Die "Volkspartei" will den Umsturz in Deutschland. Er will sie stoppen. Die Jagd beginnt
Als der Journalist Nicholas Moor mit seiner Tochter in einem abgelegenen Berghotel Urlaub macht, filmt er mit einer Drohne zufällig ein Geheimtreffen der aufstrebenden rechtspopulistischen Volkspartei. Die Aufnahmen sind brisant: Sie zeigen detaillierte Umsturzpläne für die Zeit nach dem erwarteten Wahlsieg. Die Security-Leute der Volkspartei haben die Drohne jedoch bemerkt, und sie sind gewillt über Leichen zu gehen, um zu verhindern, dass Nicholas die Pläne veröffentlicht. Er sieht nur noch einen ungeheuerlichen Ausweg, um den Staatsstreich zu verhindern ...
Eric Sander is a German-French journalist. He is a graduate of the German School of Journalism, studied political science and sociology in Berlin and Munich and writes for media such as Süddeutsche Zeitung, Spiegel Geschichte and Stern Crime. His first novel is about a right-wing coup in Germany. The danger posed by right-wing extremists has preoccupied him ever since his grandmother told him about the occupation of her hometown by German soldiers.
[Zwei Anmerkungen: 1. Spoileralarm; 2. Das Buch hat nicht die hier angegebenen 1.300+ Seiten, es sind 365]
Kurz vor der Bundestagswahl 2021 erscheint der Thriller DIE LETZTE WAHL (2021) von Eric Sander und warnt noch einmal inständig davor, was geschehen könnte, wenn eine Partei wie die AfD (Alternative für Deutschland), die in den letzten Jahren erkennbar immer weiter nach rechts gerückt ist, die Macht erringt.
Der Schriftsteller, Journalist und Blogger Maximilian Steinbeis veröffentlichte am 6. September 2019 einen Text in der Sueddeutschen Zeitung, der EIN VOLKSKANZLER betitelt war. Kühl und sehr strukturiert wird hier ein mögliches Szenario aufgezeigt, wie es auch in der Bundesrepublik gelingen könnte, daß ein zu allem entschlossener Regierungschef das Grundgesetz nutzt, um seine Macht auszuweiten, Verfassungsorgane auszuhöhlen, sich nutzbar zu machen und schließlich, zunächst unmerklich, dann sehr schnell, dieses demokratische Land in eine Autokratie zu verwandeln. Sander beruft sich dezidiert auf diesen Text als Ausgangspunkt und Quelle seines Romans.
Der Journalist Nicholas Moor wird durch Zufall Zeuge eines geheimen Treffens der Führungsspitze der Volkspartei. Deren Kandidat Markus Hartwig hat gute Aussichten, das Kanzleramt zu erobern. Die Umsturzpläne liegen bereits in der Schublade, mit einem gefälschten islamistischen Anschlag auf den Bundestag soll ein Notstand herbeigeführt werden, in dessen Folge man das Grundgesetz aushebeln kann. Moor, der nach einem angeblichen Scoop, der sich als Rohrkrepierer erwiesen hatte, bei seinen Vorgesetzten des Münchner Abendblatts nicht wohl gelitten ist, geht der Sache nach und wird in einen Strudel aus Verschwörungen, illegalen Machenschaften und politischem Kalkül hineingezogen, der sich immer mehr als tödliche Falle entpuppt. Er ist bald der Einzige, der noch vor der Gefahr warnt, die durch die Rechtspartei und ihren Anführer droht. Irgendwann stellt sich für Nicholas die Frage, ob er alles auf eine Karte setzen soll, um den Aufstieg Hartwigs zu verhindern.
Das Szenario ist nicht neu: Ein Einzelner weiß um die Gefahr, die von einem kommenden politischen Führer ausgeht und muß, da ihm niemand glauben will, auf eigene Faust handeln. Es deutet sich in Robert Penn Warrens ALL THE KING´S MEN (1946) an, es spielt eine Rolle in Robert Stones A HALL OF MIRRORS (1967), es wird dezidiert durchgespielt von Stephen King in THE DEATH ZONE (1979) und es kommt immer wieder in den Was-wäre-wenn-Szenarien vor, die gern in Bezug auf Adolf Hitler durchgespielt werden: Wenn man 1924, 1931, 1934 gewusst hätte, wohin dessen „Machtergreifung“ führt und die Möglichkeit gehabt hätte, gegen ihn vorzugehen, seinen Aufstieg notfalls mit einem Attentat zu verhindern – wie hätte man gehandelt?
