Bei einem Unfall hat Antonia fast das Augenlicht verloren und danach eine einsame Entscheidung getroffen: Sie möchte die Mutter der toten Spenderin der Transplantate kennenlernen, mit denen sie wieder sehen kann. Sie hofft, so viel wie möglich über diese Frau zu erfahren, eine Malerin, jung, beliebt, schön. Und sie fragt sich, ob die Tote versucht, ihr etwas mitzuteilen. Denn seit der OP verfolgten Antonia Flashbacks. Als sie schließlich erkennt, dass sie manipuliert wird, schwebt ihre eigene Mutter bereits in Lebensgefahr. Und nur wenn Antonia sich dem Geheimnis ihrer eigenen Familie stellt, hat sie eine Chance, dem perfiden Spiel der anderen zu entkommen.
Nach einem Unfall bleibt Antonia "Toni" mit verätzten Augen zurück. Um Ihr Augenlicht zu retten, entscheiden sich die Ärzte dafür, ihr ein Cornea Transplantat einer toten Spenderin zu operieren. Seit diesem Zeitpukt plagen Toni Flashbacks und sie beschließt, die Familie der toten Spenderin kennenzulernen. Nach einiger Zeit voller neuer Erfahrungen in der schillerenden Frankfurter Gesellschaft merkt sie, dass die Familie der Spenderin ihr etwas verheimlicht und auch sie deckt nach und nach Geheimnisse aus ihrer eigenen Familie in Berlin auf.
Leider gefällt mir nach wie vor das Cover eher wenig, da es dem tollen und spannenden Buch meiner Meinung nach nicht gerecht wird und zu wenig Aufmerksamkeit auf sich lenkt.
Der Schreibstil der abwechselnden Kapitel gefiel mir sehr gut, es ist ein Wechsel aus Vergangenheit in der Toni als dritte Person auftritt und aus der Gegenwart, aus der Toni als Ich-Erzählerin berichtet. Umso näher sich die beiden Zeitabschnitte der Kapitel kommen, umso mehr verwebt sich die Geschichte zu einem großen Ganzen. Letzte Geheimnisse werden aufgedeckt und lange vergessene Erinnerungen kommen zu Tage.
Ein schneller Einstieg in das Geschehen hat es mir leicht gemacht sofort in die Geschichte einzutauchen. Zum Ende hin nimmt die Geschichte nochmal so richtig Fahrt auf, obwohl ich trotz der fast 450 Seiten durchgehend unterhalten war und keine Langeweile aufkam.
Nicht nur die Charaktere machen dieses Buch zu einer absoluten Leseempfehlung, sondern auch die sorgsame Verflechtung der deutschen Geschichte, die das Buch noch interessanter werden lässt.
Ein Puzzle auf hellblauem Grund, vier Teile liegen bereits, mit der weißen Aufschrift "Die andere Tochter", darunter der Name der Autorin Dinah Marte Golch, prägen das Cover dieses packenden Romanes.
Im April 2019 verätzt sich Toni während ihrer Arbeit die Augen. Sie räumt die Wohnungen Verstorbener aus, meistens, weil es die Hinterblebenen nicht schaffen. Doch nun hat sie sich die Augen verletzt, sie kann nichts mehr sehen. Nur durch eine Cornea-Transplantation kann sie mit Glück wieder sehen.
Dieses Glück hat sie tatsächlich und zwar schneller, als sie dachte. Und sie macht sich Gedanken über den Spender, schließlich wäre sie ohne ihn doch blind. Sie möchte sich so gerne bei der Familie bedanken! Doch nicht umsonst gibt es Vorschriften, sie erfährt weder Namen noch Anschrift. Lediglich einen Brief kann sie schreiben, dieser wird geprüft und dann wird darüber entschieden, ob er weitergeleitet werden kann. Seltsamerweise bekommt sie eine Antwort auf ihr Schreiben. Sie verabredet sich mit der Mutter der Spenderin. Sie weiß nicht, was sie damit in Bewegung setzt. Ja, es ändert ihr Leben und die bisherigen Beziehungen zu ihrem Freund und ihrer eigenen Familie, insbesondere zu ihrer Mutter. Sie hat ständig das Gefühl, dass die verstorbene Spenderin mit ihr redet und sie beeinflussen will. Doch nichts ist, wie es scheint!
