Das faszinierende Doppelporträt zweier höchst unterschiedlicher Frauen. Genau recherchiert und opulent erzählt Constanze Neumann das Schicksal einer zerstreuten Familie, deren Geschichte mit der deutschen untrennbar verbunden bleibt. Julia Franck
Als ihr Sohn Heinrich 1881 zur Welt kommt, setzt Anna Reichenheim große Hoffnungen auf diesen Erstgeborenen. Doch Heinrich schert sich nicht um die Konventionen seiner großbürgerlichen jüdischen Familie. Er erliegt den Verlockungen des Berliner Nachtlebens und verliebt sich in die ganz gewöhnliche Marie, die seine Mutter nicht akzeptieren kann. Gemeinsam suchen Heinrich und Marie in den USA ihr Glück, bis der Erste Weltkrieg sie zurück nach Deutschland holt. Sie bleiben ausgeschlossen aus der Familie, auch als die Schatten der Weltwirtschaftskrise und des aufkommenden Nationalsozialismus sich über das Land legen. Anna stirbt 1932 unversöhnt mit Heinrich, nicht ahnend, was ihrer Familie bevorsteht. Während seine Geschwister fliehen oder vertrieben werden, bleibt Heinrich in Deutschland zurück. Wieder ist es Marie, die ihm Halt gibt, als sie ums Überleben kämpfen.
Dieses Buch habe ich per Zufall in einer "Zu verschenken" Kiste gefunden und bin sehr froh darum. (Das geht an dich Berlin, bitte nicht verbieten!)
Die Autorin Neumann recherchierte hier ihre eigene Familiengeschichte und schreibt sie in zwei Teilen - aus der Sicht von zwei unterschiedlichen Frauen nieder. Gerade der letzte Teil aus Maries Sicht ist sehr berührend und entwickelt sich ganz anders, als man erwartet hat. Es ist ein spannendes Abbild des 20. Jahrhunderts.
Als kleines Mädchen hörte Anna begeistert ihrem Vater zu, der wunderschöne Märchen erzählen konnte. Besonders die Geschichte über ein armes Waisenmädchen, das dank einer silbernen Spinne zwischen dem Sonnen- und dem Mondjüngling wählen dürfte, hat Anna und ihren Schwestern sehr gefallen.
Aber in ihrer großbürgerlichen Welt galten andere Gesetze, die nichts mit den schönen Märchen gemeinsam hatten. So heiratet Anna den Mann, der für sie ausgewählt wurde und später, als ihr geliebter Sohn Heinrich sich in ein armes Mädchen Marie verliebt hatte, wurde diese Beziehung weder von Anna noch von der übrigen Familie akzeptiert.
In dem Roman „Wellenflug“ erzählt Constanze Neumann über die beiden Frauen: Anna und Marie, deren Schicksale durch die Liebe zu Heinrich miteinander verbunden waren. Obwohl Marie als Heinrichs Frau von Anna missachtet wurde, steht sie das ganze Leben ihrem geliebten Mann zur Seite und kämpft um ihre Liebe.
Aber dieser Roman ist viel mehr als die Geschichte einer nicht standesgemäßen Beziehung. Die Autorin erzählt hier über das Schicksal einer angesehenen wohlhabenden jüdischen Familie vom Ende des neunzehnten Jahrhunderts bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges. Genauso wie die damaligen Zeiten ist das Schicksal der Familie voller Veränderungen, Höhen und Tiefen, Glücks und Katastrophen, der Unruhe, des ständigen Wechsels.
Sehr bewegend ist diese Geschichte. Besonders das Leben von Marie, das zuerst wie ein Märchen beginnt und später viel von der herzensguten Frau verlangt, hat mich sehr berührt. Den Teil des Buches, der ihre und ihrer kleinen Familie Geschichte erzählt, habe ich in einem Rutsch ausgelesen. Der Roman über Annas und Maries Leben ist auch größtenteils die wahre Familiengeschichte der Buchautorin. Vieles davon ist wirklich passiert; es gibt zahlreiche Dokumente darüber.
