In Der Duft der Kiefern taucht die Berliner Autorin in ihre Kindheit ein und stößt dabei auf Verdrängung und Lügen. Was hat ihr Großvater Heinrich, angeblich als Buchhalter bei der Wehrmacht in Riga stationiert, von den Gräueltaten der Nazis gewusst? War er vielleicht selbst beteiligt? Bald stellt sich die Frage nach der Mitschuld ihrer Familie. Sie erfährt, dass diese in einem Haus lebte, das ehemals von jüdischen Mitbürgern bewohnt war. Hat die Familie von der Vertreibung profitiert oder war sie gar dafür verantwortlich? Bianca Schaalburg recherchiert die Ereignisse und stellt die Frage nach Schuld und Verantwortung einer ganz normalen deutschen Familie.
Wir folgen ihrer detektivischen Spurensuche durch die Nazizeit, die Nachkriegsjahre bis zu den Stasi-Akten des Kalten Krieges und ins Jahr 1968, wo sich alles ändern sollte ...
Mit den geerbten Möbeln von Oma, eine schwere Art-Déco-Garnitur aus Nussbaumholz und einem Kleiderschrank begannen die Fragen. Bianca Schaalburg hat ihre Familiengeschichte in einem Comic aufgearbeitet. Die Großeltern hatten die Möbel zu Hochzeit bekommen: 1933. Heinrich Schott, gelernter Dentist und Else Rahtung, Absolventin der Haushaltsschule, heiraten. Sie bekommen vier Kinder, die Jüngste wird nach der Tochter von Reichsmarschall Hermann Göring benannt: Edda. Mutter bekommt das «Ehrenkreuz der Deutschen Mutter», kurz Mutterkreuz. Die Voraussetzungen zur Verleihung war, dass die Eltern der Kinder «deutschblütig» und «erbtüchtig» waren, die Kinder Lebendgeburten. Die Autorin entdeckt auf Familienfotos, dass Opa bereits 1929 ein Hitlerbärtchen trägt, eine entsprechende Frisur und er war bereits 1926 in die NSDAP eingetreten. Ein Archiv belegt, dass er 1933 arbeitslos war, und bei der «Deutschen Arbeitsfront» eine Stelle als Buchhalter erhielt. Er war Mitglied bei der rechtsextremen Gruppe Frontbann. Er war Truppenführer bei der SA, hat diese aber 1929 wieder verlassen. Warum nur? Welche dunkle Vergangenheit liegt über ihrer Familie? Die Autorin und ihr Sohn fangen an zu recherchieren. Jetzt wird es interessant für die beiden. In der Familie weiß niemand etwas über die Judenverschleppung – über dieser Zeit lag die Decke des Schweigens festgezurrt. Verdrängung und Lügen. Was hat Großvater Heinrich, angeblich nur als Buchhalter bei der Wehrmacht in Riga stationiert, von den Gräueltaten der Nazis gewusst? An einem Ort, wo eines der schlimmsten Kriegsverbrechen an den Juden stattfand, wo die einheimischen Juden in einem Arbeitslager kaserniert wurden, und später kamen insgesamt etwa 25.000 deportierte deutsche Juden dazu. Die wenigsten von ihnen haben überlebt: Die meisten wurden im Wald von Bikernieki durch die deutsche Sicherheitspolizei und lettische Hilfskräfte erschossen und in Massengräbern verscharrt.
War der Großvater vielleicht selbst beteiligt? Außerdem finden Enkelin und Urenkel bei der Recherche heraus, dass in dem Mietshaus im Eisvogelweg 5, in dem die Großeltern mit ihren Kindern lebten, damals auch jüdische Mitbürger wohnten. Hat die Familie von der Enteignung profitiert oder war sie gar dafür verantwortlich? Haben sie es hingenommen oder sogar befürwortet? Eine Suche in der Vergangenheit beginnt – Puzzlearbeit. Von den jüdischen Berlinern bleiben nur Namen auf Stolpersteinen, drei dieser Leben malt Bianca sich aus: Deportation, Theresienstadt, Gaskammern. Die Kiefern tauchen immer wieder in der Geschichte auf, der Duft beim Spaziergang, gespenstische Baumgerippe beim Massenmord im Wald von Bikernieki, oder idyllisch als Kiefernzapfen am Pendel einer Kuckucksuhr.
