Ein großartiger Familienroman, der sich zusehends zum Politthriller entwickelt
Tilde Ahrens, mehrfache Mutter, Oma und Uroma, liegt im Sterben und bittet kurz vor ihrem Tod Lieblingsenkelin Hanna, die Familie zusammenzuhalten. Keine einfache Aufgabe für die freigeistige Journalistin, die eigentlich seit Jahren in den USA lebt, denn in dem weitverzweigten Ahrens-Clan prallen die unterschiedlichsten Weltanschauungen aufeinander. Hanna taucht ein in die Geschichte ihrer Familie und stellt sich der Auseinandersetzung mit ihrer erzkonservativen Schwester, deren Mann Felix Kopf einer nationalistischen Partei ist. Es kommt zu einer vorsichtigen Annäherung. Doch dann gewinnt der charismatische Felix überraschend die Wahl, zieht ins Kanzleramt ein und ausgerechnet Hanna soll ihn bei seiner politischen Arbeit unterstützen. …
Nachdem die erzkonservative Tilde, Familienoberhaupt der Ahrens, stirbt, soll ihre Enkelin Hanna die Familie zusammenhalten. Besonders auf ihre Schwester Trixie soll sie ein Auge haben, die mit einem aufstrebenden Politiker verheiratet ist. Dabei gerät Hanna aber zusehends in einen Konflikt zwischen Loyalität ihrer Familie gegenüber und ihrer eigenen Integrität. Das Debut von Sarah Höflich ist gut geschrieben, lässt sich flüssig lesen und ist so spannend, dass man es kaum aus der Hand legen möchte. Trotzdem musste ich das Buch ab und an zur Seite legen, weil das Szenario einfach beklemmend ist. Wir haben in den letzten Jahren gesehen, wie schnell sich der Diskurs nach rechts verschieben kann und die Zukunft, die Sarah Höflich sich hier ausmalt ist einfach nur erschreckend. Erschreckend, weil es einfach viel zu nah an der Realität ist. Am Glaube daran die Fanatiker in Schach halten zu können sind schon viele gescheitert…großartiges Buch, dass unsere Vergangenheit mit einer möglichen Zukunft wunderbar verknüpft und dabei immer wieder deutlich macht: vergesst unsere Geschichte nicht, damit sie sich nicht wiederholt!
Der nahende Tod ihrer geliebten Großmutter bringt Hanna aus den USA zurück nach Deutschland. Eigentlich sollte es nur ein kurzer Besuch werden, doch die Journalistin beobachtet fasziniert, was sich in ihrer Heimat tut. Konservative Kräfte haben immer mehr Zulauf, geradezu völkisch mutet das an, was die neue Partei BürgerUnion in ihrem Programm stehen hat. Ganz weit vorne in der Bewegung ist Felix von Altdorff, Spross einer alten Adelsfamilie, Ehemann von Hannas Schwester Trixie und aussichtsreichster Kandidat auf die Kanzlerschaft. Als er Hanna überraschend um Unterstützung bittet, ist die Journalistin zunächst geneigt, dies abzulehnen, aber die Chance, ein Gegengewicht zu bilden und das Abdriften an den rechten Rand verhindern und am Rädchen der großen Politik mitdrehen zu können, überzeugen sie dann. So erlebt sie unmittelbar, wie sich die Regierung 80 Jahre nach der schlimmsten Katastrophe wieder in selbige bewegt.
„Pass bloß auf. Das da drüben ist nicht mehr Deutschland, Hanna.“ Ihre Stimme klang heiser. „Das ist das Vierte Reich!“
Sarah Höflichs Roman greift aktuelle gesellschaftliche und politische Entwicklungen auf und treibt diese gar nicht mal so unheimlich viel weiter. Eine vorgeblich bürgerliche Partei, jedoch mit radikalem rechten Flügel, der alte Parolen nur etwas moderner verpackt, kann weite Teile der enttäuschten Bevölkerung erreichen. All die Abgehängten und Enttäuschten, die einen Sündenbock für das suchen, was in ihrem Leben nicht glückt, werden bedient und finden sich wieder. Unheilvoll rast die einstmalige Musterrepublik auf den Abgrund zu.
Dramaturgisch raffiniert aufgebaut beginnt der Roman mit Flucht und endet mit dieser. Der alte Spruch, dass Geschichte sich wiederholt, wird in „Heimatsterben“ überzeugend umgesetzt. Nicht nur zeigt er, dass ein gewisses Gedankengut schlichtweg nicht totzukriegen ist, sondern auch, dass gemäßigte Kräfte, die mit besten Ansinnen an ihre Aufgaben gehen, letztlich auch zum Opfer der Geister werden können, die sie selbst gerufen und gestärkt haben. Es ist nicht der plötzliche große Umsturz, sondern der schrittweise Marsch in eine Richtung, die die gemäßigten, weltoffenen Bürger ihr Land nicht mehr erkennen lässt. Man hat es kommen sehen, nur: niemand hat etwas dagegen getan.
