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286 pages, Paperback
First published March 10, 2020
Eines Abends [...] fielen ihr ihre alten Tagebücher und Notizhefte in die Hände. Als sie sie las, verstand sie, dass sie schon lange kein Leben mehr hatte. Es war bloß eine sinnlose Existenz. Die Essstörung hatte neunzig Prozent ihrer Zeit und ihrer Gedanken in Anspruch genommen. Mit den restlichen zehn Prozent versuchte sie, ihre Krankheit zu verleugnen, zu verstecken und vor sich selbst kleinzureden und währenddessen das kleine bisschen Leben aufrechtzuerhalten, indem sie Jobs erledigte, Rechnungen bezahlte, aufräumte, duschte, Bekannte traf oder ihnen vielmehr absagte [...].
S. 54
Wie konnte sie nur so geworden sein? Nichts an ihr war, wie es sein sollte, Dabei war sie doch eine so gelehrige Schülerin gewesen und hatte mit allen Mitteln versucht ein perfektes Mädchen und eine perfekte Frau zu werden. Die Gesellschaft, die Zeitschriften, das Fernsehen und später auch das Internet lehrten sie alles, was sie wissen musste. Ja, eigentlich begann es schon vorher mit den Märchen und Zeichentrickfilmen.
S. 120
Was hätte ich für ein Leben haben können, wenn ich einfach in einem Dorf in Süddeutschland geboren worden wäre? Oder wenn ich zumindest nicht schwanger geworden wäre oder abgetrieben hätte oder nicht in einem Familienleben gefangen gewesen wäre [...]?
S. 275