Die Kriegsgenerationen haben geschwiegen, ihre Kinder bekamen keine Antworten. Enkel und Urenkel sind wesentlich forscher, tragen keine Erinnerung oder Last auf den Schultern. Sie wollen es wissen; forschen, geben sich nicht mit Plattitüden und lustigen Anekdoten und Schwarzmarktgeschichten zufrieden. Sie wollen wissen, inwieweit ihre Familien in Gräueltaten verwickelt sind. Eisiges, kollektives Schweigen oder Sprachlosigkeit prägte die Nachkriegszeit. Die die Großeltern in diesem Comic wollten von alldem nichts gewusst haben – obwohl ihre jüdischen Nachbarn in Berlin-Zehlendorf mit vielen anderen nach Theresienstadt transportiert worden. Wer soll das glauben? Ein Esstisch der Familie ist Zeuge – der stand nämlich in der Wohnung eines Juden zuvor. Die jüdischen Nachbarn Clara, Carl und Margarete lebten in diesem Mietshaus. Die Autorin forscht und entwickelt für diese drei einen kurzen fiktiven Lebenslauf aus den Puzzleteilen, die sie zu den Personen aufspüren konnte. Drei Personen, die für Millionen stehen. Die Graphic Novel durchläuft verschiedene Jahrzehnte, wobei die Nazizeit natürlich in sattem Braun gehalten ist. Die Zeit danach wird heller und rosiger.
Zehlendorf, Eisvogelweg, U-Bahnhof Onkel Toms Hütte, die Papageiensiedlung, Onkel Toms Ladenstraße, Krumme Lanke und der Schlachtensee von der NS-Zeit bis heute; Bianca Schaalburg setzt diese Ecke von Berlin in Szene. Vorkriegszeit, Kriegszeiten, Berlin in Flammen – das KZ in Riga, Bikernieki und Theresienstadt – eindrücklich hält sie grafisch die Szenen fest. Eine eindrückliche Graphik Novel zur Aufarbeitung eine Familiengeschichte.
Bianca Schaalburg ist in Berlin geboren und aufgewachsen. Schon vor dem Studium hat sie ihre erste Comic-Seite in der „zitty“ veröffentlicht und während des Studiums unzählige Cartoons und erste Bücher publiziert. Das erste illustrierte Buch erschien 1991. Nach dem Studium der Visuellen Kommunikation an der UdK Berlin (Vordiplom mit einem Bilderbuch bei Jürgen Spohn, Diplom mit einer Graphic Novel bei Jan Lenica) arbeitet sie als freie Illustratorin für Verlage, Redaktionen und Agenturen. Sie gibt Workshops und führt Buchvorstellungen an Bibliotheken und Schulen durch. Zahlreiche Arbeiten im Bereich Kinder- und Jugendbuch sind u.a. bei Cornelsen, dtv, Fischer-Sauerländer, Oetinger, Ravensburger & Tulipan erschienen. Seit 2006 arbeitet sie als Illustratorin im Atelier Petit 4. Stipendiatin der VG Bildkunst: Projektförderung für die Graphic Novel «Der Duft der Kiefern»; Preisträgerin des Comic Contest der Comic Invasion Berlin 2019; Finalistin beim Comicbuchpreis der Berthold Leibinger Stiftung 2021; Gewinnerin eines COMIC-Stipendiums des Berliner Senats für 4 Monate 2021
Geuren maken deel uit van onze leefwereld. Dat bewees Patrick Süskind eertijds al. Ze sturen ons een zekere richting uit. Soms katapulteren ze je terug in het verleden en roepen herinneringen op. Geuren bepalen je volgende stap. Welk gevoel roept de geur van dennen op, is bijvoorbeeld een vraag die je je kan stellen. Bij Bianca Schaalburg en miljoenen mensen over de hele wereld is dat een gevoel van weerzin en intens verdriet. In de jaren 1941-1942 werden een kleine 50 000 joden door de nazi’s afgeslacht in het Letse Bikernieki-bos. De ongelukkigen moesten met zijn tienen voor de door Russische krijgsgevangenen uitgegraven greppel gaan staan, waarna ze in de rug werden geschoten en in de kuil vielen. Deze afschuwelijke gebeurtenis staat centraal in Schaalburgs striproman’Der Duft der Kiefern’ (De geur van de dennen), waarin ze op zoek gaat naar de rol van haar grootvader binnen de Duitse bezettingsmacht in Letland tijdens de Tweede Wereldoorlog. Ook zij ervoer dat er