»Elisa Aseva schreibt auf facebook vielleicht die besten literarischen Posts, die man im deutschen Internet finden kann.« (Berit Glanz im Deutschlandfunk)
Elisa Asevas Gedichte werden vertont und auf Twitter in Bots verwandelt. Ihre Poesie ist unmittelbar, ihre Statements zeigen klare Kante und gerät sie ins Erzählen, endet es viel zu früh. »Über Stunden« ist die fein komponierte Sammlung ihrer besten Posts, denen man sich überlassen kann, um ihnen über Tage nachzuhängen. Vielleicht länger.
Das Buch liegt schon länger ausgelesen auf dem Nachttisch. Ich konnte mich nicht zu einer Bewertung durchringen, war unsicher, was ich daran wie gut finde und warum. Die Form des Buches scheint mir für diese kurzen Texte nicht ideal. Doch in welcher anderen Form liessen sie sich aus der Facebook-Timeline ins Printbusiness überführen? Gedruckt auf eine Papierrolle? – Viele der Posts sind Fünfsterner, viele habe ich mehrfach gelesen, habe gestaunt über die Schärfe der Beobachtungen und der Sprache, über die Denkbewegungen von Aseva, über die Formen, die sie dafür findet, und darüber, wie sie mit diesen Formen spielt. Andere sind belangloser oder plakativer, weniger überraschend, was in der Natur der Sache liegt, vermute ich, und sein muss, denn ohne sie wäre der Glanz der Glanzstücke nicht sichtbar.
Man muß sich erst einlesen, was bei der Kürze der meisten Texte nicht ganz einfach ist. Dafür bleibt man dann hängen, liest mehrmals, staunt über Formenvielfalt und Gedankenschärfe, liebt die Texte wegen ihrer umwerfenden Poesie und ihrer berührenden Ehrlichkeit und erschütternden Offenheit - ich habe mir fast drei Jahre Zeit mit dem Buch gelassen und es durch die halbe Welt getragen. Es begleitete mich durch Deutschland und nach Österreich, Frankreich und in den Senegal, und überall, wo ich war, trug ich es wie einen Schatz, der es auch ist.