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Mitgift

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>>Ein großer Familienroman, der die Spuren deutscher Geschichte sichtbar macht<<

Seit sieben Generationen in Folge bewirtschaften die Leebs ihren Hof in der niedersächsischen Provinz. Schließlich gilt es, das Familienerbe zu wahren – allen historischen Umbrüchen zum Trotz. Doch über die Opfer, die jeder Einzelne erbringen muss, wird geschwiegen. Henning Ahrens erzählt den Roman einer Familie und entwirft ein Panorama der ländlich-bäuerlichen Welt des 20. Jahrhunderts.

Gerda Derking kennt sich aus mit dem Sterben. Seit Jahren richtet sie die Toten des Dorfes her, doch in jenem August 1962 würde sie die Tür am liebsten gleich wieder schließen. Denn vor ihr steht Wilhelm Leeb – ausgerechnet er, der Gerda vor so vielen Jahren sitzen ließ, um sich die Tochter von Bauer Kruse mit der hohen Mitgift zu sichern. Wilhelm, der als überzeugter Nazi in den Krieg zog und erst nach Jahren der Kriegsgefangenschaft aus Polen zurückkehrte. Der gegen Frau und Kinder hart wurde, obwohl sie jahrelang geschuftet hatten, um Hof und Leben zu verteidigen. Doch nun zeichnet sich auf seinem Gesicht ein Schmerz ab, der über das Erträgliche hinausgeht. Und Gerda Derking ahnt: Dieser Tragödie sind die Leebs ohne sie nicht gewachsen. In seiner epischen Familienchronik rückt Henning Ahrens den Verwundungen des vergangenen Jahrhunderts auf den Leib und erzählt ebenso mitreißend wie empathisch vom Verhängnis einer Familie.

352 pages, Hardcover

First published August 21, 2021

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Henning Ahrens

108 books3 followers

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Displaying 1 - 20 of 20 reviews
Profile Image for Meike.
Author 1 book5,014 followers
September 14, 2021
Longlisted for the German Book Prize 2021
Yes, it's true: The repercussions of WW II post-45 are not only a vast genre of itself in German-language literature, to have one book focusing on the topic is also a staple for the longlist of the German Book Prize (and many other book prizes, for that matter). This isn't to say that intergenerational trauma (THE dominating topic of last year's longlist) isn't an important issue in modern-day Germany/Austria, but when there is so much literature about something, authors who aim to add to it really need to deliver if they don't want readers to go: "Oh well, I've read that before."

But Henning Ahrens achieves something contradictory: This isn't an exeprimental approach, like last year's Herzklappen von Johnson & Johnson, it's straight-forward storytelling once again illuminating the destiny of children born to die-hard Nazis who felt like the world has wronged them, but the writing still feels fresh. While other fantastic books about the well-documented situation (like the disturbing memoir Das Scheißleben meines Vaters, das Scheißleben meiner Mutter und meine eigene Scheißjugend) are (understandably) raging accusations, Ahrens employs a largely unpoetic, brittle language, often unempathetic and stark, and together with the setting - rural Lower-Saxony - and the relentless portrayal of farming life (slaughering etc.), this text does not chill readers, it is ice-cold.

The father's cruelty remains uncommented, it's just shown. The reactions of the world around him are also mainly stated. And the last chapter is pure horror, especially as it refers to a situation the author actually experienced: The book is not dedicated to his father for nothing. Notably, Ahrens changed the timeline, so he could write himself out of the story, which was apparently necessary to be able to fictionally process the events.

The dialogue-heavy novel also draws parallels to today's political climate, which underlines the (unfortunate) relevance of the largely historical subject-matter. And Ahrens plays with another genre: The currently very popular (at least in Germany) books about idyllic country life. This farm is a cabinet of real-life horrors.

