Jump to ratings and reviews
Rate this book

Trost: Vier Übungen

Rate this book
»Das Bedürfnis, in Geschriebenem Trost zu suchen, mag alt sein. Die feinsinnige Klugheit in diesem Buch ist so ernüchternd wie erbaulich, so überraschend wie großartig. Kurzum: zum Niederknien!« Judith Schalansky Dass Lesen weit mehr ist als das sinnstiftende Erfassen von Buchstaben, zeigen die vier Übungen, die dieser Essay versammelt. Sie führen das Lesen zusammen mit dem Schreiben, dem Hören, dem Beten und dem Genießen: Der heute nur wenigen bekannte Franz Xaver Kappus regte Rilke durch seine Briefe zu einer Auseinandersetzung mit den Grundlagen des Dichtens an, die bis heute Schreibende (und Lesende) inspiriert. Die Tonaufnahme von David Foster Wallaces Rede »This Is Water« und ein Hörspiel zu Walt Disneys Aristocats zeugen von einem Lesen, das Hören ist. Eileen Myles findet als Kind ein Rollenmodell in der Lektüre eines Johanna-von-Orléans-Comics und Adorno gönnt sich neben Kritik auch mal Eiscreme. In dieser Engführung von Kritik und Enthusiasmus, Kanon und Pop, Alltag und Ästhetik, Persönlichem und Theoretischem offenbart sich mit jedem weiteren Kapitel genau das, was der Titel verspricht: vier Übungen, die klug, voller Witz und doch mit Ernsthaftigkeit Text und Nebentext feiern und sich zu einer leisen, aber unbedingten Leseempfehlung für schwere und nicht ganz so schwere Zeiten fügen.

200 pages, Hardcover

Published August 12, 2021

6 people are currently reading
96 people want to read

About the author

Hanna Engelmeier

10 books5 followers

Ratings & Reviews

What do you think?
Rate this book

Friends & Following

Create a free account to discover what your friends think of this book!

Community Reviews

5 stars
14 (32%)
4 stars
16 (37%)
3 stars
7 (16%)
2 stars
5 (11%)
1 star
1 (2%)
Displaying 1 - 5 of 5 reviews
Profile Image for Till Raether.
416 reviews225 followers
January 16, 2022
Im August, als dieses Buch erschien, war ich besonders trostbedürftig, darum habe ich mich geradezu hineingestürzt und die ersten drei Übungen sehr schnell und mit großer Begeisterung gelesen. Ich war, für Leser*innen, die das Buch schon kennen, wie der Dackel aus dem Nachwort. Danach hatte ich das Gefühl, die Lektüre nun vernünftigerweise ein wenig strecken zu wollen, aber das führte, wie so oft, dazu, dass ich vergaß, das Buch weiterzulesen.

An diesem Wochenende habe ich jetzt das letzte Kapitel über Adorno gelesen, und es hat mir besonders gut gefallen, weil Hanna Engelmeier ihrem Gegenstand darin noch näher kommt als in den anderen Übungen (also dem Gegenstand: wie finden wir, wenn wir wie sie sind, Trost in Texten, und was haben die Texte und ihre Urheber*innen und deren Leben damit zu tun. Und was für eine Art von Trost ist das überhaupt). Besonders gelungen finde ich zum Ende noch einmal ihre große Assoziationskunst: Adorno, eine Eistüte (ich weigere mich, wie Adorno Kegel zu denken), die goldene Schallplatte der Voyager, und wie das alles ohne magazinhafte Gekünsteltheit zusammenhängt.

Das Buch ist nicht einfach und schnell zu lesen, aber ich finde, das macht gar nichts, weil die Sprache immer schön ist und es nie lange gedauert hat, bis ich nach einer Phase des Weggleitens wieder einhaken konnte.
Profile Image for Franz Scherer.
76 reviews8 followers
September 18, 2021
Vier Bücher hat mich dieses Buch gekostet, es könnten noch mehr werden. Ein Stück guter Text über ein Werk führt bei mir schnell dazu, dass ich besprochenes Werk kaufe. In «Trost» steht viel Material im Raum. Der Weg, den das Material mit Hanna Engelmeier gegangen ist – als Audiodatei auf dem Smartphone, als abgegriffenes Buch das immer dabei ist, ein Gedicht als Gebetsersatz am Grab – ist der Rahmen, an dem gezeigt wird wo Trost aus der Kunst kommt. Das leuchtet mir an vielen Stellen ein.

Das Wallace-Kapitel ist mir wegen der behandelten Rede suspekt, die ich nicht als von Wallace gesprochene Rede voller Eindringlichkeit kennengelernt habe, sondern als kleines Büchlein im Streitschrift-Format der kurzzeitig modernen Titel «Engagiert Euch!» und «Empört Euch!». Im Buchladen, in dem ich damals arbeitete, stand das Buch als Kundenfänger an der Kasse und füllte mit wenigen Worten viele Seiten; der gleiche Fall von einträglicher Weiterverwertung, der wie im vierten Kapitel eingangs angesprochen Adorno mit seinem Vortrag widerfahren ist.
Die Wallace-Rede, Englisch und Deutsch je auf einer Seite, lag lange noch bei meinen Eltern auf dem Klo und rutschte nach und nach unter vergilbte Ausgaben der Zeitschrift «auto motor und sport». Das hat natürlich wenig mit dem zu tun, was Engelmeier schreibt, obwohl auch das Lesen der immer gleichen alten Zeitschriften in dem Haus, in dem ich aufgewachsen bin, tröstlich ist.

Wahrscheinlich lässt es sich gut zurückkehren zu diesem Buch in Zeiten, in denen es benötigt ist – vielleicht weiß ich dann auch irgendwann, worum es im Adorno-Kapitel überhaupt geht.
Profile Image for Sarah.
15 reviews
December 28, 2023
Die vier Texte haben leider nicht mit mir resoniert. Das Schlusswort war für mich etwas versöhnlich. Ich bin wohl der besagte Dackel.
Profile Image for Malte.
231 reviews4 followers
April 18, 2022
Hanna Engelmeier schreibt über Trost in vier Kapiteln, die sie Übungen nennt - teils biographisch gefärbte Gedankengänge, keine Angst vor dem "ich", verlängerte Essays, facettenreich: Es geht um Briefe von Rilke und Lebenshilfe-Kolumnen, um eine Rede von David Foster Wallace, die jeweils lange die Autorin begleitet haben, als Buch, als Audio-Datei, ihr wiederholt Trost spendeten. Es geht um Engelmeiers Großtante Hety, um Johanna von Orleans, um Transidentität und um Katholizismus, um Adorno Verhältnis zu Speiseeis und dessen trostspendender Wirkung auf die Krankenschwester Marie-Theres, eine frühere Nachbarin ihrer Eltern. - Viel sehr unterschiedlicher Stoff, das könnte ein großes Durcheinander ergeben, aber Hanna Engelmeier näht es fundiert, klug und extrem wortgewandt zu einem Ganzen (in vier Teilen) zusammen.
Displaying 1 - 5 of 5 reviews

Can't find what you're looking for?

Get help and learn more about the design.