Die Autorin Dinah Marte Golch hat diesen fesselnden Roman in zwei Zeiten aufgeteilt, ab April 2019 wird er aus Tonis Sicht in der dritten Person Singular erzählt, ab Oktober 2019 in der Ich-Form. Im Grunde ist er in zwei Lebensabschnitte für Antonia aufgeteilt, denn diese hat ein nicht aufgearbeitetes Verhältnis zu ihren Eltern. Erst im Oktober kommt sie einem Geheimnis auf die Spur.
Wer dieses Buch liest, nimmt es noch einige Tage mit sich, das geht nicht anders.
Der Roman erscheint im August 2021 im Verlag List.
Nachdem Toni die Augen einer jungen Frau als Organspende erhalten hat, nimmt die Mutter der Verstorbenen Kontakt mit ihr auf. Nach und nach verschmelzen die Leben der beiden Frauen. Auf zwei Zeitebenen erfährt der Leser sowohl von Tonis Vergangenheit als auch von den Ereignissen der Gegenwart, bis beide Erzählstränge sich im Finale kreuzen.
Beeindruckend ist die Empathie und Themenvielfalt dieses Romans. Unterschiedlichste Themen wie Organtransplantarion aber auch der zweite Weltkrieg finden ihren Platz in dem Roman.
Ungewöhnliche Themkombinationen, die sich aber trotzdem stimmig arrangieren. Der Schreibstil ist flüssig und unterhaltsam.
Alles in allem ein ungewöhnlicher Roman, der mich gut unterhalten hat, auch wenn nicht alles realistisch erscheint, was ihn aber umso spannender erscheinen lässt......
Was ich zu Dinah Marte Golchs Buch „Die andere Tochter“ ganz klar sagen kann ist, dass mich das Buch überrascht hat, vor allem der Schluss kam für mich völlig unerwartet. So ganz begeistert hat es mich, trotz der enormen Spannung gegen Schluss, dennoch nicht. Stellenweise fand ich die Lektüre sogar eher mühsam. Aber von vorn. Durch einen Arbeitsunfall, bei dem ihre Augen verätzt werden, verliert Antonia mit knapp 40 Jahren fast ihr Augenlicht. Ein Hornhaut-Transplantat rettet ihre Sehfähigkeit, aber nach der Operation ist Toni nicht mehr die alte. Sie hat verstörende Flashbacks aus Erinnerungen, die nicht ihre eigenen zu sein scheinen. Sie beschließt, die Familie der Spenderin kennenzulernen und öffnet damit die Büchse der Pandora. Denn nicht nur ihre eigenen Familienverhältnisse sind kompliziert. Auch die Familie der Spenderin hat Geheimnisse und irgendwie scheint die verstorbene Spenderin mit ihr in Kontakt zu treten. Die Idee, die hinter dem Buch steckt, finde ich hervorragend. Aber es ist nicht nur eine einzige Idee, es ist eine Vielzahl davon und dadurch wirkte das Buch für mich ein bisschen sehr vollgepackt. Transplantation und die daraus resultierenden möglichen psychischen Probleme (Schuldgefühle, Gefühle von Dissoziation und Derealisation, Flashbacks), Probleme mit der Mutter, Alkoholismus des Vaters, Nazi-Raubkunst, Zweiter Weltkrieg und diverse Traumata – alles in einem Buch verpackt fand ich dann doch zu viel des Guten. Ab und an verrennt sich die Autorin meiner Ansicht nach ein bisschen in Klischees und Pauschalisierungen, vor allem bei der kurzen Ausführung zur Borderline-Störung. Und auch die esoterischen Ansätze kann ich nicht wirklich teilen. Zwar gelten die Augen als Spiegel der Seele, aber der schamanistische Ansatz der Seelenwanderung bei Hornhautverpflanzungen ist für mich schwierig. Die Augenhornhaut ist in der Hauptsache ein nicht durchblutetes Stück Gewebe, weshalb es für mich schwierig nachzuvollziehen ist, wieso sich Toni so sehr mit der Spenderin verbunden fühlt. Bei einem Herzen, einer Leber oder einer Niere hätte ich ihre (Re)Aktionen wohl eher verstanden. So fand ich den Charakter der Protagonistin eher anstrengend und ihre Gedankengänge manchmal wirklich wirr. Allerdings fand ich keinen der Charaktere im Buch wirklich sympathisch, alle haben ihr Päckchen zu tragen, es wird viel gelogen