»Ihr seid jung, euch gehört die Welt« – ein Satz, den die 24-jährige Ronja Ebeling schon oft gehört hat. Der Traumjob in den Zwanzigern, Eigenheim und Familie mit dreißig, dazwischen jede Menge Strandurlaube und Chancen zur persönlichen Entfaltung, und dann, im Alter, irgendwo im Grünen entspannt den Lebensabend verbringen. Doch die Realität? Die sieht leider anders aus. Anstatt sich auf unbefristeten Jobverträgen auszuruhen, pendelt die junge Generation von Praktikum zu Praktikum, statt Urlaub gibt es Burn-out, statt einer satten Rente den Ausblick auf Altersarmut. Und Kinder? Die kann sich heute doch eh keiner mehr leisten! Vom Konsumzwang über Geschlechterstereotype bis hin zur Klimaverantwortung: In ihrem Buch spricht Ronja Ebeling schonungslos all die Fragen an, die ihre Generation beschäftigen und liefert eine längst überfällige Analyse unserer Gesellschaft in der Krise.
Beim Lesen von "Jung, besorgt, abhängig" hatte ich das Gefühl, Ronja Ebeling hätte in meinen Kopf geschaut - ich weiß gar nicht mehr, wie oft ich bei diesem Buch gedacht habe: Ja, genau diese Sorgen und Ängste habe ich auch! Das kommt natürlich nicht von ungefähr - denn die Autorin und ich sind etwa im gleichen Alter. In ihrem Sachbuch spricht sie eine Fülle an Themen an, über die ich mir auch viele Gedanken mache und über die ich, wie sie, häufig wütend werde. Und das ist auch richtig so!
Das Buch besteht aus vielen Essays, die sich alle unabhängig voneinander lesen lassen. Es geht unter anderem um (befristete) Arbeit, (überholte) Geschlechterrollen, Kinder (die man sich heute kaum noch leisten kann), (begrenzter und viel zu teurer) Wohnraum, die Klimakrise, Rassismus, sexualisierte Gewalt und Selbstoptimierung. Die Autorin schreibt ihre Essays dabei meist in einer sehr angenehmen Gesprächsform, sie erinnert sich an Unterhaltungen mit Menschen, die ihr nahe stehen und bringt diese im Buch in einen größeren Kontext. So ließen sich alle Texte sehr gut lesen und waren leicht verständlich. Man sollte sich von der locker-flockigen sprachlichen Gestaltung aber nicht täuschen lassen: Ronja Ebeling arbeitet in ihrem Sachbuch mit harten Fakten. Sie belegt ihre Aussagen mit vielen Fußnoten und gibt so den Lesenden Hintergründe für Diskussionen an die Hand. Ein Kritikpunkt meinerseits ist jedoch, dass mir die Themen im Buch dann manchmal doch nicht tief genug gingen. Das ist bei dieser Menge an Inhalten aber auch gar nicht so leicht.
Es ist für meine Generation häufig nicht einfach, auf ihre Probleme und Befürchtungen aufmerksam zu machen. Uns würde es doch so gut gehen, die ganze Welt stünde uns offen und wir sollen doch am besten leise sein, wenn die "Erwachsenen" sprechen und unsere eigene Expertise nicht überschätzen. Das macht mich sauer - und Ronja Ebeling auch. Zum Glück. Denn wir brauchen mehr Menschen, die ihre Stimme für uns erheben. Ich danke der Autorin sehr für ihre!
Teilweise sehr gut aber dann trotzdem zu unbestimmt. Es ist gut, dass das Buch geschrieben wurde aber mir fehlt ein politisches Verständnis zu der Problembeschreibung. Das audible Hörbuch war schön gesprochen. Eher ein Zeitdokument wie weiße deutsche Frauen in der aktuellen Situation verordnet sind als eine Reflexion mit Erkenntnisgewinn. Ich glaube viele fühlen sich mit dem Buch wahrgenommen und das ist ja auch schonmal schön.
"Jung, besorgt, abhängig" ist ein Buch, das mir mehr gegeben hat, als ich es vor dem Lesen erwartet habe. Es beinhaltet mehrere Essays zu verschiedenen Themen, die jedoch allesamt hochaktuell und auch für mein persönliches Leben relevant sind, da ich der selben Generation angehöre wie die Autorin. Die Themen waren auch schon häufig in meinem Freundes- und Familienkreis Grundlage für weitläufige und hitzige Diskussionen.
Die Autorin schafft es dabei inhaltlich fundierte Argumente mit einem sehr eingängigen Schreibstil zu kombinieren. Die Ausführungen lesen sich sehr gut und flüssig, es fließen viele persönliche und somit alltägliche Anektoden mit ein. Das hebt die Aktualität und Wichtigkeit nochmals hervor.
Mich konnte dieses Buch in meiner Lebensrealität zu 100% abholen. Es macht Mut zur Wut, und Mut zum Mut etwas zu ändern. Eine klare Leseempfehlung!
"Jung, besorg, abhängig" ist ein Buch, das aus einzelnen Essays besteht, die such jeweils um verschiedene gesellschaftlich aktuelle Themen drehen und bei jedem hatte ich immer wieder das Gefühl Ronja Ebeling hat genau meine Gedanken, meine Gefühle und irgendwie die kompletten Sorgen und Ängste einer ganzen Generation aufgeschrieben. Ich habe mich so gesehen gefühlt, einfach nicht alleine mit meinen Sorgen, meiner Angst und auch meiner Wut. Gleichzeitig waren auch noch teilweise Fakten oder auch kleine Anstöße, die ich tatsächlich noch nicht kannte. Das Buch hat mich wirklich überrascht und trotz all den angesprochenen Problemen Hoffnung gemacht, dass unsere Stimmen und Meinungen etwas verändern können.
3,25 Ronja Ebeling präsentiert den Lesenden gut recherchiert die sehr vielfältigen Sorgen und Schwierigkeiten der jüngeren Generationen. Sie bietet dabei gut verständlich einen Überblick über politische und gesellschaftliche Probleme der heutigen Zeit. Mit dem Geschriebenen konnte ich mich häufig identifizieren und fand besonders das Kapitel zu Konsum von Freundschaft und Beziehung eindrucksvoll aufgearbeitet. Der Stil eines Dialoges mit einer Freundin hat mich jedoch oft an Szenen von Piggeldy und Frederick erinnert mit ihr in der Rolle des allwissenden Frederick. Das wirkte für mich manchmal nicht authentisch.
"Jung, besorgt, abhängig" spricht mir aus der Seele - und genau das war die Idee. Essays, die das Leben meiner Generation schildern und die Missstände darin aufdecken. Die Essays lassen sich leicht und alle unabhängig voneinader lesen und die Thematiken sind sehr greifbar. An manchen Stellen hätte ich mir noch etwas mehr tiefgang gewünscht, auch wenn das dem buch natürlich Leichtigkeit genommen hätte. Alles in allem aber eine Leseempfehlung!