„Dummheit begegnet uns in vielerlei Form – doch woran kann man sie erkennen?“ Was haben so unterschiedliche Dinge wie „alternative Fakten“, menschenleere Begegnungszonen in Satellitensiedlungen und Schönheits-OPs als Maturageschenk gemeinsam? Heidi Kastner wagt sich an den aufgeladenen Begriff der Dummheit und betrachtet sowohl die sogenannte messbare Intelligenz (IQ) sowie die „heilige Einfalt“ und die emotionale Intelligenz, deren Fehlen immensen Schaden anrichten kann. Was treibt Menschen, die an sich rational-kognitiv nachdenken könnten, dazu, sich und andere durch „dumme“ Entscheidungen ins Unglück zu stürzen? Wie ist kollektive Bereitschaft zu Ignoranz zu erklären und warum nimmt dieses Phänomen scheinbar so eklatant zu? Gibt es einen Konsens dafür, d langfristig fatales, aber unmittelbar subjektiv vorteilhaftes Verhalten als „dumm“ anzusehen ist? Sind Abwägen und Nachdenken altmodisch? Und was um Himmels Willen ist so attraktiv am Konzept des Leithammels, der uns das Denken abnimmt, oder des Influencers, der uns den einzig wahren Weg zeigt?
"Dumm ist, wer anderen Schaden zufügt, ohne selbst einen Nutzen daraus zu ziehen." (Dr. Heidi Kastner, Primaria & Fachärztin für Psychiatrie und Neurologie)
Seit uns die Corona-Wellte überrollte höre ich fast täglich von irgendwem wie dumm denn die Politiker*innen sind, wie dumm denn der Gesundheitsminister ist, wie dumm denn der Kanzler ist, wie dumm denn alle sind, die sich testen lassen; wie dumm denn alle sind, die sich melden; wie dumm denn alle sind, die nicht kapieren, dass dies alles nur ein Gewinn für die Pharmariesen ist; wie dumm wir denn nicht alle sind (außer die sprechenden Personen in diesen Fällen). Kastner deklamiert in ihrem Buch zur Causa „Dummheit“, denn diese erlebt offensichtlich seit geraumer Zeit ein Hoch sondergleichen (ich muss gerade an die Börse und die Stier-Bronzestatue in NY denken). Sie wollte wissen, warum auch intelligente Menschen immun gegen Fakten sind. Kästner sagt in einem Interview, es handle sich klar besagtes Thema in ihrem Buch, nicht um die „mit diagnostischen Kriterien der Psychiatrie anhand der messbaren IQs zu benennenden Formen der Intelligenzminderung wie Schwachsinn, Idiotie oder Geistesschwäche“, sondern eben: Dummheit“.
Nach Lesen dieses Buches wurde mir hier bestätigt, was ich des Öfteren vermutete: die Anzahl „der Dummen“ ist in unserer Gesellschaft ist weitaus größer, als bisher angenommen. Und Dummheit hat nichts mit Intellekt zu tun.
Kästner spricht in ihrem Buch von diversen Typen der Dummheit, wie Ignoranten, Verweigerern von Fakten, Verschwörungstheoretiker*innen, Unwissenden … hier kam mir Friedrich Glasl (bekannter Mediator) und seine „Treppe in den Abgrund“ (die 9 Stufen der Eskalation) in den Sinn. Dummheit, schreibt sie weiters, ruhe auf mehreren starken Säulen: - der Pseudodebilität, die durch innere Denkhemmung bedingt sei; - der Denkfaulheit, welche Menschen schlicht die Beschaffung von Fakten, mit deren Hilfe sie ihre Entscheidungsgrundlage erweitern könnten, verweigern lasse; - plus, der weitverbreitete Irrtum, durchaus von allem genug Ahnung zu haben, vor allem von der Medizin. "Dabei würde wohl niemand bei einem offenen Unterschenkelbruch auf die bewährten Heilmethoden der Tante Anni vertrauen!"
Entstanden ist das Buch in einem noch nie dagewesenen (medizinischen) Supergau, der Corona-Pandemie; eine Pandemie, in der viele „Spezialist*innen und Expert*innen“ wie Schwammerl aus dem Boden wuchsen/wachsen und uns an ihrer Wald-und-Wiesen-Heini-Schlauheit teilhaben lassen. Diese Leute stellen Fakten, Wissenschaft und jahreslanges Lernen als unrelevant hin, wenn die Information nicht in das eigene Weltbild hineinpasst.
