Der Tempelritter und die Thronerbin - Abenteuer, Kampf und Liebe im Heiligen Land
Jerusalem, 1129. Als älteste Tochter des Königs soll Melisende einst die Krone erben und über das Heilige Land herrschen. Den von ihrem Vater ausgesuchten Bräutigam lehnt die eigenwillige junge Frau jedoch vehement ab. Heimlich verlässt sie mit einer Eskorte die Stadt. Doch sie kommt nicht weit. Ihre Reisegruppe wird überfallen, ihre Wache getötet, sie selbst als Geisel verschleppt. Um sie zu retten, schickt König Baudouin den Tempelritter Raol de Montalban aus. Bald merkt er: Gefahr droht von mehr als einer Seite ...
Ein packender Roman über einen mutigen Tempelritter und eine ungewöhnliche Frau des 12. Jahrhunderts: Melisende von Jerusalem
Geboren bin ich im Weserbergland und in Münster aufgewachsen. Ich habe lange als Software-Entwickler und Marketingmanager in führenden Positionen bei internationalen Unternehmen gearbeitet und über zwanzig Jahre lang im Ausland gelebt, unter anderem in der französischen Schweiz, in Paris, Brasilien, Belgien und Schweden. Schon als Kind war ich ein begeisterter Leser von abenteuerlichen Geschichten aller Art.
Das Königreich Jerusalem im 12. Jahrhundert: Die junge Melisende ist außer sich vor Wut. Ihr Vater, König Baudouin, hat entschieden, dass seine Älteste den Adeligen Foulques d‘Anjou heiraten soll - ohne Melisende um ihre Meinung zu fragen. Die Thronerbin verabscheut den designierten Bräutigam und will sich der Hochzeit entziehen. Mit ihrer Schwester fasst Melisende den Plan, mit einer Eskorte heimlich aus Jerusalem zu fliehen. Doch die Königstochter ahnt nicht, in welche Gefahr sie sich damit begibt. Kann der Tempelritter Raol de Montalban sie retten?
„Die Mission des Kreuzritters“ ist ein historischer Abenteuerroman von Ulf Schiewe.
Meine Meinung: Der Roman beginnt mit einem Prolog, an den sich 19 Kapitel anschließen. Die Handlung spielt im Jahr 1129 in Jerusalem und an weiteren Schauplätzen im Heiligen Land. Landkarten in den Innenklappen sind hilfreich bei der Orientierung. Erzählt wird im Präsens und in chronologischer Reihenfolge aus der Sicht verschiedener Personen, vorwiegend aus der von Melisende und Raol.
In sprachlicher Hinsicht ist der Spagat zwischen anschaulichem Schreiben und historischer Korrektheit gut gelungen. Zum besseren Verständnis ist ein Glossar beigefügt. Auf dieses musste ich aber erfreulicherweise nicht zurückgreifen, weil es dem Autor gelungen ist, auch unbekannte Begriffe und Formulierungen so einzubetten oder zu erklären, dass sie sich gut erschließen.
Erwartungsgemäß stehen die Thronerbin und der Tempelritter im Fokus der Geschichte. Melisende und Raol sind zugleich sympathische und authentisch wirkende Protagonisten, die mit psychologischer Tiefe ausgestattet sind. Zwar taucht Raol de Montalban nicht zum ersten Mal in einem Schiewe-Roman auf. Allerdings erhält er hier erstmals eine tragende Rolle. Das Buch lässt sich überdies ohne Vorwissen aus anderen Bänden lesen.
Darüber hinaus gibt es etliche Nebenfiguren. Trotz der Vielzahl an Charakteren und den teils recht exotischen Namen fällt es nicht schwer, den Überblick zu behalten. Im Zweifel hilft die Auflistung der handelnden Personen, die historische und fiktive Figuren als solche ausweist.
Besonders gut gefallen hat mir, dass es der Autor schafft, auf unterhaltsame und keineswegs trockene Weise interessante Hintergründe aus der Zeit der Kreuzzüge und der ersten christlichen Besiedlung im Königreich Jerusalem unterzubringen. Obwohl mich diese Epoche ursprünglich wenig gereizt hat, habe ich gerne über die gesellschaftliche und politische Situation jener Tage gelesen und konnte viel Zeitgeschichtliches aufsaugen. Auch ohne jegliche Vorkenntnisse lässt sich die Geschichte sehr gut nachvollziehen.
Dass Ulf Schiewe dabei weiß, wovon er schreibt, ist immer wieder festzustellen. Seine fundierte Recherche wird auch in den angefügten „Anmerkungen des Autors“ deutlich. Ein schönes Extra, das darüber aufklärt, welche Teile der Geschichte erfunden sind und welche auf wahren Tatsachen beruhen.
Das einzige Manko stellt für mich die eigentliche Handlung dar. Während die erste Hälfte abwechslungsreich und überraschend geworden ist, mich also sehr gut unterhalten hat, fällt der Roman in der zweiten Hälfte etwas ab. Das Geschehen tritt dort ein wenig auf der Stelle und es kommt zu inhaltlichen Wiederholungen. Positiv anzumerken ist jedoch, dass die Handlung trotz ihrer Dramatik nicht unglaubwürdig oder überzogen wirkt.
Das hochwertig anmutende Cover passt hervorragend zur Geschichte. Auch der Titel ist eine gute Wahl.
Mein Fazit: Dass Ulf Schiewe sein Handwerk beherrscht, hat der Autor ein weiteres Mal bewiesen. Fans historischer Romane kommen auch bei „Die Mission des Kreuzritters“ auf ihre Kosten. Eine empfehlenswerte Lektüre!
Der neue historische Roman von Ulf Schiewe führt den Leser ins Heilige Land zur Zeit der Kreuzritter. In seinem neuen Roman ist einer der Hauptprotagonisten Raol de Montalban. Diese provenzialische Familie spielte bereits in "Der Bastard von Tolosa", "Die Comtessa" und "Die Hure Babylon" eine große Rolle. "Die Mission des Kreuzritters" ist jedoch ein eigenständiger Roman.
Wir befinden uns im Jahre 1129 in Jerusalem. Es ist die Zeit nach dem ersten Kreuzzug und Baudouin II. herrscht als König über die Stadt. Er ist der Vater von vier Töchtern und aus Mangel an männlichen Nachfolgern soll Melisende, seine älteste Tochter, einmal die Krone erben. Baudouin bereitet sie für die Aufgaben als zukünftige Königin vor, doch schon damals wird in Zukunft der Ehemann von Melisende regieren. Um den Schmelztigel Jerusalem zu stärken, entscheidet er sich seine Tochter mit dem älteren Grafen Foulques d’Anjou zu verheiraten. Melisende ist entsetzt, denn sie kann den Mann nicht ausstehen und erkennt sehr schnell sein Ansinnen, die Macht an sich zu reißen. Melisende versucht den Vater umzustimmen, doch erfolglos. Die selbstbewusste junge Frau plant daraufhin die Flucht zu ihrer bereits verheirateten Schwester nach Antiochia. Mit einem kleinen Gefolge flüchtet sie aus der Stadt, wird aber unterwegs überfallen und nach Schaizar, einer muslimischen Stadt, die vom Sultan ibn Munquidh regiert wird, gebracht. Dort wird sie gut behandelt, als der Sultan entdeckt, dass er die Tochter des Königs von Jerusalem gefangen genommen hat. Für eine hohe Summe soll Melisende wieder freigelassen werden. Baudouin schickt dafür den Tempelritter Raol de Montalban mit einigen seiner Männer aus....
