Gradys Leben in Maine ist durch einen schweren Schicksalsschlag geprägt, der seinen Bruder in die Drogensucht gebracht und Grady das Selbstvertrauen genommen hat. Als er die Chance erhält, auf Hawaii einen Hausmeisterposten bei einem Millionär anzunehmen zögert er nicht lange und ergreift die Chance, sich endlich unter Beweis zu stellen und auf eigenen Füßen zu stehen.
Aber die Stimmung auf Hawaii ist stark geprägt von der ersten Covid-Welle, die den wirtschaftlich so wichtigen Tourismus stark einschränkt. Hinzu kommt, dass auf der Insel ständig Menschen spurlos verschwinden und Grady erfährt, dass unter anderem eine junge Frau verschwunden ist, die er auf dem Flug nach Hawaii kennen gelernt hat.
Während er seine Arbeit als Caretaker aufnimmt und die meiste Zeit vollkommen alleine auf dem riesigen Anwesen ist, wird er immer tiefer in die mysteriösen Vorgänge auf der Insel hineingezogen.
Mehr sei zur Handlung nicht verraten.
Die Geschichte schreitet sehr langsam voran, entwickelt dabei aber von Beginn an eine ganz eigene und eigenartige Stimmung, die mich gefesselt hat. Hand hat mit HOKULOA ROAD einen Roman vorgelegt, der sich auf kein typisches Genre festlegen lässt. Das Verschwinden der vielen auf der Insel lebenden Menschen deutet auf einen Krimi hin, möglicherweise treibt ein irrer Massenmörder sein Unwesen.
Zugleich spielt aber auch die Kultur, hawaiianische Mythen und Folklore, eine große Rolle und bringen ein übernatürliches Element in die Story ein.
Besonders genau beschreibt Elizabeth Hand die exotische Pflanzen- und Vogelwelt, die eine nicht minder bedeutende Rolle in dem Roman spielen.
Die enge Bindung an Landschaft und Folklore ließ mich an British Weird denken, ein Genre, dass ich in den letzten Jahren besonders schätzen und lieben gelernt habe. HOKULOA ROAD ist kein actiongeladener Krimi und kein blutiger Horrorroman, sondern eine subtil erzählte Geschichte, die auf intensive Stimmung und ein Gefühl der schwer greifbaren Bedrohung setzt. Mehr als einmal musste ich an Bücher von Jeff VanderMeer denken.
Lange sind sich Grady und der Leser im Unklaren darüber, was auf der Insel vor sich geht.
Gerne hätte ich HOKULOA ROAD mit fünf Sternen bewertet, aber die letzten 100 Seiten, die die Auflösung der mysteriösen Geschehnisse bringen, haben mich dann leider doch nicht mehr so ganz überzeugen können. Es war ab einem bestimmten Punkt klar, dass Elizabeth Hand nicht mit einer monokausalen Erklärung aufwarten kann, aber das Ende des Romans war für meine Geschmack unbefriedigend, auch wenn eine klare, eindeutige Erklärung und Auflösung der Handlung aufgrund der gesamten Anlage nicht möglich ist.