Umfassend, kurz, aktuell und fundiert. Hier erfährt man alles, was man zum Thema Rassismus wissen muss.
Seit dem gewaltsamen Tod von George Floyd in Minneapolis 2020 wird auch in Deutschland offen, kontrovers und hitzig über Rassismus debattiert. Wie funktioniert Rassismus, wem dient er und wozu? Dieses Buch gibt einen Überblick über die Begriffsverständnisse, die Geschichte und die Gegenwart dieser prägenden menschenfeindlichen Herrschaftsideologie. Dabei werden die jüngsten Entwicklungen und Diskurse unter die Lupe genommen und eingeordnet. Wie definiert man Rassismus, wann ist er entstanden, wie hat er sich bis heute gewandelt? Woran kann man erkennen, ob eine Handlung oder eine Aussage rassistisch ist? Was ist der Unterschied zwischen strukturellem und institutionellem Rassismus – und warum sollte man das wissen? Wie wird Rassismus von Betroffenen wahrgenommen? Welche Verantwortung haben pädagogische Institutionen?
Aladin El-Mafaalani forscht seit über zehn Jahren über Rassismus, Diskriminierung und soziale Ungleichheit und fasst in diesem Buch den Stand der Diskussion allgemeinverständlich zusammen.
Aladin El-Mafaalani ist Soziologe und Inhaber des Lehrstuhls für Erziehung und Bildung in der Migrationsgesellschaft an der Universität Osnabrück. Er ist dort sowohl am Institut für Erziehungswissenschaft als auch am Institut für Migrationsforschung und interkulturelle Studien (IMIS) angesiedelt. Gleichzeitig betreut er als Beauftragter des NRW Ministeriums für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration (MKFFI) die "Koordinierungsstelle für muslimisches Engagement in NRW" und ist Mitglied des Beirats für Teilhabe und Integration des Landes NRW.
Aladin El-Mafaalani ist Autor und Herausgeber zahlreicher wissenschaftlicher Schriften, darunter zehn Bücher und über 100 Artikel in Zeitschriften, Sammelbänden und Handbüchern. Er ist einer der Herausgeber der Zeitschrift für Migrationsforschung. Seine Forschungsarbeiten sind mehrfach ausgezeichnet worden, u.a. mit dem Augsburger Wissenschaftspreis für interkulturelle Studien, dem Dissertationspreis des Kulturwissenschaftlichen Instituts in Essen und dem Deutschen Studienpreis der Körber-Stiftung. Auch für sein öffentliches Wirken erhielt er mehrere Preise, u.a. den Preis für herausragende Leistungen auf dem Gebiet der öffentlichen Wirksamkeit der Soziologie der Deutschen Gesellschaft für Soziologie sowie den Lissabon-Preis für Wissenschaft-Praxis-Transfer der Hochschule Münster.
*adds every single book this author has written to my wishlist*
Aladin El-Mafaalani ist mit Wozu Rassismus? ein Meisterwerk gelungen. Dieses Buch ist eines der besten, gut recherchiertesten und eindringlichsten Sachbücher, die ich jemals gelesen habe.
El-Mafaalani erklärt, was Rassismus ist und wie dieser zu einer Ideologie wurde (Geschichte des Kolonialismus und Erfindung der Rassenlehre). Er zeigt auf, wie sich struktureller Rassismus in unserer Sprache, "Wissen", Sozialstruktur und Wertesystem niederschlägt und warum rassistische Diskriminierung ein Prozess ist, der mit Denken, Handeln, Intentionalität und Macht zusammenhängt. Des Weiteren gibt El-Mafaalani einen Überblick über institutionellen im Gegensatz zu interpersonellem Rassismus; darüber wie Rassismus in der Gesellschaft wahrgenommen wird und wie mit ihm umgegangen wird.
In der zweiten Hälfte des Buches erörtert El-Mafaalani Rassismus als pädagogische Herausforderung (mit Schwerpunkt auf Lehrpläne und -materialien, sowie Kommunikation und Empowerement in der Schule) und zeigt auf, warum es so schwierig ist, für Betroffene über Rassismus zu sprechen (aufgrund von Deflecting-Strategien und einem überhitzten Diskurs). Wozu Rassismus? schließt ab mit einem Kapitel über Rassismuskritik (Wissen, Haltung, Praxis) und einem langem Literatur- und Anmerkungsverzeichnis, aus dem man viel neuen Lesestoff ziehen kann.
Ich schätze El-Mafaalanis Arbeit sehr, weil er es mit Wozu Rassismus? geschafft hat, ein Buch zu schreiben, welches sowohl für Neulinge auf dem Gebiet einen super Einstieg in das Thema bietet (obgleich man mit sehr vielen und unterschiedlichen Themenaspekten bombardiert wird), als auch für erfahrene Leser*innen neue Aspekte und Perspektiven aufmacht, über die es sich zu Nachdenken lohnt. Des Weiteren bezieht sich Wozu Rassismus? primär auf Deutschland, die deutsche Gesellschaft und den deutschen Diskurs um das Thema – etwas, was viele andere deutsche Publikationen nicht tun. Anstatt den "einfachen" Weg zu gehen, und einfach aus US-amerikanischen Publikationen zu zitieren und die US-amerikanischen Probleme auf die deutsche Gesellschaft zu münzen, schafft El-Mafaalani es, eine Bestandsaufnahme für Deutschland zu geben, und somit auch spezifische Lösungsansätze für diesen Kontext darzustellen.
