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Vater und ich: Roman

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Als Ipek für ein verlängertes Wochenende ihren Vater besucht, weiß sie, dass er auf dem Bahnhofsplatz im Auto auf sie warten und sie nicht am Zug empfangen wird. Im Elternhaus angekommen sitzt sie in ihrem früheren Kinderzimmer, hört ihn im Garten, im Haus, beim Teekochen. Die Nähe, die Kind und Vater verbunden hat, ist ihnen mit jedem Jahr ein wenig mehr abhandengekommen, und mit der Nähe die gemeinsame Sprache. Ipek ist Journalistin, sie hat das Fragenstellen gelernt, aber gegenüber dem Schweigen zwischen ihr und dem Vater ist sie ohnmächtig. Dilek Güngör beschreibt die Annäherung einer Tochter an ihren Vater, der als sogenannter Gastarbeiter in den 70er Jahren aus der Türkei nach Deutschland kam. Sie erzählt von dem Versuch, die Sprachlosigkeit mit Gesten und Handgriffen in der Küche, mit stummem Beieinandersitzen zu überwinden. Ein humorvoller wie rührender Roman über eine Vater-Tochter-Beziehung, mit der sich viele werden identifizieren können.

108 pages, Kindle Edition

First published July 20, 2021

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Dilek Güngör

13 books6 followers

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2 (<1%)
Displaying 1 - 30 of 60 reviews
Profile Image for Meike.
Author 1 book5,033 followers
September 5, 2021
Longlisted for the German Book Prize 2021
This novel is like an iceberg: You know that most of its emotional truth exists under the surface - and there is lots of depth. Dilek Güngör tells the autofictional story of a journalist who tries to re-connect with her father, a man who came to Germany as a so-called guest worker ("Gastarbeiter") in the late 60's. and labored for many years in a factory as an upholsterer. Through his and his wife's hard work, he managed to save enough money to buy a house where he still does upholstery work in his little workshop. When his wife goes to spend three days in a wellness hotels with her friends, the narrator, Ipek, comes to visit her dad - the two of them have never been alone together for that long. This is a chamber play in which father and daughter struggle to connect, but not because of animosity or a lack of love, but because the father, who, at 21, fled a life of poverty where he was destined to become a small pistachio farmer (at least that's the version Ipek gathered), has never learned to express his feelings or even his very own wishes. Ipek, in turn, made very different experiences, grew up as a beloved child, moved to a big city, became an academic.

And then, there's language itself: Ipek used to speak Turkish with her father, but she did not have his vocabulary and ability to express herself; when she took classes at university while studying languages, she learnt a polished version of Turkish that contrasts with his rural dialect. Her "Aufstieg durch Bildung" (the German phrase means something like "climbing the social ladder through education") comes at the expense of widenening the gap between her and her parents, who never had the means to dedicate themselves to their personal development due to economic and societal restraints (a topic that connects the book to last year's Book Prize entry Streulicht).

If you compare this to the big books about changing social classes, Retour à Reims and En finir avec Eddy Bellegueule, it becomes apparent that the main difference is, apart from the important aspect of migration, that Ipek loves and respects her father - there is no hate or disgust. As a journalist, Ipek has lead many interviews with other guest workers and even turned these into an acclaimed radio series, but when it comes to her father, she does not know how to approach the subject, and that pains her, because she cares. To find common ground, she reverts to gestures, stories (İnce Memed 1-2-3-4 and Wie Mutlu Öztürk schwimmen lernen muss) and, most importantly, the gift of just being there, existing together with another human being, being present for her father in a dierct manner - and he is present for her. In a way that refers back to the simple, uncomplicated relationship they had when she was a child.

While there a many specific subjects in the text, the book still has a universal feel: There are many people who struggle to connect to family members of another generation, for various reasons, but many emotional aspects feel similar to what Güngör describes.

Seen in the context of the longlist, this is one of the many entries discussing family and history, and how identities are shaped between these factors. It's particularly worthwhile to compare this one to Helfer's Vati, Bazyar's Drei Kameradinnen, and Kracht's Eurotrash - and probably also to Der versperrte Weg: Roman des Bruders and Zu den Elefanten, novels that I have yet to read. And much like in Helfer's case, there lingers the question whether this is in fact a novel: Isn't this autobiographical writing? Autofiction? A memoir? Isn't all autobiography partly fictional? Does a book become a novel because the author declares it to be one? This discussion could already have been had when Herkunft won the Book Prize, a text that playfully underlines the contingency of life and fiction.

