Nach einem Unfall hat er seine Erinnerung verloren: wird es Journalist Sebastian Lamprecht gelingen, mithilfe seiner Audiotapes die Ereignisse zu rekonstruieren? Staffel 1 der fiktionalen True Crime-Serie von Thrillerautor Philipp Reinartz folgt der Frage, ob das Gedächtnis in Zukunft manipulierbar werden könnte.
Ein Autounfall führt bei Sebastian Lamprecht zu einer retrograden Amnesie: jede Erinnerung an den Unfall selbst und die Monate davor ist wie ausgelöscht. Die Diagnose ist nicht nur schockierend, sondern führt auch zu Spannungen in seinem Umfeld. Egal ob Bekannte, Kollegen oder seine Freundin - jeder scheint ihm eine andere Version der Vergangenheit erzählen zu wollen. Und manche raten ihm sogar, sie ganz ruhen zu lassen. Doch das kann Sebastian nicht.
Er folgt der Spur seiner Erinnerung mithilfe seiner alten Audio-Tapes und stößt dabei auf ein geheimes Projekt, dem er offenbar hohe Bedeutung zugemessen hat. Je tiefer er aber gräbt, desto mehr stellt sich ihm die Frage, ob sein Gedächtnisverlust tatsächlich Zufall war, und welcher Version der Vergangenheit er wirklich trauen kann.
Die als Podcast inszenierte Hörspielserie bewegt sich zwischen Spannung und der Frage, ob Erinnerungen durch die moderne Hirnforschung in Zukunft manipulierbar werden könnten.
Philipp Reinartz, 1985 in Freiburg geboren, studierte Theater, Film und Fernsehen, Germanistik, Geschichte, Journalismus und Design Thinking in Köln, Saragossa und Potsdam. Macht auch sonst komische Sachen und gründete daher vor kurzem mit Freunden eine Firma für Smartphonespiele. Er hat bislang keinen Bestseller, Sendeplatz oder Grimme-Preis, dafür aber im Urlaub 2003 am Strand von Side Andi Brehme getunnelt.
Die Idee hinter “Memo” ist so einfach wie genial: Dieses Hörspiel ist nämlich zugleich ein Podcast, welcher die Geschichte des Journalisten Sebastian Lamprecht erzählt, der bei einem Autounfall sein Gedächtnis verloren hat und nun mithilfe seines Umfeldes und seiner Aufzeichnungen versucht, seine investigativen Recherchen zu rekonstruieren. Das fühlt sich beim Hören an wie ein True-Crime-Podcast, allerdings sind sowohl Personen als auch Handlung rein fiktiv.
Und dieses Konzept ist so gut umgesetzt, dass man beim Start des Hörspiels erst nochmal nachschauen muss, ob man nicht vielleicht aus Versehen doch den Podcast-Player angeworfen hat. “Memo” wirkt ab der ersten Sekunde enorm authentisch, was auch daran liegt, dass man beim Casting der Sprecher:innen zu einem großen Teil auch auf Laien zurückgegriffen hat, damit die Dialoge möglichst natürlich und nicht zu glattgeschliffen klingen. Das funktioniert erstaunlich gut, sodass man sich zwischendurch immer wieder daran erinnern muss, dass man es hier nicht mit realen Tatsachen zu tun hat. Die Inszenierung zieht Autor, Regisseur und Erzähler (!) Philipp Reinartz so konsequent durch, dass das achteinhalbstündige Hörspiel sogar in einzelne Episoden mit sich wiederholendem Intro und jeweiligen Rückblicken auf das bisher Erzählte eingeteilt ist – auch wenn diese spätestens nach dem vierten oder fünften Mal etwas störend und überflüssig wirken.
Die Umsetzung ist so grandios und faszinierend, dass sie auch häufig darüber hinwegtäuscht, dass die Geschichte selbst nicht immer das höchste Spannungsniveau erreicht. Nicht alle Figuren und Interviews, welche zur stimmigen Podcast-Atmosphäre beitragen, bringen auch die Handlung voran und so gerät die Investigativ-Recherche zuweilen etwas in den Hintergrund. Die größte Schwäche von "Memo" liegt allerdings im Ende des Hörspiels. Die Geschichte hört nämlich mittendrin sehr abrupt auf, lässt vielen Fragen offen und liefert nicht mal einen vorübergehend zufriedenstellenden Staffelabschluss. Das ist besonders ärgerlich, da zum Zeitpunkt dieser Rezension (April 2024) bereits drei Jahre seit Erscheinen vergangen sind und eine Fortsetzung immer noch nicht in Sicht scheint. So bleibt dieses Projekt dem Anschein nach leider unfertig und ohne Auflösung und ist daher trotz der tollen Idee, der hervorragenden Produktion und der insgesamt hohen Qualität des Hörspiels leider nur bedingt empfehlenswert.