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Die Hafenschwester #3

Als wir an die Zukunft glaubten

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Der Erste Weltkrieg ist zu Ende. Martha und Paul haben während der Infl ation 1923 alle Ersparnisse verloren und die finanzielle Lage ist prekär. Ihre Tochter Ella will unbedingt Ärztin werden, muss ihren Traum jedoch zunächst auf Eis legen und die Familie unterstützen. Sie tritt in die Fußstapfen ihrer Mutter und beginnt eine Schwesternausbildung. Dann kommen die Nazis an die Macht. Ella fiebert dem Studium entgegen, doch die Einschreibung an der Universität wird ihr untersagt. Als die Familie in eine schreckliche Lage gerät, ruhen alle Hoffnungen auf dem jüngsten Sohn Fredi. Er macht bei der Mordkommission Hamburg Karriere. Und lässt sich auf einen gefährlichen Pakt mit der Gestapo ein …

705 pages, Kindle Edition

First published August 30, 2021

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About the author

Melanie Metzenthin

24 books25 followers
Melanie Metzenthin wurde 1969 in Hamburg geboren, wo sie auch heute noch lebt. Als Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie hat sie einen ganz besonderen Einblick in die Psyche ihrer Patienten, zu denen sowohl Traumatisierte als auch Straftäter gehören.

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4 stars
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Displaying 1 - 12 of 12 reviews
Profile Image for Gitti.
1,161 reviews
October 24, 2021
Der dritte Band der Hafenschwester setzt 1923 ein, die Hyperinflation ist auf ihrem Höhepunkt und auch in der Familie Studt wird das Geld langsam knapp. Die Ersparnisse sind aufgebraucht und die Ausbildung der Kinder eher ungewiss. Nach der Währungsreform kommt etwas Ruhe auf, doch macht sich Rudi während seines Jurastudiums Feinde und muss daher nach Berlin wechseln. Ellas Studium ist daher nicht mehr machbar und sie arbeitet zunächst als Krankenschwester, bis sie endlich ihr Studium antreten kann. Doch dann kommen die Nationalsozialisten an die Macht und ein Studium scheint für sie unmöglich zu werden. Und als Rudi in die Fänge der SA gerät, ist es an Ferdi, der mittlerweile bei der Polizei arbeitet, ihn wieder herauszuholen. Allerdings muss er dafür Dinge tun, die seinem Gewissen nicht guttun.

Diesmal begleiten wir eher die nächste Generation der Studts durch ihr Leben. Gerade auf Ferdi liegt ein Schwerpunkt, da er als Polizeikommissar viel mit der SA, SS und Gestapo zu tun hat und so hautnah viele Unmenschlichkeiten erlebt. Er versucht so weit es geht unter dem Radar zu bleiben und im Rahmen seiner Möglichkeiten Menschen zu helfen, die es schwer haben in diesen Zeiten.

Mir hat das Buch ausgesprochen gut gefallen. Obwohl es 700 Seiten lang ist, ist nicht eine davon langweilig. Durch die wechselnden Perspektiven wird deutlich, wie unterschiedlich die einzelnen Familienmitglieder ihre Rolle in der Familie sehen. Gerade unter den Geschwistern gibt es da einiges, was Zündstoff bietet. Ich habe mit allen mitgefiebert und gelitten und gerade Ferdi dafür bewundert, wie er es schafft in einer so schwierigen Zeit nicht unter die Räder zu kommen. Mitgelitten habe ich besonders bei den Szenen, die sich um den Feuersturm im Sommer 43 drehen. Eine wirklich harte Zeit für Hamburg und die Menschen dort. Erschreckend fand ich auch, wie sich die Menschen von den Nazis um den Finger haben wickeln lassen.

Alles in allem ein tolles Buch und am Ende war ich traurig, dass die Geschichte um die Familie Studt damit beendet ist. Im Laufe der drei Bücher sind mir doch alle sehr ans Herz gewachsen.

Von mir daher eine unbedingte Leseempfehlung, nicht nur für dieses Buch, sondern für die gesamte Trilogie.
Profile Image for Steffi.
3,278 reviews182 followers
September 12, 2021
Nachdem mir schon die ersten beiden Bücher der Reihe um die Hafenschwester Martha gefallen haben, war ich sehr gespannt auf den finalen Teil.