A fine entry for the longlist - not a winner, but a book that deserves the recognition.
Profile Image for Jin.
848 reviews148 followers
September 4, 2021
"Wir freuen uns, so beiläufig, so verdeckt, dass es keiner sieht.
Nicht einmal wir."


Eine kurze Geschichte über die Beziehung einer Tochter zu ihrem Vater, einer erwachsenen Frau zu ihrem alten Vater, der als Gastarbeiter nach Deutschland gekommen und auch geblieben ist. Was ich bewundernswert fand, war wie leicht und doch tief die Erzählsprache war. Ohne Schuld zu geben oder jede Gefühlsregung, jede Emotion beschreiben zu müssen, schafft sie es doch einen tiefgründigen, emotionalen Raum zu schaffen um diese komplexe Beziehung zwischen Tochter und Vater zu erkunden. Es ist auch nicht bloß diese Art der Beziehung, sondern auch die zwischen den Generationen der Migranten; die Kinder, denen Deutsch einfacher von den Lippen kommt, als die Eltern, dessen Herzen immer noch nach der Heimat sehnen. Das Buch ist relativ kurz, aber es trifft genau den richtigen Ton und Szenen um das Herz und den Kopf zu berühren.

"Ich will nicht anders sein. Ich will ich bleiben und du sollst du bleiben. Können wir wir selbst bleiben, den Abstand lassen und uns trotzdem nah sein?"


** Dieses Buch wurde mir über NetGalley als E-Book zur Verfügung gestellt **
Profile Image for Uralte  Morla.
370 reviews126 followers
October 14, 2021
Als sie klein war, war Ipek ihrem Vater sehr nahe. Sie haben zusammen getobt, gerauft, hatten ihre kleinen Rituale, ihre Insiderwitze. Doch irgendwann ist diese Vertrautheit verloren gegangen. Vielleicht mit Beginn der Pubertät, vielleicht auch nicht.
Jetzt ist Ipek erwachsen, arbeitet als Radiojournalistin in Berlin und besucht ihren Vater für ein paar Tage als die Mutter im Kurz-Wellness-Urlaub ist. Ipek hofft, die Stille zwischen ihr und ihrem Vater zu überwinden - und erkennt, dass es nicht nur er es ist, der schweigt.
Dilek Güngör hat mit "Vater und Ich" einen leisen, anrührenden Text über Kommunikation geschrieben. Von Sprachlosigkeit schreibt sie hier. Vom Schweigen und dem Abstand, der darin liegen kann. Aber auch von der Nähe, die es mit sich bringen kann.
Es geht auch um Sprache an sich. Wie wichtig sie ist, um einen Platz in der Welt und die eigene Identität zu finden.
Mir hat dieser kurze Roman sehr gut gefallen, viele Worte hallen noch leise nach.
(Besonders schön fand ich auch die Beschreibungen von Ipeks journalistischen Anfängen, ich habe mich darin sehr stark wiedergefunden.)
Eine herzliche Leseempfehlung!
Profile Image for Babywave.
357 reviews129 followers
December 31, 2025
Eine Geschichte, die Sprachlosigkeit ausdrückt. Wie entfernt sich Familie voneinander? Wieviel wissen wir über Menschen, die uns am nächsten stehen? Sollten wir Brücken schlagen oder eher zerschlagen? Dieses Buch findet keine Antworten und hat viele Leerstellen, die wir selbst füllen können. Dieser kurze Text richtet seinen Blick auf eine Vater-Tochter-Beziehung, die sich über Jahre hinweg verändert hat. Jedoch spürt man die ganze Zeit zwischen der Protagonistin und ihrem Vater ein zartes Band. Man empfindet diese zerbrechliche Beziehung und spürt, dass beide Personen Liebe in sich tragen und sie damit kämpfen, es irgendwie auszudrücken. Außerdem erfahren wir ein wenig über die Familie der Protagonistin. Wie ihre Eltern nach Deutschland immigriert sind. Die Schwierigkeiten, die sie wohl hatten, wurden am Rande angedeutet. Auch innerfamiliäre Konflikte werden kurz beleuchtet.
Der Autorin ist es wirklich super gelungen, all die unausgesprochenen Dinge zu zeigen, ohne sie direkt zu erzählen.
Das hat mir sehr gut gefallen.
Profile Image for Elena.
1,040 reviews418 followers
September 14, 2021
"Ich will nicht reden, ich will Nähe, Vaternähe. Ich will Vertrautheit, ich will Selbstverständlichkeit, ein gelassenes Beieinandersein ohne Druck auf der Brust, ohne ein Ziehen im Bauch, ohne die Stimme im Ohr, die einen Makel darin sieht, Versagen, Gefühlskälte, Gleichgültigkeit." - Dilek Güngör, "Vater und ich"