So well done, Ahrens, this is a very solid, aesthetically well thought-out read that shows (against my own prejudices) that conventional storytelling still has its place in postmodern literature.
Profile Image for Semjon.
765 reviews505 followers
September 23, 2021
Ein großer Familienroman, der die Spuren deutscher Geschichte sichtbar macht? Ganz schön vollmundig, wie der Verlag dieses Buch anpreist und nach den ersten Bewertungen hier auf Goodreads scheint Herr Ahrens ja auch begeistern zu können.

Für mich ist das Buch aber leblos und so konzipiert, um den Zeitgeist der Geschmäcker gerecht zu werden. Für mich unverständlich, dass das Buch zu den besten Zwanzig des Jahres zählen soll. Es ist offensichtlich gefragt, historische Romane aus ländlichen Bereich Deutschlands zwischen Weltkriege und Wirtschaftswunder zu schreiben. Ebenso beliebt ist das Schreiben im Präsens, weil das wohl Authentizität und Nähe am Geschehen vermittelt. Und das unchronologische Erzählen war ja schon bei anderen Büchern erfolgreich (siehe Eugen Ruge), dann wird das hier schon auch funktionieren. Ein Buch zwischen Alte Sorten und Altes Land im abnehmenden Licht, die Sprache schlicht und einfach und immer schön charakteristische Merkmale für das jeweilige Jahrzehnt einstreuen. Das wirkt so konstruiert wie ein Ken Follett-Roman mit Mindmap und Checkliste.

Wenn ich Familienromane im Nachkriegsdeutschland lesen will, dann greife ich doch lieber zu den Schriftstellern, die diese Zeit auch erlebt haben. Die Personen in der Deutschstunde sind zB mit Leben erfüllt. Dabei will ich nicht andeuten, dass man heutzutage nicht mehr über diese Zeit schreiben soll. Wenn jemand seine persönliche Familiengeschichte aufarbeitet oder erzählerisch neue Aspekte einbringt, dann lese ich auch zeitgenössische Bücher hierüber gerne. Aber Mitgift hat mich enttäuscht.
Profile Image for Elena.
1,037 reviews417 followers
September 9, 2021
"Wenn die Zeilen verschwimmen, tun sich die Räume ihrer Erinnerungen auf, die sie nacheinander durchstreift, dann gleicht ihr Gedächtnis einem Haus mit vielen Zimmern, und in den meisten fühlt sie sich wohl, Gott sei Dank, denn was wäre schlimmer, als rückblickend zu hadern?" - Henning Ahrens, "Mitgift"

Ein kleines Dorf in Niedersachsen, 1962: Jahrelang war Gerda Derking die Totenfrau im Dorf. Viele, viele Tote hat sie hergerichtet, nun ist damit aber Schluss. Doch dann steht Wilhelm Leeb senior vor der Tür und bittet sie noch einmal um ihre Dienste. Ausgerechnet er, der sie vor Jahren für die Bauerstochter Käthe Kruse mit der höheren Mitgift sitzen lies, der seine Familie für den Krieg im Stich gelassen hat, der für seine schuftende Frau und Kinder nur Verachtung übrig hatte. Gerda möchte sich weigern - muss jedoch erkennen, dass die Familie Leeb dieser Tragödie ohne ihre Hilfe nicht gewachsen ist...

Henning Ahrens zeichnet in seinem für den deutschen Buchpreis nominierten Roman "Mitgift" die Geschichte einer Familie über viele Generationen hinweg. Zentral ist die Erzählung während des 2. Weltkriegs angesiedelt, in dem der Vater-Sohn-Konflikt zwischen Wilhelm Leeb Senior und Junior eine große Rolle spielt - der letztlich in einer Katastrophe endet. Neben dieser Zeitspanne unternimmt der Autor immer wieder kleinere Abstecher in weiter zurückliegende Zeiten, denn der Hof befindet sich seit sieben Generationen in der Hand der Leebs.