Steinbeis´ Artikel zeichnet sich dadurch aus, daß er sehr genau die verfassungsrechtlichen Schritte aufzeichnet, die dazu führen könnten, daß ein AfD-Kanzler seine Macht ausweitet und mißbraucht. Das ist natürlich ein interessanter Stoff für politologische oder juristische Seminare, es taugt allerdings weniger als Grundlage eines Thrillers. Ob Sander nun eher einen politischen Roman schreiben wollte oder EBEN doch lieber einen Spannungsroman, das sei einmal dahingestellt. Auf jeden Fall ist DIE LETZTE WAHL als Thriller angelegt und als solcher auf Spannungsaufbau angewiesen. So wird hier verfassungsrechtliche Genauigkeit durch Action ersetzt, was dem Roman nicht unbedingt gut bekommt. Denn schlußendlich erscheint die Volkspartei des Buches weniger wie eine Partei, eher wie eine Mafiaorganisation. Und sie greift exakt zu den Mitteln einer kriminellen Vereinigung: Erpressung, Entführung, Raub und schließlich Mord. Dafür hat man stille Handlanger, Söldner, die sich in den Dienst der Sache stellen oder einfach tun, was man ihnen aufträgt. Daß im Hintergrund ein mächtiger Geldgeber agiert, ein Schweizer Magnat, der die Partei nicht nur finanziert, sondern auch deren Geschicke bestimmt, bildet zumindest einen Teil der Realität ab, wird doch immer wieder darüber spekuliert, daß die AfD sowohl aus der Schweiz als auch aus Russland Geldzuwendungen erhalten haben könnte.
Daß Sander explizit auf die AfD abzielt, lässt sich anhand einiger Merkmale im Text feststellen. Der Kandidat Hartwig spricht im Björn-Höcke-Sound, auch wenn er ansonsten eher wenig an den Rechtsaußen der AfD erinnert, der von Thüringen ausgehend die Wende ins Nationalistische und Völkische betreibt. Daß Höcke ein geheimes Verhältnis mit seiner Assistentin unterhält, ist schwer vorstellbar, aber man weiß ja nie. Daß der Kandidat Hartwig ein solches im Roman angedichtet bekommt, ist eher der Konstruktion als Thriller geschuldet – und dem Versuch, einen Rechtspopulisten als besonders verkommen und bigott darzustellen. Sander legt dem Mann allerdings einige Äußerungen in den Mund, die direkt von Höcke übernommen sind. Das restliche Personal der Partei wird weitestgehend ausgespart, lediglich die rechte Hand Hartwigs ist dem mittlerweile aus der AfD ausgeschlossenen Andreas Kalbitz nachempfunden, wobei die realen Machtverhältnisse – folgt man zumindest einigen Journalisten, die sich intensiv mit der Partei beschäftigt haben – hier umgedreht werden. Oft nämlich wurde beschrieben, daß es Kalbitz war, der bspw. den Aufstieg des „Flügels“, jener Fraktion, die maßgeblich für den extremen Rechtsruck verantwortlich zeichnete, vorangetrieben hat. Im Roman ist Kalbitz´ Pendant Georg Rotten ein etwas einfältiger Brutalo, der nur darauf wartet, dem Chef in den Rücken zu fallen. Sonst lernen wir zwar eine Menge Leute aus dem Security-Service der Partei kennen, aber niemanden, der politische Verantwortung trägt. Kein Pendant zu Alexander Gauland, Alice Weidel oder Jörg Meuthen. Damit bleibt die ganze Volkspartei als solche aber ungreifbar, der Roman trotz seiner Thematik seltsam unpolitisch.