Ulf Schiewe gelingt es wieder großartig die fiktive Geschichte rund um die Entführung von Melisende in die historische Rahmenhandlung einzubetten. Dabei erfährt der Leser auf spannende Weise mehr über die verschiedenen Religionen, die zu dieser Zeit ihre Machtkämpfe austragen. Die Entführungsgeschichte ist rein fiktiv, bildet aber den Grundstock zur Beschreibung des politischen Umfelds von Jerusalem. Jerusalem ist der Ort des Zusammentreffens verschiedener Religionen mit ihren jeweiligen Heiligen Stätten und natürlich auch ein Ort des Handels. Auf dem Rückweg nach Jerusalem, der zu einer atemberaubenden Flucht wird, kommen sich Melisende und Raol näher. Etwas ungewöhnlich für den Autor steht ab diesem Abschnitt die Liebesgeschichte neben den Abenteuern im Vordergrund. Sie wird aber nie kitschig und nimmt nur einen kleineren Teil des Romans ein. Im Vordergrund bleiben immer die Schlacht- und Kampfhandlungen, sowie die abenteuerliche Flucht. Dabei ist die Gefahr, in der sich Melisende und Raol befinden, immer spürbar.
Charaktere: Die beiden Hauptprotagonisten sind starke und nach außen hin unabhängige Charaktere. Melisende ist zu Beginn eine reiche und etwas verwöhnte Königstochter, die ziemlich unüberlegt die Flucht antritt. Doch im Laufe der Geschichte entwickelt sie sich weiter undist eine sympathische junge Frau, die eigenständig und mutig ist.
Raol de Montalban ist einer der wenigen Überlebenden der Schlacht von Ager Sanguinis und ist danach den Tempelrittern beigetreten. Er ist jedoch desillusioniert und steht nicht wirklich hinter dem christlichen Glauben. Zusätzlich sieht er keinen Sinn in den Kreuzzügen und den Kämpfen zwischen den verschiedenen Religionen, für die alle Jerusalem ein heiliger Ort ist. Doch ein Zurück in seine Heimat Frankreich gibt es für ihn nicht. Neben den beiden Hauptfiguren treffen wir auf weitere interessante Charaktere: der intelligente und gerissene König Baudouin II., Vater von Melisende; der diplomatisch geschickte Usama ibn Munqidh, Neffe des Emirs von Schaizar und dessen schlauer Verhandlungsführer; der verschlagen Verwandte des Emirs, Qilitsch ad-Din Mahmud, und natürlich der cholerische und berechnende Foulques d’Anjou, potentieller zukünftiger Ehemann von der Thronerbin Melisende.
Der Templerorden war wohl einer der bekanntesten Ritterorden, die "arme Ritterschaft Christie". Sie lebten karg und "im Zölibat", waren jedoch gefürchtete Kämpfer, die aus ganz Europe kamen. Meistens waren es drittgeborene Söhne, die weder erbten, noch den Weg ins Kloster betsreiten durften. So wurde aus den Templern eine gefürchtete Truppe, die aber auch von den Feinden repektiert wurde. Die vorherrschende Aufgabe war vorerst Pilgerwege zu sichern und sich für die ärmere Bevölkerung einzusetzen.
Schreibstil: Ulf Schiewe hat auch seinen neuen Roman wieder im Präsens verfasst, ohne dass dabei der historische Sprachschatz verloren geht. Die Erzählung ist spannend, atmosphärisch und sehr bildhaft. Ich bin Melisende durch die Berge und entlang der Mittelmeerküste gefolgt, habe jederzeit die Gefahr gespürt und das Leben der einfachen Leute kennen gelernt. Der Autor nimmt sich der politischen Lage und dem Thema der Kreuzzüge an. Er bleibt jedoch neutral und bewertet keine der Religionen.
Auf der Innenseite der Broschur gibt es eine Landkarte, die den Weg der Flucht aufzeigt. Im Nachwort geht der Autor auf die historisch belegten Figuren ein. Ein Glossar und ein Personenrgeister runden den Roman am Ende ab.
Fazit: Ein weiterer fesselnder historischer Roman des Autors, dessen Bücher ich sehr gerne lese. Bildgewaltig und atmosphärisch reisen wir an der Seite von Melisende und Raol de Montalban durchs Heilige Land und erleben aufregende Abenteuer und blutige Schlachten.Für ganze 5 Sterne reicht es nicht, da es in der Mitte einige kleine Längen gibt, aber das ist bereits meckern auf hohen Niveau. Ich empfehle allen Lesern von historischen Romanen "Die Mission des Kreuzritters" gerne weiter,
Dieses Mal entführt uns der vielfältige Autor Ulf Schiewe nach Jerusalem zu den Anfangszeiten der Kreuzritter. Melisende, die älteste Tochter des Königs von Jerusalem, soll einst die Krone erben. Dass da natürlich die Freier Schlange stehen, ist keine Frage. Jeder von Rang und Namen will über das große Reich herrschen. Doch Melisende lehnt den von ihrem Vater ausgesuchten Bräutigam ab und läuft davon, doch sie kommt nicht weit. Sie gerät in die Hände der Feinde. Ihr Vater schickt den Kreuzritter Raol de Montalban aus …
Wer beim Namen Montalban aufmerkt, hat einerseits schon andere Romane von Ulf Schiewe gelesen und ist andererseits genau auf der richtigen Spur - schon in früheren Romanen von ihm tauchte die Familie auf. Doch das Kreuzritter-Roman ist keine direkte Fortsetzung und kann völlig eigenständig gelesen werden.
Die ersten paar Seiten werfen uns actiongeladen in das Buch. Ich war gefesselt vom Kampf, natürlich - obwohl ich wusste, dass Raol ja überleben muss. Aber solche Szenen ziehen mich in ein Buch hinein. Im weiteren Verlauf lernen wir Melisende kennen. Sie gibt sich - nennen wir es eigenwillig, was nicht zuletzt durch ihre Erziehung kommt. Melisende weiß, was sie will, ist klug und gebildet, hat aber über Bücher und Listen hinaus kaum Erfahrung mit der Welt gesammelt. Das merkt man ihr an, empfand ich jedoch nicht als störend. Viel eher war ich neugierig darauf, wie sie sich in unbekannten Situationen verhält und ob Ulf sie ihr Entwicklungspotential ausschöpfen lässt. Ich mochte diese halsstarrige junge Frau sehr gerne.
