Gehaltvoll und vielschichtig obduziert Daniel de Roulet in "Staatsräson" die zeitgenössische und historische Schweizer Staatsidentität, indem er sich mit Themen und Konflikten beschäftigt, die das in Europa stets als neutral bezeichnete Land, dessen von Konflikten durchwobene innenpolitische Situation den meisten Lesenden größtenteils unbekannt sein dürfte.
"Staatsräson" beschäftigt sich mit historischen Entwicklungen von nationaler und europäischer Tragweite – behandelt werden die Jurafrage, maßgebliche Momente aus der RAF-Geschichte, der mysteriöse Todesfall des Berner Soldaten Rudolf Flükiger sowie diverse innenpolitische Wechselwirkungen und Geheimnisse, die bis dato nicht gelüftet worden sind.
So vielfältig und interessant dieses kurze Büchlein inhaltlich ist, so spannend die Verfolgung der fiktiven Ermittlungen des Journalisten Meienberg durchgehend bleiben, eröffnete sich mir der Sinngehalt der Einordnung als Roman und die Wahl des auktorialen Erzählers nicht wirklich. Was bereits als polithistorischer Essay oder eine vergleichbare Kurzform wunderbar funktionieren würde, wird durch das Addendum der fiktionalen Dimension weiter kompliziert.
Meines Erachtens legt de Roulet sich mit dem Versuch literarischer Verschnörkelung einige Steine in den Weg. Wo bereits mit Scharfblick auf spannende Sachverhalte eingegangen wird und interessante Zusammenhänge zwischen Facetten eines Staates hergestellt werden, muss nicht zusätzlich darüber sinniert werden, ob wie ein Erzähler seinen Protagonisten darzustellen hat. Gerade wenn den Figurenentwicklungen oder -Dynamiken insgesamt keine tragende Rolle zuteil wird.
"Staatsräson" wird jedem polithistorisch Interessierten ordentlich Verzehr anbieten: es erwartet eine gehaltvolle Geschichte in rasantem Erzähltempo. Warum allerdings die Ambition bestand, diesen kurzen Text als Roman zu stilisieren, bleibt dennoch im Raum stehen.
A truly interesting story regarding the darker aspects of the past of Switzerland. One being the tumultuous upheaval that kept shaking the northwest of the country until the formation of the canton of Jura and the other being the tragic story of the Swiss journalist Nikolaus Meienberg, who was ostracised by the Swiss press for his relentless, and oftentimes reckless, pursuit of the truth. A man who was so unsatisfied with anything but the absolute truth, the he wasn't afraid to step on the feet of the wealthy and the powerful. This novel (or should I call it a novella) only follows him for a part of his journey and gives an insight into his mad obsession - trying to uncover the truth about a series of death, which the government brands as suicides for a matter of national security (Germany was being ravaged by internal communist terrorism at the time), he doesn't shy away from getting himself into danger. In the end, I can only give the book four stars for the simple reason that it is too short, de Roulet could've easily written a book series about this fascinating man.