Dafür ist Eric Sander aber ein recht guter Thriller gelungen. Das ist nicht immer der Fall, wenn Journalisten ins Roman-Fach wechseln und sich dabei auf ihre eigentliche Profession berufen. Oft gelingen ihnen lediglich holzschnittartige Charaktere, sind die Funktionen, die die Figuren übernehmen, zu eindeutig, Situationen und einzelne Szenen wirken oft gestelzt und auf ihre unmittelbare Wirkung innerhalb einer meist etwas dünnen Story hin konzipiert. Das ist in diesem Fall anders. Die Story ist – bis vielleicht auf das abschließende Viertel, das sehr auf Action, Rasanz und Spannung setzt – klug konzipiert, die Figuren sind glaubwürdig, der Hintergrund wirkt authentisch (was Sander natürlich aus eigener Anschauung sehr genau beschreiben kann). Der Leser fiebert mit, die Handlung wird gut vorangetrieben und baut nachvollziehbar und organisch aufeinander auf, wenig wirkt hier künstlich oder gar über den Leisten gebrochen. Das auf jeden Fall ist ein großer Pluspunkt des Romans.
Nun kann man darüber streiten, wozu ein solcher Polit-Thriller gut sein soll. Soll er warnen? Den Leser tiefer in ein spezifisches Thema einführen oder gar wachsam machen? Wenn dies der Fall wäre, dann müsste man DIE LETZTE WAHL als gescheitert bezeichnen. Politisch ist da zu wenig Tiefgang, es wird nirgends ausgeleuchtet, wie eine Partei wie die im Buch beschriebene Volkspartei es überhaupt schaffen könnte, derart populär zu werden, daß sie nicht nur den Kanzler stellen, sondern möglicherweise mit einer absoluten Mehrheit regieren könnte. Die verfassungsrechtlichen Möglichkeiten, die Steinbeis in seinem Essay sehr genau nachvollzieht und damit auch nachvollziehbar macht, werden hier weitestgehend ausgespart und eher oberflächlich erläutert. Nimmt man den Roman allerdings als Spannungs- und damit auch als Unterhaltungsliteratur, dann kann er bei aller Kolportage, die er betreibt, durchaus überzeugen und vielleicht den einen oder andern Leser, der bisher eher unpolitisch war, zumindest etwas fürs Thema sensibilisieren.
Kurz vor der Bundestagswahl in diesem Jahr erscheint der Thriller „Die letzte Wahl“ von Eric Sander, welcher einen politischen Handlungskern aufweist. In diesem Buch geht es um Nicholas Moor, der mit seiner Tochter in einem abgelegenen Hotel Urlaub macht. Zusammen entscheiden sie sich mit ihrer neuen Drohne rumzufliegen. Zufälligerweise filmen sie dabei ein Geheimtreffen der rechtspopulistischen Volkspartei. Die Aufnahmen erweisen sich als sehr brisant, da diese detaillierte Umsturzpläne für die Zeit nach dem Wahlsieg zeigen. Die Drohne wird von den Sicherheitsleuten entdeckt und die Volkspartei mit ihrem Chef versucht alles zu tun, diese Aufnahmen zu löschen. Eine Jagd beginnt…
Bei politischen Thrillern habe ich größtenteils eine zwiespältige Meinung, da diese oft recht trocken sind. Bei diesem Thriller kann ich dies nicht behaupten. Dieses Buch ist actionreich, hat einen interessanten Schreibstil zu bieten und liest sich flüssig.
Erstmal etwas zu dem Erzählstil. Wie erwähnt ist dieser flüssig zu lesen, da auch der Autor ein rasantes Erzähltempo aufweist. Schlag auf Schlag passieren Ereignisse, die den Leser erschüttern können. Zudem verfolgt man die Handlung aus der Sicht von Nicholas sowie dem Chef der Volkspartei in Form des Schemas „Protagonist vs. Antagonist“. Dies hat mir gut gefallen, da man somit beide Seiten kennenlernen konnte. Dennoch fand ich die Länge der Kapitel zu lang. Dadurch zog sich die Handlung an manchen Stellen.
Die Charaktere sind sehr klischeehaft, was mich wiederum in diesem Buch nicht gestört hat. Schön fand ich, dass Nicholas auch von seiner privaten Seite beleuchtet worden ist, sodass man über ihn ein ausführlicheres Bild erhalten kann. Aber auch der Chef der Volkspartei erhält genügend Spielraum, um ihn auch kennenzulernen. Außerdem waren die Gedankengänge und Handlungszüge jeder Figur authentisch dargestellt worden.