Wenn Literatur relevant sein möchte, muss sie auf das reagieren, was sich in der Welt tut. Genau das gelingt der Autorin, sie zeichnet ein erschreckendes Szenario, das nicht schwarz/weiß ist, sondern auch die feinen Schattierungen aufweist, die das Leben so komplex und undurchschaubar machen. Ihre Figuren wirken dabei authentisch, was die Handlung ausgesprochen real wirken lässt. Das, was sie in ihrem Roman schildert, könnte genau so Realität werden. Ein charismatischer Anführer für ein enttäuschtes und frustriertes Volk – viel mehr benötigt es manchmal nicht, um den Stein ins Rollen bringen, der sich nicht mehr aufhalten lässt.
Bereits die Gestaltung des Buchcovers hat mich fasziniert. Der faulige Apfel steht so sinnbildich für Heimatsterben bzw. also das Sterben der Heimat, den "(deutschen) Verfall" - wirklich gut gewählt und auch in der Handlung aufgegriffen. Der Klappentext hat mich schon auf eine spannende Familiengeschichte, die zum Politikum wird, gefasst gemacht. Ich war jeoch nicht auf eine so packende und intensive Geschichte gefasst. Die Handlung lehnt sich an hochaktuelle politische Entwicklungen an und spielte für mich somit immer auf einem schmalen Grad zwischen Fiktion und Realität. Dieser Spannungsbereich hat die Handlung für mich viel realer und damit eindringlicher erscheinen lassen. Die Schilderungen sind insgesamt sehr facettenreich, es werden verschiedene Charaktere eingehend eingeführt und deren Sichtweisen kommen jeweils gut zur Geltung. Die verschiedenen Familienmitglieder spiegeln ebenso den gesellschaftlichen Konflikt wieder. Insgesamt sind die Charakerdarstellungen auch allesamt detailiert und authentisch, wenngleich auch nicht immer sympathisch. Insgesamt hat mich sowohl die Thematik und deren Aktualität als auch der hervorragende Spannungsaufbau des Buches mehr als positiv überrascht. Ich konnte das Buch nicht aus den Händen legen. Dieses Buch ist definitiv eines meiner Highlights!
Ein beeindruckender Erstling. Was wäre, wenn eine nationalistische Partei auf einmal wieder so salonfähig wäre, dass sie die Wahlen gewinnt und den Kanzler stellt? Die Autorin zeichnet hier ein düsteres Bild unseres Landes nach einem solchen Wahlsieg, ohne dabei aber in die Falle zu tappen, alle Anhänger oder auch nur alle Politiker dieser Partei über einen Kamm zu scheren. Genau wie die Motivationen für die Mitgliedschaft in einer solchen Partei unterschiedlich sind, stecken auch Menschen mit sehr unterschiedlichen Werten und Weltbildern dahinter. Allerdings ändert das nichts an den Fakten, an den Folgen für Minderheiten oder Menschen, die die Wahrheit offen aussprechen. Ein interessantes Gedankenspiel, das hoffentlich nie Realität wird.
"Heimatsterben" von Sarah Höflich verbindet das politische Schreckensszenario eines Rechtsrucks in der Regierung mit einer komplexen Familiengeschichte. Hanna Ahrens, freie Journalistin in New York, kehrt aufgrund des Todes ihrer Großmutter nach Deutschland zurück. Dort ist ihr Schwager Felix von Altdorff Kopf einer sehr erfolgreichen rechten Partei - und ausgerechnet Hanna lässt sich überreden, ihn zu unterstützen. Eine spannende, aktuelle Grundidee also - aber das Buch bleibt deutlich hinter den Erwartungen zurück.
Zunächst enttäuscht mich die Figurenzeichnung. Hanna überzeugt mich nicht: Sie soll eine gebildete Frau mit einer politischen Einstellung eher links von der Mitte sein, geht ihrem Schwager aber sofort auf den Leim, als sie seine deutlich nationalistischen Briefe an ihre verstorbene Großmutter liest. Auch das Wahlprogramm der BürgerUnion erscheint ihr "nicht schwachsinnig" - warum, das bleibt mir völlig unklar. Zu allem Überfluss lässt sie sich nach kurzer Überlegung auf die Landesliste der Partei setzen, als ob dies die einzige Möglichkeit wäre, ihrem Schwager zu helfen. Bei Felix muss seine persönliche Schuld gegenüber einer anderen Familie als Konstrukt als Erklärung dafür herhalten, dass er ihre noch nationalistischere Haltung akzeptiert. Dazu kommt die merkwürdige Idee, er müsse "Angebote machen" und dafür mit sehr rechts eingestellten Personen zusammenarbeiten.
Außerdem wird die politische Entwicklung immer nur kurz angerissen. In wenigen Sätzen wird eine Entwicklung oder eine Einstellung der Bevölkerung zusammengefasst, der Hintergrund bleibt unklar. Erklärungen und Zusammenhänge spart sich die Autorin auch dadurch, dass sie mehrmals in ihrem Buch Zeitsprünge einbaut - bequem, aber nicht überzeugend. Die Familiengeschichte ist interessant, auch wenn sie ein bisschen den Eindruck erweckt, die Welt - oder zumindest Deutschland - sei ein Dorf. Teilweise ist sie auch arg melodramatisch geraten; es gibt keinen Sturm, der keine Bedeutung hätte.
