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Mijn moeder heeft altijd gelijk

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Indringende moederdochterroman: Waar begint jouw eigen verhaal?

Er zijn twee thema's die een vrouw haar leven lang bezighouden: het gevecht tegen het eigen lichaam en de complexe verhouding tot de moeder. Lana Lux verweeft deze thema's tot een verrassende en keiharde roman over de zware last van je voorgeschiedenis en het verraderlijke pad op weg naar je eigen identiteit.

Alisa voelt elke dag dat ze niet voldoet aan de verwachtingen van haar moeder, de Oekraïense schone die haar land heeft verlaten en nooit achteromkijkt. Wanneer haar vader bij hen weggaat en de druk om de perfecte dochter te zijn niet meer te verdragen lijkt, opent zich een uitweg in de ultieme controle over haar eigen lichaam door te bepalen dat het dun zal zijn, steeds dunner. Wat Alisa niet weet, is dat haar moeder een geheim heeft achtergelaten in Oekraïne, een geheim dat ze haar hele leven probeert te bezweren.
Mijn moeder heeft altijd gelijk grijpt je bij de keel door het unieke talent van Lana Lux om ogenschijnlijk eenvoudige bewoordingen geraffineerd vol te laden met betekenis.

286 pages, Paperback

First published March 10, 2020

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About the author

Lana Lux

3 books35 followers

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80 (24%)
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16 (4%)
1 star
4 (1%)
Displaying 1 - 30 of 35 reviews
Profile Image for Sana.
418 reviews9 followers
July 25, 2021
,,Alles, was wir tun, hat nämlich einen Sinn in unserem System. Wir haben die Dinge etabliert, die unser System aufrechterhalten. Es geht bei Ihnen um einen Hunger, eine Leere. Sie wollen sich etwas gönnen, weil sie sich etwas verwehren. - S. 177


Alisa ist im letzten Schuljahr und möchte ihr Abitur so gut wie möglich machen. Eigentlich will sie alles so gut wie möglich machen, und dazu zählt, so wenig wie möglich zu essen, Sport zu treiben und ihre Mutter stolz zu machen. Doch jedes Mal, wenn etwas schief läuft, isst sie so viel, dass sie sich erbricht, um ja nicht an Gewicht zuzunehmen. Alisa leidet an Bulimie - und will sich das ganz lange Zeit nicht eingestehen. Noch weniger will sie sich jedoch eingestehen, dass ihre Mutter zu selbstbezogen und zu sehr mit ihrem eigenen Schmerz beschäftigt ist, als dass sie merken würde, was mit ihrer Tochter los ist und was sie für eine große Rolle sie dabei spielt.


Eine literarische Aufarbeitung der bis dato selten beschriebenen psychischen Erkrankung der Bulimie, die Geschichte einer ukrainischen Mutter, die sich in Deutschland integrieren möchte, und die Beziehung jener Mutter zu ihrer Tochter, die so ungesund ist, dass sie sich auf Alisas psychische Gesundheit auswirkt. Wenn das mal nicht nach einem nuancierten, packenden und berührendem Psychogramm zweier Frauen klingt!
Doch leider hält diese Prämisse mehr, als Lux schriftstellerisch umsetzen konnte. Das liegt sowohl an ihrer Fähigkeit zu schreiben an sich, allerdings auch an der Zeichnung ihrer Charaktere und an der recht merkwürdigen Struktur der Geschichte.
Denn obwohl ich diese Lektüre in drei Tagen verschlungen habe und dies zumindest auf einen leichtfüßigen und flüssigen Schreibstil schließen lässt, so ungünstig ist das leider in der Besprechung solch ernster Themen. Nicht, dass die Autorin nicht zur Genüge über die vorherrschenden Themen von Migration, Bulimie und Co-Abhängigkeit recherchiert hätte - das hat sie! Jedoch ist es ihr nicht gelungen, dies kohärent und natürlich in eine organische Geschichte zu packen. Sie erschlägt einen nämlich bereits auf den ersten fünf Seiten mit Zaunpfählen an Anspielungen auf Alisas Essstörung, dazu noch verpackt in unnatürliche und übertriebene Dialoge. Und als wäre das nicht schon gestelzt genug, so beschreibt sie Alisas von ihrer Krankheit beeinflusste Gedankenprozesse wie jemand, der bereits in Therapie ist, bereit ist, sich zu reflektieren, und vor sich selbst zugegeben hat, dass er ein Problem hat. Bei Alisa jedoch dauert es circa bis zur Hälfte des Buches, bis sie wirklich an den Punkt kommt, an dem sie sich Hilfe sucht. Diese unpersönliche und alles erzählende Art wäre vermutlich nicht geschehen, wenn sich die Autorin permanent für eine Erzählweise aus der ersten Person Singular entschieden hätte. Aber hey, so ist es ja wesentlich leichter, all die Recherchearbeit einfließen zu lassen, die man betrieben hat!
Zwar sind ihre Ausführungen ab und an von Sätzen durchzogen, die einen gewissen Witz besitzen oder die Emotionen, die mit einer solchen Erkrankung kommen, kurz punktuell zum Leben zu erwecken, allerdings ist der größere Rest eine Aneinanderreihung an Szenen, die sehr verkürzt, plakativ, und zusammengewürfelt wirken. Wie mit heißer Nadel genäht, hangelt sich Lana Lux von Alisas Abitur über Szenen mit ihrer Mutter, Streitereien mit ihren Freunden bis hin zu Alisas Abitur etc., die jedoch kaum im Gedächtnis bleiben und keine Bedeutung haben, außer einen großen Zeitraffer zu bieten. Schließlich will man nach 100 Seiten Geplänkel ja auch mal zum Punkt kommen. Obwohl der ,,Punkt'' schon in Kapitel 2 deutlich wird, da die Autorin wie in einem Gutachten statt einer Geschichte direkt deutlich macht, dass Alisas Mutter ein großer Auslöser für Fressattacken ist.

