Ach wie viel Potential für ein gutes Buch hätte das Thema doch geboten. Und noch dazu einmal eine Ansage eines Atheisten. Und dann versagt Schmidt-Salomon auf ganzer Linie. Doch immer langsam mit den jungen Pferden.
Der atheistische Philosoph Stollberg stirbt während einer Vorlesung und zu seiner Überraschung findet er sich in einem Leben nach dem Tode wieder. Und hier erwartet ihn das Fegefeuer, er soll bereuen und bekennen. Und so landet er in einem Ring der Vorhölle, den er mit vielen anderen bekannten Atheisten teilt. Als sein ständiger Begleiter findet sich bald Albert Camus, der ihm auch die Gepflogenheiten beibringen möchte. Bald schon beginnt die Auflehnung gegen das Regime und Stollberg wird zum Anführer einer Rebellion gegen Gott, die sich den Weg durch die Ringe der Vorhölle bahnt um Gott von seinem Thron zu stoßen.
Tja, das war es denn auch schon. Sprachlich fällt das Werk von Anfang an durch. Zumindest in diesem Buch kommt Schmidtz-Salomon nicht ins Erzählen, eher ins Schwafeln. Die Sprache wäre einem Sachbuch angemessen, nicht einer guten Erzählung. Ganz nett ist die Beschreibung der Personen die Stollberg trifft. Dafür ist die Erzählung der Umgebung sehr lieblos und feindlich. Vor allem, dass Gott Nazischergen einsetzt um die Vorhölle zu betreiben ist irgendwie stillos. Auch schafft es Schmidt-Salomon nicht die alte Regel zu beachten, dass Beschreibungen sexueller Handlungen, dadurch ihren Reiz bekommen, dass sie nicht zu explizit dargestellt werden.
Stollbergs Inferno ist auch keine Kampfansage an Götter per se, sondern ausschließlich an den Gott der Katholiken. Und gerade das schwächt das Buch, denn die grundlegende Aussage geht dadurch verloren, dass ein mittelalterliches Gottesbild bekämpft wird. Ein viel zu schwaches Statement.
Und so komme ich schließlich - leider möchte ich sagen - zu der Beurteilung, dass dieses Buch in Wirklichkeit des interessierten Lesers Inferno ist.
Das Michael Schmidt-Salomon einer der größten Philosophen ist, die dzt. sozusagen "am Markt" sind, bleibt trotz dieses kleinen "Ausrutschers" unangetastete Wahrheit. Leider muss man sich allerdings fragen, wie ein sonst so begabter Mann auf die Idee kam einen solchen Groschenroman zu veröffentlichen.
Nicht, dass man mich falsch versteht: Die eingewobenen philosophischen Theoreme bleiben überlegenswert - und auch das Thema ist klug gewählt. Ein Herzinfarkt holt den bekannten Philosophen Jan Stollberg quasi während einer Vorlesung aus dem Leben ab und katapultiert diesen mitten in die Vorhölle der christlichen Religion nach katholischem Ritus.
Wäre da nicht die enorme sprachliche Schwäche (die Sachbücher Schmidt-Salomons sind allesamt ausgezeichnet formuliert!), so könnte man eventuell sogar über die eine odere andere Macke des Erzählstils hinwegsehen. In diesem Fall ist das aber nicht möglich: Man kann es nicht ignorieren.
Zu guter Letzt gelingt es diesem Buch nicht die "Angst vor dem Sterben" (in diesem Werk nach rein Atheistischer Tradition eine gänzliche Auflösung des Bewusstseins) ausreichend zu thematisieren oder den Schrecken davor zu nehmen.
Schade. Dennoch werde ich weiter seine Bücher lesen. Man muss ja schließlich auch als nicht-Christ vergeben können. ;)