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Was ist europäisch? Zur Überwindung kolonialer und romantischer Denkformen

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Wir verstehen uns als Europäer, doch unsere traditionell verankerte Vorstellung von europäischer Kultur ist fragwürdig. Denn wir schleppen aus der Kolonialzeit und aus der Romantik Ansichten mit, die unseren Blick auf Geschichte und das geopolitische Selbstverständnis eurozentristisch verzerren und die Zukunft unseres Kontinents belasten.
Dag Nikolaus Hasse ermutigt zu einem offeneren Nachdenken über Europa, dessen geistige Wurzeln weiter und dessen Verbindungen zu kontinentalen Nachbarn intensiver sind, als viele glauben.

112 pages, Paperback

Published October 8, 2021

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About the author

Dag Nikolaus Hasse

13 books6 followers
Dag Nikolaus Hasse (1969) is a German Arabist, historian of philosophy, Graeco-Arabist and Middle Latin philologist.

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Displaying 1 - 8 of 8 reviews
Profile Image for Andy.
73 reviews17 followers
January 15, 2024
Das Buch bietet eine starke, klare Analyse und Dekonstruktion von traditionellen Europabegriffen, die zumeist willkürlich wichtige Teile der europäischen Gesellschaft, Kultur, Geschichte und Bevölkerung ausschließen. Der Autor belässt es aber nicht nur bei dieser wichtigen Kritik, sondern bietet auch einen eigenen, überzeugenden Entwurf an. Letzteres kommt leider etwas zu kurz, was gewiss auch dem Format der Reihe geschuldet ist. Ihm gelingt eine inspirierende Skizze dafür, wie Europa sich offen, inklusiv und historisch deutlich präziser fassen lässt. Leider fehlt eine wichtige Ausarbeitung: Ab und an wird angedeutet, dass es eine gemeinsame Basis in der europäischen Gesellschaft geben muss. Hasse nennt das zumeist das "Recht". Hier liegt ein Problem, das noch gelöst werden muss - vermutlich meint er damit generell die Grund- bzw. Menschenrechte und das demokratische System. Diese basieren natürlich stark auf Ideen aus der Philosophie der Aufklärung, vor allem aus Mittel- und Westeuropa. Es droht die Gefahr, dass man hier "durch die Hintertür" doch etwas einführt, das Hasse vermeiden wollte: Die Konstruktion einer mittelwesteuropäischen Idealkultur, die hierarchisch erhoben wird und andere Kulturräume ausgrenzt bzw. marginalisiert. Andererseits wird man hier auf gewissen Grundsätzen bestehen wollen, die man nicht relativierend neben autoritären, patriarchalen oder religiös dominierten Systemen und Normen als gleichberechtigte Gesellschaftsentwürfe hinstellen will. Die offenen Fragen, die sich im Anschluss stellen, sind dann: Was ist das "Recht", das wir als Kern der europäischen Gesellschaft festsetzen müssen, wie formulieren wir dieses "Recht", sodass es universelle (oder zumindest europaweite) Geltung beanspruchen kann, aber nicht aus einem Prozess entspringt, der nach kolonialistischen Mustern verläuft und exkludierende "Leitkulturen" konstruiert? Und wie machen wir es so stark und bindend, dass es nicht im Relativismus zerfließt?
Profile Image for Cathrin.
44 reviews3 followers
February 2, 2022
In klarer, verständlicher Sprache werden hier logisch nachvollziehbar kulturelle Europa-Begriffe mit kolonialer und romantischer Prägung dekonstruiert. Einige der Punkte, die Hasse anführt, kamen mir von Malcolm X ("whitewashed history") und Mark Terkessidis (die Parapolis als zukunftsweisendes Modell) bekannt vor, im Kontext dieser speziellen Argumentation sind sie dadurch aber nicht weniger wichtig. Auch die historischen Fakten stützen die Argumentation sinnvoll.
Ein Kritikpunkt: Der Autor führt zwar vor Augen, dass Europa-Begriffe und -Vorstellungen oft überwiegend mitteleuropäisch männlich geprägt sind, führt aber meiner Meinung nach darauf insgesamt nur wenig weibliche (und noch weniger nicht weiße weibliche) Beispiele von wichtigen Einflüssen auf "europäische" Kulturen an. Neben Simone de Beauvoir und Greta Thunberg hätten ebenso gut beispielsweise Jeanne und Paulette Nardal, May Ayim und Dominique Palmer Erwähnung finden können, selbst bei den antiken Beispielen habe ich einflussreiche Frauen wie Sappho vermisst.
Profile Image for Leander Machan.
19 reviews
March 19, 2022
Durch und durch lesenswert!