Insgesamt hätte ich mir von diesem Buch deutlich mehr versprochen, als Roman über Politik ist es mir zu oberflächlich und als Familiengeschichte zu klischeehaft und melodramatisch.
Danke an Vorablesen und den dtv Verlag, die mir ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt haben. Meine Meinung ist davon unabhängig.
Mit „Heimatsterben“ gelingt Sarah Höflich ein überaus gelungenes Debüt! Ich habe das Buch auch direkt mal an meine Eltern weitergegeben. Und ich bin gespannt auf weitere Bücher der Autorin, weil ich in ihr großes Potential sehe, und mir sicher bin, dass das nächste Buch von ihr auch von mir die vollen 5 Sterne bekommen kann. Denn ich bin der Meinung, dass Heimatsterben sein Potential nicht zu 110% ausgeschöpft hat, und es noch etwas Luft nach oben gibt.
Worum geht es?
Die mindestens 90 Jahre alte Tilde Ahrens liegt im Sterben, und ihre Enkeltochter Hanna reist aus den USA nach Deutschland, um sich von ihrer geliebten Oma zu verabschieden. Tilde bittet Hanna, die Familie nach ihrem Tod zusammenzuhalten. Aber das ist nicht so einfach für die liberale Journalistin, da z.B. ihr Schwager Felix den Vorsitz einer konservativ-nationalistischen Partei inne trägt, und überraschenderweise die Kanzlerwahl gewinnt. Die politische Situation in Deutschland radikalisiert sich immer mehr. Aber Hanna beschließt zu bleiben, und will versuchen, als Gegengewicht für Felix‘ und seine Partei zu dienen, damit diese nicht noch weiter nach rechts abdriften…
Den Titel, aber besonders das Cover finde ich extrem schlau gewählt. Zu sehen ist ein Apfel, der verfault ist. Das „st“ von -sterben im Titel ist leicht verblasst, sodass man sowohl Heimatsterben, als auch Heimterben lesen könnte. Ein wirklich passendes Wortspiel! Denn es geht einerseits um die Erben von Tilde, ihre Nachfahren, ihre Familie. Und es geht auch um den Zerfall, das Sterben eines Landes. Der Apfel ist ein typisch deutsches Obst und somit ein passendes Symbol. Und ein verfaulter Apfel kommt auch im Buch selbst vor, in einer Szene zwischen Hanna und Felix. Dort erklärt Felix die Notwendigkeit von Fäulnis, die dazu dient, einen abgestorbenen Organismus anderweitig nutzbar zu machen (vgl. S.341 in der Print-Ausgabe). Eine Metapher, die auf den Inhalt passt. Für Felix‘ Partei, die BürgerUnion, ist die deutsche Regierung ein Organismus, der optimiert werden muss. Ihre rechtsradikalen Werte sind im übertragenen Sinne die Fäulnis, die die Regierung zerstören werden, um sie dann anderweitig zu nutzen bzw. neu nach ihren Worten zu formen. Also Hut ab an die Personen, die sich hier so viele Gedanken bei Titel und Covergestaltung gemacht haben!
Hanna und Felix sind für mich die Protagonisten dieses Buches. Auch Hannas Schwester und Felix‘ Frau Trixie, ihr Cousin Joost und ihr Onkel Carl-Friedrich sind wichtige Charaktere, die mir in Erinnerung geblieben sind. Es gibt einfach sehr viele wichtige Charaktere, und für meinen Geschmack etwas zu viele. Im Buch befindet sich ein Stammbaum der Familie Ahrens. Viele Verwandtschaftsbeziehungen werden auch im Buch erklärt. Aber die Verbindung und auch Einbindung der Kruses in die Geschichte kommt mir zu kurz. Deren Kapitel habe ich oft nur überflogen, weil es mir einfach zu viel war und ich den familiären Zusammenhang nicht ganz verstanden habe. Ein paar weniger Charaktere hätten mir hier auch gereicht. Trotzdem waren alle Charaktere gut ausgearbeitet.
Der Schreibstil hat mir gut gefallen. Das Buch ist durch ihre präzise Wortwahl sehr dynamisch und flüssig zu lesen.
Die Handlung ist wirklich spannend, und es ist ein erschreckendes Bild der Zukunft, was gar nicht mehr so unmöglich scheint, angesichts des erneuten Anstiegs rechter und nationalistischer Tendenzen in der Gesellschaft. Das Buch zeigt nochmal mehr, dass wir alle eine Mitverantwortung haben, so etwas zu verhindern, und uns politisch zu beteiligen. Allerdings habe ich mir bei dem Genre „Politthriller“ noch eine etwas krassere Entwicklung gehofft, und auch mehr Fokus auf die Politik, statt auf die Dramen in der Familie. Ich hatte mir z.B. intensivere Einblicke in das Kanzleramt und den politischen Entscheidungsprozess gewünscht, und einfach noch zwei, drei mehr drastische Entscheidungen der nationalistischen Regierung – weil so würde ich das Buch definitiv nicht als Thriller bezeichnen.