Die Zeiten des ersten Weltkrieges liegen hinter Martha und ihrer Familie und alles scheint sich in seine Bahnen zu lenken, aber dann kommt die Weltwirtschaftskrise und das sich aufbauende NS-Regime bis zum zweiten Weltkrieg.

Die Geschichte von Martha und ihrer Familie hat mich absolut begeistert. Ich fand es unglaublich spannend und interessant die einzelnen Familienmitglieder in ihrem Leben zu begleiten und die deutsche Geschichte wurde auf sehr interessante Art und Weise mit deren Leben verbunden. Insbesondere in Bezug auf den Nationalsozialismus war es sehr interessant zu sehen wie sich alles nach und nach aufbaute und die Menschen immer mehr in die Ideologien hineingezogen wurden.

Die Zeiten des zweiten Weltkrieges konnte mich sehr bewegen und war oftmals sehr berührend. Es war wirklich jeder Charaktere interessant und ich habe mit allen mitgefiebert und mitgelitten.

"Als wir an die Zukunft glaubten" ist ein grandioser Abschluss der Hafenschwester-Trilogie, der mich absolut begeistern konnte. Eine absolute Empfehlung für diese Reihe.
Profile Image for Kritz.
44 reviews2 followers
November 1, 2024
4,5 Sterne.

Ich kann die Hörbuch-Ausgabe mit Sabine Kaack als Sprecherin wärmstens empfehlen.
Was das Buch selbst angeht so habe ich diesen Abschluss der Hafenschwester-Reihe ungemein gemocht. Dass zwischen Band 2 und 3 für mich eine etwas größere Pause war hat nicht zu sehr gestört - ich kam schnell wieder rein und wurde gut abgeholt. Ich konnte mich schnell wieder an die Charaktere erinnern und auch deren Entwicklung in der Zwischenzeit nachvollziehen, auch während der Geschehnisse des Buches. Ich fand es gut, dass manche Personen auch Entscheidungen getroffen und Verhaltensweisen gezeigt haben, mit denen ich persönlich nicht einverstanden war und die ich für ungut hielt. Da mir in der Vergangenheit manche Figuren "zu perfekt" erschienen hat das der Geschichte eine zusätzliche Vielschichtigkeit gegeben, die ihr m.M.n. gut getan hat.

Manche Dinge, die passiert sind, haben mich erschrocken - was ja zu erwarten war - und manches hat mich zu Tränen gerührt. Einige Momente waren richtig furchtbar. Aber auch das war ja zu erwarten und ich fand es gut, dass mir diese Momente so nahe gingen.
Je weiter das Geschehen fortschritt, desto schneller ging es und dabei konnte leider nicht mehr allzu viel auf die einzelnen Figuren eingegangen werden. Das ist schade aber kann ich auch verstehen. Habe auch keine Idee, wie man das hätte besser machen können.

Das Buch hat einen gut recherchierten Eindruck auf mich gemacht (auch ein Dank an das Nachwort an dieser Stelle), als Person ohne Geschichtsstudium oder so.
Ich vermisse die Charaktere jetzt schon.
Profile Image for lucia.
1 review
August 5, 2022
Das Buch ist der perfekte Abschluss für die Reihe um Martha und ihre Familie. Trotz der hohen Seitenzahl hat man nicht das Gefühl, dass das Buch in die Länge gezogen ist oder an irgendeinem Punkt langweilig wird, es hat durchgehend Spaß gemacht zu lesen. Besonders hat mir die neu eingeführte Henny gefallen, aber auch Ella verkörpert eine für diese Zeit starke und emanzipierte Frauenrolle. Ein Highlight des Buches war meiner Meinung nach die Erwähnung von Metzenthins Charakteren Richard und Fritz aus ihrer „Leise Helden“ Reihe.
Wie schon bei den vorherigen Teilen hat die Autorin im Anhang die historischen Ereignisse und Recherchen wieder schön erläutert und das Buch toll abgerundet.
This entire review has been hidden because of spoilers.
151 reviews2 followers
September 25, 2021
Das Buch:
Es handelt sich beim vorliegenden Buch um den dritten und letzten Teil der Hafenschwester-Trilogie. Das Buch kann zwar ohne Weiteres unabhängig von seinen Vorgängern gelesen werden, allerdings macht es deutlich mehr Freude, wenn man die Vorgeschichten kennt und mit Martha bereits die Gängeviertel und das schwere Leben der Ärmsten kennengelernt hat.