Als ihre Mutter gemeinsam mit drei Freundinnen zu einer Wellness-Woche verreist, nutzt Ipek die Gelegenheit, drei Tage alleine mit ihrem Vater zu verbringen - ohne die Mutter, die sonst als Puffer zwischen den beiden dient. Denn wo früher gemeinsames Lachen und Scherze die Regel waren, herrscht heute nur noch unangenehmes Schweigen. Ipek hat vor, diese Fremde, die zwischen ihr und ihrem Vater herrscht, in den Tagen allein mit ihm zu überbrücken - doch kann ihr das nach so langer Zeit der Stille gelingen?

Auf gerade einmal 100 Seiten zeichnet Dilek Güngör in "Vater und ich" ein berührendes Bild einer komplizierten Vater-Tochter-Beziehung, in der die gemeinsame Sprache verloren gegangen zu sein scheint. Die Autorin spickt ihr Buch dabei mit vielen sehr, sehr schönen Sätzen - und belässt es thematisch auch nicht nur bei der Beziehung zwischen Vater und Tochter, sondern flicht in die Familiengeschichte auch deren Hintergründe mit ein. Ipeks Vater kam in den 70er Jahren als sogenannter Gastarbeiter aus der Türkei nach Deutschland. Sowohl die Tochter, als auch der Vater haben mit Fragen bezüglich ihrer Identität zu kämpfen, auch Integration und Rassismus spielen eine Rolle - beispielsweise behauptet Ipek in der Schule, dass sie kein Türkisch könne, um sich vor Vorurteilen zu schützen. Dieses Motiv der fehlenden Sprache sowohl zwischen Vater und Tochter, als auch in der Gesellschaft fand ich besonders gut umgesetzt.