und betrogen, die einen ziehen Strippen, die anderen sind die Marionetten – alles in allem ist es ein perfides Spiel, das wirklich erst gegen Ende seine für mich völlig überraschende Auflösung findet. Den Stil der Autorin hingegen fand ich sehr angenehm und die Erzählung der Geschichte in zwei Zeitebenen UND aus zwei Perspektiven fand ich einen sehr gelungenen Kniff und das Zusammenlaufen der beiden Stränge am Ende fand ich absolut stimmig. So wird der eine Erzählstrang von Toni aus der Ich-Perspektive erzählt, der andere aus Sicht eines Erzähler. Eigentlich hätte mich das Buch wirklich abholen müssen: toxische Eltern-Kind-Beziehungen, Traumata, Organspenden, Identitätskrisen und die Suche nach sich selbst – das sind genau meine Themen. Und dennoch lässt das Buch mich ziemlich enttäuscht zurück. Denn manchmal schien es mir bei der Lektüre, als habe die Autorin einfach zu viel gewollt und daher viel zu viel in das Buch gepackt. Bei der Dichte und Fülle der Themen hätte sie locker zwei, wenn nicht sogar drei Bücher daraus machen können. Das wirklich wichtige Thema Organspenden wird mir zu sehr auf die esoterische Komponente reduziert, als wirklich auf die tatsächlich möglichen psychischen Folgen einzugehen. Insgesamt wäre da wirklich mehr drin gewesen und daher vergebe ich für die gute Idee und den tollen Schreibstil der Autorin drei Sterne.
Antonia entrümpelt die Wohnungen Verstorbener und verunfallt in einer Wohnung schwer. Sie erblindet, doch durch eine Hornhautspende erlangt sie wieder das Augenlicht. Doch Toni hat sich geändert, ihre Welt wurde aus den Angeln gehoben. Sie möchte sich bei der Familie des Spenders bedanken – und setzt damit eine Kette unerwarteter Ereignisse in Gang.
Ich hatte meine Startschwierigkeiten mit dem Buch. Schon schnell geschieht der Unfall, die OP und die Kontaktaufnahme zur Spenderfamilie, Auch wenn das sehr flott ging, lief es mir an anderer Stelle einfach viel zu langsam. Andererseits passiert auch irgendwie zu viel. Klingt merkwürdig und ambivalent, aber in der Nachbetrachtung ist ein sehr zwiespältiges Gefühl entstanden, dass ich nicht loswerde. An sich passt es auch zur Geschichte sehr, denn auch da ist manches sehr ambivalent.
Dazu hatte ich mit der Protagonistin ein wenig zu kämpfen, denn so richtig warm wurde ich mit ihr nicht. Ihr ambivalentes Verhalten als solches war aber schon gut dargestellt und unter den Umständen verhält man sich vielleicht auch nicht sehr rational und je weiter die Geschichte voranschreitet, desto klarer wird auch, warum ihr Verhalten manchmal sehr überraschend ist.
Ich denke eine etwas dünnere Version der Geschichte hätte mir persönlich besser zugesagt, denn gerade die rund ersten 150 Seiten waren mir einfach auch nicht spannend genug. Aber die Neugier war da und daher habe ich weitergelesen, in der Hoffnung, dass es noch besser werde und das wurde es auf jeden Fall.
So, ganz schön viel Kritik, aber der Roman hatte auch seine positiven Seiten. Es gibt überraschende Wendungen und der Roman ist extrem vielschichtig und teils auch unerwartet spannend. Der Schreibstil ist an sich gut zu lesen, flüssig und stimmig. Besonders gut gefielen mir die beiden Zeitebenen, die zeitlich nicht weit auseinander liegen, aber Welten trennen.
Mir gefällt sehr gut, dass das Thema Organspende und mögliche Auswirkungen so präsent ist. Das ist kein Thema, dass man mal eben zwischen Tür und Angel entscheidet und die Auseinandersetzung damit ist daher eine gute Sache. Es gab auch noch weitere große Themengebiete, die ich nicht näher beschreiben kann, um Spoiler zu vermeiden, aber auch die waren für sich interessant - nur war es mir dann doch einfach zu viel für ein einziges Buch.
