Ein großer Roman über Fremdsein und Selbstbehauptung und die lebensrettende Kraft des Erzählens.
1942 fährt eine Norwegerin nach Vorarlberg. Sie ist schwanger. Eigentlich wollte sie hier ein neues Leben beginnen mit ihrem Verlobten, einem Wehrmachtssoldaten. Doch alles kommt anders. Für sie und für ihren Sohn, Heinz. Schlimmer. Ein brillanter Roman über einen Menschen, der sich nicht brechen lässt. Und die berührende Liebeserklärung eines Sohnes an seine Mutter.
Das einzige, was Heinz Fritz mit Gewissheit von seiner Mutter weiß, sind die Stationen ihrer ersten langen Reise: Oslo - Kopenhagen - Berlin - München - Hohenems. Verbürgt ist sie durch ein Schriftstück, das er sein Leben lang bei sich trägt: ein Dokument des SS-Lebensborn. Die Norwegerin hat sich mit dem Feind eingelassen. Und sie hat dem Falschen vertraut. Denn als sie in Österreich ankommt, wird sie nicht willkommen geheißen von der Familie ihres Verlobten, sondern abgewiesen. Zurück kann sie auch nicht, denn in Norwegen gilt sie nun als Kollaborateurin ... In einer großen, kompromisslosen Selbstbefragung versucht der Erzähler des Romans - ihr Sohn -, die Rätsel seiner Herkunft zu lösen, die Wahrheit über seine Eltern freizulegen. Es ist eine Spurensuche, an deren Ende sich noch einmal alles dreht. Und eine zweite, »hellere« Version der düsteren Geschichte aufscheint.
Alois Hotschnig (born 3 October 1959) is an Austrian writer, whose stories have been described as having "the weird, creepy, and ambiguous quality of disturbing dreams". He was winner of the Erich Fried Prize in 2008, and shortlisted for the Jan Michalski Prize for Literature in 2010.
Puh, normalerweise bewerte ich meistens Inhalt vor Form, und der Inhalt war nicht ganz so furchtbar, aber diesmal hat mich stilistisch so viel extrem genervt, dass ich bedauerlicherweise einen bösen Verriss produzieren muss.
Ich kann ja mit vielen Stilmitteln umgehen wie Jugendsprech, abgehackter Sprachstil etc., aber wenn hier die Sprach- und Erzählqualität eines Schulaufsatzes, respektive von einem sehr schlechten Schüler präsentiert wird, der in der Unterstufe des Gymnasiums in Deutsch mindestens eine Klasse wiederholen, in die Hauptschule gehen oder dringendst sehr viel teure Nachhilfe besorgen sollte, dann ist mein Verständnis nicht mehr vorhanden und meine Duldungsfähigkeit ausgereizt.
Was ich konkret kritisiere, das sind nämlich sehr viele Schnitzer, die allem widersprechen, was man gemeinhin als guten Schreibstil und gutes Schreibhandwerk bezeichnet, dieser Roman verstößt gegen alle Regeln gleichzeitig.
Erstens: extrem mühsam permanente inhaltliche Redundanzen machen mich wahnsinnig, aber die Redundanzen sind auch innerhalb der Sätze, wie lang der Autor herumschreibt, bis er ein einfaches Ereignis mehrfach mit anderen Worten beschreibt.
Zweitens und drittens: Inflationäre Wortwiederholungen zehn Sätze hintereinander dasselbe vermaledeite Wort und dann auch nur Hauptsatzkonstruktionen. Wie ein Unterstufen-Schüler, der noch nie gelernt hat, einen anständigen Text zu schreiben. Auch erfordert der Inhalt überhaupt nicht, so einen schlechten Stil zu präsentieren, weil beispielsweise aus der Sicht eines Kindes formuliert wird. NeinNein, diese unglaublich handwerkliche Schwäche ist nicht gewollt, passt auch nicht in den Plot und ist eindeutig dem Autor zuzuschreiben.
Damit Ihr wisst, warum ich so fuchsteufelswild bin, möchte ich das ganze Mal nur an zwei Absätzen demonstrieren, die sich permanent im ganzen Roman alle gleichen.