Dilek Güngör hat mich mit ihrem Roman bewegt und aufgewühlt. Ich mochte ihren Stil, ich mochte ihre Figuren - und hätte sie gerne noch so viel länger begleitet, als nur diese 100 Seiten. Der Geschichte fehlt es an nichts, nur würde ich unglaublich gerne erfahren, was nach diesen drei Tagen passiert ist und genauer in die Zeit davor eintauchen. So lag in dieser Kürze zwar viel Gefühl, das jedoch durch Länge noch hätte intensiviert werden können. Nichts desto trotz finde ich es ganz wunderbar, dass ich "Vater und ich" durch die Nominierung für den Deutschen Buchpreis für mich entdecken durfte.
Profile Image for mari_liest.
317 reviews
January 22, 2022
„Sie spricht oft für dich, sie füllt mit ihrer Stimme den raum, aus dem du dich zurückziehst. Kommt dir das gelegen? Mir ja, mit ihr spreche ich wie von selbdt, gedankenlos. Drum frage ich sie, wenn ich dich fragen will, sie spricht für dich, und sie spricht üb er dich, als wärst du erst sieb en, schüchtern, scheu und unbeholfen.“
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Da die Mutter mit ihren Freundinnen auf Wellnessurlaub ist, fährt Ipek über ein verlängertes Wochenende zu ihrem Vater Haydar nach Hause. Ipek möchte gerne wieder wie früher mit ihrem Vater sprechen. Unbeschwert lachen. Die Sprachlosigkeit überwinden. Das nicht gesagte sagen. Die Nähe, die irgendwann zwischen ihnen verloren ging, wiederherstellen und fühlen. Mit gemischten Gefühlen trifft sie auf ihren einstigen Vertrauten, ihren Spielkameraden.
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Wie nähert man sich dem eigenen Vater (wieder) an? Wie stellt man eine Bindung wieder her, die einst verloren ging? Wie findet man den Draht zum Vater wieder, wenn doch die Mutter alles für ihn „übersetzt“ und fast als Katalysator zwischen den beiden wirkt? Wie überwindet man die Kluft, die zwischen den Generationen liegt?
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Ein kurzer Happen war dieses Buch leider nur … kommt es aber dennoch sehr leise und zart daher. In kurzen Erinnerungsfetzen erzählt Güngör von der Annäherung einer Tochter an ihren Vater. Die webt das erlebte Wochende in Ipeks Kindheitserinnerungen ein, an die wenigen Informationen, die Ipek über ihren Vater hat, der in den 70er Jahren aus der Türkei nach Deutschland floh. Ipek, die bei den einzelnen Versuchen der Annäherung immer wieder an ihre Grenzen stößt. Mit Charme, auf leisen Sohlen und etwas Humor fällt man als Leser*in in die Geschichte, die kaum viel Handlung hat, aber stark von den kleinen Gesten lebt.
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Das Buch war 2021 auf der Longlist des Deutschen Buchpreises und ich finde, es war dort zurecht. Mit einer feineren Klinge kann man die gefühlte Distanz bzw. das Herumgeschleiche umeinander nicht sezieren und auf den Punkt bringen.
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Leseempfehlung!
Profile Image for Conny.
616 reviews87 followers
January 22, 2022
Ein Vater und seine erwachsene Tochter, ein Wochenende im Elternhaus, die gesprächige Mutter weit weg im Wellnessurlaub: Die Gespräche stocken, die Zeit verrinnt nur langsam. Die Nähe, die Vater und Tochter früher einmal verbunden hat, ist ihnen abhandengekommen. Obwohl sie Journalistin ist und vom Fragenstellen lebt, wollen ihr keine Fragen an ihren Vater einfallen. Doch an diesem Wochenende will sie die Sprachlosigkeit überwinden – oder eine andere, gemeinsame Sprache finden.

Ich denke, dass sich viele in dieser Erzählung wiederfinden können. Vielleicht nicht unbedingt in dieser Konstellation; doch aus verschiedenen Gründen kann es schwierig sein, eine Beziehung zu Familienmitgliedern anderer Generationen aufzubauen. Hier kommen ausserdem die unterschiedlichen kulturellen Lebensrealitäten hinzu: Die Eltern kamen damals als Gastarbeiter aus der Türkei nach Deutschland, die Tochter ist bereits grösstenteils hier aufgewachsen. Dilek Güngör hat ein einfühlsames kleines Buch geschrieben über die Gräben, die sich auftun – und die überwunden werden wollen.
Profile Image for Julia (wortknistern).
319 reviews169 followers
September 30, 2021
Eigentlich wollte ich gar nicht beim #longlistlesen mitmachen, aber dann habe ich einen Blick in das Leseprobenheft geworfen und Dilek Güngörs "Vater und Ich" war eines von zwei Büchern, die mich total angesprochen haben.
In "Vater und Ich" geht es um die Journalistin Ipek, die für ein verlängertes Wochenende zu ihrem Vater fährt und die Sprachlosigkeit, die sie und ihren Vater verbindet, beschreibt.
Dilek Güngör hat es geschafft, auf kürzestem Raum die Geschichte einer komplexen Vater-Tochter-Beziehung zu erzählen, die mich persönlich total berührt hat.
Für mich war die Erzählung sehr zart und liebevoll, immer wieder waren da Sätze oder Abschnitte dabei, die bei mir direkt ins Herz getroffen haben. In diesen nur knapp hundert Seiten steckt so viel drin, ohne irgendwie überladen zu sein oder Dinge offen zu lassen.
Ich mochte es sehr gern und kann es nur empfehlen. Und: jetzt möchte ich unbedingt noch das erste Buch von Dilek Güngör lesen!
Profile Image for Charlie.
772 reviews25 followers
December 14, 2025
3.25 STERNE