Besonders enttäuschend ist, dass Alisa und ihre Mutter recht eindimensionale Figuren sind. Insbesondere bei der Mutter hat sich Lux deutlich bemüht, die Frau so unsympathisch und bösartig wie möglich darzustellen. Es ist auch definitiv nicht abzustreiten, dass es solche Mütter gibt, und die mit Dingen wie ,,Was hast du nur für einen unerträglichen Charakter [...] Du bist wie eine Kuh, die Milch gibt und dann den Eimer umkippt.'' (S.30) oder ,,Du hast keine Beherrschung. Ich kann mit dir weder wie mit einem erwachsenen Menschen reden noch kann ich dir vertrauen. Ich bin enttäuscht von dir.'' (S. 45) um sich werfen. Doch die Realität ist, dass toxische Beziehungen zu Elternteilen meistens komplizierter als das sind; ein Kind wird sein Elternteil nicht so dermaßen von sich überzeugen wollen, wenn es nicht wenigstens IRGENDWANN einmal Liebe von demjenigen erfahren hat. Und meistens werden Schuldzuweisungen, Degradierungen und unangemessene Ansprüche der Eltern nicht mal so klar ausgesprochen; das geschieht wesentlich subtiler und wird irgendwann so alltäglich, dass man es gar nicht mehr wahrnimmt. Tanya, Alisas Mutter, hingegen hat nicht eine einzige Schokoladenseite, ebenso wie Alisa sich selten traut, mal etwas anderes zu sein als das arme, kleine Opfer. Das ist für meinen Geschmack zu wenig tiefgründig, insbesondere da die Konflikte so von vorneherein eskalierend sind und sich das nicht im Laufe der Handlung steigert.

Statt eines Spannungsbogens bietet einem die Autorin jedoch ab Alisas Therapie einen sehr langen Flashback aus Alisas Sicht, der auf einmal in der Ich-Form geschrieben ist (warum erst da?), und anschließend eine Art autobiographische Aufarbeitung seitens Tanya, anscheinend, um ihr mehr Persönlichkeit zu verleihen und zu zeigen, warum sie zu so einer Furie wurde. Wirklich Verständnis erweckt hat dieser Abschnitt allerdings nicht; es wirkte mehr wie eine Methode, das sowieso schon dünne Buch etwas dicker zu machen.

Und was noch enttäuschender ist, ist, dass der große Konflikt zwischen den Protagonistinnen leider nie aufgeklärt wird, ebenso wie sämtliche Entwicklungssprünge ihrer Persönlichkeiten komplett übersprungen werden. Das ist nicht nur schade, weil die Autorin damit den üblichen ,,Man beschreibt nur die ersten Therapiestunden und danach ist alles palletti''-Trick ausführt, sondern auch, weil es mehr als belohnend gewesen wäre, Alisa für sich einstehen zu sehen.

Insgesamt eine Geschichte mit guten Intentionen und Ideen, die sich insbesondere Beziehungen und ihrem Einfluss bei psychischen Erkrankungen widmen möchte, ihr Potential jedoch verschenkt. Während es schön ist, wenigstens hier eine osteuropäische Familie zu haben, die ich in keinem anderen Buch bisher repräsentiert gesehen habe (schreibt mir gerne Tipps!), und ein paar Gedankengänge den Nagel auf den Kopf getroffen haben, ist die mangelhafte Struktur des Buches sowie die Eindimensionalität der Hauptfiguren leider ein großes Manko. Eine Geschichte, die leider nicht lange bei einem bleibt, und die sich so anfühlt, als hätte die Autorin nicht gewusst, wo sie eigentlich damit hin möchte. Schade, schade.

Gesamtwertung: 2/5 Sternen


Profile Image for hannaღ.
219 reviews30 followers
April 28, 2020
"Jägerin und Sammlerin" von Lana Lux ist kein angenehmes Buch. Es ist intensiv und schonungslos, beschönigt nichts.
Und doch ist es bereichernd, berührend.

Alisa ist essgestört. Ihr Leben, ihre Beziehungen, ihre Existenz drohen daran zu zerbrechen. Tanya ist schön, schlank, ehrgeizig und zerstörerisch in ihrem Streben nach Perfektion, ihrer Gefühlskälte, ihrer Unfähigkeit, jemand anderen wichtig zu nehmen als auch selbst. Tanya ist Alisas Mutter und welchen Anteil sie an Alisas Krankheit hat, ist nicht schwer zu erraten.

Lana Lux erzählt aus verschiedenen Perspektiven: Alisa schildert ihren Kampf um seelische und körperliche Gesundheit, Tanya beschreibt ihre schwierige Vergangenheit in der Ukraine, den unsichere Start in Deutschland.

Der Krieg gegen den eigenen Körper, die kaputte Beziehung zwischen Mutter und Tochter, Migration,....das sind die Themen, die Lana Lux interessant, berührend und schockierend aufarbeitet.

Vielen Dank an den Aufbau Verlag für das via NetGalley zur Verfügung gestellte eBook!
Profile Image for _Leselust_.
295 reviews38 followers
April 11, 2020
Kurzmeinung:
Jägerin und Sammlerin von Lana Lux ist ein wirklich starker Roman über eine schwierige Mutter-Tochter-Beziehung, die Aufarbeitung der eigenen Vergangenheit, den Druck von Erwartungen, psychische Störungen, Migration und vieles mehr. Erzählt wird die Geschichte zunächst aus Sicht von Alisa, die mit einer Essstörung zu kämpfen hat. Später kommt auch ihre Mutter Tanya zu Wort. Beide Erzählperspektiven haben mir gut gefallen. Die Figuren sind sehr nahbar und haben viele Emotionen bei mir geweckt.


Meine Meinung:
Am Anfang hatte ich große Probleme, in die Geschichte hineinzufinden. Es gab sehr viele Zeitsprünge. Dadurch entstand bei mir das Gefühl, die Sachen sollten einfach schnell abgehandelt werden und die Figuren blieben mir zunächst fern. Ich hatte keine Zeit, sie und ihre Gefühle, ihre Entwicklung wirklich zu verstehen und ihnen dadurch nahe zu kommen. Die Dialoge wirkten auf mich hölzern und gestellt, die Figuren eher klischeehaft.

Doch das alles wurde nach ca einem Viertel besser. Das Erzähltem verlangsamt sich, ich konnte die Figuren kennenlernen und habe etwas über ihre Vergangenheit erfahren. Das machte sie für mich nahbar und authentisch.

Da gibt es Alisa, die an einer Essstörung leidet. Nach und nach erfährt man mehr darüber, welche Dinge aus ihrer Vergangenheit sie geprägt haben. Die schwierige Beziehung zur Mutter Tanya wird gut dargestellt. Sie hat sehr hohe Ansprüche und Erwartungen an ihre Tochter. Alisa lebt mit der ständigen Angst, ihre unnahbare Mutter zu enttäuschen.