Mit ihrer bildhaften Erzählweise konnte die Autorin mich auf eine emotionale Reise in die jüngste Vergangenheit ihrer Familie mitnehmen. Ich bin in diese spannende, authentisch wirkende Geschichte vollkommen eingetaucht und musste später noch lange über das Gelesene nachdenken.
„Wellenflug“ ist ein lesenswerter Roman, hochinteressant und so schön, wie das wahre Leben selbst.
Nett geschriebene deutsche Familiengeschichte über mehrere Generationen. Über weite Strecken habe ich mich gefragt, was das Buch mir eigentlich mitteilen möchte. Das Nachwort gibt die Antwort: ursprünglich ist es eine beauftragte Familienchronik, d.h. es geht über die Schilderung von Ereignissen eigentlich nicht hinaus, hat keine Botschaft. Dafür war es wiederum ok.
Constanze Neumann lässt in ihrem Buch „Wellenflug“ die Geschichte ihrer eigenen deutsch-jüdischen Familie wieder aufleben. Es beginnt mit Anna im Jahre 1864. Sie wächst als zweitälteste Tochter eines erfolgreichen Tuchhändlers in Leipzig auf und wird als erwachsene Frau in die gerade entstehende Weltstadt Berlin ziehen. Dort wird sie gut verheiratet und gründet eine kinderreiche Familie. Einer der Söhne allerdings schlägt aus der Art. Er verspielt Unsummen und heiratet am Ende die nicht standesgemäße Marie. Die beiden wandern nach Amerika aus und versuchen dort ihr Glück. Um Marie und ihr Leben bis 1957 geht es dann im zweiten Teil des Buches.
Die Autorin spannt hier einen großen zeitlichen Bogen von fast hundert Jahren und beschreibt hier wirklich großartig die Lebenswege zweier Frauen. Zweier Frauen, die zwar zu einer Familie gehören, sich aber nie persönlich begegnen.
Die Autorin hat es mir ihrer bildhaften Sprache geschafft, mich in die damalige Zeit zu versetzen. Ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen und es ist für mich am Ende tatsächlich ein Jahreshighlight geworden. Ich habe parallel immer wieder Bilder im Internet dazu recherchiert, um noch tiefer in die Geschichte eintauchen zu können. Ein großartiges und ergreifendes Buch.
„Es war einmal ein armes Waisenmädchen, das lebte am Rande eines großen Waldes bei einem Köhler und seiner Frau. Sie waren hartherzig zu ihm, und es musste den ganzen Tag für sie arbeiten…“ (Seite 13)
Im Gegensatz zum armen Waisenmädchen, deren Geschichte Anna und ihre Schwestern immer wieder aufs Neue fasziniert, wenn der Vater sie erzählt, müssen sich die Töchter des Tuchhändlers nicht sorgen. Sie haben eine behütete Kindheit, Arbeiten wird ebenfalls von ihnen nicht verlangt.
Dass das Leben ungeachtet dessen auch für Anna kein Märchen ist, bekommt sie bald zu spüren. Als Frau ist sie in der großbürgerlichen jüdischen Gesellschaft Regeln unterworfen, die sie nicht aushebeln kann. Sie heiratet Adolph Reichenheim, wird früh Witwe und dann die Frau von Julius, dem wesentlich älteren Bruder ihres verstorbenen Mannes.
Ihr erstgeborener Sohn Heinrich ist ihr Ein und Alles. Doch gerade er entspricht nicht den Normen. Er erliegt den Verlockungen des Berliner Nachtlebens und gerät in einen Strudel von Spiel und Alkohol. Das Fass zum Überlaufen bringt indes die Tatsache, dass er sich in das Garderobenmädchen Marie verliebt. Sie ist nicht nur nicht standesgemäß, sondern auch vermögenslos.