Als dumm, so Kastner, müsse man die bezeichnen, die mit „gefühlten Wahrheiten oder Intuitionen“ daherkommen und dann sagen, dies sei eine wesentliche Erkenntnisquelle. Es sei mittlerweile salonfähig geworden zu sagen, Expert*innen seien verlogen. Es gibt eine zunehmende Bereitschaft, den wirklichen Expert*innen Verschwörungstheorien anzuhängen." Was nicht verstanden, geistig nicht erfasst werden kann, wird als Blödsinn abgetan.
Kastner definiert Dummheit als eine Tendenz Fakten zu ignorieren und somit im Schatten eines vermeintlichen Vorteils auch negative Folgen für sich selbst in Kauf zu nehmen. Zum Thema Dialogbereitschaft hat sie auch eine für mich klare und verständliche Haltung, nämlich dass diese grundsätzlich zu begrüßen ist, wenn sie auf beiden Seiten vorhanden ist. Es habe nur keinen Sinn mit Menschen zu diskutieren, die das Recht auf eine eigene Meinung mit dem Recht auf eigene Fakten verwechseln.
Ich habe vor Lesen des Buches schon einige Interviews der Autorin gelesen und auch ein Interview mit ihr auf Ö1 gehört. Ich feiere dieses Buch, denn es bringt mit Fakten Fakten. Es ist kein 0815-Schmarrn-Buch, es werden keine imaginären Eierchen gekrault, sondern es wird klar und ohne Umschweife niedergeschrieben. Ärztin. Fakten. Punkt. I love it! Ist sicherlich nicht jedermanns Sache, klare Worte, für dieses (wie ich finde) Problem zu finden. Danke an Prim. Dr. Heidi Kastner für dieses Buch.
Meine Rezension liefert eigentlich nur eine Zusammenfassung von Dingen, die ich im Buch und in Interviews gelesen habe, um den Inhalt etwas näher zu bringen, denn dass ihr das nun alle lesen werdet, is eh klar ;-) … und was ich entdeckt habe, dass es auf Bookbeat als #hörbuch verfügbar ist. Am besten gefiel mir eine Antwort auf die Frage, ob Dummheit in den letzten zugenommen habe? Kastner meint, dass sie einfach stabiler geworden und Bestandteil des Menschseins ist, dennoch ist es mittlerweile „gesellschaftsfähig“, unqualifizierte, dumme Positionen herauszutröten, denn es findet sich ja immer ein*e Mitstreiter*in, die diesen Unsinn auch vertreten.“
„Das Ertragen von Ambivalenz und Widersprüchlichkeit zählt zu den wesentlichen Entwicklungsaufgaben im Reifungsprozess, den viele alle Anschein nach nicht durchlaufen haben. Der Preis für diese Form von emotionaler Dummheit ist die „neue Normalität“ …“ (S. 65)
KLARE LESEEMPFEHLUNG aus der Reihe #übermorgen und nach „Pathos“ ein zweites Highlight aus dem Verlag Kremayr-Scheriau.
Highly entertaining, a quick read, this small treatise is a treasure trove of lucidity and undiluted analysis of the ills that have befallen modern societies. Dr Kastner dissects all varieties of moronic behaviour in a most dispassionate fashion. Admirable, but also frightening, since she cannot offer any hope (or cure, for that matter).
Dummheit ist gefährlich, wenig überraschend. Mir hat der Rundumschlag gefallen. An manchen Stellen fehlte mir etwas Empathie und manchmal war es etwas überheblich. Mein absolutes Lieblingszitat ( S. 35) lautet: „Was als hoher Lebensstandard bezeichnet wird, besteht weitgehend aus Maßnahmen zur Schonung der Muskelkraft, zur Steigerung sinnlicher Genüsse und zur Erhöhung der Kalorienaufnahme über jedes vernünftige Ernährungsbedürfnis hinaus. (John Kenneth Galbraith)“ - Das lässt mich nicht mehr los.
Leider absolut kein lesenswertes Buch. Wobei ich sagen muss, dass 72 Seiten (in der eBook-Ausgabe) eher ein Büchlein darstellen, als ein vollständiges Buch. In der gedruckten Form 18 Euro dafür zu verlangen, empfinde ich durchaus als ein wenig dreist, vor allem, wenn man bedenkt, dass das Buch bei 90% zu Ende ist und dann nur noch Werbung für andere Bücher und das Literaturverzeichnis folgen.
Inhaltlich ist "Dummheit" leider ebenfalls mehr als dürftig. Es wirkt wie ein Rant auf die "Dummen" und all diejenigen, die eine andere Meinung als die Autorin selbst haben. Dabei muss ich sagen, dass ich mit Frau Kastners Meinung in einigen Punkten sogar übereinstimme. Daraus allerdings eine Hasstirade auf "all die anderen" zu machen, erscheint mir allerdings falsch und undifferenziert.