Abgesehen von diesen kleinen Kritikpunkten (für mich etwas zu viele Charaktere, nicht krass genug für einen Thriller und im Politischen sehr oberflächlich) hat mir das Buch doch wirklich gut gefallen, und es hat mich zum Nachdenken angeregt.
Ich vergebe 4 Sterne, eine klare Leseempfehlung und die Bitte, in einem Monat wählen zu gehen und sich gegen rechts zu positionieren. Sonst wird aus der Fiktion von Sarah Höflich bald Wirklichkeit…
„Das ist das Schlimmste an Entscheidungen, dachte Hanna […]. Dass man in der Sekunde, in der man eine traf, eben nie wusste, ob sie richtig oder falsch war. Klarheit gab es nur in der Rückschau.“ (S.133)
Die Handlung von Sarah Höflichs Roman "Heimatsterben" findet in der sehr nahen Zukunft statt, in der sich politische, gesellschaftliche und die Umwelt betreffende Entwicklungen, die teilweise heute bereits sichtbar sind, sich noch deutlich verschärfen. Die Geschichte wird aus der Sicht von mehreren Figuren erzählt, die alle mit der Familie Ahrens irgendwie in Verbindung stehen. Deren fast hundertjährige Matriarchin Tilde Ahrens liegt am Anfang des Romans im Sterben, woraufhin ihre Enkelin Hanna aus den USA zurückkehrt, um ihr Beizustehen. Hanna ist sich unschlüssig, wie es für sie weitergeht und wird prompt vom Ehemann ihrer Jüngerer Schwester Trixie, Felix von Altdorff einem adeligen Kanzlerkandidat an der Spitze einer rechten Partei, zu seinem Berater gekürt. Felix und seine Partei sind extrem populär in Deutschland und es scheint so, als ob die Bevölkerung und seine Partei geschlossen hinter ihm stehen würden. Doch der Schein trügt, selbst unter seinen eigenen Unterstützern werden Zweifel groß, dass er nicht hart genug zugreifen würde. In der Bevölkerung werden indes Stimmen laut, die sich gegen den zunehmenden Polizeistaat wehren. Bis die Stimmung ihren Höhepunkt erreicht... Höflich ist ein sehr spannender und brisanter Roman gelungen, der sehr realistisch ist. Zwar kann man nie hundertprozentig voraussagen, wie sich die Dinge entwickeln werden, weil jeden Moment etwas unerwartetes passieren kann, aber wenn man einigermaßen die Nachrichten verfolgt, sieht man, dass vieles, was in "Heimatsterben" angesprochen wird, bereits heute schon sichtbar ist, etwa die Klimakrise, der Rechtsruck in der Politik oder die Flüchtlingsfrage. Deshalb und weil ich gerne "Was wäre, wenn..." Szenarien mag, gefiel mir der Roman sehr gut. Auch das Cover mit dem halb verfaulten Apfel passt perfekt zum Inhalt. Vor allem, weil es auch im Roman in einer Szene aufgenommen wurde. Bei den Charakteren hätte mir etwas mehr Tiefe gefallen. Als Leser*in erfährt man zwar viele Aspekte über sie, aber sie bleiben stellenweise doch recht flach. Jedoch hat mich das beim Lesen nicht sehr gestört, wie es in anderen Werken der Fall gewesen wäre, einfach, weil die Story sehr spannend war und dies dadurch aufgewogen wurden. Einige wenige Tippfehler (so u.a. eine falsche Zahl im Stammbaum auf der Innenseite des Buchcovers), merkwürdige Absätze, wo eine Konversation zwischen zwei Figuren etwa durch einen Absatz geteilt wird und eine fehlerhafte Assoziation (Kurden wurden mit Albanern gleichgesetzt), störten zwar den Lesefluss etwas, aber durch ihre geringe Anzahl fielen sie nicht weiter ins Gewicht. Alles in allem kann ich dieses kurzweilige und spannende Buch allen ans Herzen legen, die sich für einen möglichen Weg, wie sich heutige Ereignisse weiterentwickeln könnten, interessieren.
Familienoberhaupt Tilde hatte den zweiten Weltkrieg mit einem Säugling an der Seite überlebt, doch nun ist ihre Zeit gekommen. Als sie stirbt, bittet sie ihre Enkelin Hanna auf deren Schwester aufzupassen. Aus gutem Grund, denn Hannas Schwager hat große politische Pläne.
Familiengeschichten, dazu noch in einem politischen Kontext eingebettet, sind genau mein Ding, darum war schnell klar: Das Buch muss ich haben und ich kann schon direkt verraten, dass das Buch meinen Erwartungen weitgehend entsprach. Der Schreibstil ist rund und somit lässt sich das Buch fast in einem Rutsch lesen, zumal man sich immer wieder fragt, wohin alles führen wird. Die Protagonisten, allen voran Hanna sind schnell eingeführt und man hat direkt ein Bild vor Augen. Die Familienkonstellationen werden gut nachvollziehbar geschildert – notfalls kann man ja auch mal bei dem optisch schön in Szene gesetzten Stammbaum nachsehen. Manche Charaktere bleiben etwas blasser, aber ihre Beweggründe werden offensichtlich und darauf kommt es letztlich an. Wie alles ineinandergreift fand ich nachvollziehbar und vieles auch ein wenig absehbar, aber das tat der Geschichte keinen Abbruch.
