»In meiner sowjetischen Kindheit gab es kein Weihnachtsfest. Ich musste erst angelernt werden. Inzwischen bin ich Vollprofi und kann für Beratungen gebucht werden. Außerdem haben wir die schönste Krippe der Welt.« – Alina Bronsky
Peter und Kathrin, Almut und Klaus waren einmal eng befreundet: Als ihre Kinder noch klein waren, waren die beiden Paare unzertrennlich. Doch nun sind die Söhne und Töchter längst aus dem Haus, und die einstigen Freunde haben sich aus den Augen verloren. Peter und Kathrin haben Klaus zuletzt auf Almuts Beerdigung vor ein paar Jahren gesehen. Ausgerechnet als Peter und Kathrin das erste Weihnachtsfest zu zweit planen, um dem üblichen Trubel der Festtage zu entkommen, meldet sich Klaus wieder bei ihnen: ob man nicht wieder Weihnachten zusammen verbringen könne. Das Paar ist widerwillig bereit, einem untröstlichen Witwer beizustehen. Als Peter und Kathrin jedoch im Wochenendhaus in der hessischen Provinz einen glücklich verliebten Klaus an der Seite der viel jüngeren Sharon antreffen, bricht ihre Welt zusammen. Dass Sharon als Einzige in der Runde Lust hat, Weihnachten auf die kitschigste Art zu zelebrieren, macht die Begegnung nicht leichter. Ein Weihnachten voller Verwicklungen und Offenbarungen nimmt seinen Lauf, dass alle vermeintlichen Selbstverständlichkeiten auf den Kopf stellt.
Alina Bronsky was born in Yekaterinburg, an industrial town at the foot of the Ural Mountains in central Russia. She moved to Germany when she was thirteen. Her first novel, Broken Glass Park, was nominated for one of Europe’s most prestigious literary awards, the Ingeborg Bachmann Prize.
Toller Start, der sich jedoch leider in Nichts auflöst. Meine anfängliche Begeisterung für die Beziehungen zwischen den Figuren schlug zum Schluss in Enttäuschung um. Schade.
Alina Bronsky war mir als Autorin schon länger ein Begriff, jedoch hatte sich nie die Gelegenheit ergeben, eines ihrer Werke zu lesen. Die kurze Novelle 'Das Geschenk' schient da in der Vorweihnachtszeit eine perfekte Möglichkeit, vor allem durch den Bezug zum Fest.
Schnell stellt sich jedoch heraus, dass das Weihnachtsfest nur seichte im Hintergrund plätschert und den Anlass für das Treffen zweier Paare liefert: Kathrin und Peter haben früher viel mit dem befreundeten Paar Almut und Klaus sowie den jeweiligen Kindern unternommen, seit Almuts Tod vor einigen Jahren ist der Kontakt jedoch abgebrochen. Nun lädt Klaus die alten Freunde überraschend für die Weihnachtstage zu sich in eine abgelegene Hütte ein, wo prompt seine neue, jüngere Freundin Sharon für Aufsehen sorgt. Identifizieren kann sich sicherlich auch der ein oder andere mit der Ausgangssituation, dem Wiedersehen mit alten Bekannten, mit denen man früher viel Zeit verbracht hat, die Kinder waren im gleichen Alter und verstanden sich, doch mit der Zeit werden diese groß, die Besuche unregelmäßiger, und schließlich verliert man sich ganz aus den Augen. Beim Wiedersehen dann eine befremdliche Nähe, Erinnerungen an frühere Treffen kommen hoch oder wollen erinnert werden, man ist sich unsicher, wie man sich verhalten soll in der Gegenwart dieser fremden Freunde. Bronsky zeichnet diese Begegnung gekonnt nach und lässt eigene Freundschaften reflektieren, jedoch verlaufen sich einige Fäden im Nichts oder tauchen aus diesem auf.
Trotz der kurzen Länge der Geschichte verleiht Bronsky ihren Figuren eine Tiefe, die nicht nur ehrlich sondern auch lebensnah wirkt. Jeder kennt eine Kathrin, die zu gutmütig ist um eine Einladung abzusagen, einen Peter, der Konfrontationen eher aus dem Weg geht, einen Klaus, der spät noch einmal einen zweiten Versuch für die Liebe wagt, und eine Sharon, bei der man nie weiß, ob ihre Naivität wirklich echt oder gespielt ist. Die Charaktere ergänzen sich, trotzdem fehlt der angepriesene Witz. Die Situation mag zwar etwas komisches an sich haben, jedoch bemitleidet man die Charaktere eher als dass sie sich ein feuriger Dialog bietet.