Worum geht’s?
Martha und Paul führen inzwischen ein gutes Leben, selbst wenn sie durch die Hyperinflation Anfang des 20. Jahrhunderts sämtliche Ersparnisse verloren haben. Ihre Kinder können trotz allem ihre Wege gehen. Am Ende der 20er Jahre wird Hitler immer populärer und die Sorge vor einem weiteren Krieg nimmt deutlich zu, die Lebenssituation wird angespannter, der Ton rauher. Aber trotz aller Widrigkeiten finden Martha und ihre Familie immer einen Weg, ihr Leben lebenswert zu halten und ihre Lieben vor dem Tod zu bewahren.

Charaktere:
Diesmal stehen Marthas Kinder Rudi, Fredi und Ella im Vordergrund. Es geht hauptsächlich um deren Entwicklung am Ende der Schulzeit bis hin zu einem eigenständigen Leben, welches durch die Wirren des 2. Weltkrieges alles andere als vorhersehbar sein kann.

Fredi ist hierbei mein absoluter Favorit, was nicht bedeutet, dass ich Rudi und Ella nicht mag. Vielmehr ist es so, dass Fredi einfach eine beeindruckende Figur ist. Als Sandwichkind der Familie war er bisher eher ruhig und unauffällig, ging aber eben seinen Weg. In diesem Teil bekommt er den Raum, der ihm zusteht und den füllt er zur Gänze aus. War es früher Rudi, der stets die große Klappe hatte, ist es heute Fredi, der seinem großen Bruder aus der Patsche hilft – und diese Patsche ist gewaltig und vor allem lebensbedrohlich. Fredi ist einfallsreich und mutig. Während des Krieges bewahrt er die Nerven und durch seine besonnene Art, einige hilfreiche Kontakte – durchaus auch in die zwielichtige Welt Hamburgs – und jede Menge Courage rettet er viele Leben. Dabei scheut er sich nicht, sich selbst in Gefahr zu begeben, nicht zuletzt dadurch, dass ihm sein vermeintlicher Freund Werner Rohrbeck eigentlich jeden Moment auf die Schliche kommen könnte – wenn er intelligent genug wäre. Melanie Metzenthin schreibt Fredi in die Herzen ihrer Leser. Dabei bleibt die Figur absolut glaubwürdig. Zeugnisse dieser Zeit belegen, dass es Menschen wie Fredi wirklich gab, die vorbehaltlos geholfen haben.

Am Anfang des Romans ist Rudi ein Frauenheld, der das Nachtleben liebt und sehr zum Unmut seiner Eltern einen Lebenswandel lebt, der so gar nicht zur Familie Studt passen will. Auch wenn er sich verändert hat, jetzt aufmüpfig ist und beinahe rebellisch, ist Rudi überhaupt nicht unsympathisch. Vielmehr lässt die Autorin ihren Leser beide Seiten – sowohl die des „Kindes“ als auch die der Eltern – betrachten, sodass sich jeder selbst seine Gedanken machen kann, wie er mit den unterschiedlichen Situationen umgehen würde. Ich sah mich oftmals hin- und hergerissen, denn natürlich kann ich mich noch gut daran erinnern, wie ich in diesem Alter war und gleichzeitig bin ich heute selbst Mutter. Die Autorin bewertet hierbei nicht, sondern zeigt die Situationen, sodass man selbst die Freiheit hat, sich ein Urteil zu bilden.

Bei Rudi hat der Leser hin und wieder das Gefühl, dass er nicht die Gemeinschaft der Familie sondern ausschließlich sein eigenes Leben im Blick hat. Da er jedoch häufiger Unterstützung von der Familie braucht und auch bekommt um überhaupt weiterzukommen, ist diese selbstverständlich überaus enttäuscht, was zeitweise auch deutlich zutage kommt. Trotz allem halte ich Rudi nicht für wirklich egoistisch; er ist unbedacht, denke ich, und handelt erst, bevor er die Konsequenzen überdenkt. Die Figur des Rudi ist die Figur, die sich im Laufe des Romans am deutlichsten wandelt und damit lange Zeit unberechenbar bleibt. So überrascht Rudi auch am Ende des Romans, als er endlich die Chance bekommt, Fredi seinen Einsatz am Anfang des dritten Reiches zu danken.