Spannend fand ich die internalisierte Glaubenssätze, die sie von Mutter übernommen hat („Schönheit verlangt ihre Opfer“, Du bist tollpatschig und dumm“, „Du bist eine Enttäuschung“ ...). Es wird deutlich, wie sehr diese Alisas Entwicklung und ihr Selbstbild beeinflusst haben.

Dann war es zunächst sehr leicht, die Mutter zu verteufeln, die doch so offensichtlich alles falsch macht. Im Verlauf erfährt man jedoch auch mehr über Tanya und ihre Vergangenheit, die Beziehung zu ihrer Mutter, ihre Kindheit in der Ukraine. Dadurch wurde mir als Leserin dann auch viel von Tanyas Handeln verständlich. Allerdings blieb sie mir etwas zu überzeichnet. Zu sehr schwarz-weiß: sie als unsympathische Figur, der man die (Mit-)Schuld an Alisas Leben geben kann.

Schließlich gelingt Alisa die Emanzipation von Mutter. Von der Freundin, die ihr nicht gut tat. Es wurde sehr gut dargestellt, dass Genesung kein grader weg ist. Das es trotz Erkenntnis und Fortschritten und guten Phasen auch wieder Rückschritte geben kann.

Für mich war es sehr spannend, den Genesungsprozess zu verfolgen. Psychische Krankheiten werden weder dämonisiert, noch romantisiert oder bagatellisiert. Gerade Essstörungen werden in der Literatur oft stilisiert dargestellt. Von den dünnen, zerbrechlichen und disziplinierten Mädchen und Frauen. Dieser Weg wird hier nicht gewählt und das finde ich gut. Lux schreibt über das Leben mit den Krankheiten und wie der Weg zur Genesung nicht gradlinig verläuft. Wie schwierig und schmerzhaft er ist. Das es Arbeit erfordert und es trotzdem Rückschritte geben kann. Das es sich trotzdem lohnt.
Interessante fand ich auch die Reflexion über gesellschaftliche Anforderungen an vermeintlich „perfekte“ Mädchen und Frauen und den Druck, den das erzeugen kann. S.99 Und es stecken noch so viel mehr spannende Themen in diesem Roman, den es sich trotz der anfänglichen Schwächen zu lesen lohnt.


Fazit:
Jägerin und Sammlerin von Lana Lux ist ein Buch, mit dem ich so meine Startschwierigkeiten hatte. Trotz kleiner Schwächen möchte ich es euch unbedingt empfehlen, da es unglaublich gut psychische Krankheiten, besonders Essstörungen und den beschwerlichen Weg der Genesung beschreibt. Außerdem lohnt sich die Lektüre wegen der weiteren Themen, sei es Migration, Aufarbeitung der eigenen Vergangenheit oder die schwierige Mutter-Tochter-Beziehung.
Profile Image for ➸ Gwen de Sade.
1,226 reviews112 followers
April 28, 2022
Das Buch hat mich wirklich umgehauen. Leider erkenne ich so so viel in diesem Buch in meinem eigenen Leben wieder. Es war also wie ein wirklich schön geschriebener Schlag in die Magengrube. Aber es tat auch sehr gut. Es war spannend, das alles von außen zu betrachten und Lana Lux (Ukrainerin <3, dadurch wurde ich auf das Buch aufmerksam) ist wirklich eine sehr begnadete Autorin. Kann es sehr empfehlen.
Profile Image for Kirsten.
3,159 reviews8 followers
November 10, 2022
Mit zwei Jahren kommt Alisa mit ihrer Familie nach Deutschland, weil die Mutter mehr für ihre Familie wollte als die Ukraine zu bieten hatte. Mit siebzehn ist sie vereinsamt und magersüchtig. Die Mutter lebt längst mit einem neuen Partner zusammen und hat nur wenig Zeit für sie. So muss Alisa alleine mit ihrer Krankheit fertig werden.

Jägerin und Sammlerin ist ein sehr intensives Buch. Alisas Probleme scheinen offensichtlich, aber trotzdem spricht sie niemand darauf an. Sie hat strenge Regeln für sich, die sie nicht einhalten kann. Deshalb nimmt sie sich für den nächsten Tag noch mehr vor, um das Versagen wieder wett zu machen und versagt wieder. Sie ist in diesem Kreislauf gefangen und obwohl den Ausweg kennt, kann und will sie sich nicht daraus befreien.

Alisa lebt mit einer Freundin zusammen, die wie sie magersüchtig ist. Statt sich zu unterstützen, stacheln sich die beiden Mädchen an, immer weiter abzunehmen. Das Selbstbild der beiden ist völlig verzerrt.

Im Lauf der Geschichte zeigt die Autorin, wie es dazu kommen konnte. Sie erzählt von Müttern mit unmöglichen Anforderungen an ihre Töchter und Töchtern, die die Träume ihrer Mütter leben müssen. Alisas Mutter fand ich schrecklich. Egal, wie schlecht es ihrer Tochter auch ging: ihre eigenen Probleme waren in ihren Augen viel schlimmer als die Krankheit ihrer Tochter, die sie immer klein redete. Alisa muss stark werden, um sich aus diesem Teufelskreis zu befreien.

Auch wenn das Buch nicht leicht zu lesen ist, ist es absolut empfehlenswert.
Profile Image for Lilli.
11 reviews1 follower
November 23, 2025
3,5 Sterne :-) sehr starkes Buch. Einzig hadere ich etwas mit dem Ende. Deshalb nicht 4*. Ich habe mit dem Thema Essstörungen auch beruflich zu tun und fand die Beschreibung der Mutter-Tochter Dynamik und der Essstörungssymptomatik sehr, sehr gut. Wenn die Leserin/der Leser selbst ein Thema mit Essstörung hat, würde ich es mir überlegen es zu lesen. Es "zieht einen ganz schön rein"...
Ich habe noch nichts anderes gelesen von Lana Lux, bin aber jetzt extrem gespannt auf weitere Bücher.
Profile Image for miss.mesmerized mesmerized.
1,405 reviews42 followers
March 15, 2020
Sie ist eine hervorragende Schülerin, aber morgens rechtzeitig aus dem Haus zu kommen, scheint ein Ding der Unmöglichkeit für Alisa. Sie arbeitet abends zu lange und der Blick in den Spiegel auf die unreine Haut, macht stundenlange Vorbereitungen erforderlich, bevor sie sich unter Menschen trauen kann. Überhaupt ist ihr Aussehen ein Problem, sie ist nicht attraktiv wie ihre Mutter, der immer noch alle Männer nachschauen oder wie ihre Freundin Mascha, die als elfengleiche Ballerina bezaubert. Mehr und mehr hadert Alisa mit sich und zunehmend versucht sie ihren Frust förmlich runterzuschlucken, doch die Fressanfälle helfen nur kurz und das zwanghafte Erbrechen danach ist zur Sucht geworden. Dass sie Hilfe braucht, lässt sich bald nicht mehr übersehen, doch woher rührt das alles, wie konnte es nur so weit kommen?