Was Henning Ahrens hier geschaffen hat, ist ein eindrückliches wie fantastisch zu lesendes Porträt deutscher Zeitgeschichte - vom Ende des 17. Jahrhunderts an bis 1962. Ich war von Anfang an gefesselt und konnte mich komplett in diese toll komponierte Geschichte fallen lassen. Die Charaktere sind allesamt hervorragend gezeichnet, sei das nun Wilhelm Leeb senior, der Nazi, dessen gemeine und raue Figur mich trotz der Kriegsgefangenschaft, die er durchmachen musste, sehr wütend zurückließ oder der Junior, der unter dem Jähzorn und den hässlichen Worten des Vaters irgendwann zerbricht. Besonders fasziniert hat mich auch Gerda Derking, die Totenfrau, die ihre Nase am liebsten zwischen die Bücher steckt und so Vieles über die Dorfbewohner*innen weiß.

Der gewählte Schauplatz, der Hof auf dem Dorf im ländlichen Niedersachsen, eignet sich perfekt für diese Zeichnung deutscher Geschichte von Henning Ahrens. Durch die vielen Beschreibungen des Lebens auf dem Land wurde ich immer tiefer in das Buch gezogen und fühlte mich teilweise wie eine Beobachterin, die Mitten auf dem Hof steht und den Protagonist*innen bei ihrer Arbeit zusieht.

Auch sprachlich ist der Roman sehr zugänglich. Der Autor wählt immer die richtigen Worte, um Land und Leute zum Leben zu erwecken und das Buch trotz dem schweren Inhalt zu einem leichten Lesegenuss zu machen. Ich habe während der Lektüre Vieles gefühlt: allen voran Interesse, aber auch viel Wut und Traurigkeit sowie Bewunderung für die Menschen von damals.

Ich spreche für "Mitgift" eine große Leseempfehlung aus - hier bekommen die Lesenden alles geboten: Einen sehr gut recherchierten historischen Roman, eine Familiengeschichte, die an die des Autors angelehnt ist, eine Erzählung über das Scheitern zwischenmenschlicher Beziehungen und eine Schilderung des Lebens auf dem Land über viele Generationen hinweg. Mochte ich, und zwar sehr!
Profile Image for Havers.
900 reviews21 followers
December 8, 2021
Es ist ein eindringliches Stück Familiengeschichte, das Henning Ahrens in seinem für den Deutschen Buchpreis 2021 nominierten Roman „Mitgift“ beschreibt. Aber im Gegensatz zu den trivialen Werken dieses Genres hüllt er den Leser/die Leserin nicht in die wohlige Decke von Liebe, Verständnis und Zuckerguss, sondern zeigt das bäuerliche Familienleben, reduziert und konzentriert auf ein problematisches Vater-Sohn-Verhältnis. Das ist aber längst nicht das einzige Thema, er schaut auch mit dem Brennglas in die Seelen der einzelnen Familienmitglieder, zeigt die Auswirkungen, die der Zweite Weltkrieg auf sie hatte. Hoffnungen, Wünsche und Träume, die sich nicht erfüllten. Enttäuschungen, die bis in die Gegenwart hinein wirken und Leben zerstören.