Auch der erwähnte schwarze Humor war für mich weniger vorhanden, dafür bleib die Geschichte zu vorhersehbar. Altbekannte Wendungen und überraschende Erkenntnisse, nett verpackt, aber eben doch nicht ungewöhnlich.
Wer jedoch auf der Suche nach einer kurzen Lektüre mit kitschfreiem Weihnachtsfeeling ist, für den ist 'Das Geschenk' jedoch vielleicht genau richtig.
Um es vorweg zu sagen – auf das im Klappentext angekündigte 'Feuerwerk voller Wortwitz' habe ich bis zum Ende dieser Weihnachtsgeschichte der von mir sehr geschätzten Autorin Alina Bronsky vergebens gewartet. Auch das 'grenzenlose, bitterböse Lesevergnügen' blieb aus – stattdessen gaben sich zunehmend unhöfliche, garstige und die Würde verletzende Dialoge die Hand, die mir wehtaten und die Geschichte ein wenig verleideten. Seine Freunde, so fühlte ich mich einmal mehr bestätigt, sollte man sich gut aussuchen – und wenn das, was einen einmal verband, nicht mehr vorhanden ist, sollte man so eine Freundschaft wie diejenige, die hier auf dem Seziertisch liegt, still und leise ausklingen lassen und nicht, aus welchen Gründen auch immer, wieder versuchen aufleben zu lassen. Das kann nur schief gehen, wie man am Beispiel des unerträglich hochnäsigen und vorurteilsbehafteten Ehepaares Kathrin und Peter, die einander rein gar nichts mehr zu sagen haben, und dem übriggebliebenen Part des anderen ehemaligen Freundepaares, Klaus – Ehefrau Almut war vier Jahre vor dem unseligen Weihnachtstreffen gestorben -, in erschreckender Deutlichkeit sehen kann. Und was für Freunde gilt, gilt auch für Paare: wenn die Liebe sich überlebt und Abneigung, Hohn und gar Hass gewichen ist, sollte man sich trennen! Wenn der zum Glück überschaubar kurzen Geschichte überhaupt eine Botschaft zugrunde liegt, dann genau diese. Und dabei hat alles so menschenfreundlich, so ganz und gar zum uns alljährlich aufs Auge gedrückten Weihnachtsfest passend begonnen! Nach vielen Jahren des Schweigens meldete sich plötzlich der längst in den Tiefen der Vergessenheit schlummernde Klaus bei Kathrin und Peter und schlug vor, doch mal wieder ein paar Tage miteinander zu verbringen, in dem alten Wochenendhaus in einem gottvergessenen Landstrich Nordhessens, in dem man schon einmal angeblich unvergessliche Stunden miteinander verbracht hatte. Warum Klaus ausgerechnet diese beiden Unsympathen einlud, denen er schon in seligen, wahrscheinlich in der Erinnerung stark verklärten, gelegentlich gemeinsam verbrachten Tagen nichts zu sagen hatte, bleibt bis zum Schluss ein Rätsel, es sei denn die Erklärung lautet, dass der eigentlich nette, unkomplizierte und einfach gestrickte Klaus unter masochistischen Schüben leidet. Wie auch immer, die perfekte, aber leider hoffnungslos versnobte Kathrin nimmt die Einladung an, unter dem Vorwand, dem verwitweten Klaus in seiner Einsamkeit beizustehen. Jetzt, nach vier Jahren? Man mag ihr Samaritergehabe nicht recht glauben, bekommt aber bald den Eindruck, dass alles recht war, um bloß nicht in trauter Zweisamkeit mit dem fremdgehenden Zyniker Peter, einem selbstherrlichen Widerling erster Güte, unter dem Weihnachtsbaum sitzen zu müssen, nachdem man sich erstmals dafür entschieden hat, die längst erwachsenen Kinder auszuladen, recht unverständlich, denn die sind alles, was sie an Familie haben und wahrscheinlich die einzigen Menschen, die sie mögen, vielleicht, weil sie ihnen ihr Luxusleben finanzieren oder weil die Stimme des Blutes manchmal doch sehr laut dröhnt. Nach Spiekeroog, wie man irgendwann, viel später, erfährt, hatte man fahren wollen, aber dann kam ja Klaus' Anruf – und vielleicht kam er Kathrin gut zupass? Wer weiß das schon! Die erste Überraschung kommt alsbald! Der traurige Witwer ist eines gewiss nicht: einsam! An seiner Seite lebt