Heinrich wandert zusammen mit Marie nach Amerika aus, wird enterbt und zwar nach Deutschland, aber nie in den Schoß der Familie zurückkehren. Lediglich wenige Mitglieder halten den Kontakt aufrecht, wohingegen andere keinerlei Verbindung wünschen. Heinrichs Mutter Anna ist eine von denen, die bis zu ihrem Tod engstirnig in ihren starren Vorurteilen verharrt und Heinrichs Beziehung weder akzeptiert noch seine Frau achtet. Marie hingegen wird ihren Mann von seiner Spiel- und Trunksucht befreien, seinen unehelichen Sohn Heinz aufziehen und jene liebevolle Ehefrau und Mutter sein, die sich um den Zusammenhalt der kleinen Familie kümmert. Sie wird bis zu seinem Tod an Heinrichs Seite stehen und ihn mit viel Herzenstreue begleiten.
Constanze Neumann beleuchtet in "Wellenflug" mit besonderem Augenmerk auf zwei Frauen die Höhen und Tiefen des Schicksals einer angesehenen und wohlhabenden jüdischen Familie, beginnend in den sechziger Jahren des 19. Jahrhunderts bis zum Ende des zweiten Weltkriegs. Dabei greift sie auf eine gewissenhafte Recherche in der eigenen Familie zurück, hat Briefe, Dokumente und Zeitungsartikel ausgewertet und setzt so gekonnt reale Persönlichkeiten und wahre Begebenheiten detailreich und stimmungsvoll in Szene. Der erste Teil ist Anna gewidmet und folgt einem eher chronologischem Ablauf, wodurch Distanz geschaffen wird. Maries Geschichte wirkt intensiver, im Angesicht der Entbehrungen und dem Ringen um ein einträgliches Dasein eindrucksvoller und manifestiert sich während der Lektüre in der Erinnerung.
Der Autorin entwickelt trotz gelegentlicher berichtender Ausführungen eine anschauliche Darstellung in einem verständlichen Erzählfluss, der mit einzelnen Momentaufnahmen in der Schilderung von Liebe und Verlust zum Nachdenken anregt. Obwohl anzuerkennen ist, dass sich Constanze Neumann hier dem bemerkenswerten Ereignissen innerhalb einer Familie mit äußerst authentischem Engagement widmet, bleiben Gefühle blass und sind (oft) nur zwischen den Zeilen zu empfinden. So gelingt es nicht in Gänze, zum Inneren aller Protagonisten vorzustoßen, wie dies letztlich wünschenswert wäre.
Letztlich imponiert jedoch die stille Menschlichkeit und innige Liebe, mit der Marie das Leben anpackt, Heinrich und Heinz begegnet und ihnen ein wenig Glück beschert. Sie belegt, dass angesichts von Hass und Bösartigkeit stets auch das Gute möglich ist.
Zwei Frauen, zwei Schicksale: Ein Kampf um Liebe und Familie zwischen zwei Jahrhunderten. . Teil 1: Anna Im ersten Teil von Constanze Neumanns Familiensaga, begleiten wir Anna, die ihre Kindertage in Leipzig verbringt und früh einen schmerzlichen Verlust hinnehmen muss. Der Tod soll sie in ihrem weiteren Leben begleiten, auch in Berlin, wo sie in die wohlhabende, jüdische Familie Reichenheim einheiratet. Ihre Kinder und ihr geliebter Vater geben ihr Halt im Leben. Heinrich, ihr Erstgeborener macht ihr jedoch zunehmend Sorgen: er zockt, verspielt hohe Summen und verliebt sich schließlich in die bürgerliche Marie, die er bei einem Streifzug durchs Berliner Nachtleben kennenlernt. Für Anna bricht damit eine Welt zusammen. . Teil 2: Marie Als Verstoßene suchen Marie und Heinrich in Amerika ihr Glück. In New York heiraten sie, alles soll sich zum Besseren wenden. Während Heinrich sich von Job zu Job hangelt, ausgeht, andere Frauen hat, bleibt Marie sein treuer Anker. Selbst als er sich nach zehn Jahren entscheidet nach Deutschland zurückzugehen um für den Kaiser an der Front zu kämpfen: sie folgt ihm. Wo sie kann, versucht sie