Ahrens verkneift sich jegliche Sentimentalität, beschreibt nüchtern, präzise und mit einer gehörigen Portion Distanz diese toxischen innerfamiliären Verhältnisse. In alternierenden Kapiteln zwischen den Jahren 1944 und 1962 wechselt er die Perspektiven, lässt er aber nicht nur die verschiedenen Familienmitglieder sondern auch die Totenfrau Gerda zu Wort kommen, deren Leben ebenfalls mit der Bauernfamilie verbunden ist. Einst die Jugendliebe des alten Wilhelm, von diesem aber zugunsten der Mitgift der Bauerntochter Käthe verlassen, damit Scholle zu Scholle kommt. Es ist dieser Hunger nach Land, das Versprechen der Nationalsozialisten, den Bauern neue Gebiete im Osten zur Verfügung zu stellen, die ihn in die Wehrmacht treibt und schließlich dazu führt, dass er bis 1949 in Kriegsgefangenschaft gerät. Zuhause muss die Familie, heißt im Klartext der älteste Sohn, dafür sorgen, dass der Betrieb weiterläuft. Doch von dem heimkehrenden Vater bleibt die Anerkennung aus, denn jeder hat seinen Platz in der Familie, das ist schon seit Generationen so geregelt, muss wissen, wohin er gehört, wieder zurück ins Glied rücken. Das konfliktbeladene Verhältnis zwischen dem tyrannischen Vater, der sich noch immer nicht von dem Gedankengut der Nationalsozialisten abgewandt hat, und dem Sohn, der für sich einen Ausweg aus diesem bäuerlichen Leben sucht, schaukelt sich allmählich auf, bis es schließlich zu dem finalen Ereignis kommt, das einen der beiden das Leben kostet. Lesen!
Profile Image for LeserinLu.
325 reviews39 followers
May 15, 2023
Mochte sowohl den klaren Schreibstil als auch die Geschichte sehr - ein Buch zwischen „Kazimira“ und „Altes Land“.
Profile Image for wortvielfalt.
226 reviews18 followers
September 13, 2021
'Mitgift' von Henning Ahrens ist ein Familienroman, der auf verschiedenen Zeitebenen die Geschichte der Familie Leeb erzählt. Im besonderen Fokus steht dabei die Vater-Sohn-Beziehung von Wilhelm Leeb senior und Wilhelm Leeb junior.

Selten habe ich einen so besonders erzählten Familienroman gelesen. Es ist kein Roman, den man mal eben so wegliest; für mich gehörte hundertprozentige Aufmerksamkeit dazu, denn durch die verschiedenen Zeitebenen und die wirklich feine, besondere Sprache, ist es eben kein 'Wegschmöcker'-Roman. Aber genau das finde ich auch toll, denn man muss sich ganz und gar darauf einlassen. Und wird belohnt mit einer wirklich einzigartigen und besonderen Geschichte. Mir hat außerordentlich gut gefallen, wie Ahrens die einzelnen Fäden miteinander verbindet und wie klug die Geschichte der Familie Leeb erzählt ist. Das umspannt viele verschiedene Themen, vor allem behandelt der Roman die Auswirkungen des 2. Weltkrieges. Es geht um Familienbeziehungen, um Verpflichtung, Traditionen und um viele Dinge mehr. Und um das Leben einer Bauernfamilie.

Ich bin wirklich hin und weg von diesem Roman. Deutsche Zeitgeschichte, Familiengeschichte kombiniert mit toller Sprachfertigkeit. Das Buch war mitreißend und spannend, dabei langsam erzählt und unfassbar berührend. Angelehnt an seine eigene Familiengeschichte schreibt Ahrens hier einen Roman, der sicher für viele, viele Familien in Deutschland steht.

Mir fehlen ein wenig die Worte, um zu beschreiben, wie fantastisch ich dieses Buch finde. Für mich ein Highlight.
Profile Image for MaggyGray.
673 reviews31 followers
September 4, 2023
Ein sehr ruhiges Buch, das trotzdem seine dramatischen Baustellen hat - ich habe es gerne gelesen, auch wenn mich dieses Durcheinander an Zeitebenen irgendwann etwas genervt hat.
Extrem abgestoßen war ich vom Familien"oberhaupt" Leeb, der sich als Vollblutnazi durch den Osten mordet und sich dann ob seiner Kriegsgefangenschaft als Opfer hochstilisiert. Der seine Familie gängelt und quält, bis es zum traurigen Höhepunkt kommt. Warum sich nach dem Krieg vor allem so viele Frauen wieder nahezu ohne jegliche Gegenwehr wieder mundtot und an den Herd zurückdrängen ließen, wird mir ewig ein Rätsel bleiben. Aber ich war nicht in der Situation, und ich hoffe, ich komme niemals in eine solche.
Profile Image for Wandaviolett.
470 reviews68 followers
October 11, 2021
Ein bäuerlicher Hof durch die Zeiten hinweg betrachtet. Wird vllt ein bisschen überschätzt.

