Jump to ratings and reviews
Rate this book

Der Kampf um die Wahrheit: Verschwörungstheorien zwischen Fake, Fiktion und Fakten

Rate this book
Waren Geheimdienste in die Anschläge vom 11. September 2001 verwickelt? Verheimlicht die US-Regierung Wissen über UFOs? Stecken Bill Gates und die Pharmalobby hinter Corona? Entführen Satanisten weltweit Kinder, um sie zu opfern und ihr Blut zu trinken? In den letzten Jahren haben Verschwörungstheorien eine ungeahnte Popularität erreicht. Im Zuge der SARS-CoV-2-Pandemie entstand in der Öffentlichkeit die Wahrnehmung, dass sich Verschwörungstheorien zu einer ernsten Gefahr für die Demokratie entwickeln. Sogar der Staat hat ihnen den Kampf angesagt.Doch was genau sind eigentlich Verschwörungstheorien? Wie gefährlich sind sie wirklich? Wie entstehen sie und wie verbreiten sie sich? Und sind sie wirklich immer Unsinn oder steckt in mancher Verschwörungstheorie nicht auch das bekannte Fünkchen Wahrheit?Die Soziologen Andreas Anton und Alan Schink geben in diesem Buch einen wissenschaftlich fundierten Überblick über Verschwörungstheorien und echte Verschwörungen. Sie zeigen, dass beide untrennbar miteinander verbunden sind, und dass es mit der "Wahrheit" oft weitaus schwieriger ist,als es auf den ersten Blick erscheint.Die Verschwörungstheorien in der wissenschaftlichen Diskussion- Die Ermordung von John F. Kennedy- Der Watergate-Skandal- Freimaurer und Illuminaten- Antisemitische Verschwörungstheorien- Die Drogen- und Menschenversuche der CIA- Stay-Behind-Armeen und die 'Strategie der Spannung'- Verschwörungstheorien zum 11. September- Der NSU-Komplex- Das HAARP-Projekt- Chemtrails- David Icke und die 'Echsenmenschen'- QAnon- Corona-Verschwörungstheorien- Verschwörungstheorien in den Medien- Der Kampf gegen Verschwörungstheorien- Verschwörungstheorien in der offenen Gesellschaft

340 pages, Kindle Edition

Published August 9, 2021

Loading...
Loading...

About the author

Andreas Anton

13 books

Ratings & Reviews

What do you think?
Rate this book

Friends & Following

Create a free account to discover what your friends think of this book!

Community Reviews

5 stars
0 (0%)
4 stars
1 (20%)
3 stars
3 (60%)
2 stars
1 (20%)
1 star
0 (0%)
Displaying 1 - 2 of 2 reviews
Profile Image for Gavin Armour.
654 reviews134 followers
December 28, 2021
Vielleicht ist es an der Zeit, sich in einigen Dingen einmal klar zu positionieren. Also – ich liebe Verschwörungstheorien! Ich liebe sie als Plot im Film und in guten Romanen, aber auch in den eher ironisierten Varianten wie in Robert Sheas und Robert Anton Wilsons Romantrilogie ILLUMINATUS! (1975) oder Wilsons EVERYTHING IS UNDER CONTROL. CONSPIRACIES, CULTS AND COVER-UPS (1999). Und auch die vulgärphilosophischen Abwandlungen und Komplettverschwörungen wie in einem Film wie MATRIX (1999) begeistern. Aber gerade bei letzterem konnte man bereits etwas beobachten, das mittlerweile virulent ist: Waren Verschwörungsnarrative lange Zeit, sicherlich in den 60er, 70er und 80er Jahren, eher im linken Werkzeugkasten zu finden, sind sie heute konstituierender Bestandteil rechter Welterfassung und Welterklärung. Da ist etwas gewandert, verrutscht…oder doch nicht? Sind die Ur-Verschwörungsnarrative nicht im Grunde immer „rechts“? Geprägt von Antisemitismus und Aberglaube, dem Mythos verwandt, der Geschichte immer vereinfacht?