Dazu kommt, dass die Struktur des Buches nicht ganz durchdacht wirkt und die Sätze meist sehr lang und verschachtelt sind - dabei ist ihr Inhalt gar nicht so komplex, dass sie eine solch verschachtelte Satzstruktur rechtfertigen könnten. Lange oder komplizierte Sätze stören mich per se nicht - allerdings könnte man das gesagte in diesem Fall auch viel angenehmer formulieren. Wobei es dann vielleicht nicht so "wissenschaftlich" klingt. Auch anspruchsvolle Thematiken lassen sich gut verständlich formulieren, wenn man denn will.
Fazit: Umfang: Bei diesem Preis zu wenig (wobei die Autorin hierfür nicht unbedingt etwas dafür kann). Inhalt: Eher ein Rant auf die "Dummen" denn eine wissenschaftliche Auseinandersetzung mit der Thematik. Alles in allem nicht zu empfehlen
I mean, it was... okay. Mainly an attempt to define the term and find subcategories, with many other books as sources and lots of examples. Unfortunately does not really provide any advice (Well okay, "if smart people start to look out only for themselves and not the country as a whole, country will go to hell" could be interpreted as advice)
Fand ich wirklich ok. Es war eigentlich nichts dabei, was ich nicht schon wusste/Binnenkonsens ist, aber summa sumarum eine gute Übersicht bzw. Zusammenfassung.
Den Schreibstil fand ich sehr erfrischend, und auch humorvoll.
Heidi Kastner, Fachärztin für Psychiatrie und Neurologie, geht in diesem kleinen Büchlein auf das Thema Dummheit ein.
Hätte ich nicht davon gehört und in einer Zeitung darüber gelesen, wäre das Buch wohl an mir vorbei gegangen. Weder Autorin noch Verlag sind mir bisher ins Auge gefallen, so dass ich sehr gespannt war, was mich wohl auf diesen Seiten erwarten würde. Das Büchlein gefiel mir, nur hatte ich teilweise richtig Mühe, denn es war mir ein bisschen zu zäh. Die Wortwahl, der Aufbau - etappenweise zu viel des Guten. Spannend fand ich die Thematik wie man Dummheit messen will und das Feld der Emotionalen IQs. Auch einige tolle und passende Quotes hab ich für mich aus diesem Büchlein gewinnen können.
Für mein Empfinden enthielt der Text unglaublich viele Fremd- und Fachwörter, die das Ganze für mich zäh werden liess an einigen Stellen. Vielleicht muss man sich auch besser in der Materie auskennen, um wirklich perfekt hineinzufinden. Da fehlt mir in dem Fall einfach die Fachkenntnis. Grundsätzlich spannende Ansätze, aber meiner Meinung nach etwas zu verwoben. Trotzdem - war sehr überrascht.
In heutigen Zeiten der Coronaverharmloser, Impfgegner und Verschwörungsteoretiker ist ein Buch über Dummheit von großer Relevanz. Es steckt viel drin in diesen 128 Seiten. Die österreichische Psychiaterin Heidi Kastner ist eine eloquente Autorin, die viele Aspekte dieses Themas für ihr Essay mit untersucht.e Schnell wird klar, dass Dummheit keine Frage der Intelligenz ist. Wie Forrest Gump schon sagte „Dumm ist wer dummes tut“. Ein innerer moralischer Kompass kann einen Menschen mit verminderter Intelligenz vor Dummheit bewahren.
Schwerer wiegen Eigenschaften wie Ignoranz, nicht aus Fakten und Fehlern lernen zu wollen, die Querulanten, es gibt die Denkfaulen etc.
Ein weiteres interessantes und vielleicht das beste Kapitel heißt Gefühlsdummheit. Wer nur einmal einen Blick in das Buch werfen sollte, könnte hier beginnen.
Was hängen bleibt, ist die Erkenntnisse, dass Dumme nicht erkennen, wie dumm sie sind. Das tröstet doch, wenn man sich selber manchmal für dumm hält.
Heidi Kastner arbeitet das Thema gut heraus und vermittelt ihre Erkenntnisse mit Bezug auf viele Persönlichkeiten der Gegenwart und Vergangenheit und auf manchmal sogar amüsante Art.