nämlich, und das auch schon seit vier Jahren, die etwas flippige, aber freundliche, sympathische und ganz und gar nicht eingebildete Sharon, die weiland Frau Almut zu Tode gepflegt hatte. In ihrer Bigotterie fassen die beiden verlogenen Schickimickis sofort eine tiefe Abneigung gegen die unkomplizierte und im Gegensatz zu ihnen völlig authentische junge Frau – vielleicht wegen ihres jugendlichen Alters, wiewohl sie bei weitem nicht so jung ist, wie sie aussieht, vielleicht weil ihre eigenen zweifelhaften und darüber hinaus unehrlichen Vorstellungen von Konventionen einen Witwer in ewiger Trauer sehen wollen, der verstorbenen Partnerin bis zum Tode treu. Vielleicht, und dieser Verdacht beschleicht einen zuerst, bis er sich beinahe zur Gewissheit manifestiert, gönnen sie 'Freund' Klaus sein neues Glück nicht, weil es ihnen ihr eigenes Unglücklichsein widerspiegelt. Bald, ach leider nur allzubald, wird aus versteckten Gehässigkeiten ein offener Schlagabtausch mit unerwarteten Enthüllungen, provoziert einzig und allein von dem unseligen Gästepaar, die vor allem Peter, den scheinheiligen, an seiner Angetrauten Kathrin kein gutes Haar lassenden Erzähler der Geschichte, der sich erhaben dünkt über nicht nur seine Frau, sondern auch über seinen Freund, dem er niemals ein solcher war, und der zudem noch unverständlicherweise stolz ist auf seine – vom Arzt attestierte – Unfähigkeit, sich Gesichter zu merken und Erinnerungen zu bewahren, verbal grob, aber gründlich entlarven und als das armselige Bürschchen dastehen lassen, das er unleugbar nun einmal ist. Und jetzt überkommt ihn das große Flattern, wie es jeden wohl überkommt, der sich in einem kurzen Moment der Einsicht in aller Klarheit so sieht, wie ihn andere sehen: in aller Erbärmlichkeit, und nicht einmal mehr nur mittelmäßig! Wäre das nicht die Gelegenheit für ein Umdenken? Die zweite Chance zu ergreifen? Gar für einen Wendepunkt? Nun, das Ende soll natürlich nicht vorweggenommen werden – vielleicht überrascht es, vielleicht enttäuscht oder verwundert es? Vielleicht aber ist es vollkommen logisch? Das muss dann jeder für sich entscheiden, denn so viele Leser wie ein Buch hat, so viele verschiedene Meinungen gibt es dazu! Und um meine Gedanken nun einem Abschluss entgegenzuführen – haben wir es hier denn überhaupt mit einer Weihnachtsgeschichte zu tun? Auch in diesem Punkt mögen die Ansichten divergieren. Ich meine ja! Ein traditionelles Weihnachsfest ist heutzutage beinahe schon die Ausnahme, obwohl Sharon ein solches möchte und mit viel Lametta aufwartet, was, das überrascht kaum jemanden, von den beiden, ach so gebildeten, geschmacks- und stilsicheren Eheleuten Kathrin und Peter mit mitleidigem Abscheu beäugt wird. Sie können einem beinahe leid tun, diese beiden, die rein gar nichts verstanden haben von dem, was das Leben ausmacht und denen der Sinn der Weihnacht, denen Freundlichkeit und echte Empathie fehlen oder womöglich, um ihnen Gerechtigkeit widerfahren zu lassen, irgendwann abhanden gekommen ist auf ihrem Weg in die zynische Kaltherzigkeit. Die, weihnachtlich beschenkt von ihren Gastgebern, die gerne und von Herzen geben, nicht verstehen, dass diese keine Gegenleistung erwarten, dass vielmehr sie selbst, Kathrin und Peter, das Geschenk sind, dessen sie sich aber nicht würdig erwiesen haben! Ja, man kann es nicht bestreiten, Alina Bronsky entlarvt hier vieles – und das gründlich und gnadenlos! Es ist jedoch die Art und Weise, in der sie es tut, die ich weniger ansprechend finde, die gewiss schonungslos ist, aber ohne Witz – und ein Funkeln kann daher zu keinem Zeitpunkt aufkommen, so sehr es auch zu Weihnachten passen würde, dem traditionellen, das ich, da bin ich mit Sharon einig, über alle Maßen wertschätze. Immer noch und trotz allem!