Für mich war der Anfang einfach zu zäh, hintenraus war das Buch dann aber schon ziemlich überzeugend, sodass ich am Ende 3,5 Sterne vergebe und das Familiendrama gerne Lesern empfehle, die eine Geschichte zu den psychologischen Folgen einer Organspende lesen möchten.
In „Die andere Tochter“ beschäftigt sich die in Berlin lebende Autorin Dinah Marte Golch mit mehrern interessanten Themen: Organtransplantation, Traumata und Kunstraub im Nationalsozialismus.
Durch einen Unfall mit ätzender Flüssigkeit ist Toni fast erblindet. Dank einer Hornhauttransplantation kann sie wieder sehen. Von wem das Organ kam, unterliegt absoluter Anonymität, aber Toni hat die Möglichkeit den Angehörigen über das Deutsche Organsendezentrum einen Brief zukommen zu lassen. Obwohl es strenge Vorschriften gibt, meldet sich die Mutter der Verstorbenen bei ihr und es kommt zu einem Treffen. Toni möchte so viel wie möglich über ihre Spenderin erfahren, erhält nach und nach immer mehr Einblicke in deren Leben und hat gleichzeitig immer mehr Flashbacks. Bis sie erkennt das hier etwas nicht stimmt und es auch in ihrer eigenen Familie Geheimnisse gibt, steckt sie schon mitten in einem gefährlichen Spiel.
Die Geschichte wird nicht chronologisch erzählt, sondern beginnt im Oktober 2019, springt zurück in den April des Jahres und bewegt sich durchgehend zwischen diesen beiden Zeitebenen. Im Verlauf der Handlung nähern sich die Handlungsstränge an, bis zu schließlich komplett zusammenlaufen. Durch diesen Wechsel und die kurzen Kapitel wird eine enorme Spannung aufgebaut. Der Schreibstil ist flüssig, wendungsreich und leicht zu lesen.
Tonis Gefühle, ihre Probleme und die psychologischen Auswirkungen nach der Cornea-Transplantation sind nachvollziehbar und werden gut erklärt. Zusätzlich fließen dann noch die Vergangenheit von Tonis Familie und - ein weiteres interessantes Thema - der Kunstraub im Nationalsozialismus in die Handlung ein. Es dauert eine ganze Weile bis sich die verschiedenen Handlungsstränge Puzzleteil für Puzzleteil zusammenfügt, wodurch die Handlung sehr komplex und dicht wird.
Ich fand das Buch großartig, da hier mehrere interessante Themen geschickt vereint wurden und freue mich auf weitere Bücher der Autorin.
„Die andere Tochter“ von Dinah Marte Golch hat mich echt überrascht. Erwartet habe ich einen Beziehungsroman über Mütter und Töchter, geliefert bekommen habe ich einen echten Thriller und Pageturner! Schon nach den ersten Kapiteln konnte ich das Buch nicht mehr weglegen.
Das Buch spielt auf zwei Zeitebenen und beide drehen sich um Antonia „Toni“ Petzold. Obwohl zwischen den beiden Zeitpunkten nur ein paar Monate liegen (April 2019 zu Oktober 2019) ist sofort klar, dass die ersten Sätze „Ich bin nicht mehr Toni. Ich bin jetzt eine andere“, die ganze Ladung des Buches tragen. In den wenigen Monaten hat sich Toni unwiederrufbar gewandelt – das wird alleine durch die klare Abgrenzung der beiden Zeitebenen im Stil deutlich (Ich-Form vs. Dritte Person). Doch warum? Und wie?
Toni hat im Frühjahr 2019 einen Arbeitsunfall und verliert ihr Augenlicht. Nur durch eine Hornhautspende kann sie wieder sehen. Kurz darauf lernt sie die Mutter der Spenderin, Clara Mertens kennen, die sie sofort für sich vereinnahmt. Doch schnell wird klar, dass in der Famile Mertens nicht alles mit rechten Dingen zu geht. Und auch Tonis eigene Vergangenheit scheint Geheimnisse zu bergen.
Die Geschichte nimmt sofort Tempo auf, wird zu einem echten Thriller. Dabei behandelt das Buch unglaublich viele Themen: Seelenwanderung, Mutter-Tochter-Beziehungen, Familiengeheimnisse, Schatten des zweiten Weltkrieges, Psychosen, Schuld, Alkoholismus... Trotzdem ist die Geschichte nicht überladen, sondern einfach spannend. Kapitel für Kapitel nähert sich die Vergangenheitsebene der akutellen Situation an – und Schicht für Schicht klärt sich, in welchen Strudel an Ereignissen Toni unbedarft gefallen ist.