ihn zu retten und die Familie zusammenzuhalten. Als erneut Krieg ausbricht, ist für die jüdische Familie Flucht die einzige Chance. Doch Heinrich will nicht gehen. . Constanze Neumann gelingt es, feinfühlig und detailliert, zwei sehr unterschiedliche Frauenportraits zu zeichnen. Obwohl die gesellschaftlichen Unterschiede zwischen Anna und Marie offensichtlich sind, kämpfen beide auf ihre eigene Weise um Liebe und Familie. Die Autorin stellt zwei starke Frauen in den Vordergrund, die mich beide begeistern konnten! Durch die exzellente Bildsprache und mit einer gewissen Detailverliebtheit, die immer genau richtig wirkt, schafft sie die Nähe zu ihren Figuren, die es braucht um durch die Seiten zu fliegen. Gekonnt bezieht sie dabei wahre Ereignisse mit ein, die sich vor, während und nach den Weltkriegen ereignet haben. Sie kreiert damit ein fiktionales Gesamtwerk, das so fesselnd und berührend ist, dass man es gar nicht mehr loslassen möchte!🙌🏻
Wer auf der Suche nach einem Roman über die neuere deutsche Geschichte ist, ist hier genau richtig! Anhand der Geschichte einer Familie durchlebt man die verschiedenen schwierigen Phasen vor allem in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Die Autorin stellt einem auf eine sehr persönliche Art und Weise die verschiedenen Charaktere der wirklich großen Familie vor, sodass man auch bei dieser Vielzahl an Personen immer gut den Überblick behält. Ich mochte die verschiedenen Charaktere sehr gerne und es gefiel mir sehr, wie gut man in deren Verhaltensweisen die jeweilige Zeit erkennen konnte. Auch wenn man sich gut auskennt mit der deutschen Geschichte des frühen letzten Jahrhunderts, wird einem diese nochmal in einer tollen Sprache, auf eine ganz wundervolle Weise näher gebracht.
V Česku vyšla pod názvem Veletoč osudu a je vlastně ohromná škoda, že si ji nikdo moc nevšiml. Vyšla ve stejné době jako Rozpůlený dům a je poněkud opomenuta. Škoda, protože je to skvělý román. Nevím, zda říct, že jde o ságu, ale je to příběh jednoho rodu během jednoho a půl století? Asi tak nějak. Příběh vypráví cestu dané rodiny a jak vlastně dopadla. Ano, každý máme za sebou nějaký příběh, stačí ho jen sepsat a vše dohledat. Ale přece tolik zajímavé přečíst si i příběh jiných. Cesty života jsou nevyzpytatelné, ať si je plánujete a ať třeba na nich pracujete. Někdy do toho hodí vidle okolnosti, které nemáte šanci ovlivnit.. i když.. vše je možné nějakým způsobem ovlivnit a vše může mít nějaký dopad. Příběh je rozdělen do dvou částí, kdy se věnuje dvěma hlavním postavám, dvěma ženám. Popravdě... Anna se možná zbytečně zatvrdila a bylo to i možná potom trochu ješitné, ale i pochopitelné a v reálu kolik takových reakcí máme. Marie v konečném výsledku tak ode mne získala ještě větší obdiv. Protože v reálu, co všechno musela ustát a jaká to byla žena, klobouk dolů. I když tedy z chudých poměrů, ale to přece v minulosti byla i Anna a jejich rodina... Kniha je zajímavým čtením a je takovým nahlédnutím do německé historie. No a pokud se vám líbil třeba Panský dům, i když tohle je trochu něco jiného, ale i tak si myslím, že by se vám to mohlo líbit. A ano, dalo by se to roztáhnout i na díly, ale to by si autorka už asi musela vymýšlet a to nechtěla, takže ten formát a občasné vzduchoprázdno, kdy se některé informace rozplynuly chápu. Rozhodně doporučuji. Velmi dobře napsané a je tam vidět ta ohromná práce.
Constanze Neumann beschreibt in ihrem Roman "Wellenflug" ein Familienportrait und erzählt dieses anhand der Geschichten von Anna und Marie.