Peter und Katrin sind das erste Mal zu Weihnachten alleine. Eigentlich haben sie vor allein zu feiern aber ihr alter Freund Klaus meldet sich bei ihnen und lädt sie über die Feiertage zu sich ein. Klaus ist mittlerweile Witwer und sie stimmen dem Vorschlag zu, da sie Mitleid mit ihm haben. Als sie ankommen, merken sie das er nicht gerade der gebrochene Mann ist den sie sich vorstellen. Klaus und seine sehr junge neue Lebensgefährtin wollen ein gemütliches Weihnachtsfest mit ihnen feiern. Nur das sich gewisse Fragen nicht verdrängen lassen und noch manch andere Geheimnisse sich ihren Weg nach draußen suchen.
❄Meinung:
Zuallererst muss ich sagen eine Weihnachtsgeschichte im herkömmlichen Sinne ist diese hier nicht. Rein theoretisch könnte sie zu jeder Jahreszeit spielen. Peter und Katrin sind ein typisch verheiratetes Paar, mit allen möglich Macken, die sie über die Jahre an ihnen entdeckt haben und verinnerlicht. Dann kommt Klaus,ein langjähriger Freund der Familie und seine neue Freundin die nicht auf den Mund gefallen ist. Was mich irgendwie fasziniert hat, war das gerade Katrin und Peter ein sehr interessantes Bild von sich selbst und anderen haben. Das Peter sich an die gemeinsame Zeit mit den Familien kaum erinnern kann und er immer versucht sich aus allem herauszuhalten ist manchmal so frustrierend. Im Grunde ist es eine Geschichte über Beziehungsprobleme, Trauer aber auch an schöne Erinnerungen und interessant Charaktere. Das Ende hat mir irgendwie nicht ganz so zufrieden gestimmt, weil es so abrupt geendet hat. Leider war es auch nicht ganz so bissig wie ich es erwartet habe, obwohl es oft unverblümt zu manchen Aussprache kam. Es ist durchaus amüsant und nachdenklich für zwischendurch und das jeder sein kleines Päckchen im Leben trägt.
Kathrin und Peter haben die Kinder aus dem Haus - perfekt um Weihnachten mal zu feiern, wie sie es möchten. Denn vor allem Peter hat die Schnauze voll von den vermeintlich besinnlichen Festtagen.
Umso grummeliger ist er, dass sich ein alter Freund meldet und seine Frau dem armen Witwer aus Mitleid spontan einen Besuch zusagte. Doch es ist nicht alles so, wie es scheint. Den der arme Witwer Klaus hat eine Neue, und die ist noch wesentlich jünger.
Daraufhin entwickelt sich ein komplexes Geflecht aus Schuldgefühlen, Vorwürfen und subtiler Selbstbeweihräucherung. Nur ist nicht immer alles so, wie es von auf der Oberfläche scheint und unter ebendieser schlummert mehr, als man zuerst zu glauben vermag.
Nach "Barbara stirbt nicht" war "Das Geschenk" mein zweites Buch von Alina Bronsky und ich bin beeindruckt von dem feinen, aber auch manchmal schwarzen Humor, die Tiefgründigkeit und die Authentizität ihrer Figuren. Verpackt in einem wunderbaren Schreibstil.
Ich finde das Buch nicht herausragend, aber durchaus lesenswert. Es ist schon sehr verwunderlich, dass die beiden diesen gruseligen Weihnachtsbesuch durchziehen, aber sonst hätte die Story nicht funktioniert. Die Geschichte spielt mit den kleinen Gemeinheiten unter Pärchen, verschärft durch die absonderlichen deutschen Riten des Festes.
Definitiv kein wie auf dem Buchrücken angekündigtes "weihnachtliches, bitterböses Lesevergnügen". Durch die Kürze war es trotzdem ok, aber an die Story werde ich mich morgen schon nicht mehr erinnern.
Sprachlich wie immer bei Bronsky ein Genuss, geradlinig und intensiv. Inhaltlich jedoch nicht so fesselnd, wie erhofft. Bissig würde ich es nicht nennen, eher mit dem Finger in die Wunde drückend. Recht lapidarer Schluss, wenn auch realistisch.