Lana Lux hatte mich mit ihrem Debüt „Kukolka“ schwer begeistern können, gespannt war ich auf diesen Roman, der mit der ukrainisch stämmigen Protagonistin auch wieder Parallelen zu ihrer eigenen Biografie aufweist. Über weite Strecken konnte mich die Geschichte auch fesseln und überzeugen, der Schluss jedoch hat mich etwas enttäuscht.

Es ist leicht vorstellbar, dass Leser*innen mit eigenen Erfahrungen in Bezug auf Essstörungen stark getriggert werden. Alisas Gedankenwelt, die sich extrem um ihren Körper und ihr Aussehen dreht und ausgesprochen negativ geprägt ist, wirkt authentisch und stimmig. Genau diese begrenze und fehlgeleitete Sicht führt in die Anorexie oder Bulimie, aus der die Betroffenen selbst meist nicht mehr alleine herauskommen. In Alisas Fall wird die Ursache durch das Verhalten der Mutter - von klein auf Fokussierung auf das Aussehen, immer wieder Kritik an der Figur und dem Essverhalten, ganz offensive Bevorzugung der tanzenden Freundin bei mangelnder Zuneigung - überzeugend motiviert und erklärt. Die Bulimie kommt nicht plötzlich und wird ebenso wenig über Nacht geheilt, es ist ein langer Prozess mit Rückschlägen, den auch Familienmitglieder nicht immer nachvollziehen können.

Im letzten Teil geht die Geschichte weg von Alisa hin zur Mutter. Diese Hintergrundinformationen zu deren Kindheit und Jugend, zu ihren Träumen und Enttäuschungen erklären zwar ihr Verhalten gegenüber der Tochter, für mich war es jedoch weitaus weniger interessant und zugänglich als Alisas Story. Vielleicht wäre die Handlung für mich sogar stimmiger gewesen ganz ohne diesen Teil, da er so gar nicht zu der Perspektive davor passt. Alisa als Figur war genug und überzeugend und es ist schade, dass sie gerade mit dem geringen Selbstbewusstsein und der Überzeugung, dass ihre Mutter sie nicht sieht und sich nicht für sie interessiert, selbst hier dieser Frau wieder weichen muss. Da hätte Lana Lux liebevoller mit ihrer Figur umgehen dürfen.

Die Thematik des Würgegriffs durch Essstörungen kommt glaubhaft und plastisch rüber, so sehr dies das Leben einschränkt, bedingt es auch die Handlung. Der letzte Teil für mich inhaltlich fast verzichtbar und insgesamt gestalterisch nicht so stark wie die ersten beiden, führt zu einem kleinen Abzug. Gelungen dafür der Titel, für den ganz am Ende noch eine Erklärung gegeben wird.
Profile Image for miss_mandrake.
826 reviews63 followers
May 18, 2020
„Ich habe einfach noch nicht gelebt. Ich habe gewartet...“
„Worauf denn?“
„Dass ich dünn genug bin, mit meinem Leben zu beginnen...“

Ein intensives, wahres und dichtes Buch, dass mich ab der ersten Seite gefesselt hat.
Es geht um Essstörungen, Depressionen und kam loslassen. Um eine Mutter-Tochter Beziehung, die alles andere als liebevoll ist. Ums suchen und finden. Um Heilung und Schmerz. Und in all dem hab ich mich wiedergefunden.
Ein großartiges Buch, weil es so weh tut.
Profile Image for Nika.
250 reviews38 followers
July 31, 2023
Die Leseerfahrung von diesem Buch war eine ganz besondere. Die 304 Seiten habe ich in knapp drei Tagen verschlungen, aber wenn ich während diesen Tagen mehr Zeit gehabt hätte, hätte ich es auch an einem einzigen Tag auslesen können. Sobald man sich nach den ersten 10-15 Seiten an den Schreibstil und die Dialoge gewöhnt hat, wollte man das Buch gar nicht mehr weglegen. Ausgewählt habe ich es, da ich weiterhin mehr von ukrainischen Schriftsteller_innen lesen möchte, nachdem ich einige Wochen zuvor Irina Kilimnik's "Sommer in Odessa" ausgelesen habe.

In "Jägerin und Sammlerin" werden so schwierige, dunkle und emotionale Themen angesprochen, die in einem absoluten Gegensatz zu dem Buchcover mit einem niedlichen Eichhörnchen stehen (es gibt aber auch eine Bedeutung dahinter, was ich bei einem Buchdesign besonders schätze!). Die Triggerwarnungen sind hier sehr ausschlaggebend, ob man sich dieses Buches annehmen wollen würde: In erster Linie geht es um Essstörungen (Bulimie und Anorexie werden direkt auf den ersten paar Seiten angesprochen), es werden aber auch Suizid, psychische Krankheiten (unter anderem Depression), sexuelle Belästigung (versuchte Vergewaltigung) und problematische Familienbeziehungen in dem Roman bearbeitet.

Eines Abends [...] fielen ihr ihre alten Tagebücher und Notizhefte in die Hände. Als sie sie las, verstand sie, dass sie schon lange kein Leben mehr hatte. Es war bloß eine sinnlose Existenz. Die Essstörung hatte neunzig Prozent ihrer Zeit und ihrer Gedanken in Anspruch genommen. Mit den restlichen zehn Prozent versuchte sie, ihre Krankheit zu verleugnen, zu verstecken und vor sich selbst kleinzureden und währenddessen das kleine bisschen Leben aufrechtzuerhalten, indem sie Jobs erledigte, Rechnungen bezahlte, aufräumte, duschte, Bekannte traf oder ihnen vielmehr absagte [...].
S. 54


Ich würde das Buch all jenen ans Herz legen, die vor einer schweren Lektüre nicht zurückschrecken. Frauen, die mit der Beziehung zu ihrem Körper gelitten haben oder immer noch daran leiden, sich aber stark genug fühlen, eine Erzählung über das Thema zu lesen. Frauen, die mit einer ost-europäischen Erziehung groß geworden sind (in diesem Fall, eine Erziehung mit einem ukrainischen Einfluss). Sowohl Frauen als Männer, welche die oben genannten Frauen in ihrem Leben haben und sie gerne besser verstehen würden. Eltern, deren Kinder an Essstörungen leiden. All diese Menschen stelle ich mir als Leser vor, die das Buch bestimmt wahnsinnig spannend finden würden. Mich hat es teilweise sehr hart getroffen und übergangsweise emotional stark mitgenommen, weshalb ich froh war, das Buch nicht über eine allzu lange Zeitspanne gelesen zu haben. Ich würde es deshalb jenen zum Lesen empfehlen, die sich in einer halbwegs stabilen psychischen Lage befinden.

