen gesprengt und ich konnte mit dem Stil des Autors nicht warmwerden. Manche Aspekte und Passagen haben mich wirklich begeistert, seine bildhafte Sprache und die Tatsache, dass die Namen der Charaktere pointiert und unglaublich gut gewählt sind, hat mich beeindruckt. Philosophische und morbide Fragen, schwierige Themen wie Suizid, gelungene literarische Bezüge und Querverweise – es hätte so gut sein können. Aber in der Masse hat mich das Buch eher erschlagen und ich hätte es beinahe aufgegeben, nachdem ich manche der wild zusammengeschachtelten Sätze viermal oder öfter lesen musste. So kam für mich kein Lesefluss zustande und keine Lesefreude auf. Leider, ich hätte das Buch sehr gerne gemocht.
Daher vergebe ich drei Sterne.
Profile Image for Luisa.
283 reviews
December 19, 2021
Tolles Cover - genialer Titel.

Vorab: mich hat der Roman angestrengt und ermattet. Erst musste ich mich mit dem Stil anfreunden, was mir dann einigermaßen gelang, am Ende war mir aber die Story einfach zu abstrus. Was nun folgt, ist mein bemühter Versuch eine Rezension im Erzählstil von Ferdinand Schmalz abzuliefern - sie fällt kurz aus, denn beim Selbstversuch konnte ich feststellen, dass ich in diesem Fall stilistisch schnell an meine Konzentrationsgrenzen komme.

Dieser Roman da, „Mein Lieblingstier heisst Winter“ von ihm, dem Ferdinand Schmalz, der bei denen, dem S. Fischer Verlag, erschienen, ist sicherlich nicht schlecht, aber doch leider wohl auch etwas, wie soll man sagen, ermüdend. Denn da finden sich zahlreiche Skurrilitäten und seltsame Gestalten, die in einer Geschichte, einer fast schon farcenhaften, zusammenkommen, sich treffen, missverstehen, nicht verstehen, übervorteilen und reinreiten mit Aktionen, die vollkommen drüber. Und da ist die Sprache, die so eigentümlich von der Syntax, wohl mit deutlicher, ja sich wiederholender, Referenz ans gesprochene Österreichisch, so denke ich mir das hier, aber ich mag mich irren, die sich auch häufig über sie, das ordnende Prinzip, die Grammatik hinwegsetzt, dabei aber ganz deutlich immer wieder ein deutliches Metrum, einen Rhythmus aufzuweisen scheint, dass es einem schon fast unheimlich. Vorgelesen könnte er, der Text, fast schon ein Langgedicht sein, zumindest zeitweise. Das ist schon eine Leistung, eine echte. Und davor muss ich ihn dann, ebenso wie auch für den unvergleichlich wunderschönen Titel, ziehen, meinen Hut.
5 reviews
January 16, 2025
Was zur Hölle war das für ein Buch? Unglaublich anstrengend zu lesen hätte sich diese Geschichte eher als Vortrag oder Bühnenstück geeignet.
Fast sämtliche Dialoge sind im Konjunktiv verfasst - klar, denn so wie der Autor schreibt, artikuliert sich auch kein normaler Mensch.
Die Geschichte an sich ist eher mittelmäßig. Zum Ende hin wusste ich, zwischen den ganzen verschachtelten Sätzen und österreichischen Nachnamen gar nicht mehr, wer jetzt was getan hat, oder um wen es konkret ging.
Es würde dem Autor helfen, hin und wieder dem Satz ein Verb hinzuzufügen.
Profile Image for Michaela Kaule.
26 reviews
June 14, 2025
Nicht mein Buch. Die Geschichte klang aberwitzig, aber ich habe 18 Seiten lang gegen Schlaf und Langeweile gekämpft. Der Schreibstil wirkt total verquast... da hilft nur Abbruch....das Lieblingstiervfindet bestimmt Leser, die es mögen. Good luck statt good reads.
71 reviews1 follower
November 15, 2021
At the beginning very tedious to read. But it was all worth it for the end, when you get the hang of his writing style.
Profile Image for yellowdog.
853 reviews
July 21, 2021
Der österreichische Dramatiker Ferdinand Schmalz gewann 2017 mit einem Prosatext den Ingeborg Bachmann-Preis, der jetzt auch den Titel für den Roman liefert.
Vom Theater kommend hat auch dieses episodenhaft aufgebautes Buch bemerkenswerte Settings und einen Detailreichtum.
Altmodisch wirken die Namen der Figuren an, Franz, Harald, Heinz, Norbert etc.
Sprechende Nachnamen wie Schlicht, Schauer oder Schimmelteufel machen dann endgültig Typen aus ihnen.

Es gibt eine Rahmenhandlung, die die Szenen miteinander verbindet.
Ansonsten dominiert aber die Sprache, die natürlich auch für eben diese starken Sprachbilder verantwortlich ist.
Ferdinand Schmalz fügt eine gehörige Portion Ironie hinzu und prägt damit die Figuren.

Manchmal kann einem die Handlung etwas viel werden. Ob einem dieser Roman gefällt hängt davon ab, ob man sich über diese teilweise absurden Sprachszenarien und dem Sarkasmus amüsieren und erfreuen kann. Ich finde, es ragt dadurch aus der Masse an konventionell erzählten Neuerscheinungen heraus.
Displaying 1 - 22 of 22 reviews

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