„Davon und vom Gasthof Habsburg in Hohenems hatte er immer wieder gesprochen. Von Menschen in diesem Haus wurden Flüchtenden geholfen. Vom Gasthof Habsburg aus sind die zunächst im Landhaus gelandet. Und ins Landhaus sind dann die Schweizer gekommen, die sie dort abgeholt haben, die Fluchthelfer. Das Landhaus lag mitten in den Feldern der Landstraße und war gut geeignet als erste Strecke auf dem Weg hin zur Grenze, nur noch ein paar Hundert Meter waren es von dort bis zum Alten Rhein. Nach dem Krieg ist es abgebrannt, lange danach.“
"Wie die Valduna war auch die Liebfrauenkirche eine Burg. Und die wollte sie sehen, das erste Mal als meine Mutter mit mir in eine Kirche gehen wollte. Über einen steilen Serpentinenweg stiegen wir den Berg hinauf. Von dort oben sahen wir das Land ringsherum. Diese Kirche war für mich ein markantes Zeichen auf dem Weg zur Valduna. Rankweil ist diese Kirche. Wenn man an Rankweil denkt, denkt man an die Liebfrauenkirche und die Valduna gleich hinter Rankweil.“
Also seid mir nicht bös, aber wenn Ihr bei so einem Stil kein Nicht Genügend vergeben wollt, dann wärt Ihr als Kritiker und Lehrer einfach zu milde. :D
Inhaltlich, nachdem ich verärgert die Redundanzen mühsam geistig weggestrichenen habe, ist der Plot nicht ganz so furchtbar wie Sprache und Stil, aber auch hier zeigen sich massive Schwächen, denn auch dramaturgisch ist das Ende äußerst unbefriedigend.
Fazit: Völlig entbehrlich – ich erzähle Euch nicht mal, worum es geht, es lohnt sich nicht, denn ich habe schon lange keine so dringende Lesewarnung aussprechen müssen.
„Der Silberfuchs meiner Mutter“ von Alois Hotschnig ist in vielerlei Hinsicht kein einfaches Buch. Nein vielmehr ist die Lebensgeschichte von Heinz, dem in Österreich geborenen Sohn einer norwegischen Mutter und eines Wehrmachtsoldaten, wirklich schwere Kost und der für mich sehr sperrige Stil des Autors machte mir das Buch auch nicht zugänglicher. Die Grundlage für das Buch bildet das Leben des Schauspielers Heinz Fitz (der Protagonist heißt Heinz Fritz), allerdings sagte mir auch der Name nichts, ich bin bei österreichischen Mimen nicht besonders bewandert. Und ich gestehe, auch Alois Hotschnig war mir bis dato unbekannt. Die Norwegerin Gerd Hörvold lernte als Krankenschwester den verletzten Soldaten Anton Halbleben kennen und lieben. Sie verloben sich, Gerd wird schwanger. In Norwegen kann sie nicht bleiben, dort ist sie als Liebschaft eines feindlichen Soldaten nicht sicher. Also reist sie mit einem Silberfuchs um den Hals, der ihr von ihrem Verlobten als Pfand gegeben wurde, von Kirkenes in Nord-Ost-Norwegen, heim ins Reich“. Die Hoffnung, dem ungeborenen Kind im vorarlbergischen Hohenems eine Familie bieten zu können, zerschlägt sich, aus Heirat und Familie wird nichts, wie schon in Norwegen stößt Gerd auf Ablehnung, bis zum Schluss wird sie in Österreich „die Norwegerin“ bleiben. Als Heinz 1942 geboren wird, landet er erst in einem Lebensbornheim, dann in einer Pflegefamilie. 1946 findet seine Mutter ihn durch das Rote Kreuz wieder. Sie heiratet, Heinz bekommt einen Stiefvater, der ihn ablehnt und mit dem er nur den Nachnamen Fritz gemeinsam hat. Allenfalls wenn es darum ging, ihm beim Schlachten zu helfen, da war der Junge dem Mann der Mutter gut genug. Mit 16 Jahren sucht er Kontakt zu seinem leiblichen Vater, der ihn aber ebenfalls ablehnt. Er behauptet sogar, Heinz sei nicht sein Sohn, sondern der eines ertrunkenen Russen. Und selbst die Mutter glaubt, er sei im Heim vertauscht worden. Obwohl die beiden mit