Überrascht hatte mich ein wenig, dass die Geschichte in der Zukunft spielt, aber das hat auf jeden Fall einen Reiz, denn aktuelle Entwicklungen können somit „weitergesponnen“ werden und es zeigt sich, was passieren könnte. Dabei sind die Entwicklungen teils wirklich sehr dramatisch, aber nicht völlig utopisch, wenn man sich mal so manches genauer ansieht und gewisse Tendenzen in mancher Bevölkerungsschicht mal genauer unter die Lupe nimmt. Und was das Buch auch eindrücklich zeigt: Man kann seine moralischen Vorstellungen haben und doch in Geschichten reingezogen werden, die den eigenen Vorstellungen eigentlich widersprechen. Und wenn man dann einmal drin hängt….
Die Familiengeschichte ist konstant Thema, aber immer und immer wieder wird das politische System gekonnt eingebunden und die Geschichte vorangetrieben, teils mit Rückblicken in die jüngere Vergangenheit, teils bis zurück in den zweiten Weltkrieg und die Flucht Tildes. Dann gibt es auch noch weitere Themenkomplexe, wie Homosexualität, was macht die Macht mit Menschen, wie arbeitet der Wiederstand und so vieles mehr – was in Summe ein gutes, stimmiges Gesamtbild ergibt. Wenn schon die Rede von „Bild“ ist, dann muss ich auch mal eine Ausnahme machen und etwas zu Cover sagen: Es passt extrem gut und auch wenn es sicher erst einmal nicht ganz so schön wirkt – es hat seinen Reiz.
Es ist ein fiktionales Werk, ein Gedankenspiel, wie sich unsere nähere Zukunft entwickeln könnte, dass ich sehr gerne weiterempfehle und mich sicher immer wieder zum Nachdenken anregen wird.
Hanna ist Journalistin und lebt in der USA. Da ihre Grossmutter Tilde im Sterben liegt, kehrt sie zurück nach Deutschland. Vor Ort stellt sie fest, dass eine neue Partei kräftig im Aufwind ist, die BürgerUnion, entstanden aus konservativen Mitgliedern der CDU und AFD. Parteivorsitzender ist Felix Graf von Altdorf, Hannas Schwager. Nach der Wahl macht Felix, Hanna ein Angebot für ihn im auswärtigen Amt zu arbeiten. Obwohl sich vorher schon Teile von Hannas Familie und ihre Freunde Sorgen um die Partei machen, nimmt Hanna das Angebot an und erlebt nun hautnah mit, was es heisst nah an der Macht zu sein. Auch wird nach der Wahl schnell sichtbar, dass es in der Partei rechte Strömungen gibt, die intern den Machtkampf gewinnen wollen. Das Buch ist in vier Abschnitten gegliedert, die jeweils ein Quartal darstellen, in denen sich die Situation schnell verschärft, Ausländer werden abgeschoben, linke Demonstrationen mit Gewalt aufgelöst und Informationen intern vertuscht. Hanna muss sich entscheiden, zwischen Loyalität und Integrität.
Neben einem Politikthriller wird auch eine komplexe Familiengeschichte erzählt. Auch wenn Tilde für Hanna und ihre Schwester Trixie wie eine Mutter war, hatte sie auch Ansichten, mit denen sich Hanna schwer tut, zum Beispiel hat Tilde ihre Sohn Carl-Friedrich, der schwul ist, nie wirklich akzeptiert. Auch ist die Familie Ahrens sehr verzweigt, sodass es noch gewisse Nebenschauplätze gibt.
Das Buch lässt sich flott und spannend lesen. Die Autorin hat bereits einige Drehbücher verfasst und arbeitet mit bildlicher Sprache und einer dynamischen Handlung, die sehr gut zu einer Netflix Serie passen würden. An sich fand ich die politische Geschichte gut, dadurch aber, dass ein relativ langer Zeitraum (knapp 1 Jahr) beleuchtet wird, wirkt alles ein wenig gehetzt und an gewissen Stellen oberflächlich. Auch fand ich es unrealistisch, dass dem Thema Klimawandel wenig Raum gegeben wurde. Klar, man muss nun nicht jeden Roman damit füllen, aber es wäre einfach auch spannend gewesen zu lesen, wie die Partei damit umgeht.
Alles in einem eine gute Mischung aus Familiengeschichte und Politikthriller.
