Die abenteuerliche Geschichte Trinkets und seinen sieben Frauen
Immer mehr gerät unser Held Trinket in eine Zwickmühle, die er sich selbst aufgebaut hat. Seine wechselnden Loyalitäten zum Kaiser Kangxi, zu den Triaden und zu den Mitgliedern der Mystic Dragon-Sekte verstrickt ihn schließlich in ein unlösbares Dilemma. Er muss sich entscheiden, und bei dieser Entscheidung stehen sein Rang, seine Familie und sein Leben auf dem Spiel.
Deutlich stärker als im ebenso gekürzten zweiten Band spürt man hier die Raffung - manche Episoden, gerade beispielsweise die Russland-Szenen, wirken sehr hastig und im Vergleich zum Rest der Geschichte wie Fremdkörper. Insgesamt fühlt sich Band 3 wie eine Zusammenfassung an. Das entzieht der Atmosphäre doch einiges an Kraft, und deshalb fällt die Bewertung auch schwächer aus als Band 1 und 2, obwohl auch dieser Band gut unterhält. Immer deutlicher wird auch, dass dieser Roman zwar einerseits ein perfekt funktionierender Wuxia-Roman ist, gleichzeitig aber auch eine Parodie auf das Genre - der ungembremste Aufstieg Trinkets, der nicht aus Können und Ehrenhaftigkeit, sondern aus purem Glück und Tricksereien rührt, und der Charakter Trinkets, der so überhaupt nichts mit der für das Genre so zentralen Welt der Flüsse und Seen gemein hat, deuten darauf hin. Auch die bedeutende Position, die Frauen in diesem Roman einnehmen und oft genug, wie im Falle Ah Kors oder Doublets, den gestandenen Männern die Show stehlen, sowie die den ganzen Roman durchdringende Sexualisierung, die ansonsten im Genre ein Tabuthema ist, bekräftigen die Sonderstellung des Texts.
Tragisch, dass ein so toller und unterhaltender Roman im Westen nur in gekürzter Form eine Chance hat. Schade, dass die Übersetzer sich nicht zu einer vollständigen Fassung durchringen konnten. Mir als Leser werden die verrückten Protagonisten, vom Antiheld Trinket über Doublet und Ah Kor, bis hin zu Kangxi, Whiskers Mao und den beiden Dhutas, lange in Erinnerung bleiben. Vielleicht erreiche ich mal das Niveau in chinesischer Sprachfertigkeit soweit, dass ich den Roman im Original lesen kann. Das Gesamtwerk Jin Yongs wäre es sicherlich jedem Freund von Abenteuerliteratur wert, allein dafür chinesisch zu lernen.