Für mich ein (ganz unerwartetes) Lesehighlight 2021!
Es ist ein sehr schöne Geschichte. Sie hat Tiefgang und dennoch hätte das ein oder andere viel mehr ausgebaut werden können oder sogar müssen. Natürlich wäre daraus ein Wälzer geworden, wenn die Autorin sich auf alles genau konzentriert hätte, aber in dem Fall wäre das Weglassen vielleicht besser gewesen. Das ist jetzt nicht wirklich Kritik, denn der Roman liest sich sehr gut und flüssig. Ein Spannungsbogen bleibt trotz der auftauchenden Fragen und der zu vielen Themen. Man möchte schon gerne wissen, was passiert als nächstes, da das Thema sicher nicht nur dem Empfänger eines Tranplantates durch den Kopf geht, sondern auch den Hinterbliebenen. Manchmal war ich mir nicht sicher, worauf sich die Story konzentriert. Entweder war es die Transplantation oder eben die Geschichte, die sich durch diese aufbaut. Oder vielleicht auch durch die Vergangenheit der Protagonistin selbst. Schlussendlich war die Reise von Antonia nicht nur, sich mit einem fremden Gewebe und die dort vorhandenen Hintergründe und Fragen abzufinden, sondern auch die Suche nach sich selbst und ihrer Vergangenheit oder auch die ihrer Eltern. Sie stellt alles auf den Prüfpunkt, was ihr Leben, ihre eigene Vergangenheit betrifft. Und dann auch noch die Geschichte der Transplantation. Ich selbst bin sehr gut bei dem Buch geblieben. Es liest sich leicht durch die Seiten. Die Autorin hat es schon geschafft mich dennoch an dem Buch zu fesseln. Das einzige, was mich nicht erreicht hat, waren die Figuren selbst. Keine hat mich mitgenommen auf ihre Reise, weil wahrscheinlich alle selbst ihr Päckchen zu tragen haben und niemand es so richtig los wird. Und auch wenn man jetzt denkt, zuviele Themen, zuviele Schicksale, habe ich die Geschichte gern gelesen. Und kann sie dennoch empfehlen.
Toni ist 39, entrümpelt in Berlin die Häuser Verstorbener und befindet sich in einer unbefriedigenden On-Off-Beziehung, als sie bei einem Arbeitsunfall fast das Augenlicht verliert. Die einzige Rettung ist die Transplantation der Hornhaut einer Verstorbenen. Als sich Clara Mertens, die Mutter der Cornea-Spenderin Zsazsa, bei Toni meldet, ändert sich ihr Leben komplett. Sie besucht die Familie in Frankfurt und ist direkt fasziniert von deren vollkommen anderen Lebensstil, sie fühlt sich zugehörig, verwandelt sich in Antonia, die so ganz anders ist als die Toni aus Berlin. Und sie hat immer wieder das Gefühl, dass in ihr eine weitere Person lebt, die ihre Schritte lenkt…
Die andere Tochter ist ein vielschichtiger, intelligenter und spannender Roman. Erzählt wird auf verschiedenen Zeitebenen und auch die Erzählperspektiven wechseln vom Ich-Erzähler in die Beobachter-Perspektive, bis sich alle Ebenen zu einem unerwarteten Ende vereinen. Dabei wird der innere Kampf einer traumatisierten Persönlichkeit sehr eindrucksvoll geschildert. Ein weiteres großes Thema des Buches ist die Beutekunst der Nazizeit und deren Verbleib. Das ist so spannend und fesselnd geschrieben, dass man diesen Roman kaum noch aus der Hand legen kann.
Mein Fazit: ein fesselnder und bewegender Roman über Traumata, Vergangenheitsbewältigung und Familiengeheimnisse. Für mich eines der Lesehighlights des Jahres!