Da der Thriller viele actionreiche Szenen aufweist und Situationen Schlag auf Schlag passieren, ist dieses Buch wirklich spannend. Aus diesem Grund habe ich dieses Buch auch an dem gestrigen Nachmittag komplett durchlesen können. Es hat mich wirklich gecatcht. Leider hat mir das Ende des Buches dann die Lesefreude komplett genommen, da dieser meines Erachtens einfach zu abrupt kam. Man hätte das Ende noch viel mehr detaillierter beschreiben können. Somit fehlt mir nach dem Lesen etwas.
Fazit: Politischer Thriller können spannend sein. „Die letzte Wahl“ konnte mich durch eine actionreiche Handlung sowie dem Erzählprinzip gut unterhalten. Ich würde das Buch gerne mit fünf Sternen bewerten, jedoch ziehe ich aufgrund des unbefriedigenden Endes einen Stern ab!
Was wäre wenn...? Wenn die Rechtspopulisten – die fiktiven im Buch und diejenigen, die sich allenthalben in immer größerer Zahl tummeln – tatsächlich die Macht im Staat übernähmen, könnte man ein völlig verändertes Land vorfinden, über Nacht, eines, vor dem und in dem man Angst haben muss und das fatal an eine längst vergangen geglaubte Zeit erinnern könnte, der jeder demokratisch gesinnte Bürger ein 'nie wieder' entgegenschreien müsste! Zumal wenn, wie hier in dem nicht nur hervorragend geschriebenen (man spürt, dass der Autor sein Handwerk versteht!) sondern auch sehr spannenden, sehr realistischen Thriller, bereits Pläne vorliegen für die Zeit nach der Machtübernahme, Pläne, die unter anderem die Aushebelung des Grundgesetzes mit all ihren verhängnisvollen Folgen vorsehen und es zudem genügend gewissenlose Erfüllungsgehilfen gibt, die die angedachten, nein, in der Tat minutiös ausgearbeiteten, Vorhaben in die Tat umsetzen und deren Instrument die Gewalt ist. Der Protagonist des an dieser Stelle zu besprechenden Thrillers, der Journalist Nicholas Moor, der nach einem verhängnisvollen, in seiner Branche einem beruflichen Selbstmord gleichkommenden Fehler wenige Jahre zuvor, für den er freilich nicht allein die volle Verantwortung trägt, um sein Überleben in der schreibenden Zunft kämpft, blickt durch Zufall hinter die vaterländisch-besorgte Fassade der fiktiven Volkspartei, deren Spitzenkandidat Hartwig sich gerade auf die Zeit nach dem sicher geglaubten Sieg bei den anstehenden Bundestagswahlen vorbereitet. Alarmiert macht sich der Reporter mit dem aus den Fugen geratenen Leben daran, die ungeheuerlichen Pläne der Rechtspopulisten an die Öffentlichkeit zu bringen, womit er allerdings gegen alle nur denkbaren Mauern rennt. Die VP hat ihre langen Krakenarme überall, ihre Sympathisanten finden sich bis hinein in die höchsten Entscheidungsebenen. Nicholas kämpft alleine, ein Einzelgänger sowieso; nach dem im Roman näher geschilderten Debakel haben ihn auch die wenigen Freunde verlassen – alle bis auf den liebenswerten (und es gibt hier eine verschwindend geringe Zahl von integren und sympathischen Figuren) Computerexperten Lucas, mit dessen Hilfe und umfassendem technischen Wissen sich sein Verdacht nicht nur erhärtet, sondern gar weitere Erkenntnisse aus dem Verborgenen geholt werden, die selbst seine misstrauische Vorstellungskraft übertreffen. Nicholas kennt von nun an nur ein Ziel: die Volkspartei muss aufgehalten werden! Sofort und mit allen ihm zur Verfügung stehenden legalen, genauso wie weniger legalen Mitteln... Zivilcourage! Die