Mit Ella geht der Leser oft durch viele Emotionen, was darin begründet ist, dass sie stets und ständig hinter Rudi zurück zu stehen scheint und darüber hinaus eine Frau ist. Während Fredi mit einer Kommissarslaufbahn zufrieden ist, möchte Ella unbedingt Medizin studieren. Diesen Wunsch hatte sie bereits als kleines Mädchen und ihre Eltern haben sie immer darin bestärkt. Bedingt durch Rudis Leben und Entscheidungen scheint diese Möglichkeit jedoch mehr als einmal auf der Kippe zu stehen. Hier kommt der Moment, in dem Leser wieder zwischen zwei Figuren steht, die im Grunde liebenswert sind und deren Beweggründe man verstehen kann. Und trotzdem wird sich der eine Leser in die eine Richtung und der andere in die andere Richtung gezogen fühlen, schätze ich. Ich glaube, ich war häufiger wütend wie Ella, als dass ich Rudis Unverständnis für die Gefühle seiner Schwester geteilt hätte.

An Ella zeigt Melanie Metzenthin außerdem eindrucksvoll wie weit und wie schnell die Emanzipation der Frau fortschreitet. War es am Ende des 19. Jahrhunderts nicht vorstellbar, dass eine unverheiratete Frau eine Affäre hatte, lebt Ella ihre unverheiratete Beziehung zum Franzosen Phillippe Morel sehr offen. Andererseits zeigt sie aber auch die alten, durchaus noch vorhandenen Strukturen an der Verbindung zwischen Henny und Fredi. Während Ella es sich nicht vorstellen kann, nicht selbst zu arbeiten, richtet sich Henny, mit noch nicht einmal 20 Jahren, ganz darauf ein Hausfrau und Mutter zu sein. Dass sich hinter dieser Frau ein wirklich intelligenter Kopf verbirgt, auf den Fredi ganz sicher nicht verzichten möchte, würzt diese Verbindung zusätzlich.

Auf diese Art und Weise und gepaart mit historischen Hintergründen zeichnet die Autorin ein wunderbar authentisches Bild der Menschen und deren Leben in Hamburg bevor der 2. Weltkrieg ausbricht und danach im Krieg. Dass sie selbst Hamburgerin ist, die ihre Stadt liebt, dürfte kaum zu übersehen sein. Auch zeigt sie eindrucksvoll auf, wie schleichend der Prozess war, als Hitler die Macht in Deutschland übernahm. Insbesondere der Unglaube der Menschen und das Vertrauen darauf, dass die Politik alles richten würde, ließen diesen Prozess überhaupt erst zu. Damit wird der Roman, obwohl er über eine Zeit vor 100 Jahren berichtet, überaus aktuell.

Schreibstil:
Metzenthins Schreibstil ist bildgewaltig, temporeich und emotional. Die Autorin erlaubt sich keinerlei Längen; im Gegenteil, es geht zeitweise Schlag auf Schlag - eben so, wie zumindest ich mir diese Zeit vorstelle - und man kommt kaum zu Atem. Trotz der Länge des Buches wird der Leser es kaum einmal aus der Hand legen wollen.

Das historische Hamburg entsteht beim Lesen so selbstverständlich vor dem inneren Auge, dass der Leser sich in den Straßen von Rothenburgsort wiederfindet und aus einem der Schrebergärten die Bombennächte mit den Protagonisten beobachten wird. Die Geschichte, die die Autorin zu erzählen hat, entwickelt sich in einer furchtbaren Zeit und sie verschont den Leser nicht vor den Grausamkeiten. Der Leser sollte sich also darauf einstellen, dass hier nicht die heile Welt einer vergangenen Zeit präsentiert wird und sie verschont auch die sympatischen Figuren nicht!

