Die Autorin schildert Chancen und Probleme in sozialen Beziehungen und seelische Schwierigkeiten, die bei hochbegabten Kindern und Erwachsenen auftreten können. Sie zeigt Auswege aus der krisenhaften Erfahrung des »Andersseins« auf.Etwa zwei Millionen Kinder, Jugendliche und Erwachsene (!) in Deutschland gelten als hochbegabt. Sie können nicht nur intellektuelle Höchstleistungen in verschiedenen Bereichen erbringen, sondern sind in der Regel auch auf emotionaler und sensorischer Ebene überdurchschnittlich empfindsam.Fallbeispiele und Hintergrundinformationen geben Einblick in die Besonderheiten des emotionalen Erlebens, der Sinneswahrnehmung, der sozialen Beziehungen und der Bewältigung des Alltags. Gefühle des Andersseins, emotionale und sensorische Überempfindlichkeit können bei hochbegabten Kindern und auch bei Erwachsenen Probleme verursachen, die das soziale Miteinander erheblich erschweren. Nicht selten wird das Faktum der Hochbegabung verdeckt durch eine übersensible Persönlichkeitsstruktur, die oft auch als Störung diagnostiziert wird. Diese Aspekte transparent zu machen, typische Persönlichkeitsmerkmale bei Hochbegabten herauszuarbeiten und förderliche Umgangsweisen aufzuzeigen ist das Ziel der Autorin. Sie will Psychologen, Therapeuten, Ärzten und Pädagogen ein differenziertes Verständnis für hochbegabte Menschen vermitteln und auch Betroffenen helfen, sich selbst besser zu verstehen.
Eigentlich ein guter und fundierter Gedanke, solch ein Buch zu veröffentlichen. Allerdings haben mir sehr die Schlussfolgerungen und analytische Leistung gefehlt. Im Grunde ist es eine sehr repetitive Anreihung von Beispielen, was eher sehr ermüdend ist. Möglicherweise ist es für Menschen, die absolut gar keine Vorstellungen von diesen "Eigenschaften" haben eine hilfreiche Einführung.
Hoch sensibel kann aus dem Titel raus. Es wird eher als Begleiterscheinung von Hochbegabung nebenbei erwähnt und bekommt wenig Beachtung oder Stellenwert - das fand ich besonders schlimm. Dieser Begriff wird wie ein Anhängsel hin und wieder im Buch mitgeschleppt, wo scheinbar höheres Verständnis stark fehlt. Wer also überlegt, dieses Buch zu lesen wegen des Zusatz "hoch sensibel", dem rate ich stark ab, denn die differenzierte Betrachtung fehlt gravierend. Das Buch ist generell nicht sehr sensibel oder nuanciert, es sind eher grobe und oberflächliche Betrachtungen.
Positiv aber, das betont wird, wie wenig es zu hochbegabten Erwachsenen gibt, diese aufzufangen, wenn in der Kindheit nichts nachgegangen oder früh entdeckt wurde.
Trotz des Versuchs, die Vielseitigkeit in der Äußerung von Hochbegabung darzustellen, verfehlt es für mich den Zweck, da die Reihung klischeehafter Beispiele immer noch starre Form vorgibt, statt die grundlegenden Systeme zu analysieren.
Dennoch 3 Sterne für die Bemühung, das Thema und den Leidensdruck zu beleuchten. Es erweckt den Eindruck in aufrichtiger guter Absicht entstanden zu sein.
Ein faszinierendes Buch, geeignet auch für nicht-fachkundige wie mich, die das Thema einfach interessiert. Frau Brackmann beschreibt die Mechanismen der Hochbegabung und ihre Wechselwirkung mit verschiedensten psychischen Störungen sehr anschaulich und anhand von eingehenden Beispielen aus ihrer jahrelangen Erfahrung als Psychotherapeutin. Sie hinterfragt dabei unsere Sichtweise auf "Störungen" wie Autismus und weckt Zweifel an den geltenden Normen in der Behandlung von solchen. Auch Jahre nach der Veröffentlichung noch immer ein brandaktuelles Thema, welches in der Gesellschaft jedoch oft totgeschwiegen wird.