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Falladas letzte Liebe

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Hans Falladas letzte Jahre in Berlin – ein literarisches Kabinettstück und eine faszinierende neue Sicht

Die Studentin Christa Wolf tippt in ihrer Leipziger Wohnung einen Brief. Sie interessiert sich für die autobiographischen Züge in Falladas Werk – und bekommt von dem Dichter und Funktionär Johannes R. Becher, der sich zuletzt aufopfernd um den alkohol- und morphiumsüchtigen Autor gekümmert hat, nur eine ausweichende Antwort. An welche Tabus hatte ihre Frage gerührt?

Michael Töteberg gibt eine literarische Antwort auf den Brief der jungen Wolf und erzählt von Falladas Stunde null zwischen zwei Frauen, von alten Dämonen und neuen Horizonten und von der unvergleichlichen Kraft der Literatur. Eine herzzerreißende Geschichte von universeller Gültigkeit über die menschlichen Abgründe – und eine Liebe, die dagegen ankämpft.

336 pages, Hardcover

Published November 15, 2021

14 people want to read

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Michael Töteberg

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365 reviews40 followers
November 15, 2021

Michael Töteberg ist Journalist und Autor vieler Film-Bücher. Er war Leiter der Agentur für Medienrechte im Rowohlt Verlag. Seine umfangreiche Kenntnis zu Hans Fallada und seinem Werk bildet die beeindruckende Grundlage zu diesem neuen Buch, in dem es um Falladas letzten Lebensabschnitt 1945 bis 1947 geht. Titel und Cover wurden dazu meiner Meinung nach nicht ganz glücklich gewählt, es handelt sich auch nicht um eine rein romanhafte Umsetzung, Michael Töteberg selbst spricht im Nachwort von einer "dokumentarischen Erzählung", und das ist sehr gut und passend benannt.

Falladas Leben und Werk lässt sich drei Abschnitten zuordnen, es sind sozusagen "drei Schriftstellerleben, jedes verbunden mit einer Frau". Die ersten beiden Romane schreibt er durch Unterstützung und Ermunterung von Anne Marie Seyerlein, die großen Erfolge wie "Kleiner Mann was nun" oder "Wer einmal aus dem Blechnapf frisst" wären ohne den stabilisierenden Einfluss seiner zweiten Ehefrau Anne Issel wohl nicht möglich gewesen, und schließlich die letzten Lebensjahre, geteilt mit Ulla Losch, der neuen Liebe und letzten Ehefrau Falladas. Ihr Einfluss dürfte ihn in seiner literarischen Arbeit eher behindert haben; er liebt diese junge Frau und sie organisiert seinen Alltag, tieferes Verständnis für seine Bücher fehlt ihr jedoch. Aber sie hat eine Wohnung in Berlin, beschafft im kargen Nachkriegsdeutschland Kleidung und Nahrung, doch ist sie auch mit der Beschaffung von Drogen beschäftigt, denn sie ist – wie er – morphinabhängig. Eine fatale Spirale beginnt: Drogen, Entzug, kurze Arbeitsphasen, Drogen, Entzug, Schulden …. Immer schneller dreht sich die Schraube, drückt auf Falladas künstlerische Kraft, auf Hirn und Herz.

Dazu ist es für ihn schwierig, einen Verleger zu finden. Er gilt als politisch nicht unbelastet, hatte sich in Nazideutschland in der mecklenburgischen Provinz eingerichtet, seine Bücher waren Bestseller und wurden nicht etwa verbrannt oder verboten. Für den Neubeginn 1945 waren das nicht die allerbesten Voraussetzungen. Michael Töteberg bringt hier nach meiner Meinung zu viele Details, zu reich sein Wissen um Verleger und deren wirtschaftlich-politisch motivierten Entscheidungen, das ist durchaus interessant zu lesen, bildet jedoch durch die Fülle der dargestellten Gespräche und Vertragsverhandlungen einen Schwerpunkt, der nicht so recht zum Titel des Buchs passt, Straffung hätte hier gutgetan.

