Der Körper als große Wunde oder auch WundeR wird im dreiteiligen gesellschaftskritischen Gegenwartsstück von Enis Maci (*1993) malträtiert – so wird er zu einer einzigen großen Wunde, die nicht verheilen, sondern immer wieder aufgekratzt wird. Zugleich mutet es wie ein Wunder an, was junge Frauen, die sich der permanenten Körperoptimierung unterworfen haben, alles antun – Sport, aber richtig, damit die Fettzellen schrumpfen – also nicht nur Yoga; Ernährung – keine Butter, aber Eisbergsalat, um dem Diktat „Frau sein“ zu entsprechen. Maci verhandelt die doppelmoralische Reglementierung von Körperlichkeit und fokussiert dabei den weiblichen Körper, der unweigerlich als identitäres Aushängeschild dient, einem Bild, dem sich junge Frauen immer noch ausgesetzt sehen; against bodyshaming und Adele - die jetzt übrigens auch „geschmolzen“ ist - hin oder her. Ein mit massiven Verunsicherungen aufgeladenes Bild von Körper, Sexualität und letztlich Frausein, das sich vor allem aufgrund der Neuen Medien „Hallo ihr Lieben, hier noch ein neues Schminktutorial, damit ihr euch noch schöner fühlt“ quasi verselbstständigt hat, gilt als Diktum, dem frau sich – changierend zwischen Subjekt und anklagender Stimme des Chores - schwerlich entziehen kann.
Rekurrierend auf exemplarisch ausgewählten „role models“ bietet Maci anhand eines Querschnitts durch die Jahrhunderte verschiedene Frauentypen an: die vergewaltigte barocke Malerin Artemisia Gentileschi, Cora Wosnitza verstorbene Pornodarstellerin aus Hamburg, Elisabeth von Thüringen Königswitwe und Rahaf Mohammed, die vor ihrer Familie flieht und in Kanada Asyl findet, die nichts wissen, sondern alles aber nur bei einer bloßen Ahnung belassen.
Über alle dem kreist die (Identitäts-)Frage, ob Körper Krankheit sei und wenn der Umgang mit dem eigenen Körper krankhaft ist, inwiefern dies nicht als eine bloße Metapher (Sontag lässt grüßen) zu lesen sein.
Wie schreiben sich Traumata in den Körper ein?
Gerahmt wird dieser Diskurs durch einen Vergleich von religiösen Ritualen und diese ersetzenden Routinen, den Lifestyle und Körper betreffen, der von neuen Göttinnen – Influencerinnen - vorlebt wird.
Der direkter ungeschönter Sprachgebrauch, mit Einflechtung englischer Begriffe, vermittelt ein authentisches Bild einer Jugendkultur – erfrischend zu lesen, aber nicht mal so nebenbei.