der Liebe zum Schauspiel etwas gemeinsam haben, ist die Mutter nicht immer gut zu ihrem Sohn, so streut sie ihm unerklärlicherweise Putzmittel über sein Essen. So verbringt Heinz lange Jahre seines Lebens mit der Suche nach seiner Identität und seinen Wurzeln. Die unter epileptischen Anfällen leidende Mutter ist ihm bei den Nachforschungen keine Hilfe, „wann immer ich nach ihm fragte, kam wieder ein Anfall, und so habe ich nicht mehr gefragt. Den einzigen Halt findet Heinz im Schauspiel, anfangs weil er die Anfälle der Mutter erschreckend realistisch nachspielen kann. Mit 60 Jahren wagt er einen neuen Anlauf, seinen leiblichen Vater kennenzulernen und dann kommt plötzlich: „Du darfst Vater zu mir sagen“. Eine Biografie oder gar Autobiografie ist das Buch nicht, obwohl es manchmal durch die Erzählung aus der Ich-Perspektive den Anschein erwecken mag. Es ist ein teils fiktiver Roman auf Basis einer realen Lebensgeschichte. Und die lässt sich schon allein durch den teils fragmentierten Erzählstil nicht einfach so „weglesen“. Dabei passt der Stil eigentlich sehr gut zu den Puzzleteilen, aus denen sich der Protagonist sein Leben zusammenbaut. Auf mich wirkte er aber eher sperrig und leserunfreundlich. Dazu die Ablehnung und Gewalt, die Heinz erleben muss und den Verlust seiner Identität, die er später mühsam wieder zusammensetzen muss – nein, das Buch ist keine leichte Lektüre. Mit dem Stil tat ich mich schon schwer, mit dem Inhalt aber noch mehr, vor allem mit dem, was sich an Gewalt und Kriegstraumata zwischen den Zeilen herauslesen lässt. Für die Geschichte über einen, der im eigenen Leben fremd zu sein scheint, von mir wegen des für mich schwierigen fragmentierten Mololog-Stils und der teilweise diffus-vagen Andeutungen vier Sterne.
„Unsere gemeinsame Welt war aus ihrem Koffer gekommen, aus einem Buch und aus einer Geschichte über eine Mutter und ihren verlorenen Sohn. Diese Welt war von nun an unser Versteck, und eine ganze Welt als Versteck, das war schon nicht nichts.“ (Zitat Pos. 220)
Inhalt Gerd Hörvold ist Norwegerin, verlobt mit dem deutschen Soldaten Anton Halbleben. Als sie schwanger wird, ist sie in ihrer Heimat nicht mehr sicher, sie ist die Nazi-Hure und muss Norwegen verlassen. Über Oslo und Berlin kommt sie nach Hohenems, wo sich Antons Familie um sie kümmern soll, so lange er noch im Krieg ist. Doch auch die Menschen hier lehnen sie ab, Anton behauptet, das Kind sein von einem unbekannten Russen und verbietet sich jeden Kontakt. Ende 1942 kommt ihr Sohn Heinz zur Welt, es folgen Kinderheim und Pflegefamilie. 1946 findet die Mutter Heinz durch das Rote Kreuz und sie ziehen nach Lustenau, immer wieder gibt es Unterbrüche durch die Epilepsie seiner Mutter. Die Frage, was damals wirklich geschehen ist, lässt Heinz nicht los, immer wieder begibt er sich auf der Suche nach Antworten auf die Frage, wer er wirklich ist, während er im Leben immer wieder ein eine neue Rolle gleitet. Als Kind und Jugendlicher flieht er in die Geschichten, die er selbst erfindet, später auf der Theaterbühne und im Film als Schauspieler.
Thema und Genre Dieser Roman erzählt die Suche nach der Wahrheit über die eigenen Wurzeln, über die Geschichte seiner Mutter und die Frage, warum sein Vater und dessen Familie seine Mutter und ihn plötzlich ablehnen. Es geht um das Aufwachsen im ländlichen, engen Vorarlberg nach dem Krieg, um Armut und Vorurteile, um das beharrliche Schweigen einer Generation. Diese Geschichte handelt von den vielen möglichen Varianten von Erinnerung und Wahrheit.