Kurzmeinung: Ein wenig viel Bauernhof - liest sich aber flüssig


Anhand seiner eigenen Familiengeschichte erzählt uns Henning Ahrens von der Historie eines Bauernhofes und seiner Bewohner in der Nähe von Peine. Die Leebs sind eine alte Bauernfamilie, die ein ansehnliches Gut verwalten. Anhand des bäuerlichen Daseins kennen sie harte Arbeit und keine Ferien, aber in Notzeiten ist wenigstens immer genug Nahrung vorhanden, um Familie und Angestellte durchzubringen.

Die drei Wilhelms, der Name wird jeweils an den Hoferben weitergegeben, sind die Protagonisten. Wegen der Namensgleichheit sind sie nicht leicht auseinanderzuhalten, die Wilhelms sind jedoch die zentralen Figuren, während den Frauenspersonen lediglich Statistenrollen zugewiesen werden.

Durch die Zeiten hindurch hat sich die väterliche Autorität aufrechterhalten, sie ist so unumstößlich wie Gottes Wort oder das Regime einer Gewaltherrschaft. Weder das eine noch das andere hat dem Hof gutgetan. Die Männer waren im Krieg, dort sind sie vollständig verhärtet, können als Kriegsgefangene und schließlich Kriegsheimkehrer den verlorenen Ruhm nicht verkraften und Schulderkenntnis halten sie sich durch Suff, Arbeit und Herrschaftsallüren nach ihrer Rückkehr vom Leib. Die nachrückende Generation ist in den Augen der alten verweichlicht. Sie kann ihr nichts recht machen, die Katastrophe ist unausbleiblich.

Der Kommentar:
Die Personenzeichnungen sind dem Autoren überwiegend gut gelungen. Sprachlich ist der Roman gut aufgestellt, nichts Überragendes, aber auch nichts Verwerfliches, abgesehen von der inflationär gebrauchten Floskel „holte tief Luft“ Das bäuerliche Leben wird in aller Anschaulichkeit beschrieben, man könnte auch sagen ausgewalzt und leider auch ziemlich klischeebehaftet.

Der unchronologische, weit gespannte historische Aufbau macht den Roman interessant, kann man doch in mehrere Zeitalter spieken, wenn auch nur kurz, der Bogen spannt sich vom 18. Jahrhundert anno 1755 bis ins 20. Jahrhundert anno 1962. Eine Rahmenhandlung holt den Roman aus der kriegshandlungsbedingten Tristesse in die Gegenwart, in der der Kater Heini und manche Gläser Holunderlikörsche für Auflockerung sorgen.

Fazit: Alles in allem gefällt der Roman ganz gut, allerdings ist er mit seinem rein bäuerlichen Konzept und seinem Generationenkonflikt als Kern letztlich etwas zu vorhersehbar und zu schlicht geraten, jedenfalls zu schlicht für die Longlist.

Der Roman steht auf der Longlist des Deutschen Buchpreises, 2021, während Dunkelblum, ein Siegertitel in seiner Komplexität, von der Jury verschmäht wurde.

Kategorie: Belletristik: 3 Sterne
historischer Roman: 4 Sterne.

Verlag: Klett-Cotta, 2021
Profile Image for Cindy Landes.
382 reviews39 followers
May 22, 2023
Zut, j’étais certaine d’adorer ce livre puisqu’il s’agit de l’histoire d’une famille sur plusieurs générations, chose que j’adore habituellement!!

Mais oui, il est vrai qu’on passe du temps avec tous les hommes de la famille Leeb, mais il manquait un fil conducteur à tout ça!!!!! Là je comprenais juste pas pourquoi je passais du temps sur tous ces épisodes de 1755 à 1962!?!? Bon, un peu oui, je comprends que l’auteur dresse un bref portrait des Leeb d’une génération à l’autre… mais je ne savais pas vers où on allait et pourquoi?