Hat mit gut gefallen und ich konnte mich in der Erzählung über die Sprachlosigkeit zwischen Vater und Kind sehr gut wiederfinden. Trotz mehrheitlichem Schweigen ist die Geschichte aber auch voll von Liebe, auch wenn sie manchmal ein bisschen versteckt ist. Vielleicht ist das auch irgendwie eine fast schon universelle Erfahrung mit Vätern. Ich zumindest konnte Ipek's Bedürfnis sehr gut nachvollziehen, irgendetwas zu sagen, eine Konversation zu führen und gleichzeitig aber eine schier vollkommene Unfähigkeit, Worte herauszubringen.
Profile Image for Michael Bohli.
1,107 reviews55 followers
January 19, 2022
Ein Vater und seine Tochter, drei Tage zusammen im Elternhaus - wie lässt sich diese Zeit bloss aushalten. Mit "Vater und ich" hat Dilek Güngör ein sanftes und hübsches Buch geschrieben, das sich zwischenmenschlichen Beziehungen und alltäglichen Komplikationen in der Familie widmet. Ob Migrationshintergrund oder nicht, vieles lässt sich auf das eigene Leben übertragen und erhält dadurch trotz der Kürze des Textes eine interessante Tiefe. Für das Herz und den Kopf gleichermassen geeignet.
Profile Image for j k.
92 reviews1 follower
March 6, 2025
"Überall fehlen mir die Worte, in deiner Sprache, in meiner Sprache und mit dir sowieso."
Profile Image for Ulla Scharfenberg.
156 reviews237 followers
July 3, 2023
Kann ein Buch, das traurig ist, einen gleichzeitig glücklich machen? Ja, "Vater und ich" von Dilek Güngör ist so ein Buch.

Ipek zog weg aus der Kleinstadt, wurde Journalistin in der Sprache, die ihr Vater, der als türkischer "Gastarbeiter" nach Deutschland kam, nie richtig gelernt hat. Die Eltern kauften eine Werkstatt, nachdem sie die jahrelange Fabrikarbeit aufgegeben hatten. Die Mutter näht, der Vater polstert. Jetzt ist die Mutter für ein paar Tage verreist, im Wellnessurlaub mit Freundinnen, und Ipek besucht den Vater, hält das Schweigen aus, kann die Stille nicht füllen. Ipek erinnert sich an ihre Kindheit, daran, wie sie und ihr Vater sich immer fremder wurden.

"Vater und ich" handelt von der Sprachlosigkeit zwischen Vater und Tochter, zwischen den Generationen, aber auch zwischen der Gastarbeiter*innen-Generation und ihren Kindern, deren Zweissprachigkeit nicht immer bedeutet, Wörter in beiden Sprachen finden zu können.

"Vater und ich" handelt aber auch davon, wer spricht in diesem Land und wer schweigt, wer redet und wer zuhört, über wen gesprochen wird und wem zugehört wird.

"Geschwiegen haben wir und weggehört, die anderen haben geredet. Meinten wir, unser Schweigen könnte uns beschützen, das Böse würde einfach an uns abprallen, wenn wir nur den Mund geschlossen hielten?"

"Vater und ich" hat knapp 100 Seiten, es entfaltet seinen Zauber am besten, wenn man es in einem Rutsch liest. Es ist dicht und kraftvoll und dabei leise und traurig. Es wie ein Geschenk, das man nicht erwartet hat, und das einen dadurch nur umso glücklicher macht.
Profile Image for Klara.
134 reviews40 followers
October 19, 2021
Aus irgendeinem Grund war Dilek Güngörs "Vater und ich" der Titel, der mich von der Buchpreis-Longlist als erstes angesprochen hat. Vielleicht lag es am Cover, vielleicht am Klappentext, vielleicht auch daran, dass mich Literatur zu Migration und Familie grundsätzlich sehr interessiert. Trotzdem waren meine Erwatungen moderat: Wie viel konnte schon in einem so kurzen Büchlein stecken?
Nun, es war viel mehr, als ich zu hoffen gewagt hatte. Dieser Roman hat mich begeistert.

Während Ipek versucht, herauszufinden, welche Beziehung sie zu ihrem Vater noch hat und haben kann, seit sie erwachsen geworden ist und die kindlichen Spielereien mit ihm ein Ende gefunden haben, entdeckt man als Leserin Sätze wie: "Wir freuen uns so beiläufig, so verdeckt, dass es keiner sieht. Nicht einmal wir." oder "Besser dem anderen eine Last als dem anderen nichts zu sein." und hinterfragt ganz nebenbei jede familiäre Beziehung im eigenen Leben.