Im weiteren Verlauf meiner Rezensionen werde ich viele Passagen aus dem Buch zitieren – jene, die mir am interessantesten erschienen – und nur, wenn nötig, meine eigene Einschätzung geben. Ansonsten, so denke ich, können El-Mafaalanis Worte für sich stehen. Aber wirklich, Leute: Lest, dieses Buch! Es ist so unfassbar gut und auf den Punkt!
Zum Thema "Rassismus gegen Weiße" schreibt El-Mafaalani: "In Deutschland sieht die Situation anders aus als in den USA. Hier (und in anderen Teilen Europas) müsste man sagen: “Menschen mit Wurzeln in Ost- oder Südeuropa (z.B. Polen und Polinnen) erleben Rassismus, aber nicht weil, sondern obwohl sie weiß sind.”" Denn Rassismus ist eine “Ideologie, eine Struktur und ein Prozess, mittels derer bestimmte Gruppierungen auf der Grundlage tatsächlicher oder zugeschriebener biologischer oder kultureller Eigenschaften als wesensmäßig andersgeartete und minderwertige ‘Rassen’ oder ethnische Gruppen angesehen werden.” Im Zeitverlauf hat sich die Gewichtung von einer stärker biologischen beziehungsweise natürlichen Begründung zu einer stärker kulturellen verlagert. Mit dem Begriff “Rassismus ohne Rassen” wird dieser Wandel ausgedrückt.
Über die Entstehung von Rassismus, schreibt El-Mafaalani: "Rassismus ist ein historisch gewachsenes und von den einstigen Eliten, sprich Klerus, Krone, Kolonialisten und Wissenschaftlern, entwickeltes Projekt, das die globalen und politischen und sozialen Verhältnisse maßgeblich geprägt hat." D.h., vor allem im 18. Jahrhundert, dem Zeitalter der Aufklärung, wurde eine Differenz erst konstruiert, damit im Anschluss Menschen entsprechend dieser Differenz kategorisiert werden konnten. Rassismus wurde also nicht als Ideologie vom Volk, also “von unten”, entwickelt und etabliert, sondern im Gegenteil: Die Krone schaffte die Rahmenbedingungen, die Eroberer schafften Fakten, und die Wissenschaft schaffte die Ideenlehre.
Ein weiterer Aspekt, der im deutschen Diskurs oft zu kurz kommt, ist, dass Klassenfragen einen messbar wesentlich stärkeren Einfluss auf die Lebenschancen von Menschen haben als rassistische Diskriminierung. El-Mafaalani weist aber zurecht darauf hin, dass Rassismus erst dazu geführt hat, dass migrantisierte und rassifizierte Menschen überproportional häufig unteren sozialen Klassen angehören, geringere Einkommen und Vermögen haben und von Bildungsbenachteiligung betroffen sind. Rassismus und Klassismus müssen also zusammen gedacht werden (Intersektionalität).
Zum Thema "Rassismus & Schule" fand ich es besonders interessant, dass El-Mafaalani drei Normalitätserwartungen beleuchtet, die in deutschen Schulen vorausgesetzt werden: Deutsch als Muttersprache/ Familiensprache, familiäre Mitarbeit und Mitverantwortung bei der Lernentwicklung von Kindern sowie ein bestimmtes Lerntempo und unterstellte Entwicklungsprozesse. Vor allem der erste Punkt – dass Mehrsprachigkeit nur dann als Bereicherung gesehen wird, wenn die Sprachen Prestige haben (wie Englisch und Französisch) und nur dann als Problem, wenn nicht (Türkisch, Arabisch etc.) – kommt mir im deutschen Diskurs oft zu kurz. Zu oft wird problematisiert, wenn Kinder zuhause türkisch sprechen. Mir fallen unzählige Kampagnen ein, die Eltern dazu ermahnen, mit ihren Kindern zuhause Deutsch zu sprechen. Aus linguistischer und Spracherwerbsperspektive totaler Quatsch.
In dem Kapitel "Über Rassismus sprechen" macht El-Mafaalani darauf aufmerksam, dass offener und intendierter Rassismus leichter problematisiert werden kann, da von allen als solcher wahrgenommen, als latenter und/oder nicht-intendierter Rassismus, der meist nur von hochgebildeten Menschen und/oder BIPOC selbst wahrgenommen wird. D.h. also, dass vor allem im zweiten Fall, das Sprechen über Rassismus BIPOC erschwert wird. Denn oft folgt auf die Demütigung wegen der Diskriminierung eine Demütigung wegen der Dethematisierung durch Autoritätspersonen, sprich: Personen, die rassistisches Verhalten anklagen, werden nicht ernst genommen und selbst aufgrund des Ansprechens zum Täter gemacht. Der Diskurs wird dann von dem Vorfall und der Rassismuserfahrung weg und auf die Klassifizierung und Bezeichnung “Rassismus” “abgelenkt”.