Historische Hintergründe:
Wie stets ist der Roman sauber recherchiert. Dadurch erhält er seine Lebendigkeit und Authentizität. Insbesondere die Zeit während des 3. Reiches ist überaus bedrückend, da die Autorin die wahren historischen Fakten mit den Schicksalen ihrer Protagonisten verknüpft. Dabei ist sie sehr eindringlich in ihrem Schreiben. Man kann sich der Stimmung nicht entziehen, man fühlt einfach. Im ersten Teil des Buches gewinnt der Leser den einen oder andren Charakter lieb und muss ihn dann durch den wirklich schweren zweiten Teil des Buches begleiten. So bangt der Leser mit seinem Liebling mit. Und wie bereits in den vorangegangenen Teilen der Reihe ist Melanie Metzenthin nicht zimperlich, ihren Figuren zu Gunsten der Authentizität der Geschichte auch böse Schicksale zu geben. Denn niemand blieb in dieser Zeit verschont!

In einem sehr interessanten Nachwort erzählt sie dann auch, was wahr ist und was Fiktion. Man sollte es unbedingt lesen, denn genau hier wird spätestens klar, wie grausam diese Zeit wirklich war.

Fazit:
Mit diesem Buch gelingt der Autorin der würdige Abschluss einer überaus lesenswerten Familiensaga, das sich durchaus auch ein zweites Mal zu lesen lohnt. Einmal angefangen, lässt einen die Geschichte nicht wieder los. 5 von 5 Sternen.

Profile Image for Sabine.
771 reviews19 followers
September 23, 2021
Der dritte und damit letzte Band der Hafenschwester-Reihe – wieder eine spannende Geschichte, die sich rund um die Hafenschwester Martha spinnt in der düsteren Zeit des Nationalsozialismus.

Die Hyperinflation beherrscht das Land - auch Martha und Paul leiden darunter nach dem ersten Weltkrieg. Das Geld ist nichts mehr wert, die Ersparnisse sind weggeschmolzen und die Zukunft ihrer Kinder Rudi, Fredi und Ella ist ungewiss. Doch nicht nur die finanzielle Not drückt, auch politisch ist einiges im Gange, was die Bevölkerung immer mehr entzweit. Rudi will unbedingt Anwalt werden, Ella träumt von einem Medizinstudium und Fredi findet seinen Platz bei der Polizei. Doch keines der Kinder kann seinen Traum so einfach verwirklichen, denn die Nazis kommen an die Macht und machen allen das Leben schwer.

Ich bin gut in die Geschichte reingekommen und war sehr neugierig, wie es mit Martha weitergeht. Schnell zeichnet sich ab, dass diesmal aber ihre Kinder im Mittelpunkt stehen, was die Geschichte aber nicht minder spannend macht.

Rudi hat zwar ein hohes Ziel, nämlich Anwalt zu werden, aber er hat auch einen sehr lockeren Lebenswandel, was ihm nicht nur zuhause einiges an Unmut einbringt, sondern auch seinen Lebensweg maßgeblich beeinflusst. Ohne seine Familie wäre er einige Male verloren gewesen, und es ist toll zu lesen, wie sehr sie alle füreinander einstehen. Rudi ist zwar vordergründig sympathisch, aber an mancher Stelle ist er wirklich gemein und egoistisch, so dass ich oft auch wütend auf ihn war. Ganz anders sind da die beiden anderen Geschwister – Ella als Küken hat es aus meiner Sicht am schwersten. Als Frau muss sie in diesen Zeiten immer wieder einstecken und ihre Träume begraben, und obwohl sie eine wirklich starke Persönlichkeit ist, sich den damaligen Konventionen entzieht und beständig an ihren Vorstellungen vom Leben festhält, muss sie immer und immer wieder einstecken – das machte mich als Leser traurig, aber auch zornig. Fredi ist ganz anders als seine beiden Geschwister – er gründet eine eigene kleine Familie und geht zur Polizei. Fredi kommt in diesem Buch eine sehr besondere Rolle zu – ihn habe ich wirklich bewundert, für das, was er tut und wie er sich engagiert und das, obwohl er an vielen Stellen gegen seine eigenen hohen moralischen Vorstellungen verstößt.