Zunächst lernen wir Anna kennen, die 1864 als Kind einer gutbürgerlichen jüdischen Familie geboren wird. Wir erleben einige Phasen ihrer Kindheit und Jugend und erfahren letztlich, wie sie mit Heinrich, einem Sohn, der sich nicht standesgemäß verhält, bricht. Im zweiten Teil des Buches begleiten wir dann Marie, Heinrichs Frau und erhalten Einblicke in ihr Leben und das der Familie ihres Mannes.
Durch den Blickwinkel zweier starker Frauen schildert uns die Autorin ein Jahrhundert geprägt durch Konventionen, Umbrüche und Entwicklungen und zeigt uns jüdisches Leben in Berlin, Leipzig und den USA. Interessant dabei ist, dass Neumann einen Teil ihrer eigenen Familiengeschichte fiktional aufarbeitet. Dies tut sie sprachlich präzise und ausdruckstark. Leider ermüdete mich ihr Schreibstil nach dem ersten Teil des Buches, da er oft sehr berichthaft und nüchtern wirkte. Das Buch erinnert an eine Perlenkette, viele Ereignisse reihen sich aneinander, bis die gesamte Familienchronik erzählt ist. Einen Spannungsbogen habe ich schmerzlich vermisst und auch wenn die Figuren realistisch und nachvollziehbar beschrieben wurden, fehlte mir doch der Zugang zu ihnen.
Letztendlich ist "Wellenflug" ein historischer Roman, der interessante Aspekte der Zeitgeschichte zu bieten hat, der mich aber leider nicht vollends fesseln und für sich begeistern konnte. Durch die Kurzweiligkeit des Romans sei er dennoch genreinteressierten Lesern empfohlen.
Das Cover sprach mich sofort an und ich wurde nicht enttäuscht:
Constanze Neumann erzählt die bewegenden Geschichten zweier Frauen in deren Zeit. Dabei hat Constanze Neumann reale Figuren und historische Ereignisse mit fiktiven Handlungen ausgeschmückt.
Im ersten Teil geht es um Anna Reichenheim, sie hat jüdische Wurzeln und ihr einziges Besterben ist es, sich gut zu verheiraten, den Wohlstand zu erhalten, viele Kinder zu gebären und diese zu selbständigen Erwachsenen zu erziehen, die selber Verantwortung übernehmen können. Doch ihr Erstgeborener Heinrich, der 1881 das Licht der Welt erblickt, macht ihr da ein Strich durch die Rechnung: Ein liebenswerter Junge, der aber nie ernst ist und sich kaum auf wichtige Dinge, wie Schule und Lernen konzentrieren kann, wächst zu einem Lebemann, Draufgänger und Spieler heran...
Im zweiten Teil erzählt Marie ihre Geschichte: Marie kommt aus armen Verhältnissen und hat nicht mal einen Schlafplatz für die Nacht, als sie den reichen, jetzt erwachsenen Heinrich Reichenheim kennenlernt. Vertrieben von dessen Familie, bauen sie ein neues Leben in Amerika auf. Marie kann Heinrich zwar von seiner Spielsucht abhalten, leidet jedoch darunter, dass sie von seiner Familie nicht anerkannt wird. Das Leben in Amerika läuft nicht so, wie sie es sich wünschen: ... Und dann bricht in Deutschland der erste Weltkrieg aus und Heinrich hat die Hoffnung von seiner Familie rehabilitiert zu werden, wenn er für das Vaterland in den Krieg zieht...
Mir hat das Buch unglaublich gut gefallen! Eine grosse Leseempfehlung von mir.
Constanze Neumann und ihre Familienchronik einer Stoffhändlerfamilie – interessant erzählt.