-Das hier zu schreiben ohne zu Spoilern ist hart, aber ich gebe mein Bestes.- . Der Debütroman von Sarah Höflich ist ein wirklich gelungenes Werk. Dieses Buch ist ein Familienepos mit einer zu beachtenden politischen Note. Es handelt von der Familie Ahrens, deren Wurzeln im zweiten Weltkrieg liegen und die bis zur Post-Merkel und Post-Pandemie Zeit reichen, in der dieses Werk hauptsächlich spielt. Wir lernen die Familie auf den 384 Seiten des Buches wirklich ausführlich kennen, was ich mir vorher tatsächlich in Anbetracht der Länge des Buches nicht wirklich vorstellen konnte. Der Schreibstil ist sehr angenehm zu lesen und die Länge der Kapitel passen perfekt zum Gesamtkonzepts des Buches, welches Dreigeteilt ist, es beginnt im Herbst, führt uns in den Frühling und dann in den Winter. Dadurch begleiten wir die Familie Ahrens fast ein ganzes Jahr. Wir erhalten Einblicke in die Beweggründe der Familienmitglieder und sind mit dabei wie etwas unvorstellbares aus der Heimat der Familie wird. Durch die Geschichte der Familie ist die Verbindung von Vergangenheit und heutiger Zeit deutlich spürbar und man wird sich dessen bewusst dass man die Vergangenheit nicht außer Acht lassen sollte. . Während des Lesens muss man sich immer wieder sagen, dass alles nur Fiktion ist, denn in Anbetracht der letzten Jahre wirkt dieses Buch erschreckend real. Am Ende des Buches befindet sich ein Disclaimer der Autorin in dem sie auch noch einmal ausdrücklich schreibt das es sich um Fiktion handle. Dieses Buch regt definitiv zum Nachdenken an und das in mehreren Hinsichten. Man denkt über seine Familie nach, über Loyalität, darüber was Heimat eigentlich ist, über den Elefanten im Raum, was wenn es eine vermeidlich Rechte Regierung gibt, über all die was wäre wenn, über eine Menge… Auch wenn Hanna die Hauptprotagonistin des Buches ist, haben die anderen Charaktere nicht weniger Auftritte und gewidmete Kapitel wie sie. . Etwas was mir persönlich sehr gut gefallen hat ist die Tatsache dass der verfaulte Apfel auf dem Cover nicht nur als Symbolbild dient sondern auch im Buch aufgegriffen wird. . Zusammengefasst lässt sich nun also nur noch sagen, eine komplette Leseempfehlung von meiner Seite.
Aktuelles Thema - gelungen Dieser Roman ist zugleich Familiengeschichte und Politthriller.
Tilde Ahrens ist 97Jahre alt als sie sich bei einem Sturz schwer verletzt. Ihre Enkelin Hanna macht sich auf den Weg zu ihr nach Deutschland. Im Flieger liest sie eher zufällig einen Artikel über ihren Schwager Felix von Altdorff. Ihr Großmutter bittet sie auf dem Sterbebett darum, sich um ihre Familie zu kümmern - eine große Aufgabe für die Protagonistin dieses Buches. Hanna versucht ihr Bestes, was unter anderem dazu führt, dass der Mann ihrer Schwester Trixie sie um Unterstützung bei seinem politischen Weg bittet. Wider bessern Wissens stimmt Hanna zu und findet sich bald zwischen den Stühlen wieder. Der Schwager wird tatsächlich Bundeskanzler, Hanna soll Wege gehen, die sie nicht mit sich selbst und ihrer Wahrheitsliebe vereinbaren kann.
Sarah Höflich hat mit ihrem Debütoman ein beeindruckendes Werk geschaffen. Durch Rückerinnerungen an die vergangene Zeit entsteht ein echter Bezug zur Geschichte Deutschlands, die eigentlich fiktive Geschichte zeigt einige wirklich aktuelle Bezüge zur Realität. Die Familiengeschichte, die von Autorin erzählt wird, ist gut nachvollziehbar - ebenso die Konflikte der Protagonistin. Hanna folgt einerseits ihrem Gefühl für Gerechtigkeit und andererseits dem Wunsch, für die Familie da zu sein. Der Roman entwickelt sich kontinuierlich, Die Karriere des Felix von Altdorff, sein Wunsch nach Unterstützung durch eine Person, der er vertrauen kann und der Zwiespalt, der sowohl bei ihm als auch bei Hanna entsteht und beide - unterschiedlich- handeln lässt, ist brillant beschrieben. Sarah Höflich hat einen angenehmen Schreibstil, die Perspektivwechsel sind gut gelungen und tragen dazu bei, die Spannung zu erhalten. An einigen Stellen des Buches war ich atemlos. Ich gebe diesem Roman 5 Sterne und eine klare Leseempfehlung.
Heimatsterben von Sarah Höflich ist beides – Familienroman und politischer Thriller. Als Tilde Ahrens hochbetagt stirbt, hinterlässt sie eine große Familie, in der der Zusammenhalt längst nicht mehr vorhanden ist. Während Hanna eher links orientiert in der New Yorker Künstlerszene lebt, hat ihre Schwester Trixie in den konservativen Adel eingeheiratet. Ihr Mann Felix hat die BürgerUnion gegründet, eine rechtsorientierte Partei im Aufschwung. Er überredet Hanna nach Trixies Tod ihn bei seiner Arbeit zu unterstützen.
Was folgt ist eine erschreckend realistische Dystopie. Sarah Höflich beschreibt eindrücklich, wie verschiedene Persönlichkeitstypen vom Rechtsruck mitgerissen werden und sich der politische Diskurs zunehmend verschärft. Angesichts der aktuellen politischen Situation liefen mir beim Lesen regelmäßig Schauer über den Rücken, denn der Roman zeigt deutlich, wie einfach eine Demokratie ins Wanken geraten kann.