Von allen anderen Vorzügen einmal abgesehen, muß man Andreas Anton und Alan Schink und ihr Werk DER KAMPF UM DIE WAHRHEIT. VERSCHWÖRUNGSTHEORIEN ZWISCHEN FAKE, FIKTION UND FAKTEN (2021) vor allem dafür loben, auch auf den oben verhandelten Sachverhalt aufmerksam zu machen. Und daran anschließend sollte man die Autoren herausgehoben dafür würdigen, sich ihrem Sujet vor allem sachlich, nüchtern und unvoreingenommen anzunähern. Denn anders als die meisten Autoren, die sich in den vergangenen Jahren mit Verschwörungstheorien, -erzählungen. -narrativen und -mythen beschäftigt haben, gehen Anton und Schink die Sache doch eher gelassen an, bedienen nicht die allgemeine Hysterie und bedienen sich auch nicht des Gestus der aufgeregten Warner. Sicher haben all die anderen Werke ihre Berechtigung, auch in ihrer Tagesaktualität, auch in ihrem Anliegen, zu warnen und aufzuklären. Doch ein Einwurf wie dieser war schlicht einmal notwendig.

Eher besonnen bemühen sich die Autoren um eine Annäherung an Verschwörungstheorien (die sie auch weiterhin so nennen wollen, auf die Gründe dafür gehen sie explizit ein und umreißen ihre Haltung klar). Sie werden in ihrem historischen und wissenschaftlichen Kontext beleuchtet, wobei auch darauf eingegangen wird, daß es immer Verschwörungen gegeben hat, sie also keineswegs ausschließlich der Vorstellung irgendwelcher Spinner entsprungen sind. Genau an dieser Stelle haken Anton und Schink auch nach und heben gezielt hervor, daß sie eben auch Ausdruck eines kritischen Denkens sind (sein können) und in gewissen Zusammenhängen durchaus ihre Berechtigung haben. In den neun diesen einführenden Kapiteln folgenden Abschnitten untersuchen Anton und Schink dann eine ganze Reihe moderner Verschwörungstheorien. Ob Geheimdienste – die nun einmal für allerlei Verschwörungen gerade während des Kalten Krieges verantwortlich zeichneten – oder der 11. September, ob dezidiert rechte Verschwörungsnarrative („der große Austausch“) oder solche zu Wetterkapriolen und Chemtrails, ob okkulte und esoterische Erzählungen oder – ganz aktuell – jene zu Covid-19: Wenig wird hier ausgelassen, alles ernsthaft besprochen und auch die Widersprüchlichkeiten werden aufgezeigt, die bspw. jene Verschwörungsnarrative zu den Angriffen auf das World Trade Center begünstigen. Auch der gesamte Komplex rund um den NSU, einer rechtterroristischen Vereinigung, deren Mitglieder jahrelang aus dem Untergrund operieren und zehn Menschen töten konnten, obwohl heute recht sicher ist, daß der Verfassungsschutz V-Leute in ihrem direkten Umfeld positioniert hatte, wird hier noch einmal aufgerollt. So können Anton und Schink gut erklären, wie auch politisches, staatliches und institutionelles Handeln Verschwörungserzählungen befeuern.

In den zwei abschließenden Kapiteln wenden sich die Autoren dann dem Kampf gegen Verschwörungstheorien zu, zeigen eigene Ansätze auf und plädieren vor allem dafür, Kompetenzen zu vermitteln – allen voran Medienkompetenz – um Kinder und Jugendliche bspw. besser darauf vorbereiten zu können, wie man mit Informationen umgeht, wie man das Medium Internet besser versteht und damit eben auch versteht, weshalb gerade hier, in der vermeintlich so „offenen“ Gesellschaft, gerade diese Narrative und Erzählungen entstehen und sich so schnell ausbreiten können. Auch weisen sie noch einmal daraufhin, weshalb die herkömmliche und so gern der „Lüge“ bezichtigte Mainstream-Presse gerade in Zeiten wie diesen so wichtig ist und sich auf ihre Kernkompetenz besinnen sollte: Nüchterne und sachliche Berichterstattung und Analyse zu hochkomplexen Sachverhalten. Es tut gut, daß hier mal jemand klar Position für herkömmliche „Leitmedien“ bezieht, ohne dabei diese gegen das Internet auszuspielen, sondern beide als mittlerweile gleichberechtigte Informationsquellen zu begreifen. Man muß halt lernen, wesentliche Informationen von Bagatellen zu unterscheiden und zugleich auch gegenüber diesen vermeintlich wesentlichen Informationen eine gewisse Grundskepsis zu bewahren.

