Warum dieses Buch? Seit über zwei Jahrzehnten fahre ich mit einem Omnibus durch Berlin. Die täglichen Eindrücke sind so vielfältig, wie es Farbtöne auf der Welt gibt. Viele dieser Erlebnisse landen auf dem Frühstücks, - Mittags- oder Abendbrottisch. Auf Familienfeiern oder anderen Festen gelingt es mir die Anwesenden zum Lachen zu bringen, wenn ich von meinen Beobachtungen berichte. Stammfahrgäste rieten mir immer wieder, meine Anekdoten aufzuschreiben. Jene Episoden schriftlich zu fixieren hielt ich für eine zu umfangreiche Arbeit, wofür mir die Motivation fehlte. Bus fahren und Fahrgäste ertragen ist auslastend genug. Ich fürchtete mich vor quälenden Gedanken, wie ich meine Erlebnisse zu Papier bringen könnte. Doch geht das Schicksal manchmal andere Wege. Im Januar 2012 entschloss ich mich spontan, das Studium „Schule des Schreibens“ zu beginnen. Ich wusste keineswegs, warum es ein Studium sein musste. Fängt so die Midlife-Crisis an? Einmal angemeldet, war klar, dass ich von einem Tag auf den anderen etwas zu Papier bringen musste. Was für eine verrückte Idee?! Nach umfangreichem Grübeln, womit ich beginnen könnte, eilte mir der Zufall zur Hilfe. Die Idee für dieses Buch lieferten die traurigen privaten Erfahrungen eines Polizisten mit Busfahrern. In meinem Erstlingswerk, das ganz ohne Skandal auskommt, entführe ich Sie, liebe Leser, in die Arbeitswelt eines Busfahrers und schildere in kurzweiliger wie amüsant Art, warum wir zu spät, oder gar nicht an Ihrer Haltestelle vorbeikommen.
Das Buch hat mir echt Spaß gemacht. Es las sich in einem Rutsch weg. Ich lese gerne über Menschen und ihr Leben in anderen Ländern/Städten, die mich aktuell interessieren. In Berlin war ich noch nicht, würde das aber gerne demnächst nachholen. Es war interessant über den Alltag von Antje Boesler als Busfahrerin in der Hauptstadt zu lesen. Von pöbelnden Fahrgästen, hilfsbereiten LKW Fahrern, kratzbürstigen Busfahrerkollegen über nette alte Omis und Türstehern, die den Busfahrern schützend zur Seite stehen, war alles dabei. Die kleinen Illustrationen zwischen den Kapiteln fand ich auch sehr hübsch. Einzig die etwas zu große Schrift mit den großen Abständen zwischen manchen Worten hat mich manchmal etwas gestört. Da hätte man Papier sparen können. Dennoch war es mal ein schöner Einblick in den Alltag eines Busfahrers und was sie so täglich erleben (müssen). Ich denke, ich persönlich bin ein netter Fahrgast. Aber auch ich vergesse manchmal durch Stress mitunter das Lächeln oder eine freundliche Begrüßung. Das Buch erinnert daran, dass Busfahrer keine seelenlosen Roboter hinterm Steuerrad sind, die absichtlich zu spät kommen und Fahrgästen auch gerne mal vorsätzlich vor der Nase wegfahren. Nein, sie freuen sich über freundliche Fahrgäste und auch über ein ab und zu geäußertes nettes Wort, drücken für diese auch mal ein Auge zu bei der Ticketkontrolle und werden sogar zu Detektiven wenn es um das Auffinden von Besitzern riesiger Handtaschen geht. Ich werde mein Lächeln und die freundliche Begrüßung jedenfalls in Zukunft nicht mehr vergessen. Danke für den Einblick :)
Eigentlich wollte ich 3 Sterne geben, da es eigentlich ein ganz ok-es Buch voller kleiner Geschichten aus dem täglichen Leben einer Busfahrerin ist. Leicht geschrieben und meistens ganz unterhaltsam. Als "nebenbei" Lektüre ist es bestimmt ganz ok. Unterm Strich sind die Anekdoten jedoch sehr nichtssagend und alltäglich bis lowkey langweilig. Daran kann auch der humoristische Schreibstil wenig ändern. Vor allem, da er teilweise sehr... "Boomer-Humor" ist. Da bin ich wohl einfach nicht die richtige Zielgruppe. Großen Abzug gibt es jedoch für das unzensierte Ausschreiben/Aussprechen des N-Worts, das reproduzieren von diffamierender Sprache, vor Allem geschlechtsspezifischen Beleidigungen gegen Frauen gerichtet. Das ist weder cool, noch nötig, noch lustig. An anderen Stellen schafft es die Autorin auch, Schimpfwörter unter dem Mantel "Begriffe, die nicht für minderjährige Ohren bestimmt sind", gesammelt *nicht* zu nennen. Warum ist die unzensierte Nennung an anderer Stelle dann nötig? Des Weiteren empfand ich die teilweise vorurteilsvoll behaftete Beschreibung weiblicher Passagiere als veraltet. Auch die Heroisierung der Institution Polizei empfinde ich als äußerst undifferenziert. Die "armen Beamten". Ouff. Alles in Allem kann ich dieses Buch dann leider doch nicht empfehlen, obwohl es an sich eine ganz nette Idee ist.
Die ersten 40 Jahre meines Lebens bin ich in Berlin hauptsächlich mit der BVG unterwegs gewesen. Ich könnte darüber, was ich da so alles erlebt habe, vermutlich auch ein Buch schreiben. Ich habe von unverschämt motzenden über grummelige und gelangweilte bis hin zu sehr freundlichen und extrem humorvollen Busfahrern und Busfahrerinnen sämtliche Schattierungen dieser besonderen Berufsgruppe erlebt. Wenn man die Geschichten von Antje Boesler liest, versteht man, warum dies ein ganz besonderer Menschenschlag ist oder besser: sein muss. Ich würde es in dem Beruf sicher keinen halben Tag aushalten. Ich habe beim Lesen viel gelacht, war aber auch oft sprachlos und erschüttert. Vor allem dass es an den Endhaltestellen oft keine Möglichkeit gibt, auf Toilette zu gehen, daran sollte die BVG dringend arbeiten. Über den Personalmangel muss man sich jedenfalls nicht wundern, solange dieses Problem nicht behoben wurde.
Tipps: Es gibt eine kostenlose Leseprobe. Schaut unbedingt rein, auch wegen der netten Illustrationen! Es gibt auch eine Hörbuchfassung, gelesen von Stefanie Heer. Natürlich gibt es dazu auch eine kostenlose Hörprobe. Wollt Ihr mehr in dieser Richtung lesen, dann greift zu den Büchern von Susanne Schmidt: "Machen Sie mal zügig die Mitteltüren frei" und "Please leave the bus hier. Ein Bus, 26 Haltestellen, eine Berlinerin erzählt".