Ein geradezu brilliantes, ja zeitloses Werk ist Herrn Hasse hier gelungen.
Rein empirisch und geschichtlich begründet wird jede nationalistische, extreme Argumentationsgrundlage zerlegt und auf die Müllhalde gebracht.
Eine herausragende geschichtliche Zeitreise, die fundamentale, arrogante europäische Denkmuster, die in vielen Köpfen noch heute verankert sind, überschreibt.

Vor einem liegt ein Klassiker mit prägnanter und verständlicher Argumentation, bei der unnötige Längen ebenso wie zu kurz geratene Ausführungen vergeblich sucht.

Eine Pflichtlektüre!
Profile Image for madeleine.
115 reviews
December 30, 2021
Zuvor habe ich nie etwas gelesen aus der Reclam Reihe [Was bedeutet das alles?], aber ich habe dieses Buch durch Instagram entdeckt. Der Titel und Klappentext machten mich neugierig. Obgleich ich mit gewissen Erwartungen zu lesen begann, war ich doch schwer beeindruckt von diesem Büchlein. Mit unglaublicher Tiefe und bemerkenswert umfassend geht Hasse auf die Frage 'Was ist europäisch?' ein. Auf beinahe jeder Seite gab es etwas Neues zu lernen für mich; mit großem Interesse verfolgte ich den Gedankenfluss und wurde des Öfteren zum eigenen Nachdenken angeregt. Aus diesem Büchlein kann man definitiv einiges mitnehmen, vor allem aber ist man informierter und aufgeschlossener. Eine absolute Empfehlung!
Profile Image for Youssof.
23 reviews1 follower
January 6, 2022
The writer attempts to define “European” and for that he looks at the term from political,geographical, and cultural lenses. Although the book is dense and contains a lot of historical data, the writer manages to structure his ideas in an organized manner. The writer also compares the way other writers and contemporary politicians use the word “Europe” and “European” , which makes his arguments intriguing.
63 reviews
November 13, 2023
Überzeugende Argumentation in Form und Inhalt. Erfreulich zugänglich, wissenschaftlich trotz knappem Raum auf hohem Niveau. Praktisch als Hinterhand-Werk für Diskussionen mit Europafreunden und -gegnern, gut auch als Geschenkdreingabe für alle politisch oder historisch Interessierten geeignet.
Profile Image for Theresa.
6 reviews
February 17, 2025
absolutes Must-Read! So aktuell, inspirierend und relevant. Europa verstehen und umdenken, aufgedröselt durch seine Geschichte. Gibt wertvolle Einblicke und macht Mut.
Profile Image for Desastroeses Hörnchen.
57 reviews19 followers
September 8, 2025
Obwohl das Buch sehr trocken geschrieben ist, hat es mich begeistert. Ich habe enorm viel gelernt – vor allem darüber, wie stark unsere gewohnten Begriffe für Regionen, Grenzen und Gebiete historisch verzerrt sind.

Das Werk zeigt eindrücklich, dass viele Benennungen nicht neutral oder „natürlich“ sind, sondern aus kolonialen und geopolitischen Machtinteressen stammen. So wurde die Welt lange Zeit von Europa aus eingeteilt: Begriffe wie „Orient“, „Dritte Welt“ oder auch „Naher Osten“ sind Produkte kolonialer Perspektiven. Ebenso sind Bezeichnungen wie „Osteuropa“ oder „Balkan“ eher politische Konstrukte, etwa aus Zeiten des Kalten Kriegs, als tatsächliche geografische Kategorien.

Besonders eindrucksvoll fand ich die Erkenntnis, dass die Grenzen Europas selbst flexibel und verhandelbar sind. Ob man den Ural, den Bosporus oder andere Linien als Grenze setzt – das hat weniger mit Naturgegebenheiten als mit kulturellen und politischen Abgrenzungen zu tun.

Das Buch macht klar: Sprache ist Macht. Wer Begriffe prägt, formt auch die Wahrnehmung von Regionen und den Menschen, die dort leben. Indem das Buch diese Mechanismen offenlegt, schärft es den Blick für die kolonialen und geopolitischen Schichten, die in unseren Alltagsbegriffen verborgen sind.

👉 Einziger Minuspunkt: Der Autor kritisiert zwar eurozentrische und koloniale Sprache, zitiert dabei aber fast ausschließlich wiederum eurozentrische Quellen. Das wirkt widersprüchlich und zeigt, dass er selbst teilweise unkritisch in eben diesen Denktraditionen verhaftet bleibt.

Trotz dieses Schrägtons kann ich das Buch sehr empfehlen. Es öffnet ein kritisches Bewusstsein dafür, wie selbstverständlich wir Kategorien übernehmen, die alles andere als neutral sind.
This entire review has been hidden because of spoilers.
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