Wir befinden uns hier im Mittelteil von Ellery Queens Karriere. Sie hatten es schon einmal getan, 1942, mit „Schatten über Wrightsville“: Ellery Queens Bücher spielten auf einmal nicht mehr in Manhattan, sondern bei einfacheren Leuten, in Middle America, der Held hatte nichts mehr mit den New Yorker Polizei zu tun, neuer Schauplatz war die fiktive Kleinstadt Wrightsville, ein Schnellzughalt an der Eisenbahnstrecke zwischen New York und Montreal.
Obwohl es in den dreißiger und vierziger Jahren mehrere Hörspielserien und Hollywood-Filme mit dem New Yorker Indiziensammler gegeben hatte und inzwischen jeder Amerikaner wusste, wer Ellery Queen war, müssen Dannay und Lee damals gespürt haben, dass ihnen in der Hard-boiled-Schule mit Hammett und Chandler unschlagbare Konkurrenten erwachsen waren, an deren Forderung, das Verbrechen müsse den Leuten zurückgegeben werden, die damit wirklich was zu tun haben, schon auch was dran war. Wir sind in einer Phase, als sie immer wieder was Neues ausprobierten und auch Risiken eingingen. Ohne allerdings letztlich aus dem altmodisch gewordenen Lehnstuhl- und Meisterdenker-Genre ein zukunftsträchtiges, modernes Genre entwickeln zu können. Dessen Tage waren erst einmal gezählt. Der Autor von Wikipedia kommentiert folgerichtig, eigentlich sei das ein herrliches Buch voller hinreißender psychologischer Figurenzeichnung, man hätte allerdings das Gefühl, ohne Ellery Queen wäre es besser.
Das wollten die beiden Erfinder aber nicht und diesen letzten Schritt gingen sie dann nie, harte Krimis ohne ihren immer alles lösenden Detektiv zu schreiben.
Ich bin mir nicht sicher, ob ich das integrale Buch kenne, denn ich habe das Heyne-Taschenbuch („Willkommen, Mr. Fox“) von 1990 gelesen, das immer noch die Übersetzung des Scherz Verlags von 1947 („Der Mörder ist ein Fuchs“) bringt. Leider hat es dieser Ellery Queen nicht zu einer Neuauflage und Neuübersetzung innerhalb der, im Wesentlichen in den neunziger Jahren erscheinenden, DuMonts Kriminal-Bibliothek gebracht. Trotzdem kann ich mich der Ansicht des Wikipedia-Gewährsmannes, dieses wäre der beste aller Ellery Queens, nicht anschließen. Nachdem man ziemlich lange hingehalten wurde, ist die Auflösung doch eher läppisch und kann einen inhaltlich durchaus nicht zufriedenstellen.
1945 ist das Jahr von Hitchcocks Film „Spellbound“ mit Gregory Peck gewesen, für den er sich eine Traumsequenz von Salvador Dalí designen ließ. Es lag also wieder mal in der Luft. Der Krieg ging zu Ende, aber die dunklen Schatten der Angst blieben. Schwarze Serie und Morde, die von weit zurückliegenden seelischen Verwundungen herrühren.
Bei dem Kriegshelden Davy Fox ist nicht klar, ob es traumatische Erlebnisse im Weltkrieg, das familiär weitergegebene Mördergen oder die Tragödie seiner Kindheit waren, die ihn zum seelischen Krüppel gemacht haben. Er glaubt jedenfalls, dass er seine Verlobte nicht heiraten darf, bevor der Tod seiner Mutter, der sich ereignete, als er Kind war und für den sein Vater ins Gefängnis gegangen war, wirklich restlos aufgeklärt ist. Er glaubt sogar, dass ihn wiederkehrende Albträume dazu drängen, seine Verlobte zu morden, das Vorbild des Vaters zu wiederholen. Die junge Frau hat vollstes Vertrauen zu ihm und setzt auf die Intelligenz des berühmten Kriminalautors Ellery Queen. Ein etwas lächerliches Gespann, aber Ingrid Bergman traute Gregory Peck ja auch.
Die Mutter wurde seinerzeit offenbar vergiftet. Aber wie soll das überhaupt bewerkstelligt worden sein, wenn es nur ein enges, gut überschaubares Zeitfenster für die Tat gab, während dessen die Frau nichts gegessen, sondern nur etwas Saft getrunken hatte. Es müsste ein Durchreisender getan haben, der in einer knappen Stunde Aufenthalt zwischen zwei Zügen das Haus der Fox' aufsuchte und dann auf Nimmerwiedersehen verschwand. Wer war er, wie kann man ihn finden, welche Motive könnte er gehabt haben? Wenn er es aber nicht war, dann ist es wohl doch der Vater gewesen, der noch zu leben scheint, aber von allen geschnitten wird.
Der Mord von vor Jahren, aber endlich geklärt. Auch dies ein attraktives Thema. Aber ich muss abschwächen, es kommt halb so geheimnisvoll, wie man sich jetzt denken mag, und man müsste sich eher, wie der Kollege von Wikipedia, an der Beschreibung bösartiger Wrightsville-Bürger delektieren, die für die Tat letztlich allerdings dann doch keine Rolle spielen. Ein MacGuffin-Krimi.