Fiete, der alte Seebär! Als Frau Helbing ihre demenziell erkrankte Nachbarin Frau Paulsen im Pflegeheim besucht, begegnet sie dort zufällig einem alten Angelfreund ihres verstorbenen Mannes. Früher ist Fiete Jacobsen von Hamburg aus als Kapitän um die halbe Welt gefahren, jetzt hockt der Arme buchstäblich auf dem Trockenen. »Gift ja nix hier«, beschwert er sich. Dem bringe ich mal eine Portion Labskaus vorbei, sagt sich die pensionierte Fleischereifachverkäuferin. Allerdings eröffnet ihr Fietes Betreuerin Frau Fischer unter geheimnisvollen Andeutungen, Herr Jacobsen werde bald umziehen. Und dann passiert es: Gerade als Frau Helbing das Heim verlässt, stürzt Frau Fischer aus dem Fenster im dritten Stock. Sterbend haucht sie noch ein letztes rätselhaftes Wort: »Morf.« Die passionierte Krimileserin Frau Helbing weiß sofort: Hier liegt ein Verbrechen vor. Als dann auch noch Fiete spurlos verschwindet, steckt Frau Helbing, sehr zum Unmut der Hamburger Polizei, mitten in ihrer zweiten Mordermittlung.
Auch der zweite Fall von Frau Helbing, der Miss Marple von Hamburg, ist größtenteils gelungen. Lediglich der Einstieg hat mir nicht gefallen. Hier wird die Hausschlachtung eines Kaninchens beschrieben. Das passt zwar zum früheren Beruf der Protagonistin, es passt aber nicht in einen Wohlfühlkrimi. Wenn man die Passage überstanden hat, wird es aber wieder so gut wie schon beim ersten Fall.
Ja, so für Zwischendurch ganz nett, aber ich werde in der Reihe erstmal nicht sofort weiterhören. Im zweiten Band fand ich dann - wie viele Rezensenten bei Band 1 schon gesagt hatten - dass Frau Helbing etwas sehr naiv dargestellt wird und vom täglichen Leben für eine mit allen Wassern gewaschene Metzgersgattin doch etwas sehr wenig weiß. Auch die Nebenfiguren fand ich nicht mehr ganz so nett wie in Band 1 - einzig die Altenpflegerin war witzig. Und natürlich Herr Aydin, aber der kommt dieses Mal nur sehr am Rand vor. Der "Kriminalfall" ist dann auch etwas konstruiert, auch den fand ich bei Band 1 überzeugender. Trotzdem war es leidlich spannend, ich wollte schon wissen, wer's denn jetzt war, allerdings ist es nicht sonderlich schwer, auf die Auflösung zu kommen. Es gibt wieder etwas Hamburger Lokalkolorit, wer die Stadt kennt oder das Buch vielleicht im Urlaub liest, der wird das sicher genießen. Meins wars nicht so ganz - ok für zwischendurch, aber sicher nicht unbedingt ein Highlight. Solide 3 von 5 Sternen, würde ich sagen.