Bref, je me suis ennuyée solide 🥴
Profile Image for Wal.li.
2,553 reviews70 followers
September 8, 2021
Die Traumfrau

Gerda Derking hat im Dorf lange Jahre als Totenfrau gearbeitet. Nun im August 1962 meint sie, es sei an der Zeit, die Tätigkeit den Bestattern zu überlassen. Doch als Bauer Leeb von nebenan sie bittet, ein letztes Mal ihres Amtes zu walten, sagt sie nicht nein. Sie ahnt voller Trauer, wer verstorben sein könnte. Zunächst jedoch heißt es warten. Gleichzeitig wird über mehrere Generationen die Familiengeschichte der Familie Leeb erzählt. Ein besonderer Akzent auf den beiden Weltkriegsgenerationen und der Generation der Kinder liegt. Wie in vielen Familien gibt es auch in dieser Streit und Zwietracht und ihre Mitglieder sind doch den familiären Zwängen gefolgt.

Nicht immer in chronologischer Reihenfolge erzählt, aber doch beginnend mit dem Bau der jetzt noch genutzten Hofgebäude, bietet dieser Roman einen mitreißenden Abriss über das Familiengefüge der Leebs. Welcher Druck lastete auf dem Hoferben, nicht alle strebten danach, ihr Dasein als Bauern zu fristen. Allerdings ging die Familienräson regelmäßig vor und Träume mussten begraben werden. Dass Wilhelm Leeb als Nazi in den Krieg zog und als Nazi wiederkehrte, hat das Leben auf dem Hof nicht einfacher gemacht. Seine drei Kinder leiden unter ihm und jedes reagiert anders auf seinen Despotismus. Käthe, die Frau, erweckt den Eindruck, als habe sie sich schon lange aufgegeben.

Wenn man als Leser oder Leserin die Wirren des vermaledeiten zweiten Weltkrieges eher aus Geschichtsbüchern kennt, weil in den Familien wenig darüber geredet wurde, ist dieser Roman wie eine kleine Offenbarung. Gerade als hätte der Autor zusammenrecherchiert, was Eltern, Großeltern oder gar Urgroßeltern nicht erzählen wollten. Natürlich ist es eine spezielle Familiengeschichte, die erzählt wird, aber sicher kann sie für viele stehen. Die Brüche der Familie, die Zwänge, denen man sich gebeugt hat, es wird auf irgendeine Art dazu geführt haben, dass Wilhelm Leeb der wurde. Auch er musste sich beugen, doch er hat keine Demut entwickelt. Er hat Schuld auf sich geladen und seine Wut an den Schwachen ausgelassen. Wieso waren sie so, wieso hat sich keiner gewehrt. Solche Fragen sind sicher in etlichen Familien aufgetaucht. Beantworten kann sie ein Roman nicht, aber er gibt ein authentisches Bild, wie es in den Familien bis in die frühen Nachkriegsjahre gelaufen sein könnte. Ein packender Roman, dessen Lektüre nur empfohlen werden kann.
Profile Image for Sandra.
139 reviews64 followers
Read
November 22, 2021
Eine wahrhaftig dichte, komplexe und vielschichtige Abhandlung hat Henning Ahrens mit "Mitgift" verfasst.

Basierend auf der eigenen Familiengeschichte geht der Autor Jahrhunderte zurück, durchleuchtet historische Begebenheiten im 20., und 19. Jahrhundert und verfolgt die Entwicklung eines Bauernhofes zwischen Revolutionen, Kriegen und Machtwechseln.

Die Mitgift ist nicht nur das Gut selbst: vorrangig geht es um die Pflichten, die Lasten und die Opfer, die mit der Erbschaft zusammenhängen.

Im ruhigen, dialogstarken Stil reflektiert Ahrens aus zahlreichen Perspektiven Beziehungen zwischen Söhne und Vätern, Onkel und Brüdern, Enkeln und Großeltern.

Der Roman ist zum Teil langatmig und setzt historisches Interesse voraus: die zeitlichen Komplexitäten bedürfen ebenso einer gewissen Aufmerksamkeit. Leichte Lektüre liegt hier daher sicherlich nicht vor.