Die Geschichte wird aus mehreren Perspektiven erzählt, zum großen Teil aus Melisendes und Raols, welche ich beide in ihrer Unterschiedlichkeit sehr interessant fand, sowohl was sie vom Leben erwarten, und welche Erfahrungen sie schon mit dem Leben gesammelt haben. Zwischen den beiden stimmt die Chemie. Doch ob ihre Liebe eine Zukunft hat? Ulf Schiewe erzählt packend - ich flog förmlich durch die Seiten und wurde teilweise regelrecht in die orientalische Welt hinein gezogen. Dass Ulf Schiewe die Geschichte mit der politischen Situation unterfüttert, bereichert den Roman für mich. So wird die Geschichte um Melisende und Raol, um zwei Einzelschicksale, zur Geschichten eines jungen Ordens und eines Reiches, das ständig am Abgrund steht, was ich als sehr spannend empfand.
Meine Begeisterung für historische Romane hält sich seit einigen Jahren in Grenzen. Aber wer kennt es nicht – die Ausnahme von der Regel? Eben. Und so gehören seit 2019 die jeweils neu erschienenen Bücher des Autors Ulf Schiewe zu den Pflichtlektüren – zumal die von Ulf begleiteten Leserunden stets über jeden Zweifel erhaben sind und man mit den dort gegebenen zusätzlichen Informationen noch mehr Wissen zu den jeweiligen Themen mitnimmt als man eh schon durch die Bücher lernt. Für diese geballte Power an geschichtlichen Hintergründen aus unterschiedlichen Bereichen ziehe ich meinen Hut vor dem Autor!
In seinem neuesten Schmöker „Die Mission des Kreuzritters“ begibt sich die geneigte Leserschaft auf eine Reise nach Jerusalem im Jahre 1129. Dort begegnen wir der (historisch verbürgten) Melisende – die Tochter von Balduin II. Jerusalem. Sie soll sich mit Foulques d´Anjou verheiraten, was sie zwar vehement ablehnt, ihr aber letzten Endes nichts nutzt.
Nun beginnt eine (fiktive) Flucht, der eine Entführung folgt. Wird Melisende von dem Tempelritter Raol de Montalban gerettet werden? Das solltet ihr selbst herausfinden ha ha ha.
Wie in seinen anderen Romanen verknüpft Ulf Schiewe kongenial historisch verbürgte Personen mit fiktiven Charakteren und Handlungen, weiß das aber so geschickt zu formulieren, dass es schwerfällt, Dichtung und Wahrheit auseinanderzuhalten. Will heißen: der Autor versteht es wie nur Wenige durch umfangreiche Recherchen zu seinen Büchern sich so konsequent in seine Figuren bzw. die jeweilige (historische) Zeit hineinzuversetzen, dass man ihm alles abnimmt *g*. Die grundsätzlich in seinen Romanen enthaltenen Nachworte, in denen es immer noch umfangreiche Zusatzinformationen etc. gibt, sind Standard und geben Aufschluss darüber, was fiktiv und was real ist. Ebenso Standard sind Glossare der wichtigsten Begriffe und eine Aufstellung aller im Buch vorkommenden Personen, so dass die geneigte Leserschaft genau weiß, wer fiktiv und wer real ist/ war.
Seine Figuren (egal ob real oder fiktiv) sind stets sich kritisch hinterfragend – auch ihr eigenes Handeln. So fragt sich der Tempelritter Raol relativ am Anfang:
„Wozu ist er hier auf dieser Erde? Was hat Gott mit ihm vor, wenn er es schon selbst nicht weiß? […] Mit einem, der zu viel erlebt, zu viel gesehen, zu viel Blut vergossen hat? Immer im Namen des Herrn, obwohl es doch heißt, du sollst nicht töten. Vielleicht gibt es gar keinen Plan Gottes. Weder für mich noch für andere. Vielleicht gibt es auch keinen Gott, und wir bilden uns das alles nur ein.“ (S. 32)
Ich habe Melisende und Raol sehr gerne „verfolgt“ und war (wie oben schon angedeutet) zum wiederholten Mal schlichtweg begeistert von der Detailfülle des Romans.
Glasklare Leseempfehlung für alle Fans von (hochwertigen) historischen Romanen und somit 5* wert!
In „Die Mission des Kreuzritters“ entführt uns Ulf Schiewe ins 12. Jahrhundert und lässt uns an einer fiktiven Geiselnahme Melisendes teilhaben. Erschienen ist der Roman im November 2021 bei Bastei Lübbe.
Jerusalem, 1129: Melisende ist die älteste Tochter des Königs von Jerusalem. Da König Balduin nur Töchter hat, hat er sie zu seiner Thronerbin bestimmt. Dennoch braucht sie einen starken Gemahl, der das Land regieren und auf Kriegszügen verteidigen kann. Foulques d’Anjou wird hierzu auserwählt. Melisende kann nicht viel mit ihm anfangen und beschließt der Ehe durch eine Flucht zu entgehen. Auf dem Weg zu ihrer Schwester in Antiochia wird sie jedoch gefangen genommen. Raol de Montalban, ein erfahrener Krieger und Tempelritter, wird ausgeschickt, um sie zurückzuholen.
