Unfassbar gutes Buch. Es beleuchtet Antisemitismus in muslimischen Milieus, ohne dieses BS-Narrativ vom "eingewanderten Antisemitismus" zu bedienen.
Yilmaz erzählt vieles anhand seiner eigenen Geschichte und Erfahrungen. Dadurch ist das Buch leicht lesbar, aber ohne zu tagebuch-haft zu sein.
Ich weiß nicht, ob es die richtige Formulierung ist, zu sagen, dass das Buch intersektional ist, aber jedenfalls denkt es die Wechselwirkungen verschiedener Unterdrückungsebenen mit, wie Armut, anti-muslimische Diskriminierung und patriarchale Logik (in allen Familien, nicht nur migrantischen oder muslimischen) Antisemitismus begünstigen können (keinesfalls verwendet Yilmaz das aber als Verteidigung, nur als Ansatzpunkte für seine Bildungsarbeit bzw. soziale Arbeit). Sehr gut finde ich auch, dass die Perspektive deutsch-palästinensicher Jugendlicher zu Wort kommt, die ja wirklich in einer scheiß Situation stecken.
Das Buch geht ehrlich damit um, dass politische Zusammenhänge immer komplex sind.
Burak Yilamz scheint ein beeindruckender Mensch zu sein (mutig, wie sich auch an der Offenheit zeigt, mit der er Autobiographisches erzählt, durchhaltend, schlagfertig) und ein beeindruckender Pädagoge (einer, der zuhört, auf das Gegenüber eingeht und Haltung zeigt).
5/5 will read again
(eigentlich Tolino-eBook gelesen, aber ich will jetzt nicht einen Monat warten, bis librarians die Version hinzufügen)