Jeden Sommer verbrachte Thomas de Padova in einem Dorf am Meer in Apulien, Geburtsort seines Vaters, Großvaters und Urgroßvaters – drei Männer, die irgendwann aus Italien aufbrachen in die Welt. Seine Großmutter blieb. Jahr für Jahr erwartet sie ihn, still auf einem Stuhl sitzend, im Dunkel ihres Zimmers: eine alte, schwarz gekleidete Frau, die ohne Kühlschrank lebt. Warum hat der Großvater seine Frau immer behandelt, als existierte sie nicht? Was hat die beiden vor mehr als einem halben Jahrhundert aneinandergebunden? Diese Geschichte ist eine Schatzkammer: Erfüllt vom hellen Licht der Adria und durchzogen von uralten Geheimnissen, bewahrt sie in knappen, leuchtend klaren Szenen eine ganze Welt in sich auf.
Eine liebevolle und einfühlsame Beschreibung der italienischen Großmutter, die einen mitnimmt in ein apulisches Dorf, in welchem ihr Leben auch heute noch nach einem ganz anderen Rhythmus verläuft.
Leider hat mich die Erzählung nicht so angesprochen, wie ich vorher erwartet hatte. Erst im letzten Drittel hat mich die Handlung dann noch gepackt, insgesamt fand ich das Buch okay. Einen Stern habe ich aber noch draufgelegt, da de Padova so ehrlich aus seiner Familienhistorie erzählt. Außerdem gelingt es ihm, seine Nonna als nicht gerade eine Traum- Oma zu portraitieren, aber gleichzeitig seinen Respekt und Zuneigung zu ihr durchscheinen zu lassen. Auch die apulische Landschaft und kulturelle Gepflogenheiten der Einwohner Mattinatas kann der Autor eindrücklich und humorvoll, aber immer mit Respekt, schildern.
Autobiografisch entführt Thomas de Padova uns in das Süditalien seiner Kindheit, wo ihn seine Nonna Jahr für Jahr mit dem ewig gleichen Repertoire an Aufgaben erwartet. Diese Ein- und Rückblicke in die Familiengeschichte, deren Rätsel und vor allem Konventionen werden hier zwar oft ehrlich schonungslos, doch immer einfühlsam vermittelt. „Nonna“ ist ein zärtliches Buch, das ich gern gelesen habe, zumal es mich daran erinnert hat, welche Werte für meine eigene (und wohl irgendwie jede) Großmutter uns zu lehren wichtig waren. Bewegend!