Sie schnauft bei jeder Treppenstufe, bricht bei der kleinsten Anstrengung in Schweiß aus und wird beim Radfahren von Rentnern überholt. Sie hat Angst vor Spinnen, Hunden, Gewitter, tiefen Seen, steilen Höhen und sie ist nachtblind. Außerdem hasst sie Berge. Nur Cola und Kaktus-Eis können sie beim Aufstieg besänftigen. Trotzdem geht Rebecca Maria Salentin eines Tages einfach los, bepackt mit Rucksack, Zelt und Kocher, um 2 700 Kilometer weit zu laufen. Auf dem Internationalen Bergwanderweg EB von Eisenach nach Budapest ( "Weg der Freundschaft") erobert sie sich den Boden unter den Füßen zurück, nachdem sie im Jahr zuvor fast alles verlor. Was ihre Freunde und Freundinnen. Zusammen bilden sie den Klub Drushba. Denn Drushba heißt Freundschaft.
Ein Buch, dass ich schlussendlich mit gemischten Gefühlen beendet habe.
Die Autorin erzählt in diesem Reise-"Roman" wie sie zu Fuß(!) ﹰﹰdie 2700 km von ﹰEisenach bis Budapest bezwingt - und das ohne Vorkenntnisse, sonderliche Fitness und auch noch mit einer chronischen Krankheit im Nacken. Das verdient Respekt und Anerkennung und auch ihr Schreibstil lässt einen dieses Abenteuer mitfühlen und man fiebert etappenweise mit, ob Rebecca es doch noch in den nächsten Ort schafft - oder ob sie bei Sturm und Regen dann doch im Wald fest sitzt.
Nun leider zum ernüchternden Teil des Buches .... zumindest für mich ... Ich hatte mich auf einen tollen Reisebericht über einen mir bis Dato unbekannten Europa Wanderweg gefreut, bekommen habe ich.... den Selbstfindungstripp einer netten Frau Anfang 40 , inklusiver aller Lebensdramen und Eskapaden die eine so lange Reise mit sich bringt. Manchmal humorös geschrieben, manchmal etwas zu melodramatisch .... Und manchmal einfach zu viel "Johann".
Als netter Roman zu empfehlen, als Planungshilfe oder Inspiration für den nächsten Thru-Hike leider definitiv nicht.
Ein zweites Mal werde ich dieses Buch wohl nicht in die Hand nehmen und das ist für einen Reisebericht doch recht schade.
Sprachlich sehr schön geschrieben. Interessant fand ich einige kulturelle Hintergrundinfos zu den durchwanderten Gegenden und rund um den EB allgemein, der sicher einer der eher vergessenen Fernwanderwege Europas ist. Inhaltlich größtenteils unterhaltsam, aber tatsächlich kein reines Wander(er)buch, sondern auch viel Autobiographisches.