Fallada erfährt schließlich Unterstützung durch den Schriftsteller Johannes R. Becher. Nach dem Exil in der Sowjetunion nun In Ost-Berlin lebend, konnte er ihm Zusagen für die Veröffentlichung im neu gegründeten Aufbau Verlag machen, dass stabilisiert die literarische Produktivität Falladas. Doch ist er nun nicht frei von Wünschen und Richtlinien der sowjetischen Besatzer.

Michael Tötebergs Buch wird hoffentlich neue LeserInnen für Falladas Werk interessieren, es bietet auch für Kenner viele Details und motiviert durchaus zum Wiederlesen der Romane und Erzählungen dieses oft so widersprüchlichen Autors.
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224 reviews23 followers
January 27, 2022
REZENSION – Wer Fallada liebt, muss Töteberg lesen; wer Fallada nicht kennt, erst recht. Auf den knapp 340 Seiten seiner im November im Aufbau Verlag erschienenen Romanbiografie „Falladas letzte Liebe“ über die knapp zwei letzten Lebensjahre des vor allem in der Weimarer Republik überaus erfolgreichen Autors fasst Michael Töteberg (71) unter Verwendung umfangreichen Archivmaterials alles zusammen, was Hans Fallada (1893-1947) in seinen Stärken und Schwächen als Mensch und vor allem als Schriftsteller so besonders macht.
Ausgehend von einem als Prolog vorgeschalteten Brief der damals 24-jährigen Literatur-Studentin Christa Wolf (1929-2011) an den langjährigen Präsidenten des Kulturbundes Johannes R. Becher zur Person Falladas, beantwortet nun 70 Jahre später Michael Töteberg in seinem Buch jene Fragen Wolfs, die Becher ihr sechs Jahre nach Falladas Tod verweigerte, „da ich Fallada erst 1945 kennengelernt habe“. Tatsächlich hatte Becher den berühmten Schriftsteller in dessen letzten Monaten sehr genau kennengelernt. Immerhin war er es, der Fallada ab Ende 1945 als Hausnachbar und Geschäftspartner zur Seite gestanden, ihn in seinem Kulturbund als „Aushängeschild“ aufgenommen und ihm die ersten Aufträge nach dem Krieg bis hin zum letzten Roman „Jeder stirbt für sich allein“ vermittelt hatte, dessen Erscheinungstermin sich jetzt zum 75. Mal jährt. Ausschließlich Becher mit seinen breit gestreuten Kontakten zu deutschen Kulturschaffenden im In- und Ausland hatte es Fallada zu verdanken, überhaupt eine Zuzugsgenehmigung nach Berlin und Lebensmittelkarten für sich und seine zweite Ehefrau Ulla zu bekommen. „Becher glaubte an den Autor Fallada. Mehr als dieser an sich selbst.“
Kaum jemand anderer als Michael Töteberg dürfte nach Jahren als Mitarbeiter des Rowohlt Verlags, in dem Falladas Romane vor dem Krieg erschienen waren, sowie nach Jahren intensiver Beschäftigung mit Falladas Gesamtwerk und als Herausgeber des Buches „Hans Fallada. Ewig auf der Rutschbahn. Briefwechsel mit dem Rowohlt Verlag“ besser berufen sein, über diesen an Alkohol und Morphium zugrunde gegangenen Schriftsteller zu schreiben. Als Vorsitzender der Hans-Fallada-Gesellschaft hat Töteberg zudem direkten Zugriff auf Archivmaterial jenseits der Romane Falladas, nämlich auf persönliche Aufzeichnungen und die Privatkorrespondenz des fleißigen Briefschreibers.
„Falladas letzte Liebe“ schildert keineswegs nur dessen letzte Lebensjahre 1945 und 1946 im zerstörten Berlin, wo Fallada mit Bechers Hilfe einen Neustart versucht, der ihm mit der Veröffentlichung neuer Kurzgeschichten in der „Täglichen Rundschau“ auch halbwegs gelingt. „Berlin, das war nach zwölf Jahren Carwitz noch einmal ein neues Leben gewesen. Ein Lebensabschnitt, sein letzter, das spürte Fallada.“ Von der Alkoholsucht befreit, ist der einst gefeierte Schriftsteller zu schwach, dem Morphium zu widerstehen, zumal er an Ehefrau Ulla, die selbst stark morphiumsüchtig ist, keinen Halt findet, wie er ihn früher bei Ehefrau Suse hatte, an die er voller Selbstmitleid und Selbsterkenntnis schreibt: „Ich bin wie ein Lahmer, der bisher geführt wurde, der aber jetzt nicht nur allein gehen muss, sondern auch einen Blinden führen muss.“
