»Der Fuchs weiß viele Dinge, aber der Igel weiß eine große Sache.« Archilochos Wer kennt sie nicht, die schmatzend-schnaufenden Laute im Laub – und die so wundersame wie wehrhafte Kugel, die sie verursacht? Und wer kennt nicht den Wunsch, es dem Igel gleichzutun und sich zur Not Tausende von Stacheln wie eine Kapuze über den Kopf zu ziehen? Der Igel ist ein scheuer, doch überzeugender Held, der Hasen überlistet, die griechische Philosophie inspirierte und schon seit Jahrmillionen mit kurzen Beinen auf diesem Planeten trippelt.
Verena Auffermann folgt der Spur des zweigesichtigen, mitunter agressiven Eigenbrötlers mit flauschigem Bauch und stacheligem Rücken: von den Höhlenmalereien in Lascaux über Tolstoi, Dostojewski und die Meckifrisur bis zu japanischen Igelkraulcafés – und entdeckt die verwundbare Stelle des kleinen Achill – es sind die immer wärmeren Winter und die zunehmend trockene Erde, die das Fortleben des so beliebten wie scheuen Stacheltiers bedrohen.
Die Texte kamen mir oft unfertig vor, Themen werden angerissen, aber nicht tiefer erörtert. Dass teilweise selbst innerhalb eines Absatzes schlagartig das Thema gewechselt wurde, fand ich ziemlich irritierend.
Fand ich von allen Naturkunden, die ich kenne (und das sind nur 3 weitere) bisher am schwächsten. War irgendwie nicht mit so viel Leidenschaft geschrieben, obwohl die Autorin durchaus persönliche Verbindungen zum Igel aufführt. Viel wird angerissen, aber eigentlich nur in kleinen Infobatzen runtergeschrieben ohne große Verbindungen miteinander oder interessante Thesen. Trotzdem wieder schön illustriert und mit einigen interessanten Fakten über diese stacheligen Einzelgänger.
Schönes, kurzweiliges Buch. Kommt leider nicht an den Band über Austern aus der Reihe Naturkunden ran. Es wird dreimal wiederholt, dass Igel 6000 bis 8000 Stacheln haben — ein Kunstgriff oder ein Fehler der Redaktion? Anyway. Viele gute Igelbilder. 4/5 Sternen :)