besitzt der, wie es den Anschein hat, gegen die ganze Welt kämpfende Nicholas ohne Frage. Dazu noch eine gehörige Portion Verzweiflung, denn zu verlieren hat er nichts mehr. So sehr sein Mut und seine Entschlossenheit, die Volkspartei zu entlarven und an der Übernahme der anvisierten Macht zu hindern, auch zu bewundern ist, so wenig glaubhaft escheinen seine Bemühungen, wird denn sein Agieren immer surrealer und verbissener, zumal er vom Autor als gebrochener Charakter angelegt wurde, der sich gerade so mit Mühe auf den Beinen hält infolge seines hohen Tabletten- und Alkoholkonsums. Dennoch schickt man ihn auf eine atemberaubende Jagd durch Berlin, lässt ihn auf der Flucht vor seinen Verfolgern und deren mörderischer Drohne rennen, stürzen, sich verletzen und doch immer weiterrennen. Das ist selbst für einen fitten Marathonläufer zu viel – und macht die Figur des zu allem entschlossenen Reporters unglaubwürdig. Ich betrachte Nicholas, den Helden – oder am Ende, das viel zu schnell kam, so als wäre dem Autor die Puste ausgegangen, doch nicht? -, als Schwachpunkt in einer ansonsten, ich bekräftige es noch einmal, enorm fesselnden, mich durchweg in Atem haltenden Geschichte. Ein Thriller – und das alleine ist schon ungewöhnlich! -, der zum Nachdenken einlädt, nicht nur in einer Hinsicht. Beängstigend realistisch ist das, was ich gelesen habe! Wer Ohren hat zu hören, wer Augen hat zu sehen und ein Hirn zu denken – um den Evangelisten Markus ein wenig abzuwandeln -, dem müsste doch sonnenklar sein, was der Negativprotagonist und Kanzlerkandidat der Volkspartei, Hartwig, da im Sinne hat. Er steht für mich stellvertretend für all die so aggressiv-betroffen auftretenden Vertreter eines erträumten Nationalstaates. Ich weigere mich zu glauben, dass die große Masse einfach nur dumm ist. Aber die Alternative, dass man also schon wieder von der völkisch-braunen Gesinnung gepackt wurde, ist noch schlimmer. Und wird dennoch immer wieder vom Zeitgeschehen bestätigt. Klar, der Thriller ist Fiktion, doch bleibt er an der Realität, denn das, was der Autor thematisiert, ist denkbar, vorstellbar, durchaus realisierbar mit jemand Charismatischem an der Spitze und hinter ihm eine Rotte skrupelloser Verbrecher, unter dem Deckmäntelchen des ehrlich besorgten Gerechtigkeitsbürger. Schön vernetzt und mit den dreckigen Händen in allen möglichen verbrecherischen Geschäften, dazu mit mächtigen Hintermännern (wie hier in der Geschichte) und mit dem notwendigen Schnickschnack ausgestattet und darin versiert. Auch eine nicht doofe Masse ist manipulierbar, kann irregeleitet, kann verhetzt werden, wenn man ihr nur lange und nachdrücklich genug suggeriert, was gut für sie ist und was im Lande nicht gut läuft, aber gut laufen könnte. Etcetera, etcetera... Die Mechanismen sind nicht neu, jeder Diktator bedient sich ihrer! Und heute dank der sozialen Medien und derem gedankenlosen Ge- und vielfachen Missbrauch leichter denn je. Auch das kommt zum Ausdruck in dem Roman, dem ich im Übrigen viele kritische, wache, reflektierende Leser wünsche. Wahlen werden künftighin über die sozialen Medien gewonnen, in deren Abhängigkeit sich so viele Menschen willentlich begeben, nicht bedenkend, nicht sehend oder auch nicht sehen wollend, dass diese Art von Abhängigkeit derjenigen gleich ist, die von Despoten und Diktatoren eingefordert wird!
