Ich muss ganz ehrlich sagen: Wenn ich nicht die anderen Rezensionen vorher gelesen hätte, dann hätte ich diesem Buch nur einen Stern gegeben. Ganz einfach weil ich ein Buch noch nie so wenig genossen habe wie dieses. ABer weil ich nur solchen Büchern einen Stern gebe, die ich entweder offensive finde oder wo ich nicht sehen kann, wie sie irgendjemand irgendwie mögen kann, (und diese beiden Punkte nicht zu treffen für Midnight), wurden daraus dann doch 2 Sterne. Für mich persönlich allerdings nur 1 Stern.
Das Buch startet direkt in die Handlung hinein. Jane ist mit ihren Freunden feiern und ignoriert dabei die wichtigen Regeln ihrer Mutter - vor allem, dass sie ihren Heiltrank trinken soll. Dabei entdeckt sie, dass sie magische Fähigkeiten hat und wird auch prompt entführt. Und das sind jetzt noch nicht einmal spoiler weil das alles einfach in den ersten paar Seiten passiert. Nach diesen Ergeignissen verändert sich jane's Welt auf einen Schlag drastisch und sie muss gemeinsam mit ihren Freunden und Archie, den sie im Laufe des Buches kennenlernt, dunkle Machenschaften in Paris aufdecken.
Ok. Was also hat mich an diesem Buch so gestört. Ich könnte wahrscheinlich ein ganzes Essay darüber schreiben, aber ich fange mal mit den gröbsten Schwierigkeiten an. Da ist ganz vorne einmal der Erzählstil. Es wirkt einfach, als ob der Autor nur jede zweite Szene geschrieben hätte, dann darauf gekommen ist, und zwischen den geschriebenen Kapiteln eine kurze Zusammenfassung hinzufügt hätte von dem, was er hätte schreiben sollen. Die Kapitel enden mitten in einer Szene und dann befinden wir uns auf einmal 5 Tage später irgendwo anders und in einem Nebensatz wird alles erwähnt, was dazwischen vorgefallen ist. So a la: Ok, und dann sahen wir Feinde kommen. Ende Kapitel. Nächstes Kapitel: Ich backe einen Apfelstrudel mit meiner besten Freundin Lisa, die bisher noch nie vorgekommen ist. Wir reden über meine Schwester, und außerdem wurden wir vor einer Woche fast umgebracht und durch ganz Paris verfolgt und haben einen Schwur abgelegt, meine verstorbenen Brüder zu Rächen. Meine Schwester ist super.
Und das ist jetzt nicht einmal eine Übertreibung. Diese Erzählstil hat mich dermaßen in den Wahnsinn getrieben, vor allem, da dass so oft passiert ist, dass es eine aktive Entscheidung sein musste. War man einfach zu faul, ein ganzes Buch zu schreiben? Oder dachte man wirklich, dass so etwas dem Leser Spaß macht.
Dieses Problem hängt sehr eng mit dem nächsten zusammen. Denn dieses Buch ist das Negativbeispiel, dass dir dein Deutschlehrer gibt, wenn ihr über "Show, don't tell" lernt. Es wird nichts gezeigt und alles nur erklärt. Angefangen damit, dass oft die wichtigsten, actionreichesten Szenen nur nacherzählt werden. Aber auch Gefühlle, Zweifel, Hintergrundwissen - alls wird nur erzählt. Ich fühle Wut. Ich sah das er traurig war. Ich liebe meine Mutter. So ging das immer. Und es ist ja ok manchmal zu schreiben, aber wenn es immer so ist, wird die Geschichte einfach sehr unauthentisch und langweilig. Zeige mir Gefühl anhand von Mimik, Körpersprache. Zeige mir die Beziehung zwischen Menschen nicht indem du mir sagst, wie die Beziehung ist, sondern mit einer Szene, einer Erinnerung, die diese Gefühle gut beschreibt!
Und auch hier kommt es wieder zu einer direkten Beziehung zu meinem nächsten Problem. Das ist nämlich der gesamte Anfang. Ich denke wirklich, dass wenn der Anfang besser gewesen wäre, ich das Buch vielleicht nicht ganz so gehasst hätte. Ansich mag ich es, wenn man schnell in die handlung einsteigt. Doch hier war es absolut übertrieben. Es fühlte sich an, als würden locker 50 Seiten am Anfang fehlen. Erst nach mehr als 100 Seiten kam es zum ersten Mal zu einem Hauch von Worldbuilding - und das in einer Geschichte, die sich um Magie dreht!! Auch kommen gleich am Anfang sehr viele Twists - die aber den Leser nicht im geringsten kümmern, da man es ja noch nicht anders kannte. Ich werde mich nicht darüber wundern, dass Jane auf einmal magische Kräfte hat, wenn ich noch nicht einmal ein Kapitel über ihren Struggle damit gelesen habe, wie es für sie ist, als einzige ihrer Familie nicht magisch zu sein. Es wurde zwar später darüber geredet, aber das ist dann um einiges langweiliger. Es war unglaublich schwer in das Buch hineinzukommen, weil alles viel zu schnell und viel zu ungenau passierte - und auch viele Sachen einfach nie erklärt wurden.