Das liegt unter Anderem daran, dass in Deutschland Rassismus oft als Episode der deutschen Geschichte gesehen wird, die 1945 ein für alle Mal überwunden wurde. Viele Menschen denken, Rassismus wäre kein Problem mehr. Und Rassismus beinhaltet nur krasse Erfahrungen physischer Gewalt. Den Opfern wird dann vorgeworfen, "sie sollen sich mal nicht so anstellen" etc.. El-Mafaalani weist zurecht darauf hin, dass wir uns gerade in einer paradoxen Situation befinden: "Weil es tatsächlich weniger Diskriminierung gibt (im Vergleich zu früher), können Diskriminierte (leichter) über Diskriminierung sprechen." Deshalb kann es in der öffentlichen Wahrnehmung dazu kommen, dass Leute denken, Rassismus nehme zu, weil es zur Zeit mehr Thema ist (im Gegensatz zu früher, wo es als normal/ Standard angesehen wurde. Daher rühren auch Aussagen wie: “Man darf ja gar nichts mehr sagen.” Aber natürlich gilt: Doch, Herbert, du darfst alles sagen. Was neu ist, ist nur, dass dir heute auch mal jemand widerspricht.
Aladin El-Mafaalani, professor for migration and intercultural studies, talks about the roots and effects of racism, and he does so from a scientific viewpoint, referring to historical research, data and stats, to psychology, politics, and of course, sociology. The strength of this work is that it does not purely feed from emotions or restrict itself to personal, individual experiences; rather, it makes a bulletproof case against lethargy and for a better society by spitting facts, facts, and even more facts. The author also ponders definitions of words and expressions that tend to get thrown around carelessly, thus raising awareness for the language of anti-discrimination: To fight structural racism, e.g., you better know what exactly it entails.
More people should read this fantastic author, who first came to my attention with his research on education and habitus. Although this is an introductory text, El-Mafaalani has trust in his readers' intelligence, he wants to have a profound conversation with his audience. As the book states right at the beginning: The topic of racism is getting more and more attention, and rightfully so, but to achieve change, the discussion needs to happen on a certain intellectual level. It's easy to virtue signal on social media, it's harder to really tackle the facts - but with this book, getting smarter is also fun.
Aladin El-Mafaalani is the public intellectual we need, so give this man a bigger platform!
Für gewöhnlich beschwere ich mich ja nicht darüber, "nur" zwei Jahre über Regelstudienzeit studiert zu haben - aber dass ich gerade so Aladin El-Mafaalani verpasst habe, wurmt mich dann doch ab und an wieder. ;)
Was dieses Werk, neben vielem anderen, sehr gut und pointiert darstellt, ist eine Sache, die mir auf der Arbeit wie im Privaten oft begegnet: "das war ja nicht so gemeint" , "du bist da etwas sensibel/empfindlich", "Onkel Erwin ist doch kein Rassist!" ... Mit derartigen Aussagen werden etwa institutionalisierter Rassismus oder vermeintlich harmlose Altherrenwitze legitimiert - weil niemand Rassist*in sein will. Dabei sollte es eigentlich, zu diesem Zeitpunkt zumindestens, komplett unerheblich sein, was die Intention oder Motivation hinter einer Aussage war - was zählt, ist die Wirkung einer rassistischen Diskriminierung, die sie dann als solche definiert. Ich bin schon bei so so vielen Diskussionen an Wänden abgeprallt, weil Menschen auf einmal mit verschränkten Armen vor mir standen, wenn man das Wort Rassimus nur in den Mund genommen hat. Klar, die wenigsten möchten Rassist*in sein. Aber man braucht nicht gleich der letzte Nazi sein, um rassistisch handeln zu können - selbst wenn oder auch gerne weil man es eigentlich gut meint. Wir bewegen uns in einer durchweg rassistischen Gesellschaft. Wir alle sind Teil des Systems. Dafür muss man sich nicht schämen - aber man muss verdammt nochmal die Verantwortung dafür nehmen, diese Strukturen Stück für Stück aufzubrechen und das eigene Handeln und Verhalten kontinuierlich zu reflektieren.
Es gibt neben Klima und Corona noch weitere große Themen. Dazu gehört für mich der Kampf gegen den Rassismus .
„Wozu Rassismus“ von Aladin El-Mafaalani ist ein so, so gutes und wichtiges Buch! Ich habe, obwohl ich mich schon einige Zeit mit Rassismus beschäftige, unglaublich viel gelernt! Alle Kapitel sind verständlich und gleich wichtig! Es geht von der Definition zur Historie und Ideologie, strukturellem & institutionellem Rassismus, rassistischer Diskriminierung, Rassismuskritik unvm.
Einiges kenne ich aus dem Alltag, auf anderes werde ich jetzt vermehrt achten. Der Kampf gegen Rassismus geht weiter, macht alle mit!
Und vor allem: Lest oder hört dieses Buch, stellt es euch ins Regal, damit ihr immer mal wieder reinlesen könnt! So viele, tolle Sätze zum Markieren und Wiedergeben. Eine echte Schatzgrube fürs Miteinander!
