Ruby „Red“ McCoy wächst ab Mitte der 70er Jahre in New South Wales mutterlos bei ihrem allein verantwortlichen Vater Sid auf. Sidney McCoy, den seine kleine Tochter bedingungslos verehrt, spielt Geige und ist Meister genialer Geschäftsideen, die sich stets als Luftschlösser erweisen werden. Während Tausende ihre Arbeit verlieren, finden Sid und sein Kumpel Chook die Lebensaufgabe, beim Abriss eines ganzen Kraftwerks Metalle zu sichern. Doch Sid phantasiert den größten Blödsinn aller Zeiten heran und verhökert die heiße Ware auf eigene Rechnung. Beide Männer ahnen nicht, dass die korrupte lokale Polizei das Geschäft organisiert und Sids Alleingang alle auffliegen ließ. Die Fehde, die bereits seit Großvaters Zeiten die Familien McCoy und Healy entzweit, wird neu befeuert und Sid zu einer mehrjährigen Gefängnisstrafe verurteilt. Red hat das Glück, dass sie Stevie, den Sohn der Buchhändlerin, vor dem Ertrinken gerettet hat und während Sids Haft von Lorraine als Pflegetochter aufgenommen wird.
Rotschopf Red lernt in diesem Milieu, dass die Polizei stets auftaucht und sie schikaniert, wenn Sid und sie gerade eine Glückssträhne erwischt zu haben glauben. In drei großen Schritten von jeweils 5 Jahren liefert Sids Tochter ein Manifest gegen Polizeiwillkür und Korruption ab, das den Sound einer Tonaufnahme trägt. Felicity MacLean steckt eine mutterlose Jugendliche, die am Ende der Handlung noch nicht volljährig ist, in die Rolle einer Gesetzlosen, deren Ähnlichkeit mit Australiens Nationalheld (und ebenfalls Verfasser eines Manifests) Ned Kelly beabsichtigt ist. Red entwickelt sich vom Kind, das zunächst nur die Fassade der Ereignisse wahrnimmt, zur jugendlichen Gesetzlosen, die zum Ende der Geschichte von sich und ihrer Pistole in Wir-Form erzählt. Eine für Red typische Szene: die Zimmerdecke fällt plötzlich herab – und verzögert realisiert sie, dass gerade in der gesamten Straße ein Erdbeben den Putz reißen lässt.
Fazit
Red McCoy klagt atemlos ohne Punkt und Komma an, als spräche sie einer interviewenden Person in die Diktierfunktion. Die Korruptheit der einheimischen Polizeikräfte kann einem in ihrem Bericht tatsächlich den Atem rauben. Dass der gesamte Roman in Reds atemlosen Tempo erzählt wird, konnte mich hier jedoch nicht vollständig überzeugen; denn nicht allein Red spricht darin, weitere (erwachsene) Personen hätten ihr eigenes Sprechtempo verdient.