‚Wellenflug‘ ist möglich auf einem Kettenkarussell, das sich in Wellenlinie bei regelmäßiger Drehbewegung wiegt. In einem solchen Auf und Ab erfahren wir über fast 150 Jahre von den Schicksalen einer weit verzweigten erfolgreichen jüdischen Familie, zunächst in Deutschland. Die zentrale Frauenfigur Anna Reichenheim und ihr erstgeborener Sohn Heinrich bilden die Grundpfeiler in diesem Roman. Leider hält sich Heinrich nicht an Konventionen seiner großbürgerlichen jüdischen Familie. Stattdessen erliegt er dem Glücksspiel, sämtlichen lasterhaften Verlockungen des Berliner Nachtlebens und verschuldet sich immens. Von der Familie ausgestoßen lebt er zusammen mit Marie aus einfachen Verhältnissen. Nach 15 Jahren in den USA kehren beide zurück mit Heinrich im 1. Weltkrieg an der deutschen Front kämpfend. Anna und ihr Mann sterben - unversöhnt mit Heinrich, der sich mühsam durch die Weltwirtschaftskrise und den Nationalsozialismus kämpft und schließlich in einem Konzentrationslager verstirbt, während seine Geschwister rechtzeitig in viele Länder fliehen können. Seine Frau Marie Reichenheim versteht es, in vielen schwierigen Phasen ihres Ehelebens das Überleben zu sichern.
Dass "Wellenflug" ein sehr persönliches Buch der Autorin ist, habe ich erst nach dem Lesen erfahren. Constanze Neumann erzählt in diesem Buch die Geschichte zweier Frauen ihrer Familie: Urgroßmutter Anna und Großmutter Marie. Das Buch teilt sich in zwei Abschnitte, die sich jeweils einer der beiden Damen widmen und deren Leben portraitieren. Schon beim Lesen habe ich die Fülle an Details und Hintergründen positiv wahrgenommen, nachdem ich um den familiären Hintergrund wusste, ist es noch gleich viel lebendiger geworden. Die Handlung des Buches ist vollkommen authentisch und realistisch, alle Charaktere waren sehr lebendig und vielschichtig dargestellt, so dass ich beinahe das Gefühl hatte sie wären mir direkt gegenüber. Der Schreibstil hat mir auch gut gefallen, er hat sich angenehm und flüssig lesen lassen, die Gedanken und Gefühle der beiden Protagonistinnen wurden gut rübergebracht. Auch die Einbettung in den historischen Kontext ist gut gelungen, die Szenerie wirkte sehr lebendig. Insgesamt kann ich "Wellenflug" jedem empfehlen, der authentische und fesselnde Familiengeschichten in angenehm erzählter Zeitgeschichte mag.
Diese Geschichte zweier sehr unterschiedlicher Frauen gefiel mir überraschend gut. Im ersten Teil steht Anna Reichenheim als Protagonistin im Vordergrund. Sie wächst als Tochter eines Tuchhändlers auf, heiratet in eine wohlhabende Familie ein und führt ein gut situiertes Leben, muss aber auch einige Schicksalsschläge erleiden. Ihr ältester Sohn Heinrich ist das Problemkind der Familie, das Verhältnis ein Leben lang gestört. Im zweiten Teil des Buches folgt der Leser Marie, Heinrichs Ehefrau, die aus einfachen Verhältnissen stammt und darum nie von der Familie akzeptiert wird. An mancher Stelle hätte ich mir eine weniger nüchterne Erzählweise gewünscht, insgesamt aber lohnenswerte Lektüre.
Angekündigt als das Doppelporträt zweier starker Frauen - was das Buch durchaus auch ist - ist es vielmehr das Porträt einer jüdischen Familie von den 1860er Jahren bis in die Jetztzeit. Natürlich sind die Protagonistinnen - Anna und Marie - tonangebend in dem Buch, das sich in zwei Teile aufteilt. Teil eins ist Anna und Teil zwei Marie gewidmet. Doch unbeeinflusst von ihrer Erziehung, der Umgebung, der Familie und der Politik sind diese beiden Frauen nie. Sie sind auch Kinder ihrer Zeit, die durch eigene Erfahrungen und Gedanken versuchen, sich ein eigenes lebenswertes Leben aufzubauen. Die Autorin versucht sehr viel Zeitgeschichte, auf für mich viel zu wenig Seiten unterzubringen. So schnell ich mit Anna warm geworden bin und ihre Handlungsweisen gut nachvollziehen kann, so schwer habe ich mich mit Marie getan. Doch am Ende des Buches passte es für mich wieder zusammen und fühlte sich rund an; wozu auch der unaufgeregte Schreibstil der Autorin einen guten Teil beigetragen hat.
