Wenn Welten aufeinanderprallen: »Als Humboldt lernte, Hawaiianisch zu sprechen« erzählt über 40 spannende und berührende Geschichten von dem kuriosen Aufeinandertreffen völlig verschiedener Sprach- und Kulturkreise im Zeitalter der Entdeckungen. Wie kommt es zu diesen Begegnungen? Wie versuchen sich die Protagonisten zu verständigen? Beim Versuch, den Anderen und seine Lebenswelt zu verstehen, werden Wörter ausgetauscht, die uns zum Teil noch bis heute begleiten. Die außergewöhnlichen Protagonisten und Protagonistinnen führen den Leser in überraschende Erkenntnisse über fremde Sprachen und Kulturen ein.
Eigentlich ein wirklich interessantes und kurzweiliges Buch! Vor allem Vielfalt der dargestellten Sprachbegegnungen und die Info-Kästen über ein- und ausgewanderte Wörter zwischen den jeweiligen Sprachen und dem Deutschen fand ich klasse.
Aber (und das ist für mich ein großes Aber) finde ich es extrem problematisch und irreführend, wie geglättet und romantisiert über Pocahontas und Malinches jeweilige Liebesbeziehungen gesprochen wird. Dass es sich hierbei um junge, indigene Mädchen handelt, deren Beziehungen zu den wesentlich älteren Kolonialisten auf extrem ungleichen Machtverhältnissen beruhen und wohl kaum als einvernehmlich dargestellt werden sollten, wird völlig außer Acht gelassen. In späteren Kapiteln geht es darüberhinaus um Völkerschauen indigener Menschen in Europa, die Autorinnen thematisieren (geschweige denn problematisieren) auch hier nicht die Rassifizierung und Entmenschlichung der „ausgestellten“ Menschen. Vielmehr wird auch hier ein Bild von gleichberechtigter Kooperation gezeichnet und impliziert, dass die Völkerschau auf der Freiwilligkeit der beteiligten Menschen beruht.
Mir ist klar, dass das Buch zur Unterhaltung dienen soll, und ich erwarte auch keine geschichtswissenschaftliche Abhandlung. Ein Mindestmaß an reflektierter und reflektierender Einordnung darf aber gerade bei solchen sensiblen Themen und Dynamiken nicht fehlen.
Interessantes Buch, jedoch ist der Titel etwas fehlleitend: In dem Buch geht es nicht nur um Humboldt, sondern allgemein über Personen, die die Kommunikation zwischen Völkern untersuchten und voranbrachten.
Das Buch erzählt über mehrere Weltreisende und ihrer Geschichte in der Periode zwischen den großen Entdeckungen und dem 20. Jahrhundert und wie diese ForscherInnen und EntdeckerInnen mit den Einheimischen sich verständigten und deren Leben festgehalten haben. Es macht besonders viel Spaß, das Buch in kleinen Schritten zu lesen, gerne wenn man nur 10-15 Minuten Zeit hat, weil diese einzelne Geschichten so ereignisreich aber gleichzeitig in wenigen Seiten zusammengefasst sind.
Die Folgen der Kolonisierung ist in dieser Zusammenhang natürlich ein unausweichliches Thema im Buch: die Auslöschung verschiedener Sprachen wird als ein kollektiver Verlust für die Menschheit betrachtet. Es gibt aber gute Beispiele auch von westlichen Reisenden die mit Respekt mit den autochtonen Bevölkerung umgegangen sind: nicht herablassend oder romantisiert, sondern als Mensch wahrgenommen, und Ihr Leben vorurteillos dokumentiert haben.
Sie haben interessente Erkentnisse für die Wissenschaft geliefert, z.B. wie Sprachen die Welterfassung-und Deutung einer Kultur veranschaulichen oder die Wichtigkeit der Feldarbeit, damit ForscherInnen von erster Hand informationen sammeln können. Ein Zitat fasst das letztere Erkenntnis gut zusammen: “Ich war niemals einsam. Ich habe gelebt mit den Bäumen, den Felsen, den Bergen und Tälern... Meine Mahlzeiten und meine Ruhezeiten in der Stille der Landschaft und im Sonnenlicht, die kleinen Freuden und Erlebnisse meiner einsamen Wanderungen – das alles hat mir viel mehr bedeutet als das Stimmengewehr von Menschenmassen. Das allzeit offen sich darbietende Buch der Natur hat mich so unendlich viel mehr gelehrt als alle Weisheit, die in den Bibliotheken der Menschheit zusammengetragen wurde…”