Fast wirkt Tötebergs „Falladas letzte Liebe“, als sei das Buch mit seiner umfassenden Sammlung von Rückblenden auf Falladas Leben, Erinnerungen an dessen Werke und vielen Zitaten aus Falladas Briefen ein Zusammenschnitt dessen Lebens, als liefe alles unweigerlich auf diese letzten zwei Jahre zu und fände mit dem frühen Tod des Schriftstellers den unvermeidbar tragischen Abschluss. Wer Fallada bisher nicht kannte, lernt diesen begnadeten Schriftsteller in Tötebergs Buch als tragische, zwiegespaltene Persönlichkeit kennen. „Es gab immer zwei Falladas. Der eine liebte das Familienleben. Der andere wollte allein sein, unbelästigt von aller Realität.“ Fallada erscheint wie eine Figur seiner eigenen Romane. Tatsächlich steckte ja auch in jedem Fallada-Roman ein Stück von ihm selbst, wie Töteberg aufzeigt. Dies und vielmehr erfahren wir aus Tötebergs literaturwissenschaftlich höchst interessanten, trotz aller Fachkunde leicht lesbaren Romanbiografie. „Falladas letzte Liebe“ macht Appetit auf die Neuausgaben der Werke Falladas, die glücklicherweise seit einigen Jahren im Aufbau Verlag erscheinen.
272 reviews2 followers
December 1, 2021
Meine ersten Erfahrungen mit „Erwachsenenliteratur“ sind untrennbar mit Hans Fallada verknüpft. „Kleiner Mann, was nun“ war der erste seiner Romane, die ich als junger Mensch gelesen habe. Daher war es für mich nach der Lektüre von „Meine lieben jungen Freunde: Briefe an die Kinder“ klar, dass ich auch Michael Tötebergs Buch „Falladas letzte Liebe“ unbedingt lesen wollte. Der Autor ist Fallada-Fachmann, das Buch aber keine Biografie, sondern vielmehr eine dokumentarische Erzählung über die letzten Lebensjahre des Autors. Herausgekommen ist für mich ein enorm lesenswertes Buch über den Schriftsteller, basierend auf seinen Werken, Briefen oder anderen Zeugnissen, bei denen sich der Autor nach eigenen Aussagen „eng an die überlieferten Dokumente gehalten, sich jedoch die Freiheit genommen, Dinge zusammenzuziehen und die Chronologie leicht zu verändern.“ Einerseits ist Falladas Geschichte nach 1945 eine Nachkriegsgeschichte wie viele andere, voller Not, Probleme mit der russischen Besatzung und Unsicherheit. Andererseits ist sie natürlich sehr besonders, denn nichts in Falladas Leben scheint „gewöhnlich“ gewesen zu sein.
Die letzten Lebensjahre teilte Hans Fallada nach der („ekligen“) Scheidung von seiner zweiten Frau Anne Issel (von ihm Suse genannt) 1944 mit seiner 28 Jahre jüngeren Ehefrau Ulla Losch. Nichts in Falladas Leben war einfach, so auch diese letzte Ehe nicht. Nach 20 rauschgiftfreien Jahren kommt er durch Ulla an Morphium und beide rutschen schnell tief in die Sucht, aus der sie sich auch durch zahlreiche Entziehungskuren nicht befreien können. So liebevoll die Beziehung zwischen den beiden gewesen sein mag – für Fallada begann damit wohl endgültig der Anfang vom Ende („Ulla war sein Glück, aber – das ahnte er von Anfang an – auch sein Unglück“) und eine Spirale aus Drogen, Entzug, Euphorie, Alkohol, Todessehnsucht, finanziellen Problemen („Ulla war groß im Geldausgeben.