Wie konnte sie nur so geworden sein? Nichts an ihr war, wie es sein sollte, Dabei war sie doch eine so gelehrige Schülerin gewesen und hatte mit allen Mitteln versucht ein perfektes Mädchen und eine perfekte Frau zu werden. Die Gesellschaft, die Zeitschriften, das Fernsehen und später auch das Internet lehrten sie alles, was sie wissen musste. Ja, eigentlich begann es schon vorher mit den Märchen und Zeichentrickfilmen.
S. 120


Dieser Roman war ein Paradebeispiel dafür, wie viel einem eine "einfach imaginäre Geschichte" bieten kann. Durch die spannenden Perspektivenwechsel gewann man Einblicke sowohl in die Gefühlswelt der Tochter, als auch in jene der Mutter, während ihre problematische Beziehung zu einander im Mittelpunkt der Erzählung stand. Man bekam einen so intimen und nahen Einblick in das Leben und die Gedankenwelt von jemandem, der an einer Essstörung erkrankt ist, so dass es mich einige Konversationen mit Menschen in meinem Leben re-evaluieren ließ, die auch in der Vergangenheit davon betroffen waren. Man gewann ein Verständnis dafür, wie es für jemanden sein könnte, in ein neues Land auszuwandern und das Gefühl zu haben, sich nie wirklich richtig einfügen zu können. Man konnte auch in eine Welt eintauchen, wo man mitverfolgen konnte, wie das fehlende Gefühl von Erfüllung von einer Mutter auf ihr Kind übertragen werden kann.

Was hätte ich für ein Leben haben können, wenn ich einfach in einem Dorf in Süddeutschland geboren worden wäre? Oder wenn ich zumindest nicht schwanger geworden wäre oder abgetrieben hätte oder nicht in einem Familienleben gefangen gewesen wäre [...]?
S. 275


Ich fragte mich, wie viele der Details aus dem Leben der Autorin in dem Buch verarbeitet wurden. Sie erzählte in einem Interview, dass sie selber in ihrer Jugend an einer Essstörung litt und dass auch ihre Eltern aus der Ukraine nach Deutschland umgezogen sind, genauso wie die Familie in "Jägerin und Sammlerin". Es gibt auch eine Parallele im letzten Teil des Buches, wo ein Instagram-Account mit Illustrationen beschrieben wird, @eva_and_her_demons, welcher im echten Leben von der Autorin selber geführt wird. Auch sie, wie die Hauptperson in ihrem Buch, zeichnete gerne seit ihrer Kindheit.

Um nochmal allgemein auf das Buch zurückzukommen, fand ich es einfach genial geschrieben. Ich mochte sehr, wie der Erzählung ein Ende gesetzt wurde, da es sehr realitätsnah war. Das Buch hat zu 100% die höchste Bewertung verdient, es ist eine absolute Weiterempfehlung meinerseits und ich freue mich schon darauf, den ersten Roman der Autorin, "Kukolka", bald lesen zu können!

Quellen
Caldart, I.
: „Zu Bulimie wird eine Pseudobeziehung aufgebaut.“ Interview mit Lana Lux über „Jägerin und Sammlerin“. Novellieren. Zugang am: 31/07/2023. https://novellieren.com/2020/03/10/in....
41 reviews
January 2, 2022
Het verhaal gaat over dochter Alisa en haar moeder Tania. Ze zijn vanuit Oekraïne naar Berlijn gekomen toen Alisa nog heel jong was. Tania wilde een nieuw leven opbouwen en wil er alles aan doen om het helemaal te maken. Allebei zijn ze erg met hun uiterlijk bezig. Tania is een Oekraïnse schone die van alles doet om er altijd aantrekkelijk uit te zien. Ze stelt hoge eisen aan zichzelf en verwacht hetzelfde van haar dochter. Alisa wil graag aan het perfecte plaatje van haar moeder voldoen. Dit lukt lastig. Wanneer haar vader ook nog vertrekt gaat het steeds slechter en ontwikkelt Alisa al vroeg een eetstoornis.

Het verhaal gaat over de ingewikkelde relatie tussen moeder en dochter, over de invloed van je opvoeding/geschiedenis en over hoe een eetstoornis je leven compleet kan beheersen.

Meeslepend verhaal dat je in één ruk uit wil lezen.
Profile Image for Clarissa.
703 reviews21 followers
June 7, 2024
Für mich das mit Abstand schwierigste Lana Lux-Buch, bei dem ich das lesen vielleicht hätte überdenken sollen, aber ich liebe ihren Stil einfach zu sehr, um zu verzichten, lol.
Bitte wenn nötig unbedingt die Content Notes checken!
Anders als andere Rezensent*innen empfand ich Alisa und Tanya als sehr gut umrissene Charaktere, deren Bild im Laufe des Romans immer klarer wurde und mal wieder gezeigt hat, was für eine Scheiße generationelles Trauma ist.
Eine Kritik der ich zustimmen würde, ist die etwas enttäuschende Weise, wie Alisas Genesungsprozess übersprungen wird und es sich eher leicht gemacht wird damit, dass alles läuft, sobald sie sich auf die Therapie eingelassen hat.
This entire review has been hidden because of spoilers.
19 reviews
August 6, 2025
Complexe relatie tussen moeder en dochter vanuit beide perspectieven geschreven: wat was interessant om te lezen. Maar ook niet het meest inspirerende boek van de laatste tijd
Profile Image for Sigried.
380 reviews16 followers
October 12, 2021
Stel dat je als kind steeds te horen krijgt dat je onhandig bent, lui, te groot. Wat doet het met je zelfbeeld als je herhaaldelijk kritiek krijgt op je haar, je houding, je ideeën? Wat is de impact wanneer die opmerkingen gemaakt worden door de persoon die jij het meest bewondert, en wanneer dit alles gebeurt onder het mom van liefde, voor je eigen bestwil? Bij Alisa, het hoofdpersonage van Mijn moeder heeft altijd gelijk zijn de gevolgen buitengewoon dramatisch. Lana Lux geeft overtuigend weer hoe een eetstoornis Alisa’s heden en toekomst overneemt en alles vernietigt.

