Das Christentum begann als eine bilderlose Religion und folgte zunächst dem Bilderverbot, das es mit dem Judentum und dem Islam teilt. Wie und warum sich ab dem 3.Jahrhundert dennoch eine christliche Kunst ausbildete und wie die beiden wichtigsten Bilder der Christenheit, das Bild Christi und das der Muttergottes, ihren Aufstieg nahmen, führt dieser Band kenntnisreich vor Augen. Ebenso erläutert er die neuen architektonischen Formen, die mit dem christlichen Kirchenbau Einzug hielten, und die typische Bildausstattung der neuen Bauten. Er zeigt, wie auch in der Kunst von Byzanz die Antike mächtig fortwirkte und wie umgekehrt die byzantinische Kunst weit über Byzanz hinaus ihre Ausstrahlung entfaltete.
Für mich, einen Menschen, der in Christlich-Orthodoxen Kultur aufgewachsen ist, und für den die byzantinische Kunst immer präsent und gegenwärtig war, bot dieses Bändchen überraschende - und meist nicht in gutem Sinne - Information. Das Buch erzählt ebenso viel über die Wurzeln der Religion wie von der Kunst selbst, und bietet trotz seines kleinen Formats eine umfangreiche Referenzquelle gegen mehreren gängigen Mythen, an die ich davor geglaubt habe und mehrere Leute einschließlich Priestern und meinen Verwandten noch glauben. Gerade diese Mythen, die die Römische Kaiser einst für die Legitimierung seiner Herrschaft ausgeübt haben und somit das Gesicht der Christlichen Glaube verwandelten, sind heute leider oft in ihren schlimmsten Formen wiederbelebt. Das Buch war für mich also unerwartet hilfreich.