“, was zuletzt zu zigtausend Mark Schulden führte), Schaffensperioden, Schaffenskrisen, Entzug und immer wieder Rückfällen in die Sucht. Dazu Streitigkeiten mit der ex-Frau und Probleme mit der russischen Besatzung (er musste als Bürgermeister in Feldberg fungieren, ein Amt, das er hasste und dessen Ausübung ihn bis zum Zusammenbruch quälte). Da er während der Zeit des Nationalsozialismus als reiner Unterhaltungsschriftsteller sehr erfolgreich war, hatte er zudem große Schwierigkeiten, einen Verlag zu finden („Sein Ruf in der literarischen Welt als anerkannter Schriftsteller war ruiniert, die Verhältnisse hatten ihn zu einem Produzenten von Schundliteratur gemacht.“). Aber er musste ja auch erst einmal etwas Verlegenswertes zu Papier bringen. Einen Verlag fand er dann, nachdem er Johannes Bechers Kulturbund beigetreten war („Becher glaubte an den Autor Fallada. Mehr als dieser an sich selbst. Das tat gut.“)
Michael Töteberg schildert den äußeren Kampf Falladas (um seine Gesundheit, sein Leben, gegen die Bürokratie) und die inneren Kämpfe (gegen Alpträume, Todessehnsucht und Schreibblockaden), für einen neuen, letzten großen Fallada-Roman packend und berührend. Denn der Leser weiß ja, wie Falladas Leben endete – und trotzdem machte es mich beim Lesen betroffen und traurig, dass er die Veröffentlichung seines letzten großen Wurfs „Jeder stirbt für sich allein“ nicht mehr erlebt hat. Der Wettlauf gegen Deadlines für Veröffentlichungen und die ständige Jagd nach Morphium, zusammen mit Ausrastern der „gequälten Künstlerseele“, machten das Buch für mich stellenweise sogar spannend zu lesen. Dazu einerseits Fallada als Kindernarr und Familienmensch und auf der anderen Seite eine eher vergnügungssüchtige junge Ehefrau, die sich dem Vernehmen nach eher aufführte wie eine weitere Tochter – ja, das Buch brachte mir Hans Fallada näher. Einen zwiespältigen, zerrissenen Menschen, getrieben von Sucht und Sehnsucht.
Daher vergebe ich für dieses äußerst gelungene Buch fünf Sterne.
47 reviews
February 14, 2022
Dieses Buch ist eine biographische Erzählung der letzten 1,5 Lebensjahre von Hans Fallada. Michael Töteberg orientiert sich an der Biographie Falladas und macht ihn zu einer eigenen Romanfigur. Die Ereignisse, die hier geschildert werden, entsprechen den wahren Begebenheiten in Falladas Leben. Wir folgen Hans Fallada 1945 nach dem Ende des 2. Weltkrieges nach Berlin. Dort muss er sich in den Wirren der Nachkriegszeit nicht nur privat mit seiner Freundin Ulla, sondern auch schriftstellerisch ein neues Leben aufbauen...
Das Buch war Buch des Monats Dezember im NDR Kultur und die Besprechung dort hatte mich neugierig gemacht. Leider kann ich die Begeisterung nicht teilen. Für mich las sich das Buch, wie ein auf 300 Seiten gestreckter Lebenslauf - es bleibt einfach an den Fakten von Falladas Leben hängen und die emotionale Ebene bleibt dadurch nur Spekulation. Mir ist der alkohol- und morphiumsüchtige Fallada nicht wirklich nah gekommen. Mehr noch: Ich fand ihn schlichtweg ein unsympathisches Ekelpaket, der seine Kinder vernachlässigt und nur die Drogen und das dafür notwendige Geld im Kopf hat.
Spannend war für mich lediglich die Darstellungen des Literaturbetriebes und des Wideraufbaus der Buchverlage. Da waren viele Informationen verarbeitet, die ich interessant fand.
Ansonsten war es für mich leider eine Enttäuschung. Langweilig, endlos sich ziehend und das alles über einen Unsympathen. Von mir gibt es 2,5 ⭐.
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