Toni, eigentlich Antonia, ist die Inhaberin einer Entrümpelungsfirma, die Wohnungen nach dem Tod der Bewohner ausräumt. Während einem Einsatz erleidet sie bei einem Unfallschwere Verätzungen an den Augen und erblindet. Durch eine Hornauttransplantation erhält sie ihre Sehkraft zurück, jedoch geht dieser Eingriff nicht spurlos an ich vorbei, sondern hinterlässt in ihrem Leben einige Spuren. Toni schreibt einen Brief, der jedoch nur anonym an die Familie der Spenderin oder des Spenders weitergeleitet werden soll. Überraschend erhält sie eine Antwort und Toni beschließt die Mutter der Spenderin zu treffen. Nach uns nach taucht Toni immer mehr in das Leben ihrer verstorbenen Spenderin ein. Durch Flashbacks und Sinnesveränderungen, die sie seit ihrer Transplantations-OP verspürt, meint Toni immer mehr durch die Augen ihrer Spenderin sehen zu können und Botschaften von ihr zu empfangen. Durch die Fixierung auf die Familie der Spenderin entfernt sie sich immer mehr von ihrer eigenen Familie und reißt alte Wunden auf. Doch erst als es fast zu spät ist und sie kurz vor dem psychischen Zusammenbruch steht, erkennt sie, dass auch ihre Familie Geheimnisse vor ihr hat, die nie ans Licht hätten kommen sollen.
Die Geschichte war von Beginn an spannend erzählt. Wir begleiten Toni auf zwei Zeitebenen, nur Monate voneinander getrennt. Einmal aus der Ich-Perspektive und einmal durch eine auktoriale Erzählperspektive. So wusste man immer, in welcher Zeit wir uns bewegen. Einige Aspekte des Buches haben mir sehr gut gefallen, z.B. das Thema Organspende oder entartete Kunst. Teilweise waren mir die Gedanken der Protagonistin etwas zu wirr und esoterisch angehaucht, was sich leider zu schnell immer wieder gefangen hat. Der Wechsel zwischen vermeintlicher „Wahnsinn“ und vollkommene Klarheit ging mir meist zu schnell. Oft hat sie unnachvollziehbar gehandelt, was sich teilweise im Nachhinein erklären ließ, manchmal aber nicht.
Der Sprachstil ist großartig. Kurze prägnante Sätze ohne große Verschachtelung oder Abschweifung, die den Leser sehr schnell in die Geschichte eintauchen lässt und fesselt.
Ich hatte sehr viel Spaß beim Lesen und konnte das Buch an manchen Stellen gar nicht aus der Hand legen. Zudem habe ich viel Neues erfahren und kann das Buch jedem empfehlen, der gerne zu Thrillern und Familiengeschichten greift.
Das Cover gefällt mir nicht sonderlich, es ist sehr eintönig gehalten. Toni erhält nach einem Arbeitsunfall, bei dem sie erblindet, eine Corneaspende. Um sich zu bedanken versendet sie einen anonymen Brief an die Angehörigen der Spenderin. Überraschenderweise erhält sie eine Rückmeldung und wird von Clara, der Mutter der verstorbenen Susanne, um ein Treffen gebeten. Nach langem Hin und Her entscheidet sich Toni dafür und lernt Clara kennen. Diese ist der totale Gegensatz zu ihrer eigenen Mutter Brigitte - liebevoll und fürsorglich. Antonia ist bei ihrer Großmutter aufgewachsen und erst mit 12 Jahren zu ihren Eltern gezogen, deswegen hat sie nie eine enge Bindung zu ihrer Mutter aufgebaut. Mit ihrem Vater versteht sie sich besser, allerdings ist dieser schon ewig Alkoholiker. Toni verliert sich in der Welt der verstorbenen Susanne und lüftet nach einem bösen Erwachen ein altes Familiengeheimnis...
Antonia wäre nach einen Unfall fast blind geworden und hat durch ein Wunder eine Transplantation erhalten und so wurde das Augenlicht gerettet. Sehr gerne würde sie Kontakt zur Familie der Spenderin aufnehmen, denn seit der Operation hat sie Flashbacks und glaubt, dass das mit der Spende zu tun haben könnte. Erst sehr spät erkennt sie, daß da jemand ein Spiel mit ihr spielt.
Meine Meinung:
Das Buch hat mir gut gefallen. Von Anfang an spürt man unterschwellig eine Gefahr, die man aber nicht greifen kann. Im Verlauf des Buches wird dieses unterschwellige immer deutlicher und die Spannung wächst immer mehr. Der Schreibstil hat mir gut gefallen, denn dieses tappen im Dunkeln steigert die Spannung. Die Geschichte hat mir insgesamt sehr gut gefallen und ich habe mich sehr gut unterhalten gefühlt.