Wow. Das war wirklich ein gutes Buch.
Es war genau das, was ich wollte: keine leichte Unterhaltung, sondern sachliche Stellungnahme mit Lerneffekt. Fast könnte man das Buch hier als Einsteigerfachbuch bezeichnen. Es wird auch viel auf Lehr- und Fachbücher bezogen (und eins der Fachbücher habe ich mir nun auch gekauft), sodass hier Leser, die von spektakulären Krimininalfällen träumen, enttäuscht sein werden. Die, die "tiefer" gehen möchten, werden es lieben.
Die Fälle werden nicht dramatisch aufgebauscht und schlagzeilenträchtig erzählt, wie man es von anderen Autoren dieser Art kennt. Hier ist es so simpel wie effektiv: die Tat wird kurz erzählt (meist kaum über 1-2 Seiten hinaus), die ersten Verhöre werden zusammengefasst wiedergegeben und dann kommts zum interessanten Teil: das Gespräch zwischen Nahlah Saimeh und des Täters. Man ertappt sich dabei, wie man mitdiagnostizieren möchte und stellt fest, dass es viel Erfahrung braucht, aber auch kein schwarz weiß Denken. Und mit Voreingenommenheit ist man ganz falsch. Nahlah Saimeh urteilt nicht. Was ich sehr sympathisch finde ist, dass sie, ich zitiere "gegen Dämonisierung und Ent-Humanisierung" der Täter ist. Egal, was er getan hat.
Nicht nur, dass ich mir nun die anderen Bücher von Nahlah Saimeh kaufen muss, ich bin auch sicher, dass ich dieses Buch nicht zum letzten Mal gelesen haben werde.