„Die letzte Wahl“ ist der Name des Buchs von Eric Sander, der kurz vor der Bundestagswahl erschienen ist. Der düstere Thriller zeigt deutlich die Gefahr eines Rechtstrucks in der Gesellschaft und warnt deutlich davor. Herausgekommen ist ein spannendes Buch, das aufrütteln will, aber auch ein paar Schwächen hat. Aber von vorn. Durch Zufall wird der Journalist Nicholas Moor im Allgäu-Urlaub mit seiner Tochter Zeuge eines Treffens der Führungsriege der sogenannten „Volkspartei“, die mir ihrem Spitzenkandidaten Markus Hartwig einen „Volkskanzler“ stellen möchte. Der Journalist filmt dieses Treffen zufällig mit einer Drohne und findet sich plötzlich in einer wilden Jagd auf die Speicherkarte und sich selbst wieder und niemand glaubt ihm, wenn er vor den Gefahren warnt und nicht nur er gerät immer tiefer in einen Strudel aus Gewalt und politischem Kalkül. Denn Fakt ist, dass die Partei die Geschichte wiederholen möchte, denn sie plant den Umsturz (wie bereits 1933 geschehen) mithilfe von Fake News. Damals brannte der Reichstag und Notstandsgesetze ermöglichten den Siegeszug der Nationalsozialisten. Im Buch soll ein angeblicher islamistischer Anschlag auf den Bundestag einen Notstand und damit Notstandsgesetze herbeiführen. Und schnell wird dem Journalisten klar, dass selbst sein Arbeitgeber, das „Abendblatt“, und auch die Polizei schon von der Partei unterwandert werden. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt. Angesichts der Ergebnisse der Bundestagswahl ist das Buch ist ein Thriller mit erschreckend realistischem Thema. Klar ist natürlich auch, dass die AfD das Vorbild für die „Volkspartei“ ist, denn ihr Vorsitzender Markus Hartwig klingt über weite Strecken exakt wie Björn Höcke. Die Charaktere sind zwar manchmal ein bisschen zu klischeehaft und plakativ, aber alles in allem gut ausgearbeitet und bildhaft beschrieben. Sprachlich fand ich das Buch sehr gut und flüssig zu lesen. Der Autor schafft es, die Spannung kontinuierlich aufzubauen und erzählt seine Geschichte rasant und packend. Manchmal fand ich die Geschwindigkeit fast ein bisschen zu hoch, da überschlagen sich die Ereignisse zu sehr und das geht für mich zu Lasten des ansonsten sehr klug ausgefeilten Konzepts. So kam für mich auch der Schluss etwas zu plötzlich und konnte mich auch nicht wirklich überzeugen. An manchen Stellen fehlte für mich auch die Logik hinter manchen Handlungen und ich konnte sie nicht wirklich nachvollziehen. Aber alles in allem fand ich das Buch enorm spannend und packend und leider politisch hochaktuell. Von mir daher dreieinhalb Sterne, aufgerundet auf vier.
Die Bundestagswahlen im September 2021 sind vorbei, waren es die letzten? Eine Frage, die im hervorragenden Politthriller Die letzte Wahl vom Autor Eric Sander gestellt wird. Rasant und flüssig erzählt er hier eine sehr spannende Geschichte um die Themen Rechtspopulismus, Ausländerfeindlichkeit, Hasspredigen, Staatsstreich und Überwachungssysteme.
Im Mittelpunkt stehen auf der einen Seite der Journalist des Abendblatts Nicholas Moor und auf der anderen Seite der Chef der radikalen rechtsgerichteten Volkspartei Markus Hartwig, der kurz vor einem historischen Sieg bei den aktuellen Bundestagswahlen steht. Nicolas macht mit seiner Tochter Hanna einen Wochenendtrip in die Berge. Sie haben eine Drohne dabei, und wie es der Zufall will, filmen sie ein brisantes Geheimtreffen der Volkspartei. Sie werden entdeckt und verfolgt, es wird sogar geschossen. Sie haben auf Video etwas aufgenommen, das zur tödlichen Gefahr für die beiden werden kann.
Die darauf einsetzende Jagd der Security auf Nicholas, das Bestreben von Nicholas mit Hilfe seines Journalistenkollegen Lucas Wirtz hinter das brisante Geheimnis zu kommen, wird sehr spannend und teilweise nervenzerreissend erzählt. Man kann kaum Luft holen. Es geht Schlag auf Schlag. Die Protagonisten werden authentisch dargestellt. Die teilweise Hilflosigkeit von Nicholas im Kampf gegen die Volkspartei hat mich oft verärgert. Allerdings verliert er für mich gegen Ende des Buchs ein wenig an Glaubwürdigkeit. Das scheint aber eine reine Geschmacksfrage zu sein. Gegen Ende hin wird es immer brisanter und gefährlicher und hektischer bis zum Final Countdown.