Versuch einer Besprechung des Begriffs "Dummheit" - für mich nur in Ansätzen gelungen
Dieses Buch ist ein Versuch von Heidi Kastner, Fachärztin für Psychiatrie und Neurologie, den Begriff „Dummheit“ zu besprechen resp. zusammenzufassen. Aufgeschlüsselt in „Säulen der Dummheit“, „Die Querulanten“, „Gefühlsdummheit“ und „Emotionale Empathie“ wird sich an das Thema herangewagt.
Dass die Autorin damit keine leichte Aufgabe auf sich genommen hat, dürfte klar sein. Das kristallisiert sich auch spätestens dann heraus, wenn sie die Frage bespricht, wie „Dummheit“ überhaupt messbar sein soll, wenn es noch nicht mal eine richtige einheitliche Definition für diesen Begriff gibt. Diese Diskussion über die verschiedenen Ansätze/ Möglichkeiten war tatsächlich für mich persönlich der interessanteste Teil.
Das Ergebnis insgesamt finde ich leider nicht wirklich gelungen. Durch viele Schachtelsätze und Fachbegriffe sowie teils lange Zitate von anderen Wissenschaftlern lässt sich das Buch allerdings nicht einfach so weg lesen. Es braucht viel Konzentration und Informationswillen, Dinge noch einmal nachzuschlagen, da sie nicht (oder in neuen Fachwörtern) erklärt werden.
Das beste Zitat: "Die neuen Begrifflichkeiten schaffen einen Bedeutungsrahmen, in dem die Rationalität verblasst und die schillernden Farben einer emotionsbefeuerten autoritären Politik immer mehr Raum einnehmen. Der unmittelbare Gewinn einer solchen „gefühlten“ Positionierung liegt in der Möglichkeit, Komplexität und Widersprüchlichkeit auszublenden, einfache, klare Antworten auf diffizile Fragen zu finden und nicht ertragen zu müssen, dass es solche Antworten immer wieder einmal nicht gibt. Das Ertragen von Ambivalenz und Widersprüchlichkeit zählt zu den wesentlichen Entwicklungsaufgaben im Reifungsprozess, den viele allem Anschein nach nicht durchlaufen haben." Seite 48
Dummheit ist sicher kein Wort, das man in PC-Zeiten verwendet, aber die Psychiaterin Heidi Kastner tut es trotzdem. Erst grenzt sie von intellektueller Behinderung ab, um dann Dummheit in der Covid-Debatte oder im QAnon zu beleuchten und verschiedene Aspekte anzureissen, sowohl intellektueller als auch emotionaler Art. Dies ist ein kurzer Essay, der ein längeres Buch verdient hätte. Auch die Gliederung könnte man verbessern. Einiges war trotzdem interessant, aber mehr Tiefgang hätte nicht geschadet. Danke an den Verlag und Netgalley für ein Rezensions-Ebook im Gegenzug für eine ehrliche Rezension.
Ein kurzed Heftchen über Dummheit. Eh ganz nett, aber schon ein wenig dumm, wenn die Autorin dann ganze zwei Seiten dazu benutzt um gezählte 18 negative Bewertungen zu Trump abzugeben.
Die meisten davon einfach subjektiv, einige faktisch unhaltbar (klassisch auf Propaganda reingefallen). Trump Derangement Syndrome at its best. Daher paar Sterne weniger. Lol.
Das kleine Buch liefert eine interessante Betrachtung zum Thema Dummheit. Zahlreiche Beispiele kommen direkt aus der Querdenker-Szene und sind daher sehr aktuell. Dies hilft beim Einordnen der aktuellen Nachrichten, doch wäre stellenweise ein wenig mehr Tiefgang wünschenswert.
Sehr schönes Büchlein, gut geschrieben, im Ergebnis vermutlich etwas deprimierend - angesichts der ganzen Dummheit den Klimawandel zu bremsen wird schwierig. Gut, dass die Autorin nicht wie so viele versucht hat, das Thema in 500 Seiten auszuwalzen.
Ein akademischer Rant. Viel große Namen und Zitate, teilweise aus dem 19. Jahrhundert (!). Wenig Neues, sehr vieles bereits hundertfach durchgekaut. Dafür sehr kurz. Hatte mich auf das Buch gefreut, war sehr enttäuscht.
Besonders in der 1. Hälfte finde ich die Ausdrucksweise teilweise etwas überheblich, deshalb 1 Stern Abzug. Sonst: Gutes Buch, flüssig zu lesen, könnte gerne länger sein. Gut verständlich und nachvollziehbar was Frau Kastner schreibt, wie bei ihr üblich mit einigen Beispielen versehen.
Kein einziges mal werden machtstrukturen wie das patriarchat erwähnt, obwohl die autorin offensichtlich unter anderem solches denken als dummheit ansieht?