145 Tage lang war der ukrainische Regisseur und Maidan-Aktivist Oleg Senzow im Hungerstreik. In dieser Zeit hat er Tagebuch und Kurzgeschichten geschrieben. Seine Schilderungen geben Einblick in den Alltag in der russischen Strafkolonie »Eisbär« in Labytnangi Polarkreis, in der er seine Lagerstrafe bis zu seiner vorzeitigen Freilassung verbüßen musste. Senzow beschreibt die körperlichen Veränderungen, die während der ausgesetzten Nahrungsaufnahme mit ihm vor sich gehen, das launische Wetter in dieser unwirtlichen Gegend, seine Lektüren und die Erinnerungen an die Revolution auf dem Maidan im Winter 2013/14, an der er unmittelbar beteiligt war. Er porträtiert Mitgefangene und beleuchtet die Mechanismen eines brutalen und menschenverachtenden Rechts- und Haftsystems, in dem der betreuende Lagerarzt Senzows einzige vertrauenswürdige Stütze ist.
Oleh Sentsov is a Ukrainian filmmaker, writer, and activist.
Sentsov has directed the feature films Gamer (2011), Numbers (2019, co-directed with Akhtem Seitablayev), and Rhino (2021).
Following the Russian annexation of Crimea, he was arrested in Crimea in May 2014 and sentenced to 20 years' imprisonment by a Russian court in August 2015 on charges of plotting terrorism. The conviction was described as fabricated by Amnesty International and others. He was awarded the European Parliament’s Sakharov Prize in 2018. On 7 September 2019, he was released in a prisoner swap between Russia and Ukraine.
After Russia's open military invasion of Ukraine in February 2022, Oleh Sentsov joined the Territorial Defense Forces in Kyiv.
Ich bin ehrlich: Ich musste mich erst einmal sammeln, bevor ich dieses Buch aufgeschlagen habe. Über Gefängnis und Hungerstreik zu lesen, fühlte sich einschüchternd an, aber ich konnte es einfach nicht weglegen. Am meisten hat mich beeindruckt, wie ruhig und gefasst Oleg diese Hölle beschreibt. Es gibt kein unnötiges Drama, aber eine solche Kraft, dass ich manchmal mitten im Satz innehalten musste, um einfach mal durchzuatmen.
Es hat mich sehr berührt, wie er die kleinen Details wahrnimmt: Geräusche, Gerüche, diese endlosen „4 ½ Schritte“ durch die Zelle. Für mich ist es eine Geschichte darüber, dass einem zwar die Freiheit genommen werden kann, aber niemals die innere Welt. Es ist ein sehr schweres, aber unglaublich wichtiges Buch. Es wirkt wie ein „Wachmacher“ und lässt einen das eigene Leben ganz anders sehen. Ich kann es nur jedem ans Herz legen – das ist eine Erfahrung, die einen von innen heraus wirklich verändert..