in haar familie niet werd gesproken over die periode en haar vragen daaromtrent keer op keer werden genegeerd of afgewimpeld. ‘Wir haben nix gewusst’. Deze striproman is een aangrijpende getekende documentaire over haar moeizame zoektocht naar de daden van onderofficier Heinrich Schott in Riga. Of hij al dan niet op de hoogte was van de gruweldaden van de nazi’s en of hij er al dan niet bij betrokken was. Tegelijkertijd krijgen we langs de familiegeschiedenis om les over de zwartste periode uit de twintigste eeuw en de naweeën ervan op het verdeelde Duitsland. Er zijn gebeurtenissen die steeds opnieuw onder de aandacht moeten worden gebracht zodat ze niet vergeten worden. Ook al klinkt dit verhaal vertrouwd in de oren van miljoenen mensen, hoe verder verwijderd in de tijd hoe meer onwetende jongere generaties eraan herinnerd moeten worden. En nog blijkt het gezegde ‘de geschiedenis herhaalt zich’ geen loze uitspraak te zijn. Tenminste als je niet onder een steen leeft.
Deze tekst verscheen eerder in mijn tijdschrift De Vos, guido53@scarlet.be
Es gab einiges, das ich gut gewählt und umgesetzt fand, die Architektur Geschichte im Anhang, die heimischen Vögel am Anfang von jedem Kapitel, den Zeichenstil und der Wechsel der Zeitebenen. Dafür, dass es sich um die Aufarbeitung der Nazivergangenheit in der Familie der Autorin handelt bleibt der Comic an entscheidenden Stellen erschreckend vage. Was denn der Großvater nun wirklich in Riga gemacht hat konnte nicht ermittelt werden aber scheinbar wusste die Familie Bescheid, also woran sind die Nachforschungen gescheitert? Über die drei ermordeten Juden in ihrer Straße kann sie nichts herausfinden und denkt sich anhand der wenigen Eckdaten einfach Geschichten für sie aus. Statt sich mit den unbequemen Gefühlen auseinanderzusetzen die diese Lehrstellen in ihr auslösen, geht sie mit diesem, meiner Meinung nach geschmacklosen Trick einfach darüber hinweg. Mir hat komplett die Reflektionsebene gefehlt, was die Erkenntnis über die Verstrickungen mit dem NS eigener Familienangehöriger mit der Autorin machen. Sie behält sich eine Distanz vor, die ich unangebracht finde und die letztlich dazu führt, dass der Comic oberflächlich und vage bleibt. Hätte viel Potential gehabt, schade.
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3,5 stjerner ⭐️ En god gammeldags dokutegneserie med et veldig spennende tema rundt familien til forfatterens roller i krigen. Der boka tidvis mister meg er alle navnene og årstallene, som gjør at jeg ble veldig forvirret i starten av boka. Den kan være litt uoversiktlig hvis man ikke er så flink til å huske navn (🙋♀️). Men stilen kler tematikken, og den er veldig spennende med alle mysteriene, selv om man ikke får svar på alt. Boka kunne delvis også tatt vekk litt av infodumpinga som tidvis kommer, eventuelt delt det litt opp, da det blir litt slitsomt som leser. Men absolutt en spennende bok!
Das Besondere an diesem Graphic Novel ist natürlich die persönliche Geschichte der Autorin, ihre Suche nach der Wahrheit und die damit verbundene Aufarbeitung der Vergangenheit. Zum Glück gibt es auf S. 180 einen Familienstammbaum, sonst kommt man beim lesen schnell durcheinander. Durch die Fülle der Informationen und Personen hätte manchen Abschnitten eine ausführlichere Behandlung gut getan, da zwischendrin immer wieder Zeit- und Themsprünge vorkamen. Ansonsten hat es mir sehr gut gefallen, die Zeichnungen waren toll und der Inhalt wichtig und bewegend.
Interesting biography of a berliner family during the 20th century and the often difficult search for the truth behind the stories told by your relatives in order to reconstruct your own present and build your future.