Auch die Charaktere konnten nichts für mich retten. Sie waren langweilig, haben ständig nur dumme Entscheidungen getroffen und dank des unpersänlichen Schreibstils habe ich keine Bindung zu ihnen aufgebaut. Besonders ein Charakter hat mich aufgereg,t mehr dazu später. Was ich besonders schlimm fand, war, dass immer wieder versucht wurde, die Charaktere zu beschreiben - diese aber immer misslangen. Es wurden seltsame Konflikte an den Haaren herbeigezogen, nur um diese dann entweder zu ignorieren oder halbherzig zu lösen.
Worldbuilding gab es praktisch keines und auch der Schreibstil war absolut nicht meins. Er war von der Art jung und hipp und sher medienbezogen. Viel zu oft gab es Lines wie: "Ich klinge gerade, als wäre ich ineinem dummen Teenie-Film" oder "Das ist so, als wäre ich in einer kitschigen Romanze". Ja. Weil der Autor diese stereotypsicehn Phrasne verwendet, die genauso klingen. Nur weil es ihm bewusst ist, macht das den Schreibstil auch nicht besser.
Das Setting war auf vollkommen irrelevant. Es spielt in Paris, davon spürt man aber nichts. Es gab den halbherzigen Versuch, alles französischer zu machen, in dem die Charaktere hie und da auf französische fluchen, was aber viel zu gestellt wirkt. Hätte man genauso gut auch in Wiener Neustadt ansiedeln können.
Ich komme jetzt zu einem Teil mit Spoilern. Nicht weiterlesen, wenn man keine Spoiler will!!
Ok. Wo anfangen. Am besten mit meinem Lieblingscharakter. Janes Mutter. Wird vorgestellt als eine strenge, aber sorgsame Mutter. Sagt ihrer Tochter, dass sie sie über alles liebt. Dann, plötzlich: Sie fesselt ihre Tochter an ihre Bett und ist Anführer einer Sekte. Sagt absolut grauenhafte Sachen zu ihrer Tochter, verbrennt ihre Schwiegermutter lebendig und so weiter. Ganz normal. Und dann am Ende, hier kommts: Jane sagt ihr, dass sie genauso schlimm wie ihre Großmutter ist. Die Mutter ist schockiert von dieser Erkenntnis und rettet ihre Tochter. Wow. Im sorry, aber das macht absolut keinen Sinn, von vorne bis hinten nicht. Nicht nur macht es keinen Sinn, es hat mich auch auf keine Weise berührt. Ich habe Janes Mutter nie als Mutter kennengelernt. Die erste große Szene mit ihr, und sie beschraft ihre Tochter dafür, dass sie aus einem Gefängnis entkommen ist. Das sollte mich wohl schockieren, tut es aber nicht, weil ich sie ja nicht anders kannte. Hier haben wir wieder das selbe Problem wie mit dem "Ich bin nicht magisch - Aber dann plötzlich doch, omg". I dont care. Because you didn't make me care.
Ein sehr großes Problem hatte ich auch mit der Liebesgeschichte. Wir haben eine klassische Romeo und Julia Situation, ist ja schön und gut. Aber die Art, wie das dargestellt wurde, hat mich einfach fertig gemacht. Hier mal ein Zitat, dass ich ineinem Wutanfall einer Freundin schicken musste, um mich darüber aufzuregen. Das hier ist Janes Gedankengang nachdem sie ein paar Leute komisch anschauen, weil sie den verfeindeten Jungen küsst.
Élian (schwuler bester Freund) kam mir in den Sinn. Erst verstand ich seine Bedenken, einen Mann in der Öffentlichkeit zu küssen. Darüber hatte ich mir bisher nie Gedanken gemacht, doch jetzt fühlte ich es.
Bruh. Du kannst deine kleine Romeo und Julia Geschichte nicht mit der systematischen Diskriminierung vergleichen, die homosexuelle Menschen fürchten und erfahren, das ist einfach nicht dasselbe. Und außerdem - wie unempathisch kann man sein, dass man diese Gefühle erst dann versteht, als man sie selber fühlt?
Einer der schlimmsten Teile war für mich auch das Ende, wo einfach Seite nach Seite nur gekämpft wird, ein ewiges hin und her und wow, the strong female character kann kämpfen. Da war mir dann auf einmal klar, warum die Aktionszenen immer geskippt wurden.
Ok. Ende Spoiler. Nicht, weil ich nicht noch mehr zu sagen hätte, sondern weil ich müde bin und nicht mehr über dieses Buch nachdenken will. Final thoughts: Ich verstehe nicht, warum Leute dieses Buch mögen können. Für mich punktet es nirgends, weder bei Story (viel zu unüberischtlich, unlogisch und uninspiriert), noch der Erzählstil (skipping scenes!!), Schreibstil (hip, telling, not showing), Charaktere (keine Charakterisierungen), Worldbuilding (doesnt really exist) oder sonst irgendwas. Aber anscheinend bin ich sehr viel strenger als andere Leser, daher meine 2 Sterne.