Die Aufmachung dieses historischen Romanes gefällt mir sehr. Das Cover wirkt nicht zu kitschig, das rote große Kreuz macht bereits deutlich, dass es sich hier wohl um einen Roman handelt, in dem Tempelritter vorkommen. Wir sehen eine Burg im Hintergrund und zwei Personen auf Pferden. Diese wirken tatsächlich etwas komisch auf mich, aber da diese nicht so im Vordergrund sind, ist ein ignorieren gut möglich. Insgesamt hat Lübbe hier einen guten Job gemacht. Es gibt tolle Buchklappen, eine Karte der Kreuzfahrerstaaten und der fiktiven Reise Melisendes. Der Buchrücken hält einiges aus und hat trotz weiten aufklappen des Buches keine Leserillen bekommen. Ulf Schiewe bleibt seiner Linie treu und nutzt das Präsens als Zeitform. Ich komme gut mit dem Schreibstil zurecht, aber diesmal empfand ich das Präsens nicht ganz so passend für die Geschichte. Die örtlichen Begebenheiten konnte ich mir dennoch jederzeit gut vorstellen und war fasziniert von der Vielfältigkeit Jerusalems, einer Stadt in der Juden, Christen und Muslime friedlich zusammenleben. Auch typisch für den Autor ist es, viele Informationen in den Text einzubauen. Insgesamt fand ich es interessant viel über die Eroberung des Heiligen Landes und die schwierige politische Lage zu erfahren, so manches Mal schweifte es allerdings auch zu sehr von der Hauptgeschichte ab. Der Autor war darum bemüht, weder Christen noch Muslime in ein allzu gutes Licht zu rücken. Das fand ich einerseits gut, weil so für keine Religion Partei ergriffen wurde, ohne typische Klischees kommt er dabei allerdings nicht aus. Einige Szenen in diesem Buch haben mich echt abgestoßen und hätten nicht sein müssen. Ulf Schiewe nimmt sich Zeit um seine Geschichte in Gang kommen zu lassen. Im ersten Viertel erfahren wir viel über Jerusalem, König Balduin, seine Töchter, den unliebsamen Bräutigam und die Vorbereitungen für die Flucht. Im restlichen Buch geht es dann um die Entführung und die Erlebnisse auf der Reise zurück nach Jerusalem. Im letzten Viertel hätte einiges gekürzt werden können. Es gab da eine Entwicklung, die meiner Meinung nach nicht hätte sein müssen und die ich absolut unnötig fand. Mir hat sich das wieso und warum nicht erschlossen und ich fand die Erklärung für diese Entwicklung eher fadenscheinig. Das Buch wird aus Melisendes und Raol de Montalbans Sicht erzählt. Mit beiden bin ich nicht so wirklich warm geworden, aber Melisende fand ich zwischendrin einfach nur dumm. Das kann man auch schon nicht mehr als jung und naiv abtun. Zu dem Zeitpunkt der Geschichte wurde sie bereits seit Jahren von ihrem Vater in Regierungsgeschäften ausgebildet, dass ich mir einfach nicht vorstellen kann, dass sie sich so benehmen würde. Hier setzt Ulf Schiewe für mich leider zu viel auf Klischees. Melisende hat für mich in diesem Buch nichts von einer starken Frau, auch wenn sie später auf der Flucht viel durchstehen muss und das mit Hilfe Raol de Montalbans gut meistert. Ihre ganze Art ging mir teilweise so auf die Nerven. Sie mag geradeheraus ihre Meinung sagen, sie hat aber kein Gefühl dafür, wann das angebracht ist und wann nicht, sie gibt sich zickig ohne Ende und im nächsten Augenblick ist sie kurz vorm Heulen. Sie möchte ernst genommen und respektiert werden, hat aber keine Durchsetzungskraft und ist so begriffsstutzig, dass es schon weh tut. Zu Raol de Montalban kann ich ehrlich gesagt nicht so viel sagen. Er ist ein Kreuzritter, hat viel durchleben müssen, gibt sich nach außen hin unnahbar, ist vorausschauend und geht bei der Flucht gemeinsam mit Melisende klug vor. Das hat mir durchaus gefallen, andererseits glaube ich, dass er mir nicht wirklich lange im Gedächtnis bleiben wird. Am Ende des Buches gibt es noch ein kurzes Nachwort des Autors, dass Aufschluss darüber gibt, dass es nie eine Entführung Melisendes gab und es sich bei diesem Roman also zum größten Teil um eine fiktive Geschichte handelt. Das eh vieles bei so einer Entführung fiktiv gewesen wäre, geschenkt, aber der Autor schreibt selbst, dass es so viele echte spannende Begebenheiten zwischen dem ersten und zweiten Kreuzzug gab, hätte man nicht davon eine nehmen können und darum eine spannende Geschichte weben können? Mir persönlich hätte das besser gefallen. Historische Informationen wurden in diesem Roman fast ausschließlich als Infodump eingebracht.
Fazit: Ein solider historischer Roman, der sich gut lesen lässt, aber auch einige Entwicklungen hatte, die mir gar nicht gefallen haben. Melisende konnte mich überhaupt nicht für sich einnehmen und hat mich zeitweise sehr genervt. Wichtig zu wissen, Melisende gab es wirklich, die Geschichte in diesem Roman ist allerdings fiktiv. Wen das nicht stört, den sei dieser Roman ans Herz gelegt.
Der Autor Ulf Schiewe hat mit seinem historischen Roman „Die Mission des Kreuzritters“ einen Einzelband geschrieben. In diesem steht die Königstochter Melisende von Jerusalem im Zentrum der Handlung. Man kann dieses Buch auch gut ohne Vorkenntnisse lesen, einen direkten Bezug zu seinen anderen Büchern verwendet Schiewe nicht.
Klappentext: Jerusalem, 1129. Als älteste Tochter des Königs soll Melisende einst die Krone erben und über das Heilige Land herrschen. Den von ihrem Vater ausgesuchten Bräutigam lehnt die eigenwillige junge Frau jedoch vehement ab. Heimlich verlässt sie mit einer Eskorte die Stadt. Doch sie kommt nicht weit. Ihre Reisegruppe wird überfallen, ihre Wache getötet, sie selbst als Geisel verschleppt. Um sie zu retten, schickt König Baudouin den Tempelritter Raol de Montalban aus. Bald merkt er: Gefahr droht von mehr als einer Seite...
Wer den Nachnamen Montalban schon einmal gelesen hat, kennt höchstwahrscheinlich schon einen historischen Roman aus der Feder von Ulf Schiewe. Die Familiengeschichte wird bereits in mehreren seiner Bücher angerissen oder erzählt, wobei jeweils andere Generationen im Vordergrund stehen. Aber keine Sorge, man kann die Bücher sehr gut unabhängig voneinander lesen. Ich habe bereits schon das ein oder andere Werk von Schiewe gelesen und war daher auch sehr auf dieses Kreuzritter- Buch gespannt. Der Schreibstil von Schiewe ist, wie ich es bereits aus seinen anderen Büchern kenne, auch dieses Mal wieder sehr angenehm, sodass sich das Buch flüssig lesen lässt. Der Stil ist bildhaft und Schiewe schafft es gekonnt, eine Atmosphäre aufzubauen und diese zu verdichten. Durch die wechselnden Erzählperspektiven wird zusätzlich noch Spannung erzeugt. Auch erhält der Leser dadurch einen vielseitigeren Einblick in die Handlung und auch in die Charaktere. Man kann dessen Gedanken und Handlungen besser verstehen und dadurch lernt man seine Sichtweise noch näher kennen – bekommt vielleicht nochmal einen ganz anderen Einblick in die Charaktere. Auf den ersten Seiten lernt man bereits den männlichen Protagonisten Raol de Montalban kennen. Es ist ein rasanter und direkter Einstieg. Der Leser bekommt sofort einen Einblick in das kriegerische Geschehen in dieser Region und auch einen Eindruck in das Schicksal von Raol. Bei einer Schlacht wird er schwer verletzt und überlebt nur knapp. Raol schließt sich daraufhin den Tempelrittern an, welche noch am Anfang sind. Diese haben sich noch keinen Namen gemacht und haben auch noch nicht den Einfluss, den sie später mal erreichen werden. Schon im nächsten Kapitel lernt man den weiblichen Gegenpart kennen. Melisende ist die Tochter vom König von Jerusalem. Auch wurde sie von ihm zum Thronerben ernannt. Ihr Vater möchte sie auf dieses Schicksal vorbereiten, sodass sie an politischen Sitzungen teilnimmt und auch eine fundierte Bildung erhält. Davon ausgenommen hat Melisende noch nicht viel außerhalb der goldenen Mauern erlebt. Sie ist in Bezug auf das alltägliche Leben und desen Schwierigkeiten noch sehr naiv und gutgläubig. Dennoch weiß Melisende genau, was sie möchte und versucht dieses auch durchzubringen. Ihre Entwicklung ist im Verlauf des Buches am größten. Mit fortschreitendem Abenteuer reift sie heran, sie wächst mit ihren neuen Erfahrungen und sieht dabei vieles aus einem anderen Blickwinkel. Ich fand ihre Entwicklung sehr interessant und gebannt habe ich diese mit verfolgt. Positiv möchte ich auch die Entwicklung der Beziehung zwischen Melisende und Raol erwähnen. Am Anfang sind die beiden noch wie Katz und Maus. Jeder Satz wird gewollt falsch interpretiert. Doch mit ihren Aufgaben wachsen sie zusammen. Sie lernen, sich gegenseitig zu vertrauen und zu schützen. Langsam wird diese Bindung gestärkt und gefestigt – zusammen meistern sie einige Schwierigkeiten. Aber auch die Nebencharaktere konnten mich überzeugen. Diese wirkten auf mich glaubwürdig. Besonders Usama, der Neffe des Emirs konnte mich hier in seinen Bann ziehen. Der historische Roman ist mit umfangreichem Bonusmaterial ausgestattet. Eine hilfreiche Karte oder auch ein aufklärendes Nachwort – hier wird nochmal zwischen Fakten und Fiktion unterschieden. Etwas überrascht war ich, dass die Flucht von Melisende rein fiktiv ist. Diese war so glaubwürdig beschrieben, dass ich gewisse Ansätze für historisch belegt gehalten hätte. Dennoch dient diese fiktive Handlung gekonnt dazu, den historischen Rahmen zu transportieren. Man bekommt einen guten Einblick in das Leben in der Gegend von Jerusalem zu dieser Zeit und die politischen und religiösen Gegebenheiten. Dabei merkt man, dass Schiewe diesem Buch eine umfangreiche Recherche zu Grunde legt.
