Heiligabend 1938. Auf dem Weg in die Weihnachtsferien stranden Professor Stableford und Sir Perceval Holmes im Tal von Gore. Der unheimliche Ort, der seit dem Mittelalter für das rege Treiben seiner Untoten bekannt ist, entwickelt sich auch für die beiden Freunde schnell zum Alptraum. Nach einem Zugunglück suchen sie in einem nahe gelegenen Herrenhaus Hilfe und werden dort Zeugen der Entdeckung eines brutalen Mordes. Stableford versucht sich an dessen Aufklärung, doch die Hinweise und Aussagen der Anwesenden sind dermaßen verstörend, dass er ins Zweifeln gerät, ob er diesem Fall allein mit weltlicher Logik beikommen kann.
Ein winterlicher Whodunit mit unterschwelligem Gruselfaktor und literarischen Bezügen
Vor diesem Roman las ich bereits drei andere Teile der Krimireihe um den Kriminal-Schriftsteller und privaten Ermittler Professor Stableford, die mir bereits gut gefallen haben, und so freute ich mich, diesen aktuellen sechsten Band nun ebenfalls entdecken zu dürfen.
Die Geschichte spielt um Weihnachten 1938 und beginnt mit ein paar literaturwissenschaftlichen Auseinandersetzungen (über den Krimi als ephemeres literarisches Werk) auf einer Zugfahrt zwischen Stableford und seinem Freund Sir Perceval Holmes, die durchaus etwas Selbstironisches an sich haben. Wie schon durch den Namen „Holmes“ als auch den schriftstellerischen Beruf des Hauptprotagonisten ist die ganze Geschichte immer wieder mit Anspielungen auf Literarische Bezüge gespickt, was sowohl amüsant ist als auch für eine unterschwellige Unsicherheit bei uns Lesern sorgt, was nun Wirklichkeit ist und was nicht, und den neuen Fall zugleich wirklicher erscheinen lassen. Vom Lesegefühl her haben die Bücher der Reihe stets etwas sehr Geheimnisvolles, Surreales an sich wie ich es früher von Fünf-Freunde-Geschichten her kenne, also nicht immer so Cosy Crime im engeren Sinne, aber ein Whodunnit mit unterschwelligem Gruselfaktor, der mir wieder sehr gut gefiel.
Dieser sechste Fall beginnt damit, dass ein Weihnachtsmann vom Zug überfahren wird, was nicht nur viele Rätsel aufgibt, sondern die kleine Gesellschaft darüber hinaus am Weiterfahren hindert, sodass sie sich zu Fuß zu einem Herrenhaus weiter durchschlagen müssen - wo bei ihrer Ankunft just auch die Hausdame erschlagen wurde … da auch die Polizei nicht zu ihnen durchkommen wird und die Telefonleitungen tot sind, ist Professor Stableford, der gelegentlich als privater Ermittler für das War Office tätig ist, mal wieder dazu gezwungen, selbst zu ermitteln … dabei spielen auch Geschichten über einen Fluch sowie über Wiedergänger und Untote eine Rolle.
Zwar spielt der Roman um Weihnachten, ich würde ihn jedoch eher als winterlich statt wirklich weihnachtlich beschreiben.
Wer also Lust hat auf einen winterlichen Krimi mit einem wie so oft scheinbar unlösbarem Verbrechen, wie ich sie liebe, ist mit diesem Roman mit Sicherheit gut beraten. Gerade die Bücher dieser Reihe lassen sich meiner Meinung nach auch gut in nicht-chronologischer Reihenfolge lesen.
Herzlichen Dank an Netgalley und den Dryas Verlag für dieses Rezensionsexemplar!