Für mich ist dieser packende Kampf eines Journalisten gegen eine rechtsradikale Partei, die keine Skrupel hat, politische Gegner und Feinde mehr als nur mundtot zu machen, eine positive Überraschung, da ich bei einem Politthriller eher etwas Trockeneres erwartet hatte. Mit rasantem und flüssigem Schreibstil hetzt uns Eric Sander durch Berlin und München. Ich habe mich bestens unterhalten gefühlt.
Ein Satz hat mir besonders gefallen, S. 212:
"Die Demokratie ist nur so stark wie die Menschen, die sich für sie einsetzen."
Dieser gelungene Polit-Thriller über eine düstere, hoffentlich nur fiktive Zukunft Deutschlands warnt eindringlich davor, demokratische Maßstäbe und Grundrechte zu sehr aufzuweichen und alles dem Hass preiszugeben was in den vergangenen 80 Jahren erreicht wurde.
Markus Hartwig ist Anführer der “Volkspartei”, einer ultra-rechten Gruppierung, die mit klassischen Festzeltauftritten und viel Onlinepräsenz gerade ihren hetzerischen Wahlkampf absolviert. Hartwig will Kanzler werden und hat detaillierte Pläne in der Schublade, wie er Deutschland daran umkrempeln möchte.
Doch es kommt, wie es oft kommt: die geheimen Pläne sind nicht so geheim wie die Parteispitze das gerne hätte. Journalist Nicholas Moor entdeckt nach und nach, was Hartwig und seine Hintermänner vorhaben. Doch das Ganze scheint zu abgedreht, zu radikal zu sein.
Niemand will Nicholas glauben, gleichzeitig macht die “Volkspartei” aber Jagd auf ihn und alle, die ihm nahestehen. Es entfaltet sich ein spannender Thriller mit Verfolgungsjagden, viel Geheimniskrämerei und auch “Gut” und “Böse” wechseln manchmal die Seiten. Wer kann wem noch trauen?
Eric Sander hat Politikwissenschaften studiert und definitiv viel Zeit mit der Recherche zu politischen Strukturen und europäischer, deutscher Demokratie sowie den Tendenzen innerhalb Europas und weltweit (er erwähnt zum Beispiel Donald Trump im kurzen Interview auf der Umschlaginnenseite). Manches im Buch mag zugunsten der Spannung etwas unrealistisch wirken, aber die politischen Hintergründe scheinen erschreckend real.
Persönliche Notiz: Aus österreichischer Sicht ist die hier benutzte Abkürzung für die “Volkspartei”, also VP, zwischendurch amüsant. In Österreich gibt es seit 1945 eine solche, die landesintern ÖVP beziehungsweise VP abgekürzt wird. Und aktuell gibt es auch einen VP-Kanzler.
Überhaupt findet man als Österreicher ein paar kleinere und größere Anspielungen auf das eigene Land im Buch, ein abgewandeltes Zitat, ein Name, ein Nebensatz - das bringt auch eine spaßige Note in den Ernst der Geschichte.
+ + Deutschland kurz vor dem rechtspopulistischen Umsturz
Das Cover ist mir sofort ins Auge gesprungen und der Klappentext hat sich vielversprechend gelesen. Ich lese Politik- und Spionagethriller sehr gerne, daher war ich sehr neugierig auf die Umsetzung.
Die Handlung spielt in der 'Jetzt-Zeit' und Deutschland steht vor einer entscheidenden Bundestagswahl. Mit Aussicht auf eine große, wenn nicht sogar absoluter, Mehrheit liegt die rechtspopulistische Volkspartei bei den Umfragen ganz vorne. Markus Hartwig wird schon als der kommende Volkskanzler inszeniert.
Durch Zufall bekommt der Journalist Nicholas Moor Hinweise auf spätere Umsturzpläne, die Richtung Ermächtigungsgesetz und Machtkonzentration gehen. Nicholas Moor selber ist eine gebrochene Figur, mit familiären und beruflichen Problemen. Sein einziger Halt im Leben ist seine Tochter Hanna und die gerät durch seine Recherche in ernsthafte Gefahr. Mehr als einmal, bringt Nicholas sich und ihm Nahestehende in Gefahr, was auch zu tragischen Todesfällen in seinem Umfeld führt.