Eerst lijkt Alisa een gewone puber die ’s morgens met tegenzin wakker wordt om naar school te gaan. Het begin van het boek is echter niet voor gevoelige lezers. Je wordt onmiddellijk in Alisa’s strijd tegen vet en puistjes geworpen. Hoe hard die eerste pagina’s ook zijn, ze geven de gemoedstoestand van Alisa perfect weer en waarschuwen de lezer voor wat nog gaat komen.

“Ze ging op de weegschaal staan en heel even verscheen er een tevreden glimlachje op haar gezicht. Maar bij een eerste blik in de spiegel verdween die meteen weer, nog voordat ze haar huidige gewicht genoteerd had. Vervuld van haat en walging bekeek ze zichzelf. Hoeveel ze ook afviel, dat gevoel bleef. Ze vond zichzelf dik en lelijk.”

Lana Lux verbloemt geen enkel aspect van boulimia en toont de eetstoornis in al zijn kracht en gruwel. Zo is er bijvoorbeeld de concurrentiestrijd tussen Alisa en haar beste vriendin. Wanneer die opgenomen wordt in het ziekenhuis, huilt Alisa tranen met tuiten. Dat doet ze echter niet uit bezorgdheid, maar uit jaloezie omdat een ziekenhuisopname enkel weggelegd is voor diegenen die de discipline hebben om niets te eten – alweer een reden om zichzelf een mislukkeling te voelen.
De lezer weet dat de buitenwereld Alisa ziet als slim, slank en gedreven. Alisa registreert dit wel – we lezen immers alles vanuit haar standpunt – maar het dringt niet echt door. Alisa gaat steeds meer op in de afschuw voor zichzelf. Je kan niet anders dan meeleven met de neerwaartse spiraal waarin Alisa terechtkomt.

‘Ik heb gewoon nog niet geleefd. Ik heb gewacht…’
‘Waarop dan?
‘Tot ik slank genoeg ben om met mijn leven te beginnen…’

Het boek start als een zoektocht van Alisa naar haar identiteit, maar doorheen de verschillende delen richt de thematiek zich meer en meer op de toxische relatie tussen Alisa en haar moeder Tania. Tania is een gedreven vrouw die met grootse dromen vanuit Oekraïne naar Duitsland komt en hard werkt om vooruit te geraken in het leven. Ze botst voortdurend tegen de passieve houding van haar man en al gauw is het geschreeuw een dagelijkse realiteit in Alisa’s kindertijd.

Gaandeweg begrijp je hoe complex de oorzaken van Alisa’s eetstoornis zijn. Lux zorgt ervoor dat je begrip en empathie voelt voor Alisa, je wilt niets liever dan dat ze een manier vindt om van zichzelf te houden. Tegelijk besef je dat zij niet de enige verantwoordelijke is. Om de relatie met haar moeder een nieuwe kans te geven, moet ze open kaart spelen en hopen op begrip van Tania. Op dat punt in het verhaal wisselt het perspectief naar Tania. De kaarten worden opnieuw geschud. Tania liet het verleden los om een toekomst te hebben, maar is dat de enige juiste weg, en kan het Alisa redden?

Na het lezen van deze aangrijpende roman kan ik het alleen maar eens zijn met de tekst die in opvallende letters op de cover staat: ‘Wie Lana Lux nog niet kent, moet haar nu onmiddellijk ontdekken.”
Profile Image for YvonneN.
182 reviews3 followers
March 27, 2020
Von Lana Lux las ich vor einigen Jahren ihren Debütroman „Kukolka“, der mir nachhaltig in Erinnerung geblieben ist und mich darum gleich neugierig auf ihr erst kürzlich erschienenes Buch „Jägerin und Sammlerin“ machte. Erneut hat sich die Autorin ein Thema ausgesucht, das nah geht, das aufwühlt und das betroffen macht.

„Alisa studierte die Internetseiten der Kunsthochschulen und war eigentlich entschlossen, sich zu bewerben oder einen Mappenkurs zu machen, doch sie tat es nicht. Sie hatte keine Zeit. Sie ging jobben und kämpfte die restliche Zeit gegen ihren Körper.“ (S. 42)

Alisa ist zwei Jahre alt, als sie mit ihren Eltern die Ukraine verlässt, um nach Deutschland zu ziehen. Aber das Glück lässt auch im neuen Land auf sich warten: Alisas schöne Mutter ist weiter unzufrieden, möchte mehr, als der viel ältere Vater ihr bieten kann. Die Tochter, die sich so sehr um ihre Liebe bemüht, bleibt ihr fremd. 15 Jahre später ist Alisa eine einsame junge Frau, die mit Bulimie und Binge-Eating kämpft. Mia, wie sie ihre Krankheit nennt, ist immer bei ihr und dominiert sie zunehmend.

„Es war ein seltsames Spiel geworden, welches sie jede Woche nach genau dieser Nachhilfestunde spielte. Sie nahm sich die Kleidungsstücke in vier verschiedenen Größen und probierte sie in der Kabine nacheinander an. Sie konnte es jedes Mal kaum glauben, dass sie die Größe vierzig nicht mehr ausfüllte und auch die achtunddreißig eher locker saß, die sechsunddreißig passte meistens, aber die vierunddreißig war unvorstellbar klein und passte nie. Und solange das so war, wusste sie, dass sie fett war.“ (S. 49)

Lana Lux erzählt hellwach und mit großer Intensität von Alisa und ihrer Gefühlswelt, ihrem Erleben und ihrer fehlgeleiteten Selbsteinschätzung. Aber sie schildert auch die Geschichte von Mutter und Tochter, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Sie verbindet lediglich der Albtraum einer gemeinsamen Lebensgeschichte, die geprägt ist von Lieblosigkeit und Unverständnis für einander. Diese Geschichte schmerzt beim Lesen regelrecht und auch wenn man in der zweiten Hälfte dieses Buches überwiegend die Lebensgeschichte der Mutter erfährt, die zum Teil ihr Denken und ihr Handeln erklären kann, so schafft es dennoch kein Verständnis für die Person, die ihrerseits ein Produkt und Opfer ihrer Lebensumstände ist, auch wenn sie sich selbst im Roman als ‚Jägerin‘ betitelt.

