Das Buch ist aufwendig gestaltet – das Cover wirkt hochwertig, insgesamt macht es einen teuren und durchdachten Eindruck. Inhaltlich beginnt es jedoch erstaunlich düster: Schon auf den ersten Seiten entsteht der Eindruck, als wolle es den Leser in eine depressive Grundstimmung ziehen. Es wird suggeriert, das Leben sei grundsätzlich leidvoll, von Problemen und Schmerz durchzogen – ein beinahe fatalistischer Ton.
Hinzu kommen abgedroschene Phrasen wie: „Hast du wirklich gelebt?“ oder „Ist es nicht besser, einmal wahrhaft gelebt zu haben, als nie?“ – vermeintlich tiefgründige Aussagen, die in Wahrheit keinerlei Substanz oder konkrete Hilfestellung bieten. Statt Orientierung oder Motivation zu schaffen, wirken diese Sprüche eher wie platte Kalenderweisheiten.
Zudem werden Lebensprobleme sehr pauschalisiert dargestellt: „Hast du finanzielle Schwierigkeiten? Probleme mit deinem Partner? Fühlst du dich allein?“ – als wäre das allein schon der Beweis dafür, dass das ganze Leben verfehlt sei. Die Perspektive, die hier eröffnet wird, ist keineswegs konstruktiv oder stärkend.
Als psychisch stabile Person kann ich das Buch mit einer gewissen Distanz lesen. Doch für Menschen, die sich in einer akuten Lebenskrise befinden, ist dieser Einstieg meiner Einschätzung nach schlicht gefährlich. Die Kombination aus düsterer Stimmung, unkonkreten Floskeln und Generalisierungen kann eher zermürben als aufbauen. Aus psychologischer Sicht wirkt dieser Text zu Beginn nicht motivierend – sondern eher destruktiv.
Beim Weiterlesen wird deutlich: Im Kern geht es eigentlich nur darum, den inneren Kummer oder diese diffuse Sinnlosigkeit, die viele im Leben empfinden, mit irgendeiner Form von Aktivität zu überdecken – seien es banale Hobbys oder vermeintlich „förderliche“ Routinen. Man soll stricken, malen, basteln oder sich selbst im Spiegel anlächeln. Das wirkt so platt und klischeehaft, dass man sich fragt, ob das wirklich die Lösung sein soll: sich mit stumpfen Tätigkeiten zu beschäftigen, nur um sich irgendwie „besser“ zu fühlen.
Die Idee, dass man sich „etwas Gutes tun“ soll, reduziert sich hier letztlich auf: Beschäftige dich einfach mehr – Hauptsache, es lenkt dich ab. Doch das ist für mich keine echte Lösung, sondern bestenfalls ein Versuch, Symptome zu überdecken.
Besonders störend finde ich, dass ausgerechnet Fernsehen oder Videospiele als minderwertige Zeitvertreibe abgewertet werden, während „gesellschaftlich akzeptierte“ Beschäftigungen wie Yoga, Basteln oder Spaziergänge aufgewertet werden. Das halte ich für schlicht unfair und realitätsfern. Gerade moderne Spiele sind oft hochkomplex, fördern strategisches Denken, Reaktionsfähigkeit und Kreativität – teilweise mehr als ein durchschnittlicher Roman. Und auch beim Fernsehen gilt: Man kann sehr wohl Anspruch und Unterhaltung verbinden – sei es durch Dokumentationen, Serien mit Tiefgang oder gut gemachte Reportagen.
Letztlich bleibt für mich der Eindruck: Alles, was wir tun, ist am Ende eine Ablenkung von einer tieferliegenden Wahrheit – nämlich der, dass das Leben in seiner Grundform oft leer, monoton oder sogar sinnlos wirkt. Wir beschäftigen uns, um diesem Gefühl zu entkommen. Aber das bloße Ersetzen einer Ablenkung durch eine andere bringt kein tieferes Verständnis oder eine echte Lösung. Insofern liefert das Buch meiner Meinung nach keine neuen Erkenntnisse, sondern wiederholt nur altbekannte, oberflächliche Plattitüden.