Charaktere Um von den Menschen, die ihn umgeben, Ruhe zu haben, hat Heinz schon früh gelernt, sich selbst als Rolle zu spielen.
Handlung und Schreibstil Dieser Roman ist der Monolog eines nun alten Ich-Erzählers, seine Erinnerung in Verbindung mit den Erinnerungen anderer, die sie ihm erzählt haben. Es ist die Geschichte seiner Mutter und zugleich die Geschichte seines eigenen Lebens. Dies verbindet sich mit seinen Gedanken, Gefühlen, den Fragen, die er sich immer wieder stellt, warum er von seinem Vater und dessen Familie plötzlich verleugnet wurde. Seine Erfahrungen vernetzt er später mit den Rollen, die er im Theater und im Film spielt. Es sind harte, raue Bedingungen, unter denen er aufwächst und so ist es auch ein harter, rauer Text, in dem die schönen Erinnerungen und glücklichen Momente rasch von der Realität des Alltags überdeckt werden. Daran ändert sich für mich auch nichts, als gegen Ende noch ein Schwenk in eine mögliche, zweite Variante auftaucht, denn dies bleibt ein Fragment, lose Enden, offene Fragen zwischen Schein und Wirklichkeit. Auch die Sprache ist eine direkte und raue Umgangssprache, manchmal ausufernd, langatmig, wenn das erzählende Ich in den eigenen Gedanken und Geschichten versinkt.
Fazit Die als Monolog geschilderte Suche nach der Wahrheit im Leben des 1942 geborenen Ich-Erzählers Heinz Fritz und seiner norwegischen Mutter Gerd. Eine tragische, harte Geschichte eines Lebens voller Lücken, die sich von Heinz trotz seiner intensiven Fragen nicht füllen lassen.
Kriege ziehen viel mehr in Mitleidenschaft als nur die oberflächlichen Zerstörungen und Verwüstungen und Verletzungen. Sie erschüttern Vertrauen, zwischenmenschliche Verhältnisse bis in die letzten Fasern und Fibern des Seins hinein. Alois Hotschnigs Roman „Der Silberfuchs meiner Mutter“ eröffnet eine eher seltener beleuchtete Perspektive auf die Schrecken des Krieges und entwickelt diese entlang der Beziehung einer Mutter zu ihrem gewollt/ungewollten Sohn.
„Der Lebensborn hat sie heruntergeholt. Dieses Papier, das ich gefunden habe durch einen Zufall, darin ist die ganze Fahrt aufgezeichnet. Es war festgelegt, dass man sich um Fräulein Hörvold, sie hieß Hörvold, Gerd Hörvold, dass man sich bemühen möge, ihr auf der Reise von Oslo nach Hohenems behilflich zu sein. Der Verlobte würde sie begleiten. Oslo, Kopenhagen, Berlin, München, Hohenems. Die Stationen, die Abfahrt und Ankunft der Züge. Aber das hat dann alles nicht mehr gestimmt, in Berlin ist etwas passiert, sie wurde verschüttet, so hat sie es gesagt.“
Hier spricht der Sohn, Heinz, von seiner Mutter, deren Lebensgeschichte er im Roman nach und nach zu rekonstruieren versucht. Nicht viel ist klar, noch weniger eindeutig. Der Sohn, Heinz, gibt nicht vor, seine Mutter, die Geschehnisse, ihre Handlungen und Einsamkeit zu verstehen. Was er versteht, wiederholt er rhapsodisch in orchestralen Schlaufen, begeht, beschreibt, erforscht er immer wieder. Er ist aufmerksam, auf der Lauer, nimmt die Details auf sich und rekonstruiert im Nachhinein, legt die Erinnerungen wie ein Puzzle aneinander, aber ein Bild will sich nicht ergeben. Es geht ihm wie seiner Halbschwester Ingrid, die ihm von denselben Versuchen erzählt.