Ein spannender und für mich bereichernder Beitrag zum Thema Rassismus.
Es geht viel um allgemeines Verständnis, um Definitionen und Abgrenzungen zu verwandten oder überschneidenden Themen, um historische Zusammenhänge und eine Analyse des Status Quo. Sehr hilfreich ist dabei der nüchtern-sachliche Tonfall, Unaufgeregtheit in einer überhitzten Debatte und das Bemühen um Objektivität fern von Schuldfragen. Der Ansatz scheint mir sehr realitätsnah, und gerade das Aufzeigen von paradoxen Zusammenhängen und Widersprüchen innerhalb anti-rassistischer genau wie rassistischer Bewegungen ist spannend und kann helfen, die Komplexität und das Konfliktpotential des Themas zu begreifen.
Das Hörbuch ist für meinen Geschmack in angenehmer Stimme und Tempo gelesen, sodass ich gut zuhören und folgen konnte. Man sollte sich aber bewusst sein, dass sich das Thema nicht zum nebenbei Hören eignet; ich musste einige Male zurückspringen und Passagen erneut hören, wenn ich zwischendurch abgelenkt war. Dass der Autor bemüht ist, seine Thesen so allgemein gültig wie möglich zu formulieren, also zum Beispiel möglichst unabhängig von der individuellen rechtlichen oder gesellschaftlichen Situation in einzelnen Ländern oder Besonderheiten einzelner Machtminderheiten, führt manchmal zu komplexen oder umständlicheren Formulierungen. An der einen oder anderen Stelle hätten mir ein paar konkrete Beispiele das Verständnis wahrscheinlich erleichtert.
Ich würde das Hörbuch/Buch jedem empfehlen, der sich für das Thema interessiert und einen allgemeingültigeren Ansatz als beispielsweise einen persönlichen Erfahrungsbericht sucht.
Hier ist mal ein Buch das im Mainstream rumgeistert, das als weiterführende Lektüre dient. Ich habe manchmal das Problem, dass populäre non-fiction die Einstiegsfragen eines Themas behandelt, mit denen ich mich aber schon beschäftigt habe, und jetzt mehr wissen will. Dies hier ist eine differenzierte Auseinandersetzung, von der ich einiges neues lernen konnte.
Starke, relativ kurze Einführung von El mafaalani Sehr zu empfehlen, nur etwas mehr Reflexionen zur potenziellen cancel culture und mehr zum antisemitismus wären stark gewesen, sondern sehr starke Einführung in die Rassismus Kritik und die kritische Reflexion der eigenen gesellschaftlichen Position und Privilegierung
Sehr spannender und lehrreicher Beitrag zum Thema! Das Hörbuch ist ebenso zu empfehlen; es ist mit sehr angenehmer Stimme eingesprochen, allerdings sollte man beim Hören die volle Aufmerksamkeit aufbringen, da der Autor seine Thesen mit hoher Dichte formuliert - es besteht also die akute Gefahr, etwas Wichtiges zu verpassen.
mMn eine wichtige literarische Ergänzung für jedes moderne Bücherregal.
„Rassismus benachteiligt, entwürdigt, macht krank. Rassismus tötet. Auch heute noch. Darf man dennoch konstatieren, dass er den größten Teil seiner Wirkmächtigkeit verloren hat? Zum Verständnis der Gegenwart muss man dies tun.“ (S. 7)
In seinem Sachbuch beschäftigt sich der Soziologe und Professor für Erziehung und Bildung in der Migrationsgesellschaft mit der Frage ‚Wozu Rassismus?‘. Mit kleinen Kapiteln versucht Aladin sich dem Begriff Rassismus zu nähern und erklärt anhand von Beispielen, warum wir noch lange nicht befreit von Rassismus sind. Eine klare Message hat er: „Wer nicht rassistisch sein möchte, muss sich mit Rassismus auseinandersetzen, darüber sprechen und aktiv werden.“
Das WG-Leben kann so aufregend und mühsam sein. Mit meinen Mitbewohnern beschäftigen wir uns oft mit gesellschaftlichen und politischen Themen. Für sie sind solche Themen im Studium sehr präsent, daher auch die viele Diskurse über unsere Erfahrungen und Gedanken dazu. Einer von ihnen reichte mir dieses Buch. Ich sage laut DANKE! Neben Tupoka Ogette und Alice Hasters wundervollen Bücher über Rassismus, half mir dieser Text von Aladin sehr, um mich mehr rassismuskritisch auseinandersetzen zu können. Eine solche Reise hat kein Ende. Diese Reise wird immer neue Erkenntnisse mit sich bringen und das ist gut so!
Jedes Mal als mir die Sprache doch zu kompliziert oder akademisch klang, bringt Aladin immer ein Beispiel dazu und die vorherige Erklärung ergab plötzlich Sinn. Da für mich die deutsche Sprache oft eine Hürde ist, kämpfe ich mich durch. Glitzer sei Dank, gibt es Google und großartige Freund_innen, die einem alles verständlicher erklären können! Mir gefiel die Aufteilung der Kapitel, die einen roten Faden, wie ich finde, hatte. Sehr überzeugend wie El-Mafaalani sich kurz und verständnisvoll halten konnte. Natürlich ist die Schwierigkeit so ein großes und maßgebendes Thema in so einem kompakten Buch zu verpacken, dennoch schafft der Soziologe es gut dies zu bewältigen.
