Noa, die Protagonistin des Romans, flieht aus der Stadt nach Südfrankreich auf einen Bauernhof. Sie leidet unter Panikattacken, hat Angst vor Terroranschlägen, wenn sie mit der U-Bahn fährt und fühlt sich schuldig, weil Männer mit Bärten ihre Angst triggern.
“Ich habe immer vor mir gesehen, wie ich unter einen Sitz krieche, um keine Kugeln abzukriegen, oder die U-Bahn, von außen, so eine U-Bahn-Wurst, die aufgeplatzt ist, und wie dann alle Drähte raushängen, aber auch das blanke Fleisch – von allen, die zu nah an dem Typen…”
Auf dem Hof der Aussteiger Georg, Ella und deren Tochter Jade eröffnet sich ihr eine neue Welt, die ihr zunächst fremd ist, an die sie sich jedoch langsam gewöhnt. Sie lernt mit den Schafen umzugehen, Gemüse zu pflanzen, den Marktstand aufzubauen und Zäune zu setzen. Auch die Umgebung, die Natur wird ihr mit der Zeit vertrauter.
Noa muss jedoch auch miterleben, wie der Klimawandel die Bewirtschaftung des Hofes immer anstrengender gestaltet. Dürre und Hitze lassen den Boden austrocknen, Unwetter und Regengüsse die Weiden überschwemmen.
Miriam Wittigs Roman zeichnet das Porträt einer Generation, deren Leben durch Ängste und Ungewissheiten bestimmt wird. Da ist zunächst die ständige Angst vor Gewalt, die Noa begleitet, aber später auch das Bewusstsein über die Auswirkungen des Klimawandels.
Mir hat es zuweilen an Fokus gefehlt. Einzelne Szenen vermögen zwar durch ihre starken Bilder besonders zu überzeugen, andere wirken hingegen eher verschwommen. Es fehlt ihnen an einer Richtung, sie ziehen sich in die Länge oder wirken ausschweifend. Vielleicht sind es zu viele Themen, derer sich Wittig auf nicht einmal zweihundert Seiten anzunehmen versucht, vielleicht hätte es besonders in der Mitte des Romans eines härteren Kerns bedurft. So vermag der Roman jedenfalls nicht ganz zu überzeugen.