„Heimweh ist keine gute Idee“ – eine Wort für Wort gefundene Geschichte der Literaturnobelpreisträgerin Herta Müller
Herta Müller erfindet eine neue literarische Form des Erzählens. Eine Geschichte in Collagen. Gezeigt werden Szenen im Auffanglager einer deutschen Kleinstadt. Einer der Beamten in der Erzählung ist ein gewisser Herr Fröhlich von der Prüfstelle B. Ein anderer breitet bei jeder Begegnung die Arme aus wie ein Vogel und sagt Oh, Oh, Oh. Aberwitzige Gespräche mit ihnen werden zu einem unfreiwillig komischen Schlagabtausch. Und dann ist da das Heimweh der Geflohenen, das immer größer wird und an den Himmel anwächst. Meisterlich versteht es Herta Müller, Bilder dafür zu finden, wie sich Ohnmacht anfühlt, und was Willkür anrichtet. Sie sind rätselhaft, abgründig, manchmal auch komisch, und immer hochpoetisch.
Herta Müller was born in Niţchidorf, Timiş County, Romania, the daughter of Swabian farmers. Her family was part of Romania's German minority and her mother was deported to a labour camp in the Soviet Union after World War II.
She read German studies and Romanian literature at Timişoara University. In 1976, Müller began working as a translator for an engineering company, but in 1979 was dismissed for her refusal to cooperate with the Securitate, the Communist regime's secret police. Initially, she made a living by teaching kindergarten and giving private German lessons.
Her first book was published in Romania (in German) in 1982, and appeared only in a censored version, as with most publications of the time.
In 1987, Müller left for Germany with her husband, novelist Richard Wagner. Over the following years she received many lectureships at universities in Germany and abroad.
In 1995 Müller was awarded membership to the German Academy for Writing and Poetry, and other positions followed. In 1997 she withdrew from the PEN centre of Germany in protest of its merge with the former German Democratic Republic branch.
The Swedish Academy awarded the 2009 Nobel Prize in Literature to Müller, "who, with the concentration of poetry and the frankness of prose, depicts the landscape of the dispossessed".
Ich weiß leider nicht mehr, in welchem Herta Müller Buch ich Folgendes gelesen habe, aber sinngemäß ging es darum, dass Müller, die 1987 aus Rumänien geflohen ist und eineinhalb Jahre in einem Auffanglager in Nürnberg verbrachte, ihre früheren Texte verstecken musste, weil sie Angst vor Hausdurchsuchungen hatte. Heute (in Deutschland lebend) sammelt und collagiert sie Wörter und hat zuhause tausende Wörter offen herumliegen. Sie empfindet das als persönliche Freiheit und Glück. Mit eigenen Worten würde ich es so zusammenfassen: Wortbesitz im Überfluss ist symbolisch gesehen das Gegenteil von Zensur. Herta Müllers Collagen entstehen auf dieser Grundlage.
„Der Beamte sagte“ ist eine Erzählung, die auf jeder Seite ein Werk zeigt. Und auch, wenn die Handlung etwas in den Hintergrund tritt, so zeigt sich ihre poetische Sprache auf jeder Seite. Beim Lesen oder Betrachten befindet man sich an der Schnittstelle zwischen Kunst und Literatur: Wo endet der Text? Wo beginnt das Bild? Eine spannende Frage. Für Liebhaber klassischer Romane ist die Handlung vielleicht etwas dünn, für Fans von Müllers literarischem Werk oder anderen experimentelleren Prosaformen ein empfehlenswertes Kunst-Buch!
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“soñé que en el café pido un trozo de la torta blanca de la vitrina la camarera dice solo con receta le pregunto qué lleva dice barro seda el sonido de un violín y romero”
In diesem Buch fügt Herta Müller ihre kurzen Wortschnipsel-Gedicht in einer fortlaufenden Erzählung aneinander. Das funktioniert besser als man denken würde, obwohl die Handlung eher abstrakt bleibt. Im Vordergrund steht weiterhin ihre bildgewaltige und eindringliche Sprache.
The poems help me to understand what someone feels who is being interrogated by officers after just having fled one's country.
"Der Beamte fragte nacheinander- Sie wussten immer was Sie sind Ich sagte JA- Das heißt doch, Sie wollten Staatsfeind sein Ich sagte NEIN- Sie hatten aber konkret nichts dagegen Ich sagte so kann man nicht reden."
The officer fails to listen, they simply want a clear-cut answer. Thereby, the officer treats the interrogated person like a suspect instead of a as a person and a victim.