Burak Yilmaz wächst in Duisburg auf, postmigrantisch. Sein Bildungsweg – katholisches Elitegymnasium, Koranschule, Universität – durchkreuzt Milieus, seine Arbeit gefährliche Überzeugungen: Als Reaktion auf den Antisemitismus in seinem Jugendzentrum organisiert er Fahrten nach Auschwitz mit muslimischen Teenagern. Ein Explosionsgemisch aus Schmerz, Enttäuschung, Zugehörigkeit entsteht …
Ehrensache ist ein Zeugnis gegen den Hass, ein einzigartiger Lebensbericht und der dringend nötige Vorstoß an einen neuralgischen Punkt der deutschen Öffentlichkeit.
Unfassbar gutes Buch. Es beleuchtet Antisemitismus in muslimischen Milieus, ohne dieses BS-Narrativ vom "eingewanderten Antisemitismus" zu bedienen.
Yilmaz erzählt vieles anhand seiner eigenen Geschichte und Erfahrungen. Dadurch ist das Buch leicht lesbar, aber ohne zu tagebuch-haft zu sein.
Ich weiß nicht, ob es die richtige Formulierung ist, zu sagen, dass das Buch intersektional ist, aber jedenfalls denkt es die Wechselwirkungen verschiedener Unterdrückungsebenen mit, wie Armut, anti-muslimische Diskriminierung und patriarchale Logik (in allen Familien, nicht nur migrantischen oder muslimischen) Antisemitismus begünstigen können (keinesfalls verwendet Yilmaz das aber als Verteidigung, nur als Ansatzpunkte für seine Bildungsarbeit bzw. soziale Arbeit). Sehr gut finde ich auch, dass die Perspektive deutsch-palästinensicher Jugendlicher zu Wort kommt, die ja wirklich in einer scheiß Situation stecken. Das Buch geht ehrlich damit um, dass politische Zusammenhänge immer komplex sind.
Burak Yilamz scheint ein beeindruckender Mensch zu sein (mutig, wie sich auch an der Offenheit zeigt, mit der er Autobiographisches erzählt, durchhaltend, schlagfertig) und ein beeindruckender Pädagoge (einer, der zuhört, auf das Gegenüber eingeht und Haltung zeigt).
5/5 will read again
(eigentlich Tolino-eBook gelesen, aber ich will jetzt nicht einen Monat warten, bis librarians die Version hinzufügen)
Sehr lesenswert, vor allen Dingen für diejenigen, die mit Menschen zusammenarbeiten, die in ihrer Familie Migrationserfahrungen haben. Es hat mir die Augen geöffnet. Die Beschreibungen der Gefühle dieser jungen Erwachsenen in Auschwitz ist sehr beeindruckend. Ich fühle mich auf meine eigene Fahrt besser vorbereitet.
Der Autor erzählt autobiografisch, wie er als migrantisches Kind aus dem Duisburger Norden seine Heimat Deutschland wahrnimmt, beschreibt die schönen Seiten, den Zusammenhalt und gegenseitige Fürsorge im Stadtteil sowie die Konflikte dort, das Gefühl der Vernachlässigung, Vorurteile gegenüber Menschen, die dort herkommen. Und wie ihm dort und generell in Deutschland Antisemitismus aufgefallen ist. Er begann mit Jugendarbeit, fand Wege, mit Jugendlichen über Judenhass ins Gespräch zu kommen - am besten ging es über das Männlichkeitsbild - und daran zu rütteln. Gemeinsam fährt er mit Jugendlichen nach Auschwitz, nach denen sie über ihre Gefühle und inneren Zerreißungen - insbesondere auch für die palästinensischen Jugendlichen - sprechen. Sie stellen sich die Frage, welche Verantwortung für sie mit der Vergangenheit einhergeht. Die Nazis waren nicht ihre Vorfahren. Trotzdem sind Burak und die Jugendlichen Deutsche und werden in Auschwitz das erste Mal als solche wahrgenommen. Das Buch und Buraks Arbeit zeigen ganz klar, wie Rassismus, Antisemitismus, Sexismus und Klassismus zusammenspielen und vor allem, wie diese Kämpfe gemeinsam bekämpft werden können. Niemals allein, immer zusammen!
Beeindruckend, bewegend, inspirierend - ich habe tiefen Respekt vor der Arbeit von Burak Yılmaz und kann dieses Buch allen ans Herz legen.
Ich habe parallel zur Lektüre Interviews mit Yılmaz gehört und anderen Stellen aus seinem Buch vorgelesen und denke noch viel über seine Aussagen nach und werde seine Arbeit weiter verfolgen.
Höre gerne Burak Yilmaz im Podcast und habe deswegen nun auch sein Buch gelesen. Gut gefallen hat mir die bodenständige, allgemeinverständliche Sprache. Mit großer Offenheit berichtet er über das eigene Leben und seine Emotionen. Eindrücklich sind die geschilderten Erlebnisse und Äußerungen der Jugendlichen. Und zuguterletzt eine super pädagogische Haltung.
Beeindruckendes Plädoyer für Offenheit, Verletztlichkeit und Empathie in der pädagogischen Arbeit. Vor allem die Kapitel zu Auschwitz und Hanau gingen mir auch persönlich sehr nah und waren sehr eindrücklich und emotional.
Wer als Pädagog*in gegen Antisemitismus und Islamismus arbeitet, sollte dieses Buch lesen!
Eine ganz große Leseempfehlung an jede Person die etwas mit Deutschland zu tun hat. Die Art, wie Burak Yilmaz seine Gedanken wieder gibt zeigt, wie unglaublich reflektiert er als Person sein muss. Dieses Buch ist eines der besten die ich je gelesen habe!