Abgesehen davon bin ich leider beim Lesen den Protagonist:innen nicht wirklich Nahe gekommen. Durch den eher sachlichen Stil und die große Anzahl an verschiedenen Familienmitgliedern blieb ich beim Lesen eher auf Distanz. Das liegt auch daran, dass mir gerade Hannas impulsiver Entschluss Felix zu unterstützen, sehr „out of character“ vorkam.
Nichts destotrotz kann ich den Roman, gerade im Hinblick auf die anstehenden Wahlen, nur empfehlen, denn er zeigt deutlich, wie wichtig es ist, gerade jetzt politisch Stellung zu beziehen.
Sarah Höflich malt ein bedrückendes Bild und zeigt in ihrem Roman, wie es dazu kommt. Im Zentrum steht Familie Ahrens, in der sich die verschiedenen Überzeugungen treffen.
Hanna hat ihrer Familie lange den Rücken gekehrt und deshalb die ganzen Entwicklungen nur am Rand mitbekommen. Als sie zu einem letzten Besuch ihrer Großmutter aus den USA wieder nach Deutschland kommt, sieht sie, wie sehr sich ihre Familie verändert hat.
Im Zentrum standen für mich Felix und Trixie. Er ist der aufstrebende Politiker mit einer wunderschönen Frau an seiner Seite. Mit ihrer Kinderschar inszenieren sie sich als Vorzeigefamilie und Trixie inszeniert ihr Leben perfekt.
Hanna steht den Entwicklungen ihrer Familie kritisch gegenüber, trotzdem lässt sie sich von Felix überreden, für ihn zu arbeiten. Er will jemand in seinem Stab haben, der auch andere Ansichten vertritt und dem er vertrauen kann.
Je länger Hanna wieder in Deutschland ist, desto mehr verschwimmen für sie die Grenzen. Manchmal habe ich sogar den Eindruck, als ob sie ihre Überzeugung zumindest stückweise aufgibt, vielleicht auch, weil sie jetzt ein anderes Bild sieht.
Ich habe mich in der Vielzahl der Charaktere und familiären Beziehungen stellenweise ein wenig verloren. Manchmal fand ich auch die Erklärungen der Autorin, warum sich ein Charakter so und nicht anders entwickelt hat, etwas zu platt. Wirklich sympathisch fand ich keinen von ihnen. Aber hier hat mich das nicht gestört, weil es für mich nicht um die Charaktere ging, sondern um die Entwicklung, die die Autorin beschrieben hat.
Zum Buch: Tilda Ahrens hat den zweiten Weltkrieg sowie zwei Ehemänner überlebt. Als Mutter von drei Kindern hat sie erfolgreich einen Hof geleitet. Nun ist sie 97 Jahre alt und liegt im Sterben. Ihre Lieblingsenkelin Hanna reist extra aus Amerika an, um sie nochmal zu sehen. Auf dem Sterbebett bittet sie Hanna auf ihre Schwester und deren Mann aufzupassen. Keine leichte Aufgabe, ist doch Trixies Ehemann ein vielversprechender Kanzlerkandidat ...
Meine Meinung: Die Geschichte hat mich überrascht. Ich erwartete eigentlich eine Familiengeschichte über Tilda, die viel in ihrem Leben erlebt hat. Aber Tilda spielte nur eine Nebenrolle, eigentlich. Das Szenario rund um den Kanzler Felix, der Mann von Hannas Schwester Trixie und um die Zukunft Deutschlands war sehr erschreckend, aber auch absolut vorstellbar. Zu Beginn hatte ich allerdings ein paar Probleme mit den vielen verschiedenen Personen, die alle irgendwie miteinander Verwandt waren und das verwirrte schon. Aber dann hat mich die Story schon sehr gut unterhalten können und richtig gepackt. Ein gut zu lesender Schreibstil, ein ständig ansteigender Spannungsbogen und ein großes Ende, das mich überrascht hat. Eine gute Mischung aus Spannungsroman und Familiengeschichte, war auf jedenfall sehr unterhaltsam.
Schon jetzt DAS Buch 2021 für mich! Ein Buch, das nicht aktueller hätte sein können: Im Jahr 2023 stehen nach einer gescheiterten Regierung Neuwahlen in Deutschland an. Die eher linke Journalistin Hanna lässt sich von ihrem charismatischen Schwager Felix dazu überreden, weit hinten auf der Landesliste seiner neurechten Partei zu kandidieren und ihn zu beraten. Die Partei fährt bei der Wahl einen riesigen Sieg ein und Hanna sitzt plötzlich unerwartet im Bundestag. Nur langsam erkennt sie, worauf sie sich eingelassen hat.
In "Heimatsterben" geht es um Politisches genauso wie im Persönliches - die Autorin verwebt gekonnt beide Ebenen zu einer fesselnden und faszinierenden Geschichte. Sie schreibt schnörkellos, aber eindringlich, sodass der Roman zum Pageturner wird. An vielen Stellen wirkt er erschreckend realistisch, sodass er gerade so kurz vor der Bundestagswahl ein eindringliches Plädoyer für die Demokratie liefert.