Eine komplexe Geschichte mit vielen psychischen Fehlleitungen, die bei allen beteiligten Personen viel Unheil auslösen, und von denen man sich beim Lesen wünscht, dass sich die Probleme in Luft auflösen und zu einem Happy End führen. Aber Lana Lux gibt diesem Roman ein authentisches Ende und überrascht obendrein noch mit einem Verweis ins reale Leben. Unweigerlich fragt man sich nach dem Lesen dieses Buches, wie viel Fiktion und wie viel Autobiografisches womöglich in diesem lesenswerten Roman der Autorin, die als Kind aus der Ukraine mit ihren Eltern nach Deutschland kam und vor 10 Jahren selbst an einer Essstörung litt, steckt. Die Antwort darauf kennt nur Lana Lux selbst.
Profile Image for Kathrin .
183 reviews33 followers
April 22, 2020
Nachdem mich Lana Lux mit ihrem großartigen Debut „Kukolka“ überzeugen konnte, war ich umso gespannter was „Jägerin und Sammlerin“ für mich bereit hält.

Alisa scheint eine eine hervorragende Schülerin, zu sein, de es aber zunehmend schwerer fällt. Pünktlich das Haus zu verlassen – da es einer langen Vorbereitungszeit bedarf, bis sie sich traut das Haus zu verlassen. Aussehen spielt für sie eine große rolle, da ihre Mutter schlank und attraktiv ist und ihr alle Männer hinterherschauen und Alisa das Gefühl hat, genau das Gegenteil davon zu sein,
Dick und unattraktiv. Zudem macht ihre Freundin Mascha, die ebenfalls perfekt zu sein scheint, Alisas Gefühlswelt noch komplizierter. Mascha schafft es, wenig zu essen, schlank zu sein bis sie mit lebensbedrohlichem Untergewicht in eine Klinik eingeliefert wird. Aber auch dann scheint Alisa das Gefühl zu haben, nicht annähern an die Perfektion Maschas heranzukommen, denn sie leidet an Bulimie und Anorexie. Aber Bulimie ist dreckig und unkontrollierbar und ihre Mutter hat gemerkt, dass sie unkontrolliert isst und alles wieder auskotzt und hält sie für unfähig. Denn Tanya, Alisas Mutter kritisiert sie ständig, sie soll endlich ihr Leben in den Grigg bekommen, ihre Figur, ihr Essverhalten und aufhören Tanya das Leben unnötig schwer zu machen. Wir begleiten Alisa nach bis in die Klinik, in der sie sich behandeln lässt. Zudem wird uns die Geschichte von Tanya erzählt. Die unterschiedlichen Erzählperspektiven ermöglichen dem Leser ein runderes Bild zu erhalten und sowohl die Perspektive von Alisa, als auch von ihrer Mutter Tanya einzunehmen. Jedoch hatte ich das Gefühl, durch die Kindheit und Jugend der Mutter, die manche Verhaltensweisen gegenüber ihrer Tochter erklären, nicht mit der Tanya übereinstimmen, die wir aus der Perspektive Alisas erleben, aber vielleicht wir dadurch eine verzerrte Wahrnehmung deutlich.
Der Schluss war weniger eindringlich als der restliche Teil, was ich etwas schade finde, da
der Beginn doch sehr stark war. Am Ende wird deutlich was es mit dem Titel und dem Cover auf sich hat, was ich immer wieder toll finde, wenn Cover & Titel mit dem Inhalt des Buches übereinstimmen.
„Jägerin und Sammlerin“ hat mir gut gefallen, die Thematiken Bulimie und Anorexie sind schwierige Themen, die Lana Lux hier meines Erachtens (ich selbst habe keine Berührungspunkte mit Essstörungen) gut rübergebracht hat auch in Bezug auf Familie und Beziehungen zu anderen Menschen.
Profile Image for Bücherangelegenheiten.
190 reviews46 followers
December 15, 2020
Alisa ist eine junge Frau mit einem Talent fürs Zeichnen und mit zwei Zielen im Leben: Ihrer Mutter gerecht zu werden und abzunehmen. In ihrem Roman „Jägerin und Sammlerin“ erzählt Lana Lux die Geschichte von Alisa und ihrer Mutter Tanya.

Alisa ist von dem Gedanken besessen, dass sie, wenn sie endlich dünn genug wäre, die Anerkennung von ihrer Mutter bekommen würde, nach der sie sich schon von klein auf sehnt.
Ihre innere Leere versucht sie mit Fressattacken zu füllen, als sie bemerkt, dass das ihren Alltag immer mehr einnimmt und sie sich selbst nicht mehr aus dieser Situation befreien kann, begibt sich Alisa in eine Klinik. Dort wird ihr geraten ihre Lebensgeschichte aufzuschreiben.

Im zweiten Teil blicken wir in Alisas Kindheit und erfahren, warum sie so ein gestörtes Verhältnis zu ihrer Mutter hat, wie sie mit ihren Eltern nach Deutschland gekommen ist und warum sich bei ihr eine Essstörung entwickelt hat. Alisas Rückblick zeigt ein Mädchen, das sich von klein an verbiegt, um seine Mutter stolz und glücklich zu machen. Im letzten Teil des Buches, erzählt Tanya ihre Lebensgeschichte und wir erfahren warum sie so geworden ist, wie sie ist und warum sie so eine erbarmungslose Mutter gegenüber Alisa werden konnte.

Das Buch ist insgesamt in drei Teile gegliedert. Die ersten beiden Teile befassen sich mit der Geschichte von Alisa und der letzte Teil mit ihrer Mutter. Der letzte Teil des Buches, flacht meiner Meinung nach zwar eine bisschen ab, doch trotzdem ist er wichtig für die emotionalen Zusammenhänge der Mutter-Tochter-Beziehung.

Auf eine sehr nüchterne und präzise Art schildert Lux wie ihre beiden Protagonistinnen innerlich von ihrem emotionalen Ballast aufgefressen werden. „Jägerin und Sammlerin“ verbindet die komplexen Themen wie psychische Erkrankungen, Migration und Mutterschaft auf eine schmerzvoll und nicht immer einfach zu lesende Art und Weise. Dadurch entsteht, jedoch ein sehr nachhaltiges Buch, das eine Lektüre auf jeden Fall wert ist.

Eine klare Leseempfehlung!

Triggerwarnung: In dem Buch wird sehr plastisch und ausführlich über das Thema Bulimie und emotionalen Missbrauch berichtet. Wer mit diesen Themen persönliche Schwierigkeiten hat, sollte dieses Buch nicht lesen.
Profile Image for Christiane Fischer.
515 reviews6 followers
March 26, 2023
TW: Depression und Essstörungen.