Insgesamt konnte mich Ulf Schiewe mit dem historischen Roman „Die Mission des Kreuzritters“ gut unterhalten. Die charakterliche Entwicklung und auch der historische Rahmen haben mir sehr gefallen. Auch die spannende Handlung konnte mich überzeugen. Daher möchte ich 4 Sterne vergeben.
Buchmeinung zu Ulf Schiewe – Die Mission des Kreuzritters
„ Die Mission des Kreuzritters“ ist ein Historischer Roman von Ulf Schiewe, der 2021 bei Lübbe erschienen ist.
Zum Autor: Ulf Schiewe wurde 1947 im Weserbergland geboren und wuchs in Münster auf. Er arbeitete lange als Software-Entwickler und Marketingmanager in führenden Positionen bei internationalen Unternehmen und lebte über zwanzig Jahre im Ausland, unter anderem in der Schweiz, in Paris, Brasilien, Belgien und Schweden. Schon als Kind war Ulf Schiewe ein begeisterter Leser, zum Schreiben fand er mit Ende 50.
Klappentext: Jerusalem, 1129. Als älteste Tochter des Königs soll Melisende einst die Krone erben und über das Heilige Land herrschen. Den von ihrem Vater ausgesuchten Bräutigam lehnt die eigenwillige junge Frau jedoch vehement ab. Heimlich verlässt sie mit einer Eskorte die Stadt. Doch sie kommt nicht weit. Ihre Reisegruppe wird überfallen, ihre Wache getötet, sie selbst als Geisel verschleppt. Um sie zu retten, schickt König Baudouin den Tempelritter Raol de Montalban aus. Bald merkt er: Gefahr droht von mehr als einer Seite ...
Meine Meinung: Dieses Buch ist ein klassischer Abenteuerroman im historischen Umfeld mit einem Touch Liebesroman. Der Leser erfährt viel über die kulturellen Unterschiede zwischen abend- und morgenländischer Kultur. Die beiden Hauptfiguren Melisende und Raol de Montalban sind mit etlichen grauen Flecken gezeichnet und wirken lebendig und auch sympathisch. Die Entführungsgeschichte ist rein fiktiv, bildet aber den Grundstock zur Beschreibung des politischen Umfelds von Jerusalem. Jerusalem ist der Ort des Zusammentreffens verschiedener Religionen mit ihren jeweiligen Heiligtümern und natürlich auch ein Ort des Handels. Melisende ist die Tochter des Königs und hat eine sehr gute Ausbildung erhalten. Trotzdem soll sie mit einem fremden und auch deutlich älteren Ritter verheiratet werden, der die Staatsgeschäfte und die Heeresführung übernehmen soll. Raol de Montalban ist ein erfahrener Tempelritter und Kämpfer, der die entführte Melisende auslösen und nach Jerusalem zurückbringen soll. Dies erweist sich als schwierige und gefahrvolle Mission, während der sich Melisende und Raol zunehmend näher kommen. Der Autor hat einen spannenden Plot erstellt, der den Leser durch den Wechsel zwischen Kampfszenen und ruhigen Phasen fesselt. Auf allen Seiten gibt es Menschen, die von der Situation profitieren wollen und mehr oder weniger lautere Absichten verfolgen. Die heterogene Struktur in der Region wird mehr als deutlich.
Fazit: Dieser Abenteuerroman überzeugt durch seine Figurenzeichnung und der Darstellung des politischen Umfelds jener Zeit. Die Geschichte ist spannend und doch haben mir andere Romane des Autors besser gefallen. Deshalb bewerte ich dieses Buch mit vier von fünf Sternen (80 von 100 Punkten) und spreche eine Leseempfehlung für die Freunde historischer Abenteuerromane aus.
Schauplatz des Romans ist Jerusalem, eine erfrischende Abwechslung zu den ganzen Büchern dieses Genres, die in Europa spielen. Im Heiligen Land treffen viele Kulturen und Religionen aufeinander, neben dem Christentum wird auch der Islam genauer beleuchtet, was die Geschichte noch interessanter gestaltet.
Erzählt wird die Handlung aus verschiedenen Perspektiven, insbesondere aus der von Melisende und Raol, den beiden Protagonisten. Melisende, eine freiheitsliebende junge Frau, ist die Thronerbin des Königreichs Jerusalem. Um einer erzwungenen Hochzeit zu entkommen, verlässt sie den Hof heimlich. Doch ihre Flucht geht schief und Melisende gerät in die Fänge politischer Gegner - ein aufregendes Abenteuer beginnt. Dass Melisende tatsächlich gelebt hat, macht die Geschichte noch interessanter. Raol, der einigen Lesern auf früheren Werken des Autors bekannt sein wird, zählt zu den Kreuzrittern, die losziehen, um Melisende zu retten. Von allen Figuren haben mir Maria und Dawud am besten gefallen. Zwischen ihnen entwickelt sich eine Liebesgeschichte, die mich zutiefst berührt hat.