Mit diesen Vorbehalten kann ich aufgrund der interessanten Figuren und ergiebiger historischer Darstellungen eine Leseempfehlung für an diesen Themen interessierte Leser:innen aussprechen.
Profile Image for Bücherbummlerblog.
139 reviews8 followers
November 1, 2021
1962. Seid Jahrzehnten ist Gerda Derking für die Verstorbenen in ihrem Dorf zuständig, hat sie gewaschen und zurecht gemacht, sich Kummer, Zorn und Verzweiflung der Hinterbliebenen angehört. Jetzt ist sie über 60 und hat genug. Zu viel hat sie gesehen, die Belastung wiegt schwer. Doch dann steht ihr Nachbar Wilhelm Leeb Senior vor der Tür. Auf seinem Hof ist etwas schreckliches passiert und er bittet Gerda im Namen ihrer Freundschaft und gemeinsamen Vergangenheit, ein letztes Mal ihrer Aufgabe nachzukommen.

In „Mitgift“ führt uns Henning Ahrens, angelehnt an seine eigene Familiengeschichte, durch sieben Generationen der Familie Leeb und ihres Hofes in der Nähe von Peine. Dabei folgt er keiner chronologischen Ordnung, sondern springt durch die Jahrhunderte, gewährt uns oft nur kurze Einblicke, gerade genug, um zu begreifen, was sich wie ein roter Faden durch die Familiengeschichte zieht. Natürlich bringt jede Generation seine eigenen Individuen hervor, die ihre Träume und Wünsche und auch Talente mit sich tragen. Da ist August Wilhelm, der sich zu einem geistlichen Leben berufen fühlt, Carl Wilhelm, in dem eher ein wissenschaftlicher Geist lebt, Wilhelm, der sich vom Nationalsozialismus und von Gerda angezogen fühlt. Aber am Ende werden es immer das Wohl des Hofes und die Tradition sein, die siegen, hinter denen man seine eigenen Ansprüche zurückstellt. Man wird Bauer, wie die Vorfahren, man heiratet die Frau, die Land mitbringt, nicht die, die man liebt. Die Bande sind zu stark, um sie zu brechen.

Henning Ahrens schreibt einfach und nüchtern, passend zu dem norddeutschen Wesen seiner Figuren. Und trotzdem schafft er es, im Leser starke Bilder und Gefühle zu erzeugen. Natürlich weiß man nicht, wie viel Realität und wie viel dramaturgische Freiheit seinen Roman ausmachen, aber seine Zeilen strahlen eine schonungslose Ehrlichkeit aus, die beeindruckt.

Meinem ganz persönlichen Lesegeschmack hätte es besser gefallen, wenn Ahrens die Geschichte chronologisch erzählt und weiter ausgeholt hätte. Aber seine Nominierung für den Deutschen Buchpreis 2021 freut mich, ich habe das Buch nicht nur sehr gerne gelesen, sondern auch schon weiterempfohlen. Sicher werde ich noch mehr von diesem Autor lesen und die Bilder aus „Mitgift“ lange in mir tragen.
Profile Image for Christiane Fischer.
514 reviews6 followers
March 16, 2022
Mitgift, nominiert für den deutschen Buchpreis 2021.

Zu Beginn war ich skeptisch: Wieder ein Nachkriegsroman deren Protagonisten sich über mehrere Generationen verteilen und schon wieder ein Buch, deren Schauplatz ein Bauernhof ist. Und diese vielen Wilhelms (genau Sieben sind es...) haben mir den Einstig ins Buch nicht leicht gemacht.
Aber dann hat es mich doch gefangen:

1962 in Klein Ilsede bei Peine wird die Totenfrau Gerda zum Hof des Bauern Leeb gerufen. Eigentlich wollte sie nie wieder einen Toten zurecht machen, jedoch lässt sie sich überreden und nimmt die Aufgabe an, denn sie war einst die Freundin vom Bauern Wilhelm Leeb. Eine Eheschließung kam jedoch nicht zustande, da Gerda über keine Mitgift verfügte.

Und so nimmt diese Geschichte ihren Lauf: Es werden Rückblicke erzählt, die bis zu 200 Jahre zurück liegen und die dann gleich wieder dem Sprung in das nächste Zeitalter, respektive Geschichte, dienen.