„Bei meinem Vater war es schwierig. Die Antworten, das wusste ich, die werden nicht kommen. Aber ich habe noch eine Tante gehabt, meine Patin, und die habe ich gefragt, schon als Kind und über die Jahre hinweg, immer wieder, und dann, nachdem ich dich kennengelernt habe, da habe ich es wieder versucht, aber es ist nichts gekommen von ihr. Ich habe mich wirklich um Antwort bemüht und hätte es lieber von den eigenen Leuten erfahren, aber solche Dinge kommen immer von außen. Ich denke, dass manchmal die anderen mehr wissen als die Betroffenen selbst.“
Alois Hotschnig wirft alles zusammen. Sein Ich-Erzähler, ein angehender Schauspieler, ein Lebenskünstler, ein liebender, verzweifelter Sohn mischt, fabuliert, faselt vor sich hin. Oft weiß man nicht, wen er meint, von welcher Zeit er spricht, ob er jemandem durch indirekte Rede zu Wort kommen lässt, das Wiedergegebene selbst erfindet, eine Erinnerung durchschreitet, von einem Alptraum berichtet oder lediglich ein Erlebnis vom Hörensagen wiedergibt. Sein Leben ist in tausend Stücke zersplittert, befindet sich irgendwo zwischen Deutschland, Österreich, Norwegen und der Schweiz, internationalisiert, ohne Wurzel, ohne Zuhause, ohne die Mutter, die mal da ist, mal nicht, mal mit ihm spricht, ihn mal verlässt. Um die nackten Geschehnisse geht es nicht. Sie lauten wie folgt: Ein SS-Soldat, Anton Halbsleben, der in Norwegen stationiert gewesen ist, schwängert die junge Norwegerin Gerd Hörvold, deren Vater ein dem Nazi-Regime wohlgesonnener Bürgermeister ist. Gerd bekommt viel Gegenwind von ihren Mitmenschen in Kirkenes und auch aus ihrer eigenen Familie, in der sich auch kommunistische Widerstandskämpfer befinden. Sie wird von dem Lebensborn Verein nach Österreich, Vorarlberg, gebracht. Dort jedoch und schon auf dem Weg geht irgendwie alles schief. Hauptanliegen des Romans ist der radebrechende, sich im Kreis drehende Bericht, der sinfonisch alles auseinander und wieder zusammenzieht, einen eigenen Rhythmus entwickelt und dem Wirren eine eigene Stimme verleiht.
Alois Hotschnigs Roman liest sich wie ein dunkler Bruder von Thomas Bernhard, bspw. in „Ja“, und hat sehr viel gemein, sprachlich wie inhaltlich, mit Edgar Selge „Hast du uns endlich gefunden“ und vom Thema her verwandt, stilistisch aber jedoch anders gestrickt Susanne Abels „Stay away from Gretchen“. Viele Stellen strahlen aus, geben kund von der Liebe des Sohnes zu seiner Mutter. Voller Traurigkeit schwindet dieses Leben, das mehr wollte, aber statt mehr, nicht nur weniger, sondern nichts bekam, wie so viele Frauen in Kriegs- und Nachkriegszeiten. Gerd trägt diese Stärke, nicht aufzugeben, weiter.
„Für mich war sie eine Erscheinung, wie ich sie noch nicht gesehen hatte, sagte der Mann. Bis heute sehe ich sie dort stehen. Eine stattliche, eine große, eine sehr schöne Frau. Und an den Silberfuchs, den sie getragen hat, erinnere ich mich. Fuchspelze waren gerade in Mode. Beim Kirchgang, es war ja Winter damals, da hatten die Frauen diesen Fuchs umgehängt. Deshalb ist mir das wohl so sehr aufgefallen, die große Frau mit dem schönen Pelz.“
„Der Silberfuchs meiner Mutter“ gesellt sich bescheiden und freundlich in die Reihe jener Romane [Alessa Bessa-Luis „Die Sibylle“ und Ingeborg Bachmann: „Malina“], die nicht vergessen wollen, die derer gedenken, die am meisten litten und trotzdem nicht aufgaben, und dies ohne Kitsch, Sentimentalität oder Romantik, ein Roman, der hilflos ins Chaos blickt und trotzdem Spuren hinterlässt. Für manches Leid kann es einfach keine Erklärung geben.
Habe dieses Buch als Hörbuch gehört, leider war der Schreibstil dadurch noch schlechter verständlich. Ein interessantes Buch, aber es braucht Konzentration um es zu begreifen und daher als Hörbuch eher ungeeignet.