Der Schreibstil hat mir sehr gefallen, denn der Autor setzt auf bildhafte Beschreibungen und lässt dabei viele zusätzliche Informationen einfließen. Hinter dem Roman steckt auf jeden Fall viel Recherche. Der Spannungsbogen wird während Melisendes gesamter Reise aufrechterhalten, es gibt einige Überraschungen.
Auch das Cover hat mich sehr angesprochen, es gibt also nichts zu bemängeln. :) Ich werde auf jeden Fall noch andere Bücher des Autors lesen!
Mit diesem neuen Roman setzt Ulf Schiewe seine Montalban-Reihe fort. Bei dem Tempelritter Raol de Montalban handelt es sich um den Sohn von Jaufré de Montalban aus dem früheren Roman „Der Bastard von Tolosa“, den ich zwar noch nicht gelesen habe, aber durch Rückblicke und Erzählungen Raouls erfährt man recht gut, wie es zum Bruch mit seiner Familie kam. Bisher kannte ich aus der Montalban-Reihe nur „Die Hure Babylon“, wo es um Raouls Neffen geht. Mit diesem vierten Roman hat die Reihe eine gute und informative Ergänzung erhalten. Raol de Montalban muss eine brisante Mission erfüllen. Baudouin II., der König von Jerusalem, betraut ihn mit dem Auftrag, seine Tochter Melisende zu finden und zurück zu holen. In dem Bestreben, einer Heirat mit Folques d‘Anjou zu entgehen, machte sich diese, seine älteste Tochter und Thronerbin, mit dem Vorwand auf, ihre Schwester Alice in Antiochia zu besuchen. Leider werden sie unterwegs überfallen, ihre Eskorte getötet und sie als Geisel genommen und in den Harem des Emirs von Schaizar verschleppt. Sie zu finden und nach Hause zu bringen, wird für Raoul zu einem gefährlichen Abenteuer, das einerseits mit großen Verlusten einher geht, aber auch lange verloren geglaubte Empfindungen und Erinnerungen in ihm weckt.
Die Geschichte, die der Autor erzählt, ist fiktiv, aber bei den meisten der Charaktere handelt es sich um historisch reale Persönlichkeiten. Raol de Montalban hat es nicht gegeben, aber Melisende von Jerusalem hat wirklich gelebt und von ihrem Vater die Krone geerbt, als Baudouin zwei Jahre nach der Zeit, in der dieser Roman spielt, starb. Es ist dem Autor wieder einmal gelungen, mir auf sehr interessante und fesselnde Weise historisches Wissen nahe zu bringen, denn rund um die fiktive Handlung werden in den Dialogen oft reale Ereignisse erzählt und alles sehr autenthisch verknüpft.
Die Charaktere sind vielschichtig und interessant, und vor allem Raoul war mir sehr sympathisch, denn er ist ein Mensch mit rauer Schale und einem guten Herzen, der sich viele Gedanken um Gott und die Welt macht und nichts als gegeben hinnimmt, sondern vieles hinterfragt. Als er Melisende während ihrer gemeinsamen, sehr abenteuerlichen und gefährlichen Reise, an seinen Gedanken teilhaben lässt, gibt sie ihre anfängliche Abneigung und Skepsis ihm gegenüber auf, und es entspinnen sich aufschlussreiche und tiefschürfende Gespräche zwischen den Protagonisten. Melisende ist eine starke, intelligente und rebellische Frau, die sich in einer von Männern regierten Welt nicht gerne unterordnet. Man kann sich sehr gut in die damalige Zeit hinein versetzen, und die politischen Gefüge werden ausgezeichnet erklärt. Über Melisende von Jerusalem und ihre Familie wusste ich vorher nichts, so habe ich durch diesen Roman wieder einiges dazu gelernt, auch über den damals noch sehr jungen Templerorden, der in der Geschichte eine wichtige Rolle einnimmt. Gerade diese starke Beziehung der Handlung zur historischen Realität gefällt mir so gut an Ulf Schiewes Romanen, und auch diese Geschichte hat mich nicht enttäuscht, sowohl was Unterhaltung und Spannung betrifft als auch durch den Gewinn an historischem Wissen über das 12. Jahrhundert im Heiligen Land, der mit der Lektüre einher geht.
Eine Karte auf den inneren Buchklappen zeigt Melisendes Reiseroute sowie eine Übersicht über die Staaten der Kreuzfahrer entlang der Mittelmeerküste. Im Anhang gibt es ein ausführliches Personenverzeichnis, aus dem man gut ersehen kann, welche Charaktere real und welche fiktiv sind, und ein Glossar erklärt wichtige Begriffe und Bezeichnungen aus dem Buch. Alles in allem war dieser Roman für mich ein fesselndes und historisch interessantes Lesevergnügen.
Im Jahr 1129 regiert König Baudouin II. Jerusalem. Er ist Vater von vier Töchtern, muss also die Thronfolge ohne eigenen männlichen Nachkommen regeln. Als passenden Ehemann für seine Älteste – Melisende – hat er Foulques, den Comte d’Anjou, auserkohren, und in diesem Fall – wie zu jener Zeit üblich – nicht nach der Meinung seiner Tochter gefragt. Die selbstbewusste Melisende will dies nicht hinnehmen, ist sie nämlich keineswegs einverstanden mit der Wahl des Vaters. Sie teilt ihren Unmut/Groll zuerst mit deutlichen Worten mit, bis sie es nicht dabei belässt und in Begleitung ihrer Magd Maria und mit männlichem Schutz in Richtung Antichochia zu ihrer Schwester flieht. Die Reise wird indes nach einem Überfall jäh beendet, und Melisende sieht sich als Gefangene …
Als sie nach dem Abschluss eines Friedensvertrages und der Zahlung von Lösegeldes freikommt und sich in der Obhut von Raol Montalban auf dem Rückweg nach Jerusalem befindet, gerät sie in erneute Gefahr einer Geiselnahme und kann ihren Verfolgern nur in Begleitung des Kreuzritters entkommen.
Werden die beiden Jerusalem jemals erreichen?
Ulf Schiewe gehört zu jenen Autoren, deren Werke an seiner „Handschrift“ stilistisch zu erkennen sind. Auch „Die Mission des Kreuzritters“ fügt sich in die Reihe jener historischen Romane ein, die mit einer prägnanten, bildkräftigen Szenerie die Zeit des Orients atmosphärisch aufleben lassen. Hier bedient sich der Autor eingehender, maßvoll eingesetzter Landschaftsbeschreibungen, die in Verbindung mit Darstellung der andersartigen Gesellschaften, Kulturen und Religionen als wichtige und ebenfalls aufklärender Ergänzung einen würdigen Rahmen für die Geschichte bilden und die Lesesinne ansprechen. Sein durch umfassende Recherche erworbenes Wissen gepaart mit Können und Leidenschaft macht es möglich, dass nicht nur einst reale Ereignisse, sondern auch tatsächliche Personen im Einklang mit fiktiven geschildert werden und ein Agieren vor dieser Kulisse in bemerkenswerter Intensität erfolgt.