Henning Ahrens führt uns geschickt durch die Jahrzehnte, wo wir den Hof und die Familie Leeb begleiten: Schlachtfeste, Erbstreitigkeiten, Hungersnöte, Weltkriege kommen und gehen, ebenso wie amerikanische Besatzungssoldaten. Vater-Sohn-Konflikte sind an der Tagesordnung.

Ahrens hat einen wunderschönen und detaillierten Schreibstil. Eine perfekt konstruierte Familiengeschichte, ein dramatisches, fesselndes und spannendes Buch, das zu Recht auf der #longlist 2021 ist.
Profile Image for Kirsten.
3,158 reviews8 followers
March 10, 2023
Der Hof der Familie Leeb ist der größte im Umkreis. Seit vielen Generationen kommt mit jeder Heirat ein Stück Land mehr dazu. Dafür hat die Familie auf vieles verzichtet, auch auf das eigene Glück.

Die Geschichte beginnt am Ende, als Gerda, die Totenfrau des Dorfs, auf den Hof der Leebs gerufen wird. Mit dem Tod des älteren Sohns geht eine Ära zu ende. Der jüngere Sohn hat der Familie schon lange den Rücken gekehrt. Dem Älteren ist das nicht gelungen, er hat auf dem Hof ausgehalten, aushalten müssen. Vom Vater wie ein kleiner Junge behandelt der keine eigene Entscheidungen treffen durfte. Der seine Träume immer hintenan stellen musste und letztendlich daran zerbrochen ist.

Anfangs hatte ich noch versucht, Mitleid für den Vater zu empfinden, denn seine Erlebnisse im Krieg haben ihn geprägt. Aber sie haben aus ihm keinen anderen Menschen gemacht. Er war schon immer das Land vor die Menschen gestellt, genauso wie die Mitglieder seiner Familie vor ihm. Sie alle haben für den Hof und nicht für ihr Glück geheiratet.

Ich habe selten so eine bedrückende Geschichte gelesen. Die Traditionen der Familie Leeb waren wie eine Schlinge, die sich mit jeder Generation weiter zugezogen hat, bis ein Mitglied daran erstickt ist. Den Weg dorthin hat der Autor mit eindringlichen Worten beschrieben, ich konnte die Stimmung, die auf dem Hof herrschte, deutlich spüren. Auch wenn es keine schöne oder einfache Geschichte ist, kann ich das Buch nur empfehlen.
10 reviews
May 8, 2022
Die Geschichte einer niedersächsischen Bauernfamilie. Mich hat die Perspektivlosigkeit bedrückt, die einen Hoferben damals sich in sein Schicksal fügen lies und der Generationenkonflikt. Der Vater, Nazi-Mitläufer kommt heim und will dort anknüpfen wo er aufgehört hat, ungeachtet der Tatsache, dass das Leben auf dem Hof wunderbar ohne ihn weitergegangen ist und auch er sich sehr verändert hat. Nun unterdrückt er nicht mehr ukrainische Untergebene sondern seine eigene Familie.
6 reviews
December 11, 2022
Das Buch bleibt für mich zu sehr anekdotenhaft, das sind Geschichten, die man sich in der Familie erzählt, aber für eine Erzählung fehlt die Tiefe. Die Figuren empfand ich als blass, nachdem man sie kennengelernt hat, passiert nichts Überraschendes. Nachdem ich den Anfang noch ganz gut fand, habe ich das letzte Drittel gelangweilt quergelesen.
Profile Image for Christel.
559 reviews18 followers
October 25, 2021
Es war alles ziemlich vorhersehbar, auch sprachlich nicht besonders gut. Das 'Durcheinandermischen' der verschiedenen Epochen überzeugt nicht. 2 Sterne sind ok, weil die Vater-Sohn-Beziehung gut herausgearbeitet wird. Und weil die Landschaftsschilderungen gelingen.
Displaying 1 - 20 of 20 reviews

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