JÄGERIN UND SAMMLERIN
Lana Lux

„Du bist ungeschickt. Du bist ein Trampel. Pass doch auf. Du machst alles kaputt. Hör auf zu quasseln, du machst mich völlig verrückt. Beeil dich, wegen dir sind wir immer zu spät. Iss deinen Teller leer. Iss nicht so viel von dem Süßen. Das kannst du nicht tragen. Das steht dir nicht. [...] Du hast wirklich keine Entwicklung gemacht, seit du sechs Jahre alt bist. [...] Ich sehe jetzt schon, dass aus dir nichts wird. Du bist wie dein Vater. Ihr habt mein Leben zerstört.[...] Du bist eine Enttäuschung. Du bist eine Lügnerin. Du hast keinen Willen. Du hast keine Selbstdisziplin. Du musst dich mehr anstrengen. Aus dir könnte was Grossartiges werden. Du bist faul. Hör auf zu fressen! Du ekelst mich an. Ich glaube dir gar nichts mehr.“ (S.118)
All das sind Sätze, die Alina in ihrer Kindheit und Jugend regelmässig von ihrer Mutter hörte.

Alina steht kurz vor dem Abitur und hat Bulimie.
Sie hat kein Selbstwertgefühl und findet sich hässlich. Immer wieder bekommt sie Fressattacken und stopft alles in sich hinein, so lange, bis sie es wieder erbricht. Sie schämt sich und sucht Hilfe bei ihrer Mutter Tanya, die sie aber nur mit Vorwürfen begegnet.

Wow, was für ein Buch!

Es ist der zweite Roman von Lana Lux, den ich nach dem #highlight Kukolka unbedingt lesen musste.
Auch dieses Buch konnte mich komplett überzeugen. Diese toxische Mutter-Kind-Geschichte hat mich tief berührt.
Der Schreibstil und der Buchaufbau sind unglaublich gut und im letzten, dritten Teil schildert Mutter Tanya ihre Sicht.
Eine tief-traurige Geschichte, die es leider viel zu oft auf der Welt gibt.
Auch dieses Buch wird in meine #highlights2023 einziehen.

Absolute Leseempfehlung
5+/ 5
271 reviews3 followers
June 9, 2020
Dieses Buch ist mir sehr nahe gegangen. Es ist wirklich gut geschrieben und man baut als Leser schnell eine Beziehung zur Protagonistin Alisa auf.

Die junge Frau leidet unter Bulimie. Im Laufe der Geschichte erfährt man ihre Gedanken, ihre Geschichte... Es dauert nicht lange, bis man als Leser den "Schuldigen" für Alisas Situation gefunden hat.
Und plötzlich lernt man Alisas Mutter besser kennen und fühlt sich ertappt für ein Urteil, dass man als Leser zu schnell gefällt hat.

Dies gelingt der Autorin ganz wunderbar. Sie vermag es, Augen zu öffnen und Vorurteile zu entlarven. Das fand ich beim Lesen wirklich eindrucksvoll.

Ich habe dieses Buch lange nicht gelesen, weil mir Cover und Titel nicht gefallen haben. Nun bin ich froh, dass mich das nicht abgehalten hat, denn ich kann das Buch absolut empfehlen!
Profile Image for Alexandra Dorothea.
28 reviews
June 21, 2020
Nachdem ich #kukolka an einem Tag verschlungen habe, hatte ich nicht allzu große Erwartungen an Lana Lux neuen Roman, aber auch dieser überzeugt durch den Perspektivwechsel, die komplizierte MutterTochterBeziehung und den Blick hinter eine Essstörung und deren Ursachen. Absolute Leseempfehlung und für mich persönlich eine weitere Anregung das eigene Streben nach Perfektion und die dazu angewendeten Methoden zu hinterfragen. Das Jahresmotto zieht sich auf unterschiedlichste Weisen durch dieses Jahr #coronareading #jägerinundsammlerin #overcome #ichbingesund danke @mona.ameziane für den tollen Tipp
Profile Image for Merel Rolf.
106 reviews3 followers
April 23, 2022
Puur vanwege de titel gaf ik dit boek voor Kerst aan mijn moeder (in de Nederlandse vertaling: “mijn moeder heeft altijd gelijk”). Slecht idee! De hier beschreven moeder-dochter relaties zijn allesbehalve fijn.

Een indringend en intens boek over een moeder en dochter, en uiteindelijk ook grootmoeder en overgrootmoeder in Duitsland en Oekraïne. Leest snel weg, spannend en verrijkend. Een verblijf in een eetstoorniskliniek had ik me bijvoorbeeld nog nooit voorgesteld, en de paar boulimia scenes (gelukkig niet te veel) zijn zo grafisch verteld dat je er onpasselijk van wordt.

Gek genoeg niet te depri of triestig. Een aanrader.

Profile Image for Fons.
672 reviews9 followers
December 10, 2022
Deels familieroman, deels bildungsroman, een tikje 13 in een dozijn, maar toch heeft Mijn moeder heeft altijd gelijk iets speciaals. Lana Lux weet de zwaarte van "ieder huisje heeft zijn kruisje" goed over te brengen en doet dat met sprekende en gelaagde karakters.

5 sterren, een sterke roman.
11 reviews
March 12, 2021
Super, bis auf das letzte Kapitel. Es wirkte auf mich so, als wollte man die Geschichte möglichst rasch und mit möglichst vielen Klischees beenden. Schade.
Profile Image for Nora L.
4 reviews
March 23, 2021
Faszinierend komponierte Gegenüberstellung, komplex verwoben und gleichzeitig leichtfüßig und unterhaltsam.
Kleines Manko: dem Lektorat sind recht viele Rechtschreibfehler entgangen
Profile Image for Heidi Vereecken.
144 reviews
August 18, 2021
Een gemakkelijk te lezen boek over het thema eetstoornissen en moeder-dochterrelatie. Voor mij ietwat te eenvoudig geschreven. Misschien had ik het als 20 jarige beter gevonden.
Profile Image for Petya.
300 reviews23 followers
March 25, 2022
Triggering read about mental health and generational trauma. Not particularly deep but a good page turner.
Profile Image for Billie Libot.
Author 2 books16 followers
May 7, 2022
Meeslepend, pijnlijk herkenbaar en onmogelijk weg te leggen.
Displaying 1 - 30 of 35 reviews

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