Am Anfang waren die verwobenen Familienstrukturen der vielen Generationen etwas verwirrend, aber der abgebildete Stammbaum half, die Verwandschaftsbeziehungen zu entwirren.
Tilde Ahrens liegt im Sterben, als sie ihre Enkelin Hanna darum bittet, die Familie zusammenzuhalten und auf ihre Schwester aufzupassen. Gar nicht so einfach für die politisch eher links orientierte Hanna, da ihr Schwager mit seiner nationalistischen Partei gerade das Kanzleramt anstrebt. Aus verschiedenen Blickwinkeln erleben die Lesenden die nächsten 18 Monate nach Hannas Versprechen und verfolgen, wie politische Vorstellungen und egoistische Einstellungen aufeinander prallen.
Sarah Höflich schafft mit diesem Roman ein unglaubliches Debüt. Die Figuren bringen eine angenehme Charaktertiefe mit und der Schreibstil fesselt, ohne reißerisch zu sein. Die von der Autorin gezeichnete Zukunft scheint unrealistisch und doch erschreckend nah und die Handlung ist oft so detailliert, dass Lesende vergessen können, dass das, was sie lesen, keine geschichtliche Nacherzählung sondern erschreckend realistische Fiktion ist.
Tilde hat viel erlebt in ihrem langen Leben, unter anderem den zweiten Weltkrieg. Mittlerweile kann sie auf eine Familie zurückblicken, nebst Urenkel. Nun liegt sie nach einem schweren Sturm im Sterben und bittet ihre Lieblingsenkelin Hanna die Familie ein letztes Mal zusammenzustrommeln und Abschied zu nehmen.
Was so einfach klingt was alles andere als leichte Kost. Tilde war eine starke Frau, aber voller Geheimnisse bis zu ihrem Ende. Was sie alles erlebt hat ist in diesem beeindruckenden Buch zusammengefasst. Heimatsterben ist sowohl familiär als auch politisch. Vielleicht merkt man, das die Autorin Drehbücher schreibt, vielleicht ist man auch einfach etwas sensibler geworden. Mich hat die Geschichte jedenfalls sehr gut unterhalten und total beeindruckt. Eine berührende, bewegende und doch alltägliche Geschichte, wie sie quasi in jedem Wohnzimmer stattfinden kann. Sehr gut erzählt.
Beim Cover war ich mir erst nicht so einig wie ich’s finde, aber in der Hand ist es dann tatsächlich ein richtiger Hingucker. Ich habe schnell in die Geschichte gefunden und war dankbar über den Stammbaum, denn die familiären Verhältnisse waren doch sehr komplex. Ich konnte mich sofort in Hanna und ihre Gefühlslage hinein versetzen. Sowohl was ihre Verpflichtung gegenüber ihrer Großmutter als auch ihr eigenes politisches Wertesystem angeht. Umso weiter die Geschichte fortschritt, desto mehr war ich von den Entwicklungen der einzelnen Charaktere beeindruckt und angetan. Gerade auch Felix ist viel facettenreicher als zu Anfang angenommen. Ich bin richtig begeistert, das sich der vermeintliche Roman immer mehr politisch und in Richtung Krimi entwickelt und am Ende kann ich’s nicht mehr aus der Hand legen. Eine absolute Leseempfehlung, ein ganz tolles Debüt!!!
Zum Inhalt: Tilde hat mehrere Kinder, Enkel, Urenkel und liegt im Sterben und hat den Wunsch dass ihre Enkelin Hanna die Familie zusammen hält. Das wird nicht einfach, denn der Mann von Hannas Schwester ist Kanzlerkandidat einer nationalistischen Partei. Sie lässt sich von ihm überreden ihn zu unterstützen und gerät damit immer mehr in Schwierigkeiten. Meine Meinung: Das Buch entwickelt ein Sog, der schon unglaublich ist. Das Buch ist beklemmend, weil in Teilen so furchtbar realistisch. Man kann sich sehr gut vorstellen, dass politische Parteien mit ihren teilweise sehr kruden Ideen die Welt in einer Art und Weise verändern können. In dem Buch liest man, die verschiedensten Anschauungen aufeinander prallen, wie die Vergangenheit uns auch heute noch zeigen sollte, dass man diese nie vergessen darf. Mir hat der Schreibstil ausgesprochen gut gefallen. Fazit: Beklemmend realistisch
Heimatsterben ist besonderer Roman. Die Autorin Sarah Höflich kann schreiben. In geraffter Form wird anfangs eine Familiengeschichte, beginnend mit der Flucht aus Schlesien bis hin zum Heute bzw. der nahen Zukunft erzählt.
Man ist sofort drin in dem dichten Plot mit den vielen gut ausgestalteten Figuren.
Im Mittelpunkt steht der Erfolg einer neurechten Partei, die stark an die AfD erinnert.
Der charismatische Felix von Altdorff als möglicher neuer deutscher Kanzler, seine Frau Trixie, deren Schwester Hanna und weitere.
Den Roman zeichnet einiges aus. Geschickt gestalteter Plot, nachvollziehbare und glaubwürdige Figuren. Ein sehr gelungenes Buch, das zum Nachdenken anregt.