Wir haben ein klares strukturelles Problem in Europa. Wir haben ein Klassenproblem. Wir haben einige Probleme. Dies muss sich schnell ändern, denn wir merken nicht wie wir mit unseren rassistischen, sexistischen, queer- und behindertenfeindlichen, usw. Aussagen, Menschen in unserem Umfeld verletzen und (re-)traumatisieren.
Einzige Kritik ist die Gleichsetzung des Ableismus und der Behindertenfeindlichkeit. Dies stimmt nicht so ganz, denn diese beiden Begriffe unterscheiden sich insofern, dass Ableismus die gesellschaftliche und strukturelle Komponente zeigt, die sich über Jahrhunderte festgesetzt haben, weil es ein Konstrukt der Gesellschaft, wie auch der Rassismus, ist. Mehr dazu in meinem Glitzer Podcast (Link in der Bio).
„Die Übertragung von Theorien, Erkenntnissen und Diskursen auf die Situation in Deutschland steht dabei im Mittelpunkt. Dadurch, dass US-amerikanische Ansätze und Diskurse 1:1 übersetzt wurden und deshalb nicht so recht passen, kommt es nicht nur zu vermeidbaren Missverständnissen, sondern auch zu unnötigen Kontroversen und Überhitzungen im Diskurs. In den USA sind Menschen aus Italien, Griechenland, Kroatien oder Polen schlichtweg Weiße und können nicht von Rassismus betroffen sein.“ (S.11)
Ein interessantes und lehrreiches Sachbuch. Ich würde es tatsächlich für Leute empfehlen, die sich bereits mit der Thematik Rassismus ein wenig auseinander gesetzt haben, da selbst ich, die schon einige Bücher gelesen hat, mit einigen Begriffen Schwierigkeiten hatte (aka ich musste sie nachgoogeln, haha). Aber vielleicht lag es auch daran, dass es kein Erfahrungsbericht war, sondern ein nüchtern-sachliche Aufzählung von Tatsachen, Analysen und Auswirkungen. Solche Bücher mag ich tatsächlich echt gerne neben Erfahrungsberichten und Herr El-Mafaalani hat nicht enttäuscht. Wer einen wirklich tollen Beitrag zu dem Thema haben möchte, mit Punkten, die mich zum Nachdenken angeregt haben. Wer wusste denn schon um die wahre Bedeutung und Herkunft von Edeka? Kurz, knackig und auf den Punkt getroffen. Manchmal mit sprachlich zu hoch gestochen, aber wirklich gut gelungen.
Aladin El-Mafaalani legt mit "Wozu Rassismus?" ein übersichtliches Buch vor, das viele Grundlagen zum Thema Rassismus erläutert. Es liest sich wie eine Vortragsarbeit, unterteilt in thematische Kapitel. Das ist kein Nachteil, sondern dient als guten Einstieg in das grosse und komplexe Gebiet, das wir alle im Alltag viel stärker ansprechen und diskutieren sollten.
El-Mafaalani geht in seiner kleinen Überblicksdarstellung für ein breites Publikum auf verschiedene Facetten genauer ein. Ich fand das Buch sehr gut. Es hilft, das Thema Rassismus besser einordnen zu können.
Gutes Grundlagenwerk für alle, die sich mit der Thematik noch nicht so fundiert auseinandergesetzt haben. Ebenso geeignet für alle, die dies bereits tun. Hier sind besonders die Kapitel "Über Rassismus sprechen" und "Rassismuskritik" empfehlenswert.
Meiner Meinung nach eines der besten Bücher über Rassismus im deutschsprachigen Raum. Absolute Empfehlung. Klar verständlich, sachlich, wunderbar argumentiert und einfach sehr wichtig. Klärt wunderbar über die Grundlagen auf und führt ins Thema ein, bietet aber auch für Menschen, die sich schon länger mit dem Thema beschäftigen einen guten Überblick und interessante Aspekte. Besonders die Klarheit bezüglich der Definition einiger oft uneindeutig verwendeter Begriffe hat mich überzeugt.
Ich möchte dieses Buch allen in die Hand drücken, die bei diversen Familien- oder Stammtischkussionen behaupten Rassismus sei kein Problem oder wenn dann doch auch gegen sie als Weiße und überhaupt sei doch alles okay, wenn sie es "nicht so meinen".
El-Mafaalanis „wozu Rassismus“ ist ein Grundlagenbuch, dem sowohl Neulinge als auch Menschen, die sich intensiver mit Rassismus, seinen Ursprüngen, seinen Wirkungen und den Möglichkeiten, ihn zu bekämpfen/verändern viel entnehmen können. Sehr eindringlich geschrieben, dabei klar und gut lesbar.