Das Buch selber ist sehr flüssig geschrieben und ich konnte es flott lesen, aber inhaltlich hat es mich nicht wirklich ganz überzeugen können. Mir hat ein Gefühl für die Gesellschaft in diesem Deutschland gefehlt. Was ist in diesem Land passiert, dass eine völkische Partei so hohe Zustimmung bekommen kann? Abwertende Bemerkungen und Übergriffe gegen Ausländer sind mir da zu wenig.
Was mir gut gefallen hat, war der kritische Umgang mit der Macht der Medien. Es ist sehr bedenklich, wenn sich reiche Kräfte, die Berichterstattung 'kaufen' können.
Wer gerne rasante Actionthriller liest, wird hier seine Freude haben.
Deutschland kurz vor der Bundestagswahl. Die rechtspopulistische Volkspartei ist auf dem besten Wege stärkste Kraft zu werden. Bei einem Urlaub in den Bergen filmt der Journalist Nicholas zufällig ein Geheimtreffen der Parteispitze und macht dabei erschreckende Entdeckungen. Nicholas Drohne bleibt aber nicht unbemerkt, sodass er nun im Visier der Partei steht. es beginnt ein atemberaubender Wettstreit um die öffentliche Meinung.
Wow, dieses Buch hat mich so gefesselt, es war voller Spannung und auch schockierend. Die Atmosphäre in diesem Thriller, die Begeisterung für die rechtspopulistische Partei und die Gewalt haben mich stellenweise stark schlucken lassen. Vor allem, weil man sich fragt, wie realistisch eine solche Entwicklung in Deutschland wäre.
Die Spannung war mit Händen zu greifen, es gab einige wirklich spannende und brenzlige Szenen. Außerdem gab es die ganze Zeit so ein untergründiges Gefühl, dass alles auf eine Katastrophe zu steuert.
Die Charaktere habe ich als sehr gut ausgearbeitet empfunden. Der Protagonist war allerdings nicht unbedingt ein Sympathieträger, aber meiner Meinung nach ist das auch nicht erforderlich für einen guten Thriller. Einige seiner Entscheidungen sind fragwürdig, aber das Buch rückt sie dennoch in ein richtiges Licht und lässt sie nicht einfach so stehen.
Der Schreibstil hat mir sehr gut gefallen. Es gab einige besondere Stellen, deren Wortwitz mich auch zum schmunzeln gebracht hat.
Ein wirklich guter und nachdenklich machender deutscher Thriller.
"Die letzte Wahl" ist ein rasanter Thriller, der von einer wichtigen Scene zur nächsten springt. So wird der Spannungsbogen dauerhaft schön hoch gehalten wird. Dabei fallen natürlich Details weg, was mir jetzt aber nicht unbedingt negativ aufgefallen ist. Aber ein bisschen mehr Detail hätte schon nicht geschadet :)
Vielmehr bin ich Inhaltlich von den Entscheidungen des Protagonisten enttäuscht. Für mich irgendwie nicht nachvollziehbar und eher unrealistisch für einen einfachen Journalisten. Um Spoiler zu umgehen, will ich jetzt nicht auf Details eingehen.
Weiter hätte ich mir inhaltlich mehr Tiefgang erwünscht was die Politik angeht. Wie genau sieht der Plan der Volkspartei aus? Wie soll das möglich sein?
Trotz der teilweise nicht nachvollziehbaren Handlungen hat mich dieser Thriller gut unterhalten und konnte besonders durch eine schnelle Handlung überzeugen. Besonders thematisch zur aktuellen Bundestagswahl kann man das mal gelesen haben aber um ein Highlight handelt es sich hier leider nicht.
Insgesamt ein sehr spannender Thriller mit einem immer noch höchst aktuellem Thema, wenn man bedenkt wie sich der Zuspruch für die AfD in Deutschland entwickelt. Ich persönlich hätte mir etwas mehr politischen Tiefgang gewünscht, da es sich eben um ein sehr politisches Szenario handelt und fand außerdem das Ende etwas unbefriedigend & plötzlich. Trotzdem empfinde ich den Thriller und auch Schreibstil des Autors als gelungen & fesselnd.