Die Handlung ist dynamisch erzählt und wechselt zwischen aufregenden Abenteuern mit dramatischen Kämpfen zu wiederum ruhigen Abschnitten.
Das Geschehen in „Die Mission des Kreuzritters“ wird von zahlreichen Figuren getragen. Dabei fällt auf, dass diese oft kein Blatt vor den Mund nehmen und eine direkte und offene Sprache benutzen. Das trifft auch auf Melisende und Raol zu. Mit ihnen befinden zwei vielschichtige Protagonisten im Fokus, die auf den ersten Blick nicht unterschiedlicher sein können.
Auf der einen Seite die behütete Prinzessin, ungezügelt temperamentvoll, ungestüm zuweilen und mutig, ja sogar furchtlos, die sich nicht verbiegen möchte. Melisendes Möglichkeiten sind wegen der Zugehörigkeit zum (vermeintlich) schwächeren Geschlecht eingeschränkt, wodurch sie trotz ihres Willens und ihrer Entschlossenheit nicht frei in ihrer Entscheidung ist. Aber sie versucht, ihrer vorgezeichneten Rolle einiges entgegenzusetzen. Durch ihre unüberlegte „Flucht“ wirkt sie auch unreif und aufmüpfig, weil sie hiermit – zwar unbeabsichtigt – nicht allein sich selbst, sondern ebenso die ihr nahen Menschen in Gefahr bringt. Sie kann empathisch sein, vermag es allerdings zudem, mit unüberlegten Äußerungen andere Menschen zu verletzen.
Ihr gegenüber steht Raol, ein rauer Mann, der vor zehn Jahren die Schlacht von Sarmada überlebt und danach nach Kreuz genommen hat. Doch in seinem Inneren streiten die Emotionen. Raol zweifelt inzwischen, nicht nur an sich selbst, am Sinn des Lebens und vor allem an seinem Glauben, stellt ihn und seinen Gott in Frage. Er ist ohne Orientierung und Ziel.
Ulf Schiewe gelingt es lebensnahe Weise, die charakterlichen Stärken und Schwächen während der Entwicklung seiner Protagonisten zu gestalten. Melisende und Raol bleiben lediglich wenige Tage. Mit jedem Gespräch, das die beiden führen, entfalten sie mehr gegenseitiges Verständnis, auch wenn sie nicht immer die Meinung des anderen gleichermaßen teilen. Sie nähern sich behutsam an, und insbesondere Melisende beginnt, in Raol mehr als den Beschützer und Freund zu sehen.
Dank einer feinen Sensibilität in der Beschreibung vieler ergreifender Momente ist nachvollziehbar, wie sie einander lernen zu achten, wertzuschätzen und leidenschaftlich zu lieben und mit innerer Willenskraft ihren Weg gehen werden.
Ein fesselnder Abenteuerroman mit starken Charakteren – ich war von Anfang an gefesselt und habe ganz nebenbei auch noch eine Menge gerlernt über die Zeit zwischen den ersten beiden Kreuzzügen.
Ulf Schiewe entführt den Leser in das Jahr 1129. In Jerusalem herrscht Baudouin II.. Um seine Nachfolge zu sichern, möchte er seine älteste Tochter Melisende mit dem Grafen Foulques d’Anjou verheiraten, doch seine widerspenstige Tochter lehnt das ab und flüchtet. Doch noch ehe sie ihr Ziel erreicht, wird sie überfallen und als Geisel genommen. Baudouin verhandelt und schickt seinen ergebenen Tempelritter Raol de Montalban, der seine Tochter wohlbehalten nach Jerusalem zurückbringen soll. Was er nicht ahnt, dass die beiden in große Gefahr geraten.
Man wird direkt in die Geschichte hineingeschmissen und es ist von Anfang an spannend. Man bekommt Einblicke in den 1. Kreuzzug und in das damalige Leben in Jerusalem, aber auch in das Leben von Seldschuken und Muslimen, beides Kulturen, über die ich bisher nur wenig gelesen habe und daher auch nur wenig wusste. Melisende gerät in ein großes Abenteuer – erst indem sie vor dem zukünftigen Ehemann flieht, dann als sie als Geisel in einen Harem gerät und schließlich mit dem Tempelritter Raol auf dem Weg zurück nach Jerusalem, der voller Gefahren steckt. Die Geschichte lebt von den tollen Beschreibungen der Landschaften, Menschen und Szenerien, und man merkt, dass der Autor hier gut recherchiert hat. Getragen wird die ganze Geschichte aber durch die beiden tollen Protagonisten Melisende und Raol; und gegensätzlicher könnten die beiden kaum sein. Während Melisende aufbrausend und manchmal auch unüberlegt handelt, ist Raol ein vorausschauender und zurückhaltender Mensch, der Entscheidungen nicht wohldurchdacht trifft. Melisende redet sich oft um Kopf und Kragen, Raol dagegen ist eher still und verliert kein überflüssiges Wort. Ich mochte beide sehr gerne, jeden auf seine Weise, und da sie sowohl gute Seiten als auch Macken haben, sind sie sehr authentisch. Aber auch die anderen Figuren sind gut gezeichnet und lebendig, keiner wirkt stereotyp, sondern immer mit eigener Geschichte, so dass ich mir jeden gut vorstellen konnte.
Man ahnt vielleicht schon, dass es auch eine kleine Romanze gibt in diesem Buch, die auch einen gewissen Raum einnimmt, die mich aber nicht gestört hat, weil sie wohldosiert und passend war.
Gelungen ist dem Autor die Verknüpfung von Wahrheit und Fiktion. Denn Melisende hat es tatsächlich gegeben, genau wie ihren Vater als Herrscher Baudouin und den Gemahl Foulques d’Anjou. Es ist immer schwer, historischen Persönlichkeiten Leben einzuhauchen und natürlich kommt es da auch zu einer Prägung durch den Autor, ich fand es in diesem Buch aber sehr gelungen. Fiktiv ist dagegen der Tempelritter Raol, dessen Figur sich aber wunderbar in die Geschichte einwebt, und durch den man viel über das Leben der Tempelritter erfährt.
Der Schreibstil ist leicht zu lesen und sehr lebendig, insgesamt auch eher modern gehalten, wie man es aus historischen Romanen sonst vielleicht nicht so kennt. Oft stört mich das, wenn der Stil nicht zur Zeit passt, in der eine Geschichte spielt, diesmal aber fand ich das gar nicht schlimm; auch nicht, dass die Geschichte im Präsens geschrieben ist, was ich sonst nicht mag – aber hier hat es mich tatsächlich direkt ins Geschehen geholt und ich hatte das Gefühl, die Flucht selber mitzuerleben.
Ich mochte dieses Buch wirklich sehr gerne und hatte spannende und sehr unterhaltsame Lesestunden. Daher gebe ich 5 von 5 Sternen.
Mein Fazit Eine spannende und abenteuerliche Geschichte, die im 12. Jahrhundert in Jerusalem spielt und die den Leser auf eine gefährliche Flucht mitnimmt. Ich hatte fesselnde Lesestunden und habe die beiden großartig gestalteten Protagonisten sehr gemocht und auch gerne begleitet. Der Schreibstil ist leicht zu lesen und macht die Geschichte nochmal lebendiger – ich gebe diesem Buch 5 von 5 Sternen.
Eine Mission welche mit einer großen Portion Ungewissheit Enden könnte. Oder ist es doch ganz anders?
Mir hat der Roman um die charismatische Thronerbin Melisende gut gefallen. Das Cover ist bunt gestaltet. Man erkennt im Vordergrund eine Frau, sowie einen Mann mit dem typischen roten Tatzenkreuz bekleidet, welche auf Pferden reiten. Im Hintergrund ist eine Festung zu erkennen. In der Geschichte geht es um die junge Melisende, Thronerbin von Jerusalem, welche gegen ihren Willen den Adeligen Foulques d´Anjou heiraten soll. Sie flieht aus der Festung und gerät in muslimische Gefangenschaft.
Der Templer Raol wird beauftragt sie aus der misslichen Lage zu befreien. Wird es ihm gelingen? Die Hauptprotagonistin ist eine sehr selbstbewusste junge Frau, welche sich ihrem sehr konservativ eingestellten Vater mutig entgegenstellt. Sie ist für ihre Zeit sehr weitschauend gewesen und tritt sehr stark für ihre Wünsche und Rechte ein. Ebenfalls eine sehr starke Persönlichkeit ist der Templer Raol. Am Anfang der Geschichte wirkt er sehr abweisend und stringent und handelt nach dem Prinzip „Mission erhalten“ Mission beenden. Im Laufe der Erzählung entwickelt er sich aber weiter und ist für so einige charakterliche Überraschungen zu haben. Als bedeutsame Nebenfiguren sind neben dem König Boudouin II, seine Tochter Hodierna, der Schildträger Bernatz, Foulques d`Anjo, Usama Der Neffe des Emirs, Yusuf sein Gefolgsmann sowie Quilitsch zu nennen. Am besten hat mir Yusuf gefallen. Am Anfang stets auf Krieg und Gewalt eingestellt entwickelt er im Laufe der Zeit Empathie und weiß auch die Diplomatie zu schätzen.
Die Spannung der Geschichte entwickelt sich im Laufe der Erzählung und erfährt gegen Ende dieser nochmal ein ordentliches Tempo zu einem dramatischen Finale hin. Der Aufbau der Erzählung ist stringent und es sind keine Zeitsprünge zu erkennen. Die Handlung spielt im Nahen Osten um 1129 und ist somit für die Leser sehr gut einordbar. Der Schreibstil des Autors ist flüssig, gehoben und dialogorientiert und sehr gut lesbar. Als Zielgruppe des Romans kommen Anhänger historischer Romane, sowie Freunde der „Kreuzzüge“ und des Templerordens in Frage. Das Fazit ist positiv. Spannend und dramatisch mit einem interessanten Ende hat mich dieser Roman überzeugt. Ich konnte sehr viel über die damalige Zeit um die Templer und die Kreuzzüge erfahren. Ich persönlich hätte mir zwar ein etwas anderes Ende gewünscht, aber gerade das nicht zu erwartende Ende macht ja auch die Spannung für einen Roman aus.
Habe ich als Hoerbuch gehoert. 3.5 Sterne. Schoen erzaehlt und eine Geschichte, die ein Setting hat, das etwas anders ist als die typischen historischen Romane - ich werde mich lange an dieses Buch erinnern.
Klassischer Ulf Schiewe mit sehr starken Parallelen in Handlung und Charakteren zu "Die Comtessa". Dadurch sehr vorhersehbar. Die Charaktere driften teilweise etwas zu sehr ins stereotype aber overall gelingt es Schiewe eine fesselnde Atmosphäre aufzubauen. Ist jetzt nicht unbedingt Weltliteratur und besonders das Ende ist mir zu abgedroschen aber es ist ein kurzweiliger Abenteuerroman in historischem Setting und hat mich gut unterhalten!
Vor ungefähr zwei Jahren habe ich „Der Attentäter“ von Ulf Schiewe gelesen, in dem es um das Attentat auf Franz Ferdinand, dem Thronfolger Österreich-Ungarns, geht. Schon damals war ich von der Erzählweise des Autors begeistert und musste sein neuestes Werk „Die Mission des Kreuzritters“ unbedingt lesen, obwohl es eigentlich so gar nicht mein Thema ist.
Melisende von Jerusalem, die älteste Tochter des Königs, weigert sich den unsympathischen Comte d`Anjou zu heiraten und will mit einem kleinen Trupp zu ihrer Schwester Alice nach Antiochia fliehen. Aber es kommt alles ganz anders als erwartet, denn Melisende und ihre Leute werden überfallen, sie wird sogar als Geisel genommen. König Baudouin entsendet daraufhin Raol da Montalban um Melisende zu retten und wieder nach Hause zu holen.
Ich wusste gar nichts über Jerusalem zur Zeit vonKönig Baudouin und vor allem nicht über das 12. Jahrhundert, so dass ich darauf angewiesen war, dass Ulf Schiewe mir alles bis ins Kleinste erklärt, damit ich die Zusammenhänge verstehe. Das ist ihm hervorragend gelungen. Zeitweise habe ich sogar vergessen, dass ich mit dem Thema Jerusalem und vor allem mit dieser Zeit gar nicht viel anfangen kann. Im Laufe des Buches sind mir Melisende und Raol sehr ans Herz gewachsen. Die meisten Figuren im Buch sind historisch belegt, allerdings ist die Geschichte um Melisendes Ausflug und ihre Rettung fiktiv. Der Schreibstil hat mir unglaublich gut gefallen, teilweise fühlte ich mich wie in einem Märchen. Ob das nun am Inhalt oder am Schreibstil oder einfach an der Kombination lag, kann ich gar nicht so genau sagen. Einen Teil dazu beigetragen hat auf jeden Fall die zarte Liebesgeschichte, die sich im Laufe des Buches zwischen Melisende und Raol entwickelt hat.
Ich meine mich zu erinnern vor einigen Jahren „Der Bastard von Tolosa“ gelesen oder zumindest angefangen zu haben, denn der Name Raol de Montalban kam mir sehr bekannt vor. Der Bastard beinhaltet nämlich Raols Geschichte. Unbekannt war mir auch, dass „Die Mission des Kreuzritters“ der vierte Teil einer Reihe ist. Allerdings kann man, wie man an diesem Beispiel sieht, die einzelnen Teile wunderbar alleinstehend lesen. Ich werde die versäumten Teile auf jeden Fall in diesem Jahr nachholen.
Ich kann das Buch uneingeschränkt empfehlen, selbst wenn du glaubst, dass es inhaltlich nicht dein Thema ist.