Die Spannung in der Geschichte baut sich langsam auf – im ersten Drittel geht es eher noch ruhig zu, und man erfährt viel über die damaligen Lebensumstände. Mit den politischen Umbrüchen und der zunehmenden Macht der NSDAP aber wird es immer spannender, und das letzte Drittel liest sich schon fast wie ein Krimi. Dabei ist der Schreibstil gewohnt lebendig und leicht lesbar, so dass die Seiten rasch dahinfliegen. Es gibt viele Überraschungen und Wendungen, mit denen ich nicht gerechnet habe, dabei aber ist nicht immer nur alles gut und toll, ganz im Gegenteil – die Zeit forderte auch schon mal zweifelhafte Handlungen, die eigentlich zu verurteilen sind, die aber der seinerzeit herrschenden Ungerechtigkeit und vor allem Machtlosigkeit des „kleinen Mannes“ geschuldet sind. Melanie Metzenthin konnte die Atmosphäre sehr gut einfangen, diese Ungewissheit und Unbeständigkeit, gepaart mit Furcht und Angst. Keiner war sich seiner sicher, und keiner wusste, ob der andere ihm wirklich wohlgesonnen war – umso wichtiger ist der Zusammenhalt einer Familie; und dies hat mich auch beeindruckt in dieser Geschichte, dass man trotz aller Widrigkeiten gemeinsam doch einiges bewegen kann und es mehr Widerstand gab, als es auf den ersten Blick zu sehen gibt.

Es gibt aber auch einen Punkt, der mir gar nicht gefallen hat. Das Buch behandelt eine Zeitspanne von etwa zwanzig Jahren – eine ganz schön lange Zeit, in der ja eine Menge geschieht. Da musste sich die Autorin einige Themen rauspicken, die sie in den Vordergrund rückte, andere dagegen wurden nur im Nebensatz erwähnt und waren damit „abgehandelt“. So spannend sie die ihr wichtigen Themen schildert, so sehr habe ich mich bei den anderen an einen oberflächlichen Bericht erinnert gefühlt, ganz nach dem Motto „tell, don’t show“; dabei sollte es - zumindest in meiner Vorstellung - ja andersherum sein. Da wäre mir lieber gewesen, man wäre nicht bei einer Trilogie geblieben, sondern hätte noch einen vierten Band geplant – denn Stoff für einen weiteren spannenden und interessanten Plot hätte es reichlich gegeben.

Trotzdem habe ich das Buch sehr gerne gelesen – toll war auch, dass uns die Autorin in einer kleinen, aber sehr feinen Leserunde begleitet hat und wir so eine ganze Menge an Hintergrundinformationen bekommen haben, die hilfreich waren und manches auch in ein neues Licht gerückt haben. Ich gebe 4 von 5 Sternen und empfehle die Reihe sehr gerne weiter!

Mein Fazit
Wieder ein spannender Band rund um die Hafenschwester Martha, wobei diesmal ihre drei Kinder in den Mittelpunkt rücken. Die politischen Umbrüche beherrschen die Zeit und bedürfen auch schon mal ungewöhnlicher Maßnahmen. Es war spannend, aber auch lehr- und aufschlussreich, und durch den lockeren Schreibstil bin ich durch die Seiten geflogen. Ich gebe diesem Abschlussband 4 von 5 Sternen.
Profile Image for James Eliza.
71 reviews
February 28, 2022
Der krönende Abschluss einer beeindruckenden Saga über die Menschen im Gängeviertel in Hamburg in einer bewegenden und wandelungsvollen Zeit.

Das Cover passt sehr gut in die Reihe und auch der Klappentext ist gut gestaltet und macht Lust darauf das Buch zu lesen.

Der dritte und letzte Teil der Hafenschwester-Saga beginnt im Jahr 1923, die Weimarer Republik kämpft mit den Hinterlassenschaften des Ersten Weltkrieges. Die Inflation nimmt Ausmaße an, wie man sie sich bis dato noch nicht vorstellen konnte. Das Schicksal von Martha und ihren Lieben steht auch diesmal wieder im Mittelpunkt. Der Fokus liegt aber nun auf der neuen Generation, die immer mehr eine Stimme in der Gesellschaft bekommen. Rudi, Ella und Fredi gehen ihren Weg, studieren, machen eine Ausbildung und begegnen der Liebe in diesen unruhigen Zeiten.

Es gibt aber auch ein Wiedersehen mit Marthas Bruder, Heinrich sowie dem Papagei Lora, der mal wieder für die eine oder andere Erheiterung sorgt. Ich mag den Zusammenhalt in der Familie Studt, auch wenn es gerade für Ella nicht sehr einfach ist.