Es ist für mich ein rundum gelungenes Buch, das ich gerne weiter empfehle.
Starting in 19th century, the story delves into the history of a Jewish family living in Berlin (originally coming from Slezsko). Also a view into a 15-year-stay in America. Anna - the proud Jewish mother of many children, Heinrich - her eldest son, Marie - adopted her husband's son when she found him in an orphanage.
Interessante Familiengeschichte über fünf Generationen. Leider in großen Teilen sehr schnell erzählt (sonst wäre es auch schwer geworden, die große Zeitspanne auf 330 Seiten abzudecken), dadurch blieb vieles oberflächlich und die Figuren etwas blass.
118 pages in one (rainy) day! I didn't expect anything from this book, only started it because a friend had given it to me, but it's interesting enough - or else I wouldn't have been reading it all day!
Initially, I got really angry about the sexism in those days (the way that little girl was treated) and also remembered how incredibly sexist society still was 100 years later, when I was a young girl, but after a while, I just found the whole story very interesting!
12.10.23 finished Part I: Anna - I enjoyed reading this!
Einblicke in das traditionelle jüdische Familienleben in Deutschland und Überseee, über ein ganzes Jahrhundert hinweg. Es werden alle Schattenseiten der Zeit, aber auch Tradition gezeigt.
Anna ist die Tochter eines jüdischen Stoffhändlers aus kleinen Verhältnissen, der Schlesien verlassen und sich in Leipzig ein großes Stoffkontor erarbeitet hat. Annas Kindheit endet im Alter von 11 Jahren. Sie wird gefordert, eine standesgemäße Ehe einzugehen, ein großes Haus zu führen und ihrer großen Kinderschar einen möglichst noch höheren Stand zu verschaffen. Dies gelingt ihr bei fast allen Kindern. Bei Heinrich, dem Erstgeborenen, stößt sie jedoch an ihre Grenzen. Heinrich entflieht der bürgerlichen Enge, genießt das Nachtleben und verspielt große Summen. Er heiratet Marie, die aus der Tristesse ihres Elternhauses mit 12 Geschwistern von Burg allein nach Berlin gegangen ist, um dort eine Ausbildung zu machen und zu arbeiten. Heinrich und Marie sind gezwungen, nach Amerika auszuwandern, aber die Wirren des ersten Weltkrieges führen sie zurück nach Deutschland mit Wirtschaftskrise und aufkommendem Judenhass.Eine wunderbare und doch traurige Familiengeschichte mit Höhen und Tiefen im Wellenflug, die Constanze Neumann hier hinter den Zahlen und Fakten gefunden und mitreißend erzählt hat.
Zum Inhalt: Anna Reichenheim hatte große Hoffnungen in Bezug auf ihren Sohn Heinrich. Doch Heinrich will sich nicht den jüdischen Konventionen beigen, er will leben. Und er verliebt sich und dass auch noch in eine Frau, die seine Mutter nicht akzeptieren kann und auch nicht will. Bis zu ihrem Tod konnten sie sich auch nicht Aussöhnung. Und der dann aufsteigende Nationalsozialismus macht das Leben für Heinrich und Marie nicht leichter. Meine Meinung: Wenn ich das Buch unter dem Aspekt betrachte, dass die Autorin versucht hat, die Geschichte der eigenen Familie romanhaft zu erzählen, ist das Buch schon interessant. Wenn ich dieses Aspekt aber ausblende, dann gefällt mir das Buch nicht so richtig gut. Mir fehlte ein roter Faden. Irgendwie wirkte das Buch zusammen gewürfelt, wenig strukturiert und teilweise auch langatmig. Fazit: Bin nicht sicher, wie ich es finde