Hab viel gelernt. Nur ein paar von ganz vielen schlauen Sätzen: "Die meisten, die sagen, es gäbe keine Meinungsfreiheit mehr, meinen eigentlich, dass sie kaum noch etwas sagen können, ohne dass ihnen jemand widerspricht. Meinungsfreiheit meint aber, dass man innerhalb des gesetzlich Erlaubten unendlich viel sagen darf und damit unendlich viele Gelegenheiten für Widerspruch bestehen. Wenn heute widersprochen wird, wo dies in der Vergangenheit nicht der Fall war, dann ist das ein starkes Indiz für MEHR Meinubgsfreiheit beziehungsweise ein Indiz für mehr Meinungsfreiheit für MEHR MENSCHEN."
This is what I've been looking for - a primer on racism in Germany, its complecity and challenges and a broad overlook on the issues of discussing and combating it. Very interested in getting a physical copy to mark it up and reference. All that's missing for me would be a list of further readings for each of the issues discussed.
Vorwort: Wieso wozu Rassismus? • Rassismus iat tief in unserer Gesellschaft verankert • Das Buch will erklären, was Rassismus ist, wo er vorkommt und wie die Gesellschaft offener werden kann
1. Was ist Rassismus? • "Rassismus legitimiert Herrschaft, die Herrschaft führt dazu, dass sich die Ideologie bestätigt, die wiederum die Herrschaft legitimiert." (S.14) • Ideologie entstammt der Rassenlehre • "Rassismus ist ein Erbe der Nationalstaatenbildung, des Kolonialismus, der europäischen Aufklärung und der europäischen Geistes- und Naturwissenschaften." (S.16) • Die Stuktur von Rassismus findet sich in strukturellem Rassismus -> Rassismus ist kulturell verankert • Prozess von Rassismus duch Othering
2. Rassismus als Ideologie: Geschichte des Kolonialismus und Erfindung der Rassen (lehre) • "Man brauchte Legitimation [zur Ausbeutung] und man (er)fand Legitimation [Rassenlehre]" (S.31) • "Als die zentralen Ursprünge une Entstehungsbedingungen des Rassismus können die Herrausbildung des Nationalstaats, der Kolonialismus, die Aufklärung und die Rassenlehre genannt werden." (S.35) • "Die Entenschlichtung von Nichteuropäern fand zeitgleich mit der Idee des freien Menschen statt." (S.36)
3. Struktureller Rassismus: Sprache, Wissen, Sozialstruktur, Wertesystem • Struktureller Rassismus = "Differenz zwischem Anspruch und Wirklichkeit im Hinblick auf die Grundwerte einer Gesellschaft" (S.39) • Rassismus findet sich überall "in den gesellschaftlichen und kulturellen Tiefenstrukturen." (S.40) • "Die intimste Zone einer Kultur ist ihre Sprache." (S.42) • Rassismus "ist nicht Natur, sondern Kultur. Er kanalisiert Ängste, bietet Orientierung, stärkt den Selbstwert durch Hierarchiebildung." (S.43) • Vorurteile als "rassistisches Wissen" (S.44) • Normative Struktur von Rassismus wird durch Geburtsort bestimmt (vgl. S.48) • "Wer den strukturellen Rassismus übersieht oder leugnet und damit die Weltordnung, so wie sie ist, rassenblind oder farbenblind zu erklären versucht, wird extrem rassistisch sein müssen." (S.56)
4. Rassistische Diskriminierung als Prozess: Denken, Handeln, Intentionalität und Macht • "Diskriminierung ist dann 'lupenrein' gegeben, wenn alle drei Schritte erkennbar sind: Kategorisierung, Abwertung und Auagrenzung." (S.66) • Wirkung von Handlungen > Intentionalität (vgl.S.62ff.) • "Nachteile, die ein Mensch hat, die ohne böse Absicht entstanden sind, sind besonders problematisch." (S.64) • Macht ist notwendig, um diskriminierende Strukturen aufzubauen • "Rassismus bedeutet heute soziale Ungleichheit zwischen prinzipiell gleichen Menschen." (S.69)
5. Institutioneller Rasismus: Branche, Organisation, Profession • "Wenn Diskriminierung regelhaft in bestimmten Organisationen, Sektoren oder Branchen auftritt, wird das als institutionelle Diskriminierung bezeichnet." (S.71) • Beispiele: Polizei (Racial Profiling), Wohnungsmarkt, Bewerbungen, ...
6. Rassistische Diskriminierung als persönliche Erfahrung: Wahrnehmung, Umgang, persönliche und soziale Folgen • "Die Ächtung [von Rassismus] hat dazu geführt, dass die meisten in ihrer Wirkung rassistischen Handlungen nicht mehr offen und somit leicht erkennbar rassistisch sind." (S.90) • "Als Diskriminierung wird eine Handlung dann eingeordnet, wenn sie als eine illegitim vollzogene Ungleichbehandlung interpretiert wird." (S.91) • Diskriminierungsparadox (vgl.S.94f.)
