Besiegt, zerschlagen, verschleppt – Silian leidet fern seiner Heimat als Kriegsgeisel im fremden Land. Immer wieder flieht er ans Meer, seinen Sehnsuchts-Ort, und träumt sich in eine verzauberte Unterwasserwelt, in der er als Meermann den Ozean durchstreift. Doch da ist einer, der beharrlich immer wieder hinter Silians Träume blickt: Jarno, der ehemalige Soldat mit dem thaumaturgischen Bein. Jarno, der trotz seiner Verstümmelung immer noch lachen und hoffen kann.
Ein königlicher Berater, der mit beiden Beinen auf dem Boden steht, und ein Träumer? Kann das gutgehen? Und wird Jarno Silian in die wirkliche Welt zurückholen können, ohne seine Träume zu zerstören?
Hätte Ulla von "Ulla liebt Bücher" nicht so eine begeisterte Rezension geschrieben, ich hätte dieses Buch wohl ignoriert, einfach weil mich weder das Cover noch der Klappentext angesprochen haben. Immerhin suggeriert der Beginn des Klappentextes eine deutlich andere Ausgangslage, als die Erzählung schließlich präsentiert. Zum Glück möchte ich anfügen. Jedenfalls: Ich bin froh, dass ich Ulla gefolgt bin, sonst hätte ich was verpasst. Die Geschichte um die beiden Männer ist gut erzählt, auch wenn mir Silian um Welten zu naiv ist, ich mochte Jarno wesentlich lieber und habe schnell zu ihm Zugang gefunden. Er war meine Identifikationsfigur in diesem Buch.
Die treibende Kraft hinter allem Ungemach war für mich nicht schwer zu entschlüsseln, die Motivation dieser noch weniger. Das war mir einen Ticken zu einfach. Wie schon bei anderen Geschichten von Tina Alba hätte ich mir insgesamt in der Handlung mehr Tiefgang gewünscht, die Konflikte, von denen es ja einige gibt, werden mir zu oberflächlich abgehandelt. Doch diese hier zu besprechen würde zu tief spoilern. Trotzdem macht die Geschichte Freude und gibt mir die Gelegenheit in eine sorgfältig und mit viel Liebe gestaltete Fantasy-Welt einzutauchen. Dafür kann Jarno um so mehr glänzen, er ist meiner Meinung nach der bisher beste Held, der aus Tina Albas Feder geflossen ist. Stark, pragmatisch, emphatisch, klug und sehr bodenständig. Er gefällt mir sogar besser als Thalion aus "Windflug" und das will was heißen :-) .
Fazit, eine schöne Geschichte mit zwei sympathischen Hauptfigur, die die sie auch über den einen oder anderen Stolperstein tragen. Satte vier Sterne.