Das Schicksal der Familie in der Zeit der Weimarer Republik und dann in der Zeit des Nationalsozialismus ist von Umbrüchen und Herausforderungen geprägt. Der Roman ist in zwei Teile gegliedert, die jeweils den Namen der politischen Epoche tragen. Durch die verschiedenen Sichtweisen der Erzählung aus der Sicht von Martha und ihrer Familie hat der Roman ein sehr hohes Tempo, der Fokus liegt gerade zum Ende hin auf der Generation der Kinder und Enkel.

Meine Lieblingsfiguren sind Ella und Henny, so unterschiedlich die beiden Frauen sind, so sehr mag ich sie, denn sie sind überzeugend in ihrem Handeln und machen in Laufe der Geschichte eine großartige Entwicklung die sehr einnehmend ist. Herausragend ist der Autorin das „doppelte Spiel“ von Fredi gelungen, die Beschreibungen und die taktische Vorgehensweise sind phänomenal.

Der Schreibstil der Autorin ist sehr gut und flüssig zu lesen, beschreibende Passagen und Dialoge halten sich gut die Waage. Der politische Hintergrund wird gut geschildert und auch Details, die vielleicht weniger bekannt sind, werden gut in die Geschichte eingebaut, ohne dass es belehrend wirkt. Insgesamt ist das Tempo in dem Roman sehr hoch, die verschiedenen Spannungsbögen ergänzen sich gut und greifen ineinander. Dieses Buch ist ein wahrer Pageturner, innerhalb weniger Tage habe ich dies über etwas 700 Seiten regelrecht inhaliert, es wird nie langweilig. Man bangt und hofft mit Martha und ihren Lieben.

Das Nachwort ist sehr informativ und hebt noch einmal wichtige historische Fakten hervor. Für mich ist der dritte Teil der Saga der Beste und damit ist Melanie Metzenthin ein fulminantes Finale geglückt.

Ein Sittengemälde einer Zeit, die vom Umbruch geprägt ist, von Schicksalsschlägen und Abschieden sowie eine Hommage an den Widerstand gegen den Nationalsozialismus.

Ich bedanke mich sehr bei Melanie Metzenthin für die Mitarbeit bei diesem Special, der wunderbaren Geschichte um Martha und ihren Lieben, sowie der Bereitstellung des Rezensions- und Leseexemplars.
Profile Image for lenisvea`s Bücherwelt (Sandra Berghaus).
1,046 reviews21 followers
January 12, 2022
ORIGINALAUSGABE
Paperback , Klappenbroschur, 704 Seiten, 13,5 x 20,6 cm
ISBN: 978-3-453-29246-8
Erschienen am 30. August 2021
15,00 €
Der Erste Weltkrieg ist zu Ende. Martha und Paul haben während der Infl ation 1923 alle Ersparnisse verloren und die finanzielle Lage ist prekär. Ihre Tochter Ella will unbedingt Ärztin werden, muss ihren Traum jedoch zunächst auf Eis legen und die Familie unterstützen. Sie tritt in die Fußstapfen ihrer Mutter und beginnt eine Schwesternausbildung. Dann kommen die Nazis an die Macht. Ella fiebert dem Studium entgegen, doch die Einschreibung an der Universität wird ihr untersagt. Als die Familie in eine schreckliche Lage gerät, ruhen alle Hoffnungen auf dem jüngsten Sohn Fredi. Er macht bei der Mordkommission Hamburg Karriere. Und lässt sich auf einen gefährlichen Pakt mit der Gestapo ein …

Zur Autorin
Melanie Metzenthin wurde 1969 in Hamburg geboren, wo sie auch heute noch lebt und als Fachärztin für Psychiatrie arbeitet. Mit der Vergangenheit ihrer Heimatstadt fühlt sie sich ebenso verbunden wie mit der Geschichte der Medizin, was in vielen ihrer Romane zum Ausdruck kommt. »Die Hafenschwester. Als wir zu träumen wagten« ist ihr erster Roman im Diana Verlag und der Auftakt zu einer Serie.