7. Rassismus als pädagogische Herausforderung: Lehrplan und -material, Kommunikation, Differenzsensibilität, Empowerment • Systematische Diskriminierung führt zu geringeren Ambitionen und Erwartungen. Folgen können Resignation, Rebellion, Anwendung von der Gesellschaft und aggressiver Aktionismus sein (vgl.S.104) • All das sind Folgen der Nicht-Thematisierbarkeit von diskriminierenden Erfahrungen • "Denn junge Menschen, die lernen, eine schlechte Behandlung hinzunehmen und dies als legitim zu bewerten oder zu sehen, dass dies von anderen als legitim bewertet wird, tendieren zu Passivität, Resignation oder Rebellion." (S.110) -> Nährboden für abweichendes Verhalten und Radikalisierung • 4 Pädagogische Herrausforderrungen: 1. selbst nicht rassistisch sein 2. Rassismus aktiv suchen 3. Betroffene stärken, Bewältigungsstrategien 4. Eigene Organisation kritisieren und verändern (vgl.S.116)
8. Über Rassismus sprechen: Identitätspolitik und Populismus von "alten weißen Männern", unterdrückte und überhitzte Diskurse • 4 Dethematisierungsmuster: 1. Skandalisierung (Täter-Opfer-Umkehr & Status eines Einzelfalls zuschreiben) 2.Kulturalisierung (Begründung der Hierarchisierung durch kulturelle Unterschiede) 3.Gleichsetzung mit Rechtsextremismus 4. Gleichsetzung mit historischem Nationalsozialismus (nur dort gab es Rassismus) • "Dir vier Dethematisierungsmuster führen dazu, dass man über Rassismus als strukturelles Problem kaum sprechen kann und dass diejenigen, die es veesuchen, sich rechtfertigen müssen." (S.127f.) • "Es wird nicht mehr nur über die Benachrichtigung der Benachteiligten gesprochen, sondern auch über die Privilegien der Priviligierten." (S.134) • "Wenm heute widersprochen wird, wo dies in der Vergangenheit nicht der Fall war, dann ist das sin starkes Indiz für mehr Meinungsfreiheit beziehungsweise ein Indiz für Meinungsfreiheit für mehr Menschen." (S.135) • "Dadurch, dass sich viele junge Menschen aktiv einmischen und die intimsten Sphären der Kultur, etwa die Sprache, erfolgreich verändern, kommt es zu enormen Emotionalisierungen." (S.136) • "Je erfolgreicher ein soziales Problem [...] bekämpft wird, desto stärker wird das verbliebene [...] Restproblem wahrgenommen und kontrovers diskutiert." (S.139) • "Wozu also Rassismus? Als Herrschafts- und Ordnungsprinzip hat er die Gesellschaft und die Diskurse strukturiert, bildete einen wichtigen Teil des Kitts. Dieser Teil des gesellschaftlichen Zusammenhalts ist weggebrochen. Und das ist gut, erzeugt aber gleichzeitig Probleme." (S 139f.)
9. Rassismuskritik: Wissen, Haltung, Praxis • "Rassismuskritik verstehe ich als soziale Positionierung, als Perspektive auf die Welt und als soziale Praxis der Reflexion." (S.142) • "Während man Rassismus analysiert und kritisiert, ist man immer Teil des Problems." (S.142) • "Denn wer behauptet, farbenblind zu sein, läuft Gefahr, blind gegenüber Rassismus zu sein." (S.143) • "Rassismuskritik als reflexive Praxis sollte sich um diskriminierungsfreie Sprache und Konzepte bemühen, aber immer in dem Wissen, dass dies nicht widerspruchsfrei gelingen wird." (S.150) • "Dies ist auch eine Gernerationen- und Klassenfrage." (S.150) • "Gelassenheit und Ruhe sowie eine begründbare Inkonsequenz könnten einen konstruktiven Diskurs, von dem alles abhängt, aufrechterhalten." (S.152)
This entire review has been hidden because of spoilers.
Das Buch ist leider eine ziemliche Enttäuschung. Es gibt einige kleine Fehler, die in einem wissenschaftlichen Buch nicht erhalten sein sollten (z.B. Kolumbus habe nach Indien gewollt). Die Sprache ist unnötig gestelzt. Dem Bildungsbürgertum ist zwar alles gut verständlich, doch sind es doch gerade die "bildungsfernen" PoCs, die angesprochen werden sollten. Wer mit der im Buch enthaltenen Sprache gut zurecht kommt, dürfte sich in aller Regel schon des Inhalts bewusst sein. Die Darstellung ist insgesamt durchaus gelungen - besonders hervorzuheben ist der explizite Fokus auf Deutschland -, leider mangelt es aber an konsequenten Schlüssen. Die am Ende gestellten Forderungen sind so bieder wie nur irgend möglich. Eine Verbindung zu anderen marginalisierten Gruppen bleibt aus, obwohl Feminismus, Rassismus und Klassismus bekanntermaßen eng zusammenhängen.
Das Buch hat so viel Potential und schöpft leider kaum etwas davon aus.
Ein Sachbuch über Rassismus, das weniger Erfahrungsbericht und Ratgeber ist, sondern nüchtern und in eher wissenschaftlichem Ton erklärt, welche Konstrukte im Bezug auf Rassismus in unserer Gesellschaft verankert sind und wie sie entstanden sind. Dabei liegt der Fokus auf Deutschland, wobei insbesondere auch auf Unterschiede zu den USA eingegangen wird. Intersektionalität mit anderen Diskriminierungskategorien wird berücksichtigt.