Mich mit langen Familienromanen zu fesseln ist einfach. Mich mit einem kurzen Buch so zu berühren, obwohl die Figuren so wenig Zeit haben, Persönlichkeiten zu entwickeln und mich an sich zu binden, ist verdammt schwer und kommt selten vor. Dilek Güngör hat es geschafft. Mit einfacher und doch treffsicherer Sprache, mit einem relevanten Thema und mit einem Buch, das wirklich nicht zu viel, aber eben auch nicht zu wenig sagt.
Große Leseempfehlung meinerseits.
Profile Image for Mina.
190 reviews23 followers
November 19, 2021
Ein kleiner Snack für zwischendurch, der es in sich hat! Dilek Güngör geht in "Vater und ich" der Frage der Kommunikation nach, in diesem Fall zwischen Tochter und Vater. "Wann haben wir aufgehört, miteinander zu sprechen?" fragt sich Ipek, die mit ihrem Vater in der Kindheit ein enges Verhältnis hatte, welches sich im Jugendalter nicht fortsetzte, sondern immer mehr von Wortlosigkeit geprägt war. Die Mutter, die mit ihrer Redseligkeit als Bindeglied zwischen den beiden fungiert, fährt auf einen Wellnessurlaub mit Freundinnen. Ipek sieht dies als Chance, drei Tage lang mit ihrem Vater alleine zu sein und den Zugang zu ihm wiederzufinden, die Verbindung zwischen ihnen wiederzuentdecken.

Dilek Güngör bildet mit unglaublicher Feinfühligkeit und Beobachtungsgabe die konkreten Gesprächssituationen zwischen Vater und Tochter ab, die lauernde Unsicherheit zwischen mühsam ausgetauschten Floskeln, die Zweifel im Ungesagten, die gefühlte Fremdheit, der sich Ipek zu stellen versucht. Im Laufe der Erzählung spürt Ipek immer mehr, worin eigentlich das Besondere, das Vertraute in ihrer Beziehung zum Vater liegt und die erfüllende Erkenntnis schleicht sich ganz sanft und hoffnungsvoll ein, was mich am Ende ganz gerührt zurückließ.

Ich habe mich oft in Ipek wiedergefunden, wie sie Dinge hinterfragt und totdenkt, wie sie eigentlich viel mehr fragen und sagen will, es aber irgendwie nicht kann. Von außen gesehen wollte ich die beiden schütteln und aufrütteln, tatsächlich aber musste ich mir eingestehen, dass ich und wohl jeder solche Situationen kennt mit Menschen, die wir lieben, denen wir uns dennoch nicht mit Haut und Haaren öffnen können.

Ein tröstliches Buch voller Erkenntnis. Vielen Dank, liebe Dilek Güngör!
Profile Image for Vera✨.
81 reviews3 followers
March 27, 2025
„Lieber schweige ich und gräme mich darüber, statt Worte aufzusagen, die man eben sagt, wenn man etwas sagt. Lieber nehme ich in Kauf, dass du verlegen wirst, beschämt, deinen Versuch bereust, als dass ich etwas tue, was sich für mich nicht echt anfühlt.“ (Seite 82)

Dieser Roman ist so klug und dicht geschrieben, das hat wirklich großen Spaß gemacht. Zunächst dachte ich, ich könnte ihn zügig auslesen, aber das Thema ist literarisch so tiefgründig und fantastisch bearbeitet, dass ich oft auf den Seiten verweilte und ganz bewusst Pausen einlegen musste, damit die Worte in mir arbeiten und nachklingen können. Ein kluger Roman über eine vertraute, schwierige Beziehung voller unausgesprochener Zuneigung und Hilfslosigkeit.

„Ich fühle mich selbst so, als wäre ich sieben. Nicht nur in diesem Moment mit den Märchen auf dem Schoß, immer, wenn ich hier bin. Für mich sind wir aus dem Dreieck Mutter, Vater, Kind, nie herausgekommen, sind, wenn wir zusammen sind, nicht drei Erwachsene an einem Tisch. Wenn wir uns sehen, ganz egal, ob Mama dabei ist oder nicht, stellt sich das einzige Gefühl ein, dass es für mich zwischen Eltern und Kindern gibt: ihr seid groß und ich bin klein. Du bist der Papa und ich das Kind.“ (Seite 37)
Profile Image for Julia Modde.
464 reviews23 followers
November 13, 2021
Dieses kleine Buch zeichnet so berührend genau die Beziehung zwischen erwachsenen Töchtern und ihren Vätern nach, aber mit viel Liebe und Respekt. Fantastisch. Und erweitert dazu diese allgemeine Geschichte auf liebevolle Art und Weise um eine Herkunftsgeschichte. Ein tolles Buch!!

