"Eine andere Epoche" ist ein stilistisch brillanter Roman über politische Mechanismen. Gleichzeitig ist es ein Niedersachsen-Roman. Die für das Buch relevanten Politiker kommen aus der niedersächsischen Provinz über den Umweg Hannover nach Berlin. Die (politische) Geisteshaltung Hannovers wird nach Berlin transferiert. Ein Transfer nach Bonn hätte, wie es an einer Stelle heißt, vermutlich nicht funktioniert.
Die Epoche ist die Zeit von 2011 bis 2014. Zeitgleich beginnt der Untersuchungsausschuss zum NSU-Komplex und die Affäre um Christian Wulff, die ihn das Bundespräsidentenamt kosten wird. Das Verhalten des Bundespräsidenten verdrängt in der journalistischen Darstellung den Rechtsterrorismus.
Der Protagonist ist Wegman Frost, Leiter des Büros vom Bundestagsabgeordneten Andi Nair. Dieser wird sich als Leiter des Untersuchungsausschusses einen Namen machen. Es ist die fiktionalisierte Version von SPD-Politiker Sebastian Edathy. Auch Jugendfreund Florian Janssen, mittlerweile Vizekanzler aus der FDP, basiert auf einer realen Person, nämlich Philipp Rösler. Diese drei Protagonisten kommen ursprünglich aus Amerika, Indien und Vietnam. Sie sind also Menschen, die auch Ziel der Rechtsterroristen hätten sein können, nur aufgrund ihrer Herkunft.
Der Roman enthält neben der eigentlichen Erzählung drei Essays und drei Träume. Er ist mit Rückblenden durchsetzt. Das Private mischt sich mit dem Politischen. Das ist es auch, was die Geschichte interessant macht. Nur für eine Nacherzählung der zeitgeschichtlichen Vorgänge würde das Lesen eines Romanes nicht lohnen. Das kann ein Sachbuch besser. An einer Stelle heißt es: "..., und dies war Geschichte live." Der Roman ist so etwas wie reflektierte Geschichte live, die von einer fiktiven Figur miterlebt wird.
Eine Empfehlung für alle, die sich für Politik interessieren. Aufgrund einiger Hänger im ersten Teil, ein Stern Abzug.