Ich fand das Buch sehr stark, da es klar eine Meinung vertritt und gute Argumente darlegt, dabei aber den nüchternen und wissenschaftlichen Tonfall beibehält. Außerdem fand ich es sehr gut verständlich. Man merkt deutlich, dass der Autor ein Experte auf dem Gebiet ist. Meiner Meinung nach eignet es sich gut als Ergänzung zu anderen Büchern über Rassismus, die eher Erfahrungen und Handlungsempfehlungen geben. Das Hörbuch war sehr angenehm vorgelesen, allerdings muss man schon aufmerksam zuhören. Ich würde es in Zukunft gerne auch nochmal als "richtiges Buch" lesen.
Was ein Buch! Ich fand es wirklich sehr gut und hat nochmal viel in mir angestoßen bzw. Neue Einsichten und Perspektiven verschafft. Es war auf jeden Fall herausfordernd zu lesen, zum einen wegen des Themas, zum anderen wegen des sehr wissenschaftlich Stils. Es bleibt bis auf wenige Ausnahmen sehr abstrakt und theoretisch, sodass ich manche Abschnitte zwei/dreimal lesen musste, um zu verstehen, was gemeint ist. Trotzdem konnte ich mit dem markieren gar nicht mehr aufhören.
Hier nur einer, der vielen Abschnitte, die wirklich etwas bei mir angestoßen und mir einen ‚Aha-Moment‘ gegeben haben.
„Nicht das Schwarzsein oder Muslimsein der Anderen (das heißt ihre »Biologie«) ist das Problem, sondern ihr primitives Verhalten, ihre Unzivilisiertheit und so wei-ter. Aus dem Motto »Menschen sind verschieden, weil sie unterschiedlichen biologischen Rassen angehören« wird »Menschen sind verschieden, weil sie unterschiedlichen Kulturen angehören«.“
Der Autor setzt sich sehr ausführlich mit der Frage des Titels auseinander. Man weiß vor dem Buch, dass Rassismus grausam ist, Menschen tötet und für Ausgrenzung und sich selbst bedingende Probleme sorgt. Nach dem Buch versteht man noch so viel mehr, was Rassismus ist, wo er ist, wie er sich präsentiert, wie man mit ihm umgehen, und insbesondere wie man nicht mit ihm umgehen darf etc. Darüber hinaus wird auch Diskriminierung an sich thematisiert und greifbar dargestellt. Der Schreibstil an sich ist leidlich sehr kompliziert teilweise und nicht so zugänglich für alle Menschen. Dennoch eine grosse Leseempfehlung für alle Menschen, aber vielleicht auch besonders für privilegierte, weiße Menschen.
Niemand will heutzutage mehr als Rassist oder Rassistin gelten. Das ist ein enormer Fortschritt, den Aladin El-Mafaalani hier benennt. Nur weil es weniger Diskriminierung gibt kann mehr über Diskriminierung gesprochen werden. Das ist gut. Der nächste Schritt ist es nun zu erkennen, dass wir alle in einer strukturell rassistischen Gesellschaft leben und sehr oft selbst rassistisch denken oder handeln. Das ist kein angenehmer Gedanke, aber wenn wir uns weiter entwickeln wollen, führt kein Weg daran vorbei.
Warum das so ist, dass wir alle (oft unabsichtlich) rassistisch denken oder handeln und was wir mit dieser Erkenntnis tun können - genau darum geht es in diesem Buch. Große Empfehlung!
Immer noch wichtig, sich immer wieder mit dem Thema Rassismus zu beschäftigen. Immer immer wieder. Auch, wenn mir einiges mittlerweile bekannt und bewusst ist, das El-Mafaalani in diesem kurzen Sachbuch beschreibt, erinnere ich mich gerne wieder daran. Mit jedem Mal wird mir klarer, warum es so wichitg ist, Rassismus zu thematisieren. Und ich habe auch noch neue Dinge gelernt und Ansätze verstanden, von denen ich so noch gar nicht gehört habe. Eine richitg gute Zusammenfassung zum Nachschlagen.
Wobei ich mir an manchen Stellen doch eine etwas längere Erklärung und eine paar Beispiele zu manchen Behauptungen gewünscht hätte.
Wenn ihr nach einem Buch sucht, welches einen guten Überblick über das Thema verleiht, dann ist das Buch „Wozu Rassismus?“ das Richtige. Es bringt einen zum nachdenken, reflektieren und ist zudem sehr verständlich geschrieben. Zudem werden auch viele geschichtliche Aspekte hervorgehoben, was ich besonders interessant fand. Eine große Empfehlung meinerseits!
„Solange muslimische Frauen mit Kopftuch an deutschen Gymnasien geputzt haben, wurde das Kopftuch nicht problematisiert. Das Kopftuch war nicht mehr okay, als die ersten Musliminnen studierten und Lehrerinnen an Gymnasien wurden.“ ⬅️ Absolut wahr!