📚🫂 November 2021
Profile Image for ➸ Gwen de Sade.
1,226 reviews112 followers
February 21, 2022
Unglaublich was Dilek Güngör für eine Atmosphäre und Emotion erschaffen kann, und das durch ausschließliche Benutzung kurzer und pragmatischer Sätze. Ich bin wirklich beeindruckt und werde auf jeden Fall noch weitere Werke der Autorin lesen.
Profile Image for Liane.
57 reviews15 followers
October 2, 2021
Spannendes Buch. Ich habe mich gut unterhalten gefühlt.
Profile Image for Sandra.
139 reviews64 followers
October 12, 2021
"Vater und ich" von Dilek Güngör ist eine gefühlvolle Introspektive über das Ungesagte zwischen Familienmitgliedern, über komplizierte Liebe zwischen Kindern und Eltern und über die Bewältigung des Unbekannten in der Fremde.
Der kurze Roman bearbeitet gehaltvolle Themenkomplexe wie Sprache und Sprachlosigkeit im Angesicht von großen Gefühlen – sowohl positiv als auch negativ –, und analysiert den Umgang mit Familienmitgliedern angesichts der eigenen, stark divergierenden Identität.
Frau sein, selbstständig sein, deutsch sein – und Tochter sein, das vereinbart sich alles nicht so gradlinig und einfach. Güngör beschreibt Emotionen und Konflikte in einem packenden, sanften, freundlichen Stil.
Fast wie ein Liebesbrief an den Vater ließt sich das Büchlein, geschrieben in der ich- und du-Perspektive. Zeitgleich spürt man eine gereifte Trauer, die der Protagonistin jahrelang innewohnt, und eine starke Liebe zum Beschriebenen. Gedacht habe ich an Caleb Azuman Nelson und Deniz Ohde.
In einem Hauch ist es gelesen. Hallt allerdings viel länger nach.

Für Freunde komplexer Introspektiven und emotionaler Familiendynamiken eine uneingeschränkte Leseempfehlung.
Profile Image for Damla.
92 reviews9 followers
August 2, 2021
Dilek Güngör kann so treffend beschreiben, wie sich Menschen mit Migrationshintergrund fühlen. Menschen, die zwischen und mit zwei Kulturen aufwachsen. Sie versteht es, die Gedanken der Protagonistin so poetisch zu beschreiben, sodass man eingesogen wird in die Geschichte und nicht mehr aufhören kann weiter zu lesen. Eines meiner Highlights des Jahres!
Profile Image for Arabi.
4 reviews3 followers
June 2, 2022
- solide 4,5 sterne
- konnte mich gut mit ipek identifizieren und greift die typischen erfahrungen auf, die man als migra 2. generation erfährt
- hätte noch ein ende gewünscht was über die 3 tage hinaus geht
Profile Image for Marielle.
11 reviews1 follower
January 2, 2022
Es ist so kurz, dass oft verwirrende Sprünge gemacht werden und ich hin und wieder nicht wusste worum es geht oder wer gerade spricht.
7 reviews
October 15, 2025
eine sehr berührende Erzählung über eine Vater-Tochter Beziehung, die auch für mich, obwohl ich ein denke ich sehr gutes Verhältnis zu meinem Vater habe, extrem relatable war. so viele Fragen, keine Antworten und trotzdem irgendwie ganz viel Liebe.
Profile Image for Jule.
348 reviews15 followers
September 9, 2025
Feinsinnig und liebevoll erzähltes Portrait einer Vater-Tochter-Beziehung
Profile Image for Anna.
627 reviews41 followers
December 19, 2024
This short, contained, quiet novel is told from the perspective of a daughter visiting her father. They don't really know how to be together, and all emotion lies dormant under every day routine. Yet from the way she thinks about him, from the things left unsaid, the choices unmade, we understand both the depth of the familial love and the abyss between father and daughter. I was moved and enjoyed the novel very much.
Displaying 1 - 30 of 60 reviews

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