»UND TRIUMPHE WAREN – DAS HATTE SIE IN IHREM LEBEN GELERNT – EIN GUTER ERSATZ FÜR DIE LIEBE.«
1959 hat die Karriere von Maria Callas ihren Zenit längst überschritten, als sie in Monte Carlo an Bord der Christina geht, der legendären Luxusyacht des griechischen Milliardärs Aristoteles Onassis. Drei Wochen dauert die Kreuzfahrt über die Ägäis bis nach Istanbul, und danach ist nichts wie zuvor. Maria Callas, die amerikanisch-griechische Opernsängerin, die sich aus eigener Kraft ganz an die Spitze gearbeitet hat, findet in Onassis zum ersten Mal einen Mann, dem sie ihre verletzliche Seite zeigen kann. Ungeachtet ihrer Ehepartner, die ebenfalls an Bord sind, werden sie ein Paar – ein Skandal, auf den sich die Presse sofort stürzt. Ein Roman, der dem Menschen hinter der Maske der Maria Callas zum ersten Mal gerecht wird, denn der Erzähler, ihr ungeborener Sohn Omero, kennt sie wie kein anderer.
Aus dem Buch »Sie hasst mich.« »Hass würde ich das nicht nennen. Eher Verzweiflung.« »Verzweiflung?« »Ja, es ist ihre Art, sich gegen das Unbehagen zu wehren, das du in ihr auslöst. Eine Frau wie du, die so viel erreicht hat, nur aus eigener Kraft und gegen jeden Widerstand, und die ihr Leben auf ihre eigenen Verdienste aufbauen kann. Was hat sie dagegen vorzuweisen? Bei allem Respekt, aber alles, was sie hat, sind ihre Herkunft und die Prominenz ihres Vaters. Nicht einmal mehr einen Ehemann hat sie, der ist ihr gerade abhandengekommen.« Er wandte den Blick nach unten zu der Gruppe, die sich nun um das Blumenarrangement versammelt hatte. »Aber sie hat drei Kinder. Ich wünschte, ich hätte wenigstens eins.« »Kaum jemand ist da, wo er gern sein möchte«, antwortete mein Vater. »Doch wenn man versucht zu begreifen, wo die Menschen herkommen, was sie ersehnen, was ihnen fehlt, ist es leichter, mit ihnen umzugehen. Wer sollte das besser wissen als du? Was wäre deine Medea ohne diese Fähigkeit?« »Du hast ja recht. Aber auf der Bühne hilft mir die Musik. Alles, was man über Medea wissen muss, liegt in der Musik. Mit echten Menschen tue ich mich schwerer.«
Aus der Sicht des ungeborenen Kindes erzählte Liebesgeschichte der Maria Callas auch für Leute, die keine Fans der großen Diva sind, ein wundervoll geschriebenes, beschriebenes Stück Literatur
Eva Baronsky hat einen Roman über die Affäre von Maria Callas und Aristoteles Onassis geschrieben. Und das ist nicht nur etwas für opernaffine Leser. “Die Stimme meiner Mutter” ist ein mehr als lesenswertes Buch geworden, in dem man viel über den Glamour der Nachkriegszeit lernen kann - und natürlich über die Callas.
1959 lädt Onassis Maria Callas und ihren Mann Battista Meneghini auf seine Yacht ein. Meneghini, ein alter und müder Misanthrop, ist von Anfang an dagegen, so als ahne er, dass seine Frau dem Charme Aris erliegen wird. Und so kommt es dann tatsächlich: Die beiden Griechen erkennen ihre Ähnlichkeit. Beide sind Perfektionisten mit unbedingtem Willen zum Erfolg. Dazu ist Ari auch noch ein weltgewandter Lebemann, der jede Frau zu verführen vermag. Und Maria steckt in einer leidenschaftslosen Zweckehe mit einem viel älteren Mann fest. Es kommt, wie es kommen muss: zur Affäre. Sowohl die Ehe Marias als auch die Aris wird daran zerbrechen. Und vielleicht hatten die beiden auch ein Kind. Vielleicht aber auch nicht.
Dieses (ungeborene) Kind lässt Eva Baronsky die Geschichte seiner Eltern erzählen. Diese außergewöhnliche Erzählstimme ist der besondere literarische Kniff des Romans. Denn einerseits schwebt dieser Erzähler omnipräsent über allen Charakteren, Handlungssträngen und Motiven. Er weiß alles und kann jeder Figur hinter die Stirn schauen. Gleichzeitig ist diese Erzählstimme aber auch ganz offensichtlich parteiisch, will sie doch, dass Onassis und die Callas zusammenfinden. Wie im echten Leben auch gibt es da die eine oder andere Spitze gegen Figuren, die dem im Wege stehen könnten. Man darf also bei der Lektüre selbst entscheiden, inwieweit man dieser Erzählstimme traut und das bringt eine ganze neue, zweite Ebene in den Roman. Und so ist nicht nur das, was Eva Baronsky erzählt, absolut lesenswert, sondern auch die Art, wie sie es erzählt. Meiner Meinung nach immer die beste Art Roman!
Als große Bewunderin der Callas - tatsächlich die einzige Opernsängerin, die ich stimmlich immer erkenne - hatte ich Angst vor diesem Buch und habe es mit gewaltiger Skepsis zu lesen begonnen. Aber wow! Und nochmals WOW... was für eine positive Überraschung. Allein sprachlich ist dieser Roman ein Leckerbissen und der kreative Kunstgriff, die Geschichte den ungeborenen Sohn der Callas und Onassis erzählen zu lassen: Hut ab, das hat perfekt funktioniert, denn dadurch entsteht eine emotionale Nähe zu Maria Callas, die bei einer Biografie nicht möglich wäre, ohne obsessiv zu wirken. Natürlich ist es Fiktion, es ist nicht einmal verbrieft, dass die beiden je ein Kind erwartet haben - lediglich ein hartnäckiges Gerücht hält sich. Aber es ist eine Fiktion die so nah an der Realität ist, wie es nur möglich ist und zeigt eine menschliche, verletzliche Callas, nicht die Künstlerin, sondern die Frau, die so sehr verstanden und geliebt werden möchte. Wir begleiten Maria Callas (und ihren ungeborenen Sohn) eigentlich nur eine kurze Zeitspanne, eben jene die nötig ist, um die Möglichkeit zu ebnen ein Kind zu zeugen, die Zeugung eines Kindes und das Austragen eines Kindes, und es ist eine gut gewählte Zeitspanne. In dieser Zeit als sie auf Onassis trifft, die große Liebe ihres Lebens, ist ihre künstlerische Karriere eigentlich schon fast am Ende. Es ist also eine Zeit des großen Umbruchs. Man taucht in die Welt der Reichen der 50/60er Jahr ein und hat das eine oder andere bekannte Foto und Gesicht vor Augen. Es macht auch viel Spaß beim Lesen immer wieder nach den Fakten zu googeln und sie im Einklang mit dem Buch zu bringen. Eva Baronsky ist mit diesem Roman ein wahres Meisterwerk gelungen, das ich voll und ganz empfehlen kann.
Alter Glamour, aber nicht Gossip - der Roman trifft fast durchgehend den richtigen Ton und zeichnet ein großartig menschliches Bild einer Diva, die größer als das Leben schien. Auch, wenn es heute absurd wirkt, dass im Buch Frauen in ihren 30ern "ein reiferes Alter" haben und der Selbsthass auf ihren vormals schweren Körper so komplett ohne Gegenrede steht, die Widersprüche passen zur Frau die alles neu erfand, während sie immer in ihren Traditionen blieb. Die Framingdevice wirkt zunächst fast albern und bekommt durch das Ende aber eine bedeutungsschwere Dimension, die einen seufzend das Buch schließen lässt.