Man sollte dieses Buch – trotz seiner tagesaktuellen Bezüge – eher zu den Metawerken zum Thema rechnen, die sich grundlegend mit der Frage beschäftigen, was Verschwörungstheorien eigentlich sind, wie sie entstehen, welcher Quellen (oder Nicht-Quellen) sie sich bedienen und wie sie funktionieren, was sie denen, die ihnen folgen, überhaupt bringen, wie sie sich ausbreiten und bis wohin man ihnen möglicherweise halbwegs gefahrlos folgen kann, ab welchem Punkt man aber sehr, sehr vorsichtig sein sollte, wie man mit ihnen umgeht. Weniger sollte man es jenen Werken zurechnen, die direkt auf die aktuelle Lage reagieren und mahnen (obwohl die Autoren dies durchaus auch tun), weil Verschwörungsnarrative mittlerweile vor allem aus der rechten Ecke befeuert werden und deren Nutzen scheinbar einzig darin liegt, Hass und Hetze zu verbreiten und zu schüren, Keile in Gesellschaften zu treiben und meist verbrannte Erde zu hinterlassen.

Das ist gut und flüssig lesbar, informationsreich und macht sogar Spaß bei der Lektüre. Vor allem aber holt dieses Buch Verschwörungstheorien ein wenig aus der Schmuddelecke und gibt einen guten und nachvollziehbaren Ein- und Überblick zum Forschungsstand. Und es verdeutlicht noch einmal, wie wesentlich kritisches Denken ist, wie wichtig es ist, unabhängig und frei zu denken und sich nicht – egal aus welcher politischen Richtung – vereinnahmen zu lassen, sondern Meldungen, Nachrichten und Erklärungen und den Hintergründen gegenüber skeptisch zu bleiben. Es ist ein schmaler Grat und es will gelernt sein, ihn zu beschreiten. Dieses Buch hilft dabei.
Profile Image for History Lover.
21 reviews1 follower
June 28, 2026
I thought this would be more of a book about governments fighting disinformation, the consequences of modern conspiracy theories, and the extreme right’s campaign to destroy the concept of truth. Boy, was I wrong. It’s more like an academic summary of the full-blown history of conspiracy theories, and reading it is like trying to quench your thirst by drinking water out of a footprint in the desert.

The book has a major problem, in my analysis: the authors apply the lens of "conspiracy theory" far too broadly. By trying to stretch "conspiracy theory" into a universal, overarching historical framework, Anton and Schink end up flattening major historical events. When it's applied this way to historical belief systems, cultural practices, and power structures, the definition becomes so loose that almost everything starts to look like a conspiracy theory—which is rather ironic, actually. At that point, they've stretched their conceptual framework beyond the point where it's analytically useful.

I really noticed this and started losing all interest in finishing the book when they mentioned the European witch hunts without engaging with any feminist interpretations. Viewing the European witch hunts primarily through the lens of conspiracy theory obscures the far more important roles of institutional, political, religious, and patriarchal power structures. I'll give them the benefit of the doubt, though, and assume they tried, with intellectual integrity, to pull off a huge thesis but are, in some fields of history and social science, simply rather limited.

Basically, I'm not impressed and probably won’t finish it. Besides, the book is also incredibly boring, though I think this may just be a general trend with German Sachbücher. I did some research on this, and German non-fiction tends to be far more academic—and therefore drier—than its Anglo-American counterpart, where authors can still make academically rigorous arguments in an exciting and engaging narrative style. German academics, however, often seem concerned that doing so will cost them credibility. So instead, they produce something that reads like one of those boring college papers we forced ourselves to swallow in the hope that we'd have an aha moment (which hardly ever came) by the end. Perhaps it's a great book for someone who really wants to approach the subject as an academic, but I don't need world history rehashed through the lens of conspiracy theories.
Displaying 1 - 2 of 2 reviews