Meine Meinung

Ich habe ja die anderen beiden Bände schon mit absoluter Begeisterung gelesen und gehört. Als das Buch dann bei mir ankam, war ich doch erst erschrocken, wie umfangreich es wieder ist, aber es umfasst auch eine Menge von Ereignissen…

Mir ist der Einstieg wieder total leicht gefallen. Obwohl die ersten beiden Bände schon eine Zeit her waren, konnte ich mich schnell wieder an die Hamburger Familie erinnern und war von der ersten Seite an gefesselt von ihrer Geschichte.

Es geht hier weiter mit Martha, Paul und ihren drei Kindern Rudi, Fredi und Ella. Fredi hat in diesem Teil der Geschichte eine große Rolle, da es viel um seinen Beruf bei der Polizei geht und um die Chance, die gleichzeitig große Gefahren bietet, seine Familie zu beschützen.

Rudi hingegen gerät immer wieder in Schwierigkeiten, so dass Fredi ihm auch zur Seite steht und ihm sogar sozusagen das Leben rettet. Daraufhin flüchtet Rudi mit seiner Verlobten und deren Familie nach Amerika, wo Marthas beste Freundin aus Jugendtagen ja mittlerweile auch lebt.

Ellas Zukunftsträume sind durch Rudis Eskapaden allerdings erst einmal zerstört, so dass sie erst einmal in die Fußstapfen ihrer Mutter tritt und eine Ausbildung als Krankenschwester macht. Dies kommt ihr später aber für ihr Studium zugute.

Hier trifft man auch auf Charaktere aus den anderen historischen Romanen der Autorin, was mich sehr gefreut hat.

Langsam kommt der Krieg aber immer näher und es kommen schwere Zeiten auf die Familie zu…

Alles in allem kann ich hier eine absolute Lese- und Hörempfehlung aussprechen. Dieser Abschluss der Trilogie war einfach nur toll, ich war von Anfang bis Ende gefangen in der Geschichte der Hamburger Familie und bin traurig, dass es nun vorbei ist.

5 von 5 Sternen

Cover, Buchdetails und Klappentext: ©Diana Verlag
Infos zur Autorin: ©Diana Verlag
Rezension: ©lenisveasbücherwelt.de
Beitragsbild: ©lenisveasbücherwelt.de
735 reviews3 followers
October 31, 2021
Im dritten und letzten Teil der Hafenschwester-Saga erleben wir mit, was Martha, Paul und ihre Kinder, aber auch Marthas Bruder Heinrich und seine Familie von der Weimarer Republik bis in die Nachkriegszeit erleben. Diese Bücher kommen so unschuldig daher, als wären es seichte Liebesromane, aber es ist eine großartige Mischung aus Agententhriller, Familienepos und - ja auch - Liebesgeschichten. Aber seicht ist hier wirklich gar nichts und besonders dieser Band ist teilweise nichts für schwache Nerven. Ich hatte beim Lesen Gänsehaut, manchmal war mir wirklich übel, an anderen Stellen habe ich laut gelacht und dann wieder geweint, Tränen der Trauer, aber auch Tränen der Rührung.
Mich hat diese Geschichte sehr bewegt und nebenbei habe ich ein paar Dinge gelernt, die ich vorher noch nicht wusste. Ganz große Leseempfehlung!
Profile Image for An Ke.
30 reviews
September 29, 2021
Es ist der dritte Teil einer Familiendrama Serie. Ich habe die ersten zwei Teile nicht gelesen. Dies war auch nicht schlimm, man lernt die Hauptcharaktere sehr gut kennen auch ohne die Vorgeschichte zu kennen.
Die Geschichte beginnt in den 20er Jahren kurz nach dem 1.Weltkrieg und beschreibt wie die Familie Studt durch die Zeit bis nach dem 2.Weltkrieg lebt.

Der Schreibstil ist sehr fesselnd und man kann nicht mehr aufhören zu lesen.
Es ist nochmal interessant zu lesen wie eine Familie in dieser Zeit zu leiden hatte aber auch Freude mit der Familie.

Ich hoffe die Geschichte der Familie wird noch weiter erzählt.
Profile Image for Sandra Kisser.
41 reviews
November 4, 2021
Sehr gut geschrieben, ich war direkt in der Geschichte